Boxenstopp – hinter den Kulissen der Schmucke-Box

Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass vielen der große Aufwand, der für das Herstellen und Versenden einer Überraschungsbox von den Machern betrieben werden muss, gar nicht immer so bewusst ist. An allen Ecken und Enden liest man immer wieder Kritik, die einzig und allein daher rühren kann, dass die Menschen nicht genug Bewusstsein für all den Aufwand haben, der hinter einer solchen Box steckt.

Dass hinter sehr vielen Anbietern keine Großkonzerne sondern Einzelpersonen stecken, die sich den Arsch aufreißen, um es mit ihrem Angebot möglichst vielen Recht machen zu können und dabei einfach alles an Zeit opfern, was ihnen bleibt. Dass es für kleine Unternehmen oft nahezu unmöglich ist, Pakete kostenfrei zu versenden. Dass niedrige Preise gerade für StartUps kaum realisierbar sind, weil sie keine besseren Konditionen zum Einkauf bei den Händlern erhalten. Dass viele die Boxen gar nicht hauptberuflich betreiben, sondern die Auswahl der Produkte, das Packen und Versenden, in ihrer Freizeit realisieren.

Ich habe mir überlegt, wie man etwas mehr Bewusstsein schaffen könnte und dabei ist mir die Idee zum „Boxenstopp“ gekommen. Es wird (voraussichtlich) eine kleine Reihe an Interviews mit unterschiedlichsten Boxenanbietern geben, um Euch einen Einblick hinter die Kulissen der Boxenanbieter zu verschaffen. Zum Start habe ich mir Anne, die Macherin der Schmucke-Box geschnappt und Ihr ein paar Fragen gestellt, um ein wenig mehr über ihre Arbeit zu erfahren.

Mit ihrem virtuellen Schmuck-Shop ging Anne im Juni 2012 an den Start. Hier finden Schmuckliebhaber handgemachten Schmuck und Accessoires. Seit August 2014 bietet Anne nun eine spezielle Auswahl ihrer Schmuckstücke in der Schmucke-Box an. Mit Ihr erhält die Boxenwelt mehr Individualität, Persönlichkeit und Herz. Denn alle Produkte aus der Schmucke-Box werden persönlich von Anne angefertigt und mit viel Liebe zum Detail gestaltet und verpackt. Abonnenten haben zusätzlich die Möglichkeit, ihre persönliche Box ein klein wenig zu individualisieren, in dem sie beispielsweise Ihre Lieblingsfarbe, ein besonderes Bild oder eine Pflanze selbst bestimmen können. Die Schmucke-Box erscheint monatlich neu und ist als Einzelbox für 20€ oder im 3-Monats Abo für 57€ (beides inkl. Versand) über den DaWanda-Shop zu bestellen. Wir werfen jetzt einen kleinen Blick hinter die Kulissen

Hinter den Kulissen der Schmucke-Box

Liebste Anne, wie kam es, dass Du angefangen hast, Schmuck selbst herzustellen und auf DaWanda anzubieten? 

Schon seit ich mich erinnern kann, trage ich Schmuck. Ich liebe Schmuck, und verlasse nie das Haus ohne mindestens einen Ring, eine Kette und ein Paar Ohrringe zu tragen. Da war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis ich anfange, meine eigenen Ideen umzusetzen. Anfangs war das Entwerfen von Schmuck nur ein Hobby für mich, das sich selbst finanzieren sollte. Mittlerweile nimmt es aber einen großen Teil meiner Lebens ein, und das ist auch gut so.

Trägst Du den Schmuck, den Du für Andere herstellst, auch selbst oder ist dein persönlicher Stil eigentlich ein ganz anderer?

Ich trage meine Schmuckstücke auch immer wieder gern selbst! Nicht jedes von mir gefertigte Stück passt zu meinem eigenen Stil, sonst wäre ich wohl selbst meine beste Kundin. Aber wenn man als Schmuck-a-holic schon die Möglichkeiten hat, muss man die auch nutzen. Bei besonderen Anlässen, wie z.B. zu meiner eigenen Hochzeit, war es mir auch besonders wichtig, etwas ganz Eigenes zu schaffen. Also habe ich die Borte, die in meinem Hochzeitskleid verwendet wurde, auch für meinen Schmuck genutzt.

Woher nimmst Du die Inspiration für Deine Schmuckstücke?

Das Leben ist voll davon! Zum einen nehme ich vielen Ideen aus meinen eigenen Wünschen und Anforderungen an Schmuck. Aber auch aus den Anregungen meiner Kundinnen, über die ich mich immer ganz besonders freue. Oft kommen Ideen, wenn ich nach neuen Materialien suche. Ich verarbeite zur Zeit auch sehr gerne Naturmaterialien – da muss ich nur einen Spaziergang bei schönem Wetter machen, um Gräser und Blüten zu sehen, die gerne Schmuckstücke werden wollen.

Wie viel Zeit nimmt alleine das Sammeln der Blätter/Blüten und Co. in Anspruch? Gerade wenn Du besonders viele Schmuckstücke herstellen musst, stelle ich mir das extrem vor. Man will ja schließlich nur die Perlen der Natur finden!

Ja, ich such natürlich schon nach den schönsten Exemplaren. Ich möchte ja auch nicht alles mitnehmen, was ich finde, sondern versuche, die Natur so unberührt wie möglich zu lassen. Wenn ich auf die Suche gehe, dauert das jedes Mal schon ein oder zwei Stunden. Das ist nicht der Hauptteil meiner Arbeit, aber einer der Schönsten! Und ich habe das Glück, so ländlich zu wohnen, dass die Natur hier direkt vor der Haustür liegt.

Wie müssen die Pflanzen später dann bearbeitet werden, um haltbar zu sein?
Da nutze ich zwei verschiedene Methoden. Zum Einen das Pressen im Buch, wie man es noch von früher kennt. Die zweite Methode bleibt geheim… Berufsgeheimnis!

Welche Hürden warten sonst noch auf Dich, auf dem Weg zum perfekten Schmuckstück? Wie können wir uns den Weg von der Idee bis zum fertigen Schmuckstück vorstellen?

Zuerst muss eine Idee für ein Schmuckstück stehen, dann geht’s weltweit auf die Suche nach Material. Wenn ich endlich alles gesammelt habe, sehe ich erst, ob es miteinander harmoniert. Manchmal passt optisch alles zusammen, aber technisch nicht – und manchmal ist es auch umgekehrt. Für die Fertigung einiger Stücke sind außerdem spezielle Techniken erforderlich, die ich mir erst mal aneignen und üben muss. Und dann kann ich die einzelnen Teile endlich zusammenstellen und das Schmuckstück nach meinen Vorstellungen fertigen. Wenn ich dann nach all dem mein Produkt für den Shop fotografiere, ist das einer meiner Lieblingsmomente. Dann seh ich schlussendlich, ob alles so geworden ist, wie ich es mir und gewünscht habe.

Und wie viel Zeit geht insgesamt für die Herstellung eines Schmuckstücks oder generell auch für eine Ausgabe der Schmucke-Box drauf?

Wenn ich wirklich nur die reine Arbeitszeit rechne, z.B. bei einem Schmuckstück mit echter Pflanze in Harz, kommt da Einiges zusammen: Eine Idee entwickeln, Material suchen und ordern, Pflanzen sammeln, zum Trocknen präparieren, Harz gießen, Harzstück nachbearbeiten, Materialien montieren, fertiges Schmuckstück fotografieren, Fotos bearbeiten, Produkt zum Verkauf einstellen…das können schon mal 2 Stunden für ein Stück werden. Da ist dann noch nicht die „Wartezeit“ eingeplant, die anfällt, wenn ein Harzstück oder Pflanzen trocknen.

Mit einer ganzen Ausgabe einer Schmucke-Box bin ich dann auch den ganzen Monat über beschäftigt. Die Materialsuche allein wird schon wesentlich aufwendiger, weil alles in größeren Mengen in Silber und Bronze benötigt wird. Auch die Koordination, das ganze Organisatorische und der Kundenkontakt wegen der Möglichkeit, jede Box zu individualisieren, sind sehr zeitaufwendig.

Wenn Du Dir von deinen Kunden und für die Schmucke-Box etwas wünschen könntest, was wäre das?

Ich wünsche mir, dass meine Kunden mit mir zusammen neugierig bleiben, immer wieder Neues entdecken wollen und bereit bleiben, sich immer wieder aufs Neue überraschen zu lassen!

Annes Arbeitsplatz

 

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Über den Autor

Die Checkerin

Frohnatur! - Freak! - Philosophin!
Kommt selten schnell auf den Punkt, trifft aber irgendwann trotzdem den Nagel auf den Kopf.

1 Kommentar

  • 🙂 ein tolles interview! ich schaue auch sehr gern hinter die kulissen von unternehmen, es ist nicht nur spannend sondern auch immer wieder bewundernswert mit welcher liebe die menschen ihre produkte herstellen und verkaufen.
    liebe gruesse!

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