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Speisen entfetten mit Ralfs FatPad – Magie oder Mager?

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Für mich gibt es beim Kochen kaum etwas Widerlicheres, als das (überschüssige) Fett, das z.B. auf dem Fleisch oder in der Suppe zurück bleibt. Bisher habe ich, wie nahezu jeder andere Mensch auch, Fleisch & Co. mit Küchentüchern abgetupft und das Fett in der Suppe abgeschöpft. Nun gibt es seit November 2014 aber ein neues „Wundermittel“, das wie durch Zauberei („It’s magic“) bis zu 90% des Fettgehalts unserer Speisen entfernen soll, während der Geschmack zu 100% erhalten bleibt. Die Rede ist von Ralfs FatPad, das als Innovation gefeiert wird und vom Erfinder Ralf Bos selbst zu den 10 kulinarischen Superlativen gekürt wurde.

Meine anfängliche Neugierde verwandelte sich schnell in große Skepsis. Denn wie so oft bei angepriesenen „Wundermitteln“ findet man nahezu keine kritischen Beiträge. Stattdessen viele Pressemeldungen und reine Werbeartikel. Wenn dann in jedem Artikel noch das Wort „Magic“ auftaucht, schrillen meine Alarmglocken. Man erwartet nach all dem positiven Feedback und der vielen Magie ein Wunder. Ob Ralfs FatPad wirklich für Wunder in meiner Küche gesorgt hat und Speisen wie durch Zauberhand entfettet werden, erfahrt Ihr im Folgenden.

Ralfs FatPad

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Ralf BosRalfs FatPad Kurzinfo
Ralf Bos hat sich vom einfachen Barkeeper, zum Oberkellner, über den Sommelier, bis hin zum Restaurantleiter „gemausert“. Einige Zeit später machte er einen Ausflug als Tourmanager und gründete eine Elektronik Import Firma, um dann, nach dem erfolgreichen Verkauf seiner Firma (die noch bis heute erfolgreich agiert), 1990 die Firma Bos Food GmbH zu gründen. Die Firma versendet Delikatesse in Deutschland, Österreich und die Schweiz und ist damit unsagbar erfolgreich. Ende 2014 kam Bos, der in Kennerkreisen übrigens als Koch und „Delikatessenpapst“ sehr geschätzt wird, dann auf die Idee, sein FatPad auf den Markt zu bringen. 
Das FatPad von Ralf Bos ist eine „Fettfiltermatte“, die in unterschiedlichen Größen erhältlich ist. Durch das einfache Auflegen des Pads z.B. auf die Suppe oder durch das abtropfen von Fleisch auf der Filtermatte, soll der Fettgehalt der Speisen um bis zu 90% reduziert werden.

Ralfs-FatPad

Preise & Erhältlichkeit:
Das FatPad kann direkt im Onlineshop von Bos Food* gekauft werden. Insgesamt gibt es fünf unterschiedliche Größen (S, M, L, XL und XXL), sowie eine Rolle.

Größe S (13,5cm ø), 12 Stück = 5,90€ (ca. 50 Cent pro Pad)
Größe M (18,5cm ø), 12 Stück = 8,65€ (ca. 72 Cent pro Pad)
Größe L (23,0cm ø), 12 Stück = 11,95€ (ca. 99 Cent pro Pad)
Größe XL (quadratisch, 25x30cm) 50 Stück = 28,10€ (ca. 56 Cent pro Pad)
Größe XXL (quadratisch, 66x22cm) 4 Stück = 12,88€ (ca. 3,22€ pro Pad)
Ralf’s FatPad Rolle (30cmx10m) = 31,93€
Ralf´s FatPad Package (12xS, 12xM, 4xXXL) = 27,99€ (im Vergleich zum Einzelkauf immerhin 56 Cent TEURER)

Ralf's-FatPad-Größen

Anwendung:
Die Speisen werden zum Entfetten auf Ralfs FatPad gelegt oder (z.B. zum Entfetten von Suppen) direkt auf die Oberfläche der Suppe. Achtung: nur bei Speisen bis 140°C anwendbar!

Wirkungsweise:
Durch die spezielle Vliesstruktur soll Ralfs FatPad ausschließlich Fett ansaugen und dabei Wasser, ebenso wie Gewürze & Co. abstoßen. So soll das Fett entfernt werden, während der Geschmack der Speisen zu 100% erhalten bleibt.

Meine Erfahrungen:

Wie oben bereits erwähnt, waren meine Erwartungen an das Produkt relativ hoch. Nicht nur, weil ich mit Küchenpapier & Schöpflöffel immer gut klar kam, sondern auch weil die Werbung für das Produkt viel verspricht und der Preis zudem ein hochwertiges Produkt suggeriert. Immerhin bezahlte ich bisher für 3 Küchentücher (die ich im Durchschnitt für das Entfetten von Fleisch benötige) exakt 0,02 Cent, während ich für ein einziges FatPad von Ralf (in der kleinsten Größe) 25 x so viel zahle. Ob der Komfort und die Wirkung wirklich so grandios gut sind, dass sich das für mich lohnt?

Ich habe mit Ralfs FatPad typisch „fettige Gerichte“ wie Schnitzel, Reibekuchen, Pommes, Bratkartoffeln, Suppen & Co. entfettet. Um es direkt auf den Punkt zu bringen: meiner Meinung nach lohnt sich der Kauf von Ralf’s FatPad absolut nicht. Ich erkläre Euch auch gerne warum.

Das FatPad tut das, was die Küchenrolle auch tut. Nicht mehr, sondern teilweise sogar eher weniger. Ich habe direkte Vergleiche mit Küchenrolle und FatPad gemacht und es ließen sich einfach keinerlei Unterschiede feststellen. Bei besonders unebenen Oberflächen der Lebensmittel (wie z.B. Schnitzel oder Reibekuchen) hatte ich sogar eher das Gefühl, dass es mit der Küchenrolle besser funktioniert, als mit Ralfs FatPad, weil das Vlies, im Vergleich zur Küchenrolle, sehr starr ist und so z.B. tiefere Stellen nur dann mit dem FatPad in Berührung kommen, wenn man das Fleisch richtig drauf drückt (auf den Fotos erkennt man, dass z.B. der Reibekuchen, der auf der Küchenrolle liegt, nachher etwas „matter“ und trockener erscheint). Beim Abtupfen“verhaken“ sich dann teilweise die feinen Fasern des Vlies an den Kanten der knackigen Panade und bleiben dort hängen. Das hat mir nicht gefallen.

Die Anwendung auf der Suppe war für mein Empfinden wirklich unappetitlich und umständlich. Das Pad zieht sich sofort mit Fett voll (ob wirklich kein Wasser drin war kann ich nicht beurteilen) und tropft danach recht stark. Es ist schwer (weil voll gesogen), glibbrig, sieht unappetitlich aus und lässt sich nur mit Mühe „unfallfrei“ aus der Suppe entfernen. Nach dem Auflegen eines FatPads der Größe „M“ war nicht mal ein Viertel des Fetts aus der Suppe entfernt worden. Für meinen großen Suppentopf hätte ich locker 4 FatPads benötigt. Das Abschöpfen mit dem Löffel geht hier deutlich einfacher, ist appetitlicher und vor allem günstiger und umweltschonender. Letzterer Punkt gilt natürlich nur für das Entfernen von Fettaugen auf Suppen und Saucen.

Ich wollte es genau wissen
Um irgendwie diesem „Magic-Ding“ auf den Grund zu gehen, habe ich eine Schüssel mit Wasser auf meine Küchenwaage gestellt. Es wird ja gesagt, dass Ralfs FatPad Wasser „magisch“ abstößt und Fett anzieht. Wie sollte man das Ganze also anders überprüfen, als mit einer Küchenwaage? 😉 Ich habe das Wasser logischerweise erst ohne Öl gewogen, danach mit Öl, mit FatPad und im Anschluss dann erneut ohne Öl. Das Ergebnis ist relativ eindeutig und zeigt zumindest für mich ganz klar: von „Magic“ sind wir irgendwie weit entfernt. Denn vorher wiegt das Wasser samt Glas 681g, mit Öl dann 689g und nachdem ich Ralfs FatPad auf das Wasser gelegt habe, damit das Öl entfernt wird, sind nur noch 677g übrig. Es fehlen also ganze 4g. Ich hab diesen „Versuch“ übrigens mehrfach gemacht, um einfach Fehler auszuschließen. Dabei haben bei jedem Versuch mindestens 4g und maximal 10g „gefehlt“. Ist also auch kein bedauerlicher Einzelfall.

Ralfs-FatPad-Test-Wasser

Mein Fazit

It’s definitely no magic, just an expensive FatPad. Es tut mir fürchterlich leid, aber Ralfs FatPad konnte mich absolut nicht überzeugen. Da ich zwei Pakete zum Ausprobieren erhielt, ging ein weiteres an Laura von ichbinintolerant.de und ihre Erfahrungen decken sich zu nahezu 100% mit meinen. Man brauch das FatPad einfach nicht und die Ergebnisse sind zudem eher enttäuschend als bezaubernd. Hierfür „so viel“ Geld auszugeben, ist aus meiner Sicht absolut nicht lohnenswert.

Natürlich entfernt es Fett aus der Suppe und man hat hier sicherlich auch einen weniger großen „Wasserverlust“, als im direkten Vergleich zum Abschöpfen per Hand, aber im Gesamten ist der Aufwand zur Entfettung von Suppen und Saucen trotzdem größer. Hinzu kommt, dass ich meinen Löffel immer wieder benutzen kann, das FatPad aber wegschmeißen muss. Auch die Ergebnisse beim Entfetten fester Speisen sind alles andere als bahnbrechend.

Deshalb gibt es von mir 1 Check-Light für die Idee und die Tatsache, dass mehr Fett als Wasser aus den Speisen gezogen wird. Alle anderen Effekte erziele ich meiner Meinung nach mit z.B. der Küchenrolle genauso gut, wenn nicht sogar manchmal besser.

eins von fünf Check-Lights

eins von fünf Check-Lights

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Über den Autor

Die Checkerin

Frohnatur! - Freak! - Philosophin!
Kommt selten schnell auf den Punkt, trifft aber irgendwann trotzdem den Nagel auf den Kopf.

2 Kommentare

  • Pads zum Entfetten? Was es nicht alles gibt. Ich koche grundsätzlich mit wenig Fett von daher brauche ich sie schon mal nicht. Aber es ist schon interessant, auf was für Ideen die Menschen so kommen. 🙂 Grüße von Paula

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