Coffee Break & Stories

Die Scheinwelt Internet – Lasst uns was ändern!

Da ist diese Bloggerin, die dich vor einigen Jahren mit ihrem Witz, ihrem Charme und den einzigartigen Artikeln um den Finger gewickelt hat. Heimlich, still und leise ist dieser Blog dem Einheitsbrei der Blogger-Welt verfallen. Healthy Living, Diäten, durchgestylte Fotos, schnöde Artikel. Alles ist perfekt. Aber es gibt keinerlei Persönlichkeit mehr. Keine Authentizität. Einfach nur aalglatter Einheitsbrei. 

Selbst Eier haben oft eine größere Diversität als die Blog-Landschaft.
Früher habe ich an die 300 Blogs und Social-Media Profile nahezu täglich verfolgt. Heute sind es gerade noch vier Blogs, die ich regelmäßig und gerne lese. Woran das liegt? An dem marktkonformen Einheitsbrei, zu dem sich immer mehr hinreißen lassen. Blogs gleichen sich, wie ein Ei dem anderen. Offen gesagt haben selbst Eier manchmal eine größere Diversität und Persönlichkeit, als ein (wie ich finde) relativ großer Teil der momentanen Internet-Landschaft.

Im Vordergrund steht nicht mehr der Leser, die eigene Persönlichkeit, das Geschichten erzählen und mitreißen, sondern die Massentauglichkeit. Perfekte Fotos, „top aktuelle“ Themen mit Google Trends recherchiert, persönliche Storys unnatürlich ausgeschlachtet (Stichwort: „Storytime“ bei Youtube), Clickbait Überschriften und ein einziges Ziel: a lot of fame.

Kann ich das so schreiben? Was sagt der Keyword Planner dazu? Bringt das die meisten Klicks? Die eine Bloggerin hat gesagt, dass ich bei Instagram am erfolgreichsten werde, wenn ich perfekte Fotos poste. Ist das Foto schön genug, damit es viele Herzen bekommt? Ist mein Essen stylisch drapiert, meine Wohnung clean genug, mein Make up on fleek, um die Massen anzusprechen? 

Viel zu oft vergisst man sich selbst und verliert seine Persönlichkeit.
Man vergisst sich selbst. Die Authentizität, die Persönlichkeit und all das, was einen Blog, aber vor allem auch den Menschen dahinter ausmacht, geht verloren. Weil es so viele „How to be successful“ Kack Tutorials gibt, in denen uns erzählt wird, dass tolle Fotos und massenkompatibler Content en vogue sind und weil wir den Shit auch noch glauben.

Wollt Ihr das? Einen massentauglichen Blog, der Eure Persönlichkeit, Eure Talente und all das, wofür Ihr eigentlich brennt, hinten anstellt, nur damit Ihr trendy seid? Nur damit möglichst viele Leute Eure Fotos und Seiten liken? Nur damit Firmen mit Euch zusammen arbeiten? Nur damit alles perfekt scheint?

Ich selbst habe mir den Kopf zermartert, ob ich vielleicht zu „real“ bin.
Ich habe vor ein paar Monaten hier gesessen und mir den Kopf zermartert. Sollte ich den Stil meiner Fotos dem Mainstream anpassen? Wäre es nicht besser, in gewissen Situationen nicht zu sagen, was ich wirklich denke? Sollte ich meine Ausdrucksweise der Norm anpassen? Bin ich zu ehrlich? Meine Fotos zu beschissen? Meine Videos zu langweilig? Sollte ich vielleicht besser über dieses und jenes Thema schreiben? Kann ich das Foto jetzt posten oder ist das zu real? Sollte ich „DieCheckerin“ auf Eis legen und anders neu starten?

Und genau in diesem Moment ist mir klar geworden, dass ich nicht zu diesem kotzend langweiligen Einheitsbrei gehören will und die entschiedene Antwort auf alles: NEIN!“ lautet. Nein, ich will mich nicht zu durchgesylten Fotos, gescripteten Videos, geschönten Artikeln und einem „neuen Lifestyle“ zwingen, nur weil ich dann weniger anecke und mein Leben perfekt scheint. Ich will keinen Blog, dessen Inhalte sich nur noch durch den Namen oder das Wasserzeichen auf dem Foto von anderen Blogs unterscheiden lassen. Und Ihr solltet das auch nicht wollen!

Ich wünsche mir einen Ruck, der durch die Bloggerwelt geht!
Ich wünsche mir einen Ruck, der durch die Bloggerwelt geht. Ein Ruck der aufrüttelt und wach macht. Mehr Authentizität, mehr Realität. Niemand von uns ist gezwungen, nur die schönen Seiten des Lebens zu zeigen und zu verschriftlichen. Es spricht nichts aber auch gar nichts dagegen, dass wir unser Leben, unsere Ansichten und uns selbst so zeigen, wie es wirklich ist.

Ich möchte nicht wissen, wie viele von uns täglich durch ihre Social Media Feeds scrollen und das Gefühl bekommen, weniger wert zu sein, ein schlechtes Leben zu haben oder nicht hübsch genug zu sein. All das was wir hier machen und preis geben, kann andere Menschen beeinflussen, auch negativ und gerade junge Menschen. Das dürfen wir nicht vergessen. Wenn wir immer nur das zeigen, was perfekt ist, bauen wir eine Scheinwelt auf.

Das Internet muss keine Scheinwelt bleiben. Wir können das verändern 
Das Internet ist die größte Scheinwelt, weil wir es dazu machen. Perfekte Körper. Perfekte Wohnungen, Perfekte Beziehungen. Perfekte Eltern. Perfektes Essen. Perfektes Leben. Wir regen uns täglich über die Medien und ihr unrealistisch-perfektes Frauenbild auf, machen aber Tag täglich nichts anderes.  Natürlich tut es gut, manchmal dem schnöden Alltag zu entfliehen aber der Großteil der Menschen freut sich zu sehen, dass auch „bei uns“ nicht immer alles perfekt ist. Dass wir tausende Anläufe für das perfekte Foto brauchen, eine unaufgeräumte Wohnung haben, dass wir schlechte Tage haben, Fast Food essen, uns mit unseren Partnern streiten, als Eltern Fehler machen und jeden Tag etwas neues dazu lernen.

Das Internet muss keine Scheinwelt bleiben. Wir haben das mit in der Hand. Lasst uns das verdammt nochmal ändern!

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Über den Autor

Die Checkerin

Frohnatur! – Freak! – Philosophin!
Kommt selten schnell auf den Punkt, trifft aber irgendwann trotzdem den Nagel auf den Kopf.

11 Kommentare

  • Sehr guter artikel und Du hast absolut recht!!!! Vor Monaten geisterte ein Video einer youtuberin durchs Netz in dem sie erzählte wie ihr Leben eigentlich ist und wieviel Bild Fassade ins Netz geht….erschreckend!!!! Grad für junge Mädchen ( die noch alles für bare Münze nehmen, orakelte die end 30erin) ist youtube, Blogs ect der Nährboden für Realitätsverlust!!! Klingt böse, ist aber eher besorgt gemeint!!!!
    Bleib Du so wunderbar wie Du bist 🙂 Grüße Sonja

  • hey, ein toller beitrag!!!
    erst vor ein paar tagen habe ich jugendliche gefragt, was ihnen wichtig an social media ist. einige weigern sich instagram zu installieren, weil sie dort nur noch perfektes make up und körper sehen- kurz gesagt, sie fühlen sich schlecht, dass sie nicht so perfekt aussehen. das hat mich sehr zum nachdenken gebracht.
    einen schönen sonntag wünsche ich dir!

  • Boah Sanny,
    letztens hab ich das Thema auch angekratzt und genau dieser Artikel ist sehr beliebt bei mir. Auch dass viele Bloggerinnen sogar ausgebrannt und überlastet sind, sich dann im Net ausheulen, kommt immer öfter vor. Hab mich aber selbst schon dabei erwischt, meine Fotos dem momentanen Trend (weiß, clean) anzupassen. Bei mir ging’s um den Druck, der dabei entsteht, allen gefallen zu wollen. Ich bin auch so weit, dass ich das ablegen will. Viel mehr „Ich“ tut mir selber gut und es macht vor allen Dingen Spaß.
    Liebe Grüße

  • Hey Sanni,

    toller Beitrag und Du sprichst auch mir aus der Seele. Wie oft wollten wir auch schon hinwerfen, weil wir von allen Seiten zu hören bekommen „Ihr müsst mehr Lifestyle machen“, „Och oller Produkttester“, „Ihr seid zu universell und nicht spezialisiert genug“, „Eure Fotos sind so langweilig und old-school!“, „Ihr müsst dringend etwas ändern“… aber genau das wollen wir nicht. Wir sind halt eher die technischen Produkttester, die Produkte sehr genau „auseinander nehmen“ und die Tests nicht in eine (ausgedachte) Rahmengeschichte einbetten. Letztens riet uns eine Agentur doch einfach mal eben einen zweiten Blog mit dem Thema Lifestyle aufzubauen, wäre ja nicht viel Arbeit. Unfassbar!
    Da bleiben wir uns lieber weiterhin treu und schreiben unsere Texte weiterhin so, wie wir es immer machten. Wem’s nicht gefällt, muss unsere Beiträge ja nicht lesen und kann lieber den „Möchtegern-ich-präsentiere-mein-gekünsteltes-Leben“-Klon-Blogs lesen :-).
    Mal abgesehen davon, dass wir auch finden, dass es „gefährlich“ sein kann, immer die perfekte Welt vorzugaukeln… sowohl für beeinflussbare Leser, aber auch für die Blogger, die diese „Kunst-Welt“ erschaffen.
    Lieben Gruß,
    Danny

  • Toller Artikel … Da bin ich froh, dass ich mir gar nicht so viele Gedanken mache. Ich schreibe über mich und unsere Chaosleben, über Themen, die uns über den Weg laufen. Wenn es gefällt, freu ich mich, wenn es anstößt auch. So ist nunmal der Alltag. Auch wenn ich zugebe, manchmal sind Deine Videos schon etwas krass, meine 3jährige lass ich da nicht mitgucken. (So viele Schinpfwörter braucht sie noch nicht zu kennen 😂) Aber ich Kaufs dir ab, von daher 👍🏻. Alles Liebe Anja

    • Danke Anja 🙂
      Und jaaa, für Kinder sind meine Insta-Stories/Videos wirklich nix. Da gebe ich Dir absolut Recht. Vielleicht sollte ich für alle Neuen jedes Mal ne kleine Warnung anbringen, wenn besonders viele Schimpfworte kommen. Es folgen mir momentan sooo viele Mütter 😀

  • Schöner Artikel und sooo wahr!
    Ich selber erlebe immer wieder, dass Blogs die ich verfolge immer größer und größer werden, dann kommt ein eigenes Logo, Kooperationen, Gewinnspiele, topp gestilte Kinder und Häuser und man selber sitzt in seinem unaufgeräumten und farblich nicht abstimmten Kinderzimmer zwischen Krümeln und Katzenhaaren und spielt mit dem verrotzten Kind Duplo – im Schlafanzug, ohne Frühstück. Ich verfalle diesem Wahn (den Blog bekannter zu machen) auch ab und zu und bin dann neidisch auf diese Blogger. Dann aber wieder denke ich mir: NEIN, ich schreibe den Blog für mich und meine Tochter und das soll auch so bleiben.

    Jeder so, wie er kann und will.

    Liebe Grüße
    Kaya

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