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SEO 2015 – welche Bedeutung hat es für uns Blogger?

Interview mit einem SEO

Häufig schreiben mich Blogger an und haben ganz viele Fragen.
Was hat es mit dofollow/nofollow auf sich? Wie schaffst Du es, bei Google mit manchen Suchbegriffen auf Platz 1 gelistet zu werden? Komme ich ins Gefängnis wenn Google mich „abmahnt“? Warum setzt Du böses Mädchen manche Links auf dofollow? Wie funktioniert Google?
Ich helfe super gerne und das hat sich mittlerweile rumgesprochen. Trotzdem scheint es mir oft wie ein Kampf gegen Windmühlen. Weil so viel Halbwissen im Internet verbreitet wird aber auch weil man mir so manches Mal nicht glauben mag, dass ich durchaus einigermaßen weiß, wovon ich spreche.
Dass nun das, was ich erzähle, auch wirklich Hand und Fuß hat, wird Euch heute ein Profi bestätigen. Nehmt Euch vielleicht ein Käffchen oder nen Tee zur Hand, das Interview ist recht lang weil sich viele Dinge nicht in einem Satz erklären lassen. Ich wünsche Euch viel Spaß und vielleicht hilfreiche Tipps!

Jan HoffmannJan Hoffmann, seines Zeichens Online Marketing Manager bei Jeans Fritz, ist das, was man als SEO-Profi bezeichnen darf. Genau deshalb hab ich den Kerl für Euch unter meine Fittiche genommen und ihn gebeten, ein paar grundsätzliche Dinge, rund um das Thema SEO 2015 & die Bedeutung für uns Blogger, aufzuklären und zu erklären.

Hallo Jan, vielleicht stellst Du Dich erst mal kurz vor und erzählst uns, was von Dir!

Hallo Sandra! Danke erst mal für die Gelegenheit zu diesem Interview. Ich heiße Jan, bin 30 Jahre alt und seit 8 Jahren im E-Commerce und Online Marketing tätig. Seit knapp 2 Jahren bin ich Inhouse SEO aus Leidenschaft. In meiner Freizeit treibe ich als Ausgleich zur Arbeit gerne Badminton im Verein und reise, soweit es die Zeit zulässt, quer durch Deutschland und Europa und lerne gerne neue Menschen und Kulturen kennen. Im Sommer geht es sogar über den großen Teich nach New York, ich freue mich jetzt schon!

Dann starten wir doch gleich mal mit der ersten und wohl grundlegendsten Frage: Wer oder was ist eigentlich SEO? Wikipedia schlägt Schiffseinsatzoffizier vor, das würde zumindest zu deiner Reiseleidenschaft passen, ist aber wahrscheinlich nicht ganz richtig!?

Würde ganz gut passen, stimmt! Allerdings hat dies in Bezug auf Online Marketing natürlich gar nichts mit SEO zu tun. EIGENTLICH, ein gewisser Zusammenhang besteht eventuell trotzdem 😉
SEO (Suchmaschinenoptimierung) ist ein Teilgebiet des Online Marketings und wird zur Gewinnung von neuen Besuchern für eine Website/Shop genutzt. Allerdings ist SEO für mich nicht mehr reiner Linkaufbau oder ein paar Onpage-Anpassungen (also alle inhaltlichen Anpassungen direkt auf der Seite), wie systematische Überschriften und Page Titles. SEO ist sehr komplex und sollte immer im Zusammenspiel vieler unterschiedlicher Maßnahmen angewandt werden. Grundsätzlich möchte ich durch SEO eine höhere Sichtbarkeit im Internet erlangen und für möglichst viele Suchbegriffe hoch bei Google ranken. Diese Erklärung stimmt, ist aber nicht mehr zeitgemäß bezüglich der Umsetzung von SEO. Viel wichtiger ist es heutzutage, den User im Fokus zu haben: Welchen Inhalt (Content is King… ;)), kann ich dem User bieten, damit dieser sich lange auf meiner Seite aufhält und möglichst viele Interaktionen macht. Hoch zu ranken ist das eine, wenn die User aber erst gar nicht auf das Suchergebnis klicken oder direkt wieder von der Seite abspringen, weil ihnen der Inhalt nicht gefällt, ist Google mittlerweile soweit dies ganz genau zu tracken. Heißt: Die Usability (Nutzerfreundlichkeit) ist ein relevanter Faktor dafür geworden wie gut man rankt. Wenn ein Blogger beispielsweise jeden Tag einen Beitrag veröffentlicht, die Qualität aber schlecht ist und die Leser sich damit nicht beschäftigen, ist es auch für Google schlecht. Denn Google möchte dem Suchenden das möglichst beste Ergebnis liefern welches den User befriedigt. Und genau das möchte ein Blogger doch auf für seine Leser, oder? Also lieber hochwertige Inhalte veröffentlichen, als ständig minderwertigen Inhalt ohne jeglichen Mehrwert produzieren.
Nehmen wir hierfür doch einfach mal deine Übersichtsseite für Überraschungsboxen:
Für den Suchbegriff stehst du bei Google auf Platz 1. Viele stellen sich bestimmt die Frage, wie du das geschafft hast aber die Antwort ist eigentlich ganz einfach. Du hast einen tollen Content erstellt, deine Leser finden die Seite toll und verweilen lange auf dieser und klicken auf die jeweiligen Backlinks. Hättest du dir nur halb so viel Mühe gegeben, würdest du niemals so hoch dafür bei Google gelistet sein. Viele andere User haben freiwillig auf deine Landingpage verlinkt und genau dahin geht die Richtung für gutes SEO: Schreib gute Inhalte, animiere die User dazu, diese zu teilen, zu verlinken und schaffe einen Mehrwert. Das im Zusammenhang mit anderen Online Marketing Maßnahmen wie Social, E-Mail Marketing, PR, Youtube, technische Basics und eine gute Kommunikation mit den Besuchern macht gutes, nachhaltiges SEO aus. Wie du siehst ist SEO nicht mehr reiner Backlinkaufbau, sondern eine sehr komplexe Disziplin die den Blick über den Tellerrand erfordert. Irgendwie ist man also auch eine Art Offizier, welcher die eigene Seite durch die stürmische See des Internets navigiert.

Und was genau sind für Dich die „technischen Basics“ im Bezug auf uns Blogger? Was sollte ein Blogger mitbringen, um eine gute Basis zu haben?

Ein Blogger muss nicht unbedingt programmieren können, um den Blog sauber aufzubauen. Wobei HTML-Basics natürlich nie schaden können.
Es geht vielmehr um eine SEO-freundliche Website: Blogger sollten versuchen eine bestmögliche Informationsarchitektur über die Navigation zu liefern, um den Usern den Aufenthalt, so angenehm wie möglich zu gestalten. Je höher die Qualität der Seite, desto höher wird diese auch von Suchmaschinen eingestuft. Eine gute, logisch aufgebaute und strukturierte Seite trägt dazu bei, dass Google den Blog besser erfassen kann.
Berichte/Texte/Beiträge sollten eine Struktur durch Überschriften, Auflistungen, Hervorhebungen etc. haben. URLs sollten optimiert (nicht zu lang) und semantisch passend gehalten werden. Doppelte Inhalte so gut es geht vermeiden, interne Verlinkungen sinnvoll im Sinne des Users einbauen und dafür sorgen, dass der Blog eine gute Speedpage hat. Sorgt einfach dafür das sich die Leser wohlfühlen!

Und wie sieht es mit den Google Richtlinien aus? Kannst Du uns kurz erklären, was genau Google dort festlegt und was das für uns und unseren Blog bedeutet?

Ich nehme an, dass du auf das Thema Abstrafung bzw. Linkbuilding hinaus willst?
Ursprünglich basiert bei Google alles auf dem „guten alten“ PageRank-Algorithmus:
Links wurden zur Messung der Wichtigkeit von Websites angewandt.
Einfach ausgedrückt, wurde jeder Link gezählt und die Seite mit den meisten Links
„gewinnt“ und steigt im Ranking von Google. Den Pagerank an sich gibt es mittlerweile
nur noch als Wert im Hintergrund, spielt aber keine entscheidende Rolle mehr für die Gewichtung eines hochwertigen Backlinks. Heutzutage ist Google viel weiter und schafft es immer besser Websites und Links aus der Sicht der Nutzers zu erfassen und zu gewichten. Dies hat zur Folge, dass man nicht pauschal sagen kann, ob ein Link auf „follow“ oder „nofollow“ gesetzt werden sollte.
Entscheidend ist ob der Link schematisch zu dem Blog und dem Onlineshop passt.
Es geht darum natürliche Links zu setzen. Wenn ein Blogger hauptsächlich über Mode schreibt und einen Artikel richtig klasse findet, wieso sollte dieser dann nicht als dofollow auf den Artikel oder die jeweilige Kategorie des Shops als Deeplink gesetzt werden? Schwieriger wird es da schon wenn es in die Richtung der Moneykeys geht:
Wenn ein Blogger ständig „Damen Jeans günstig kaufen“ als Anchor-Text auf dofollow als Deeplink setzt, ist es nahe liegend, dass der Blog Links anbietet und Google es irgendwann erkennt. Dies hätte sowohl für den Blogger, als auch den Seitenbetreiber negative Auswirkungen. Der Blog wird in die Spam-Ecke (Panda Update) gedrängt und der Shop muss eine Abstrafung (Penguin Update) befürchten. Wenn der Blogger allerdings hochwertigen Content erstellt, die Shopbetreiber mit passenden, guten Blogger zusammenarbeiten, dann darf ruhig mal ein Link auf follow gesetzt werden, wenn es denn passt! Fazit: Geht fair miteinander um, verlangt nicht zu viel und versucht ein gutes Verhältnis zueinander aufzubauen, dann werden beide Seiten und vor allem die Leser glücklich sein!

Ich habe aber auch eine Frage an Dich: Mich würde interessieren wie du dir den Umgang wünschen würdest, wenn sich wer für deinen Blog und eine Kooperation interessiert?
Da erlebt man doch bestimmt spannendes, lustiges und bestimmt auch viel nerviges oder?

Am liebsten sind mir Kooperationen auf Augenhöhe. Sich gegenseitig respektieren und die Arbeit des anderen schätzen. Darüber hinaus finde ich persönliche Anfragen immer deutlich angenehmer, als unpersönliche Massenmails. Ich mag einfach einzigartige Kooperationen, von denen beide Seiten profitieren und lange zehren können. Und damit meine ich jetzt nicht zwingend das große Geld, sondern einfach langfristige und sympathische Kooperationen. Ich möchte nicht die Hundertste sein, die irgendeinen Keks auf dem Blog „auf Herz und Nieren testet“. Schon alleine deshalb nicht, weil es keinerlei Mehrwert für meine Leser bietet, wenn sie auf meinem Blog das lesen, was schon auf hundert anderen steht.
Wahrscheinlich siehst Du das aus „Firmensicht“ ähnlich?

Da bin ich ganz bei dir. Als Online Marketing Manager eines Shops erhält man fast täglich Anfragen von Bloggern. Leider sind die meisten sehr unpersönlich. Da sollte sich jeder Blogger die Frage stellen, ob es der richtige Weg ist, so eine Kooperation beginnen zu wollen. Berichte ich mit und aus Leidenschaft oder möchte ich nur „abgreifen“?

Hast Du schon mal jemanden „zurecht gewiesen“ weil die Anfrage so unter der Gürtellinie war oder antwortest Du auf solche Mails dann erst gar nicht?

Antworten gehen zu 100% zurück. Wenn es eine Absage gibt, dann kurz, knapp aber auch nett. Ab und an entwickeln sich schon amüsante Gespräche aus den Anfragen. Letztens hat ein Food-Blogger angefragt ob er für uns testen dürfte. Er hat individuell und recht pfiffig geschrieben so das ich neugierig wurde und fragte wie er dies mit in seinen Blog einbauen würde. Wir haben dann gemeinsam ein kleines Konzept erarbeitet und tatsächlich eine Kooperation miteinander erschaffen, die durchaus sinnvoll in den Kontext passte. Damit schließt sich der Kreis wie ich mir eine gute Kommunikation untereinander vorstelle. So macht es viel mehr Spaß . Bei uns beiden war es doch auch ähnlich, oder?

Jawohl! Und genau so stell ich es mir vor (Du gibst, ich nehme haha). Wir haben beide einiges voneinander gelernt und haben immer neue Ideen, wie wir auch in Zukunft was Gutes gemeinsam erschaffen können – so läuft es im Idealfall.
Jetzt aber zurück zum eigentlichen Thema, mensch! Wo liegt der grobe Unterschied zwischen einer Abstrafung durch Google und einer Abmahnung durch einen Konkurrenten? Müssen Blogger wirklich Angst haben, wegen Google im Gefängnis zu landen? 😉

Abstrafungen oder auch Penalties genannt, sind durch Google erhobene Sanktionen.
Entweder geschieht dies durch den Algorithmus und/oder Panda/Penguin Update oder auch durch eine manuelle Abstrafung.
Es gibt unterschiedliche Arten von Abstrafungen:
Rankings verschlechtern sich massiv oder die Seite fliegt komplett aus dem Index, so dass die Sichtbarkeit stark einbricht bzw. die Website nicht mehr über Google auffindbar ist.
Wenn Blogger nur minderwertigen Content bieten, zu viel Werbung machen und Links verkaufen, dann kann es durchaus passieren. bei Google gar nicht mehr gefunden zu werden. Wenn man alle vorherigen Punkte beachtet und sich noch etwas mehr mit dem Thema befasst, gibt es keinen Grund zur Panik 😉

Wie im Leben außerhalb des Internets, können Mitbewerber Konkurrenten „anzeigen“ und melden. Das wäre dann eine Abmahnung, die aber mit der Abstrafung von Google rein gar nichts gemein hat. Davor kann man sich natürlich nur gering schützen, wenn man aber saubere Arbeit leistet, hat man auch hier nichts zu befürchten. Immer dran denken das das Internet kein rechtsfreier Raum ist!

Ich sehe immer wieder zwei Dinge, die vehement empfohlen werden. 1. „Nutze das zu bewerbende Keyword so oft wie möglich, dann honoriert Google das auch“ (Stichwort: Keywordstuffing) und 2. kommentiere so oft es geht und wo es nur geht, auch das wird Google dir danken.
Ich halte beides für weniger sinnvoll, auch wenn Kommentare in gewissem Maß und mit Sinnhaftigkeit sicher etwas bewirken können. Die Frage an den Profi:
Liege ich mit meiner Vermutung richtig?

Punkt 1: Google honoriert hochwertigen Content, kein Keywordstuffing. Das erzeugt den Gegenteiligen Effekt – ich würde es schon als Negative-Seo bezeichnen. Wer diese Form von SEO noch heute betreibt, lebt in der Kreidezeit.
So etwas ärgert mich maßlos. In jeder Branche sollte man sich weiterbilden. Vor allem im schnellen Online Marketing ist es essentiell immer am Ball zu bleiben, ansonsten schießt mich sich ganz schnell ins eigene Bein.
Punkt 2: Kommentieren und mit den Lesern/anderen Bloggern interagieren ist eine super Sache und erhöht die Qualität der Website. Hinter jedem Kommentar einen Backlink zum eigenen Blog zu hinterlassen ist allerdings sehr spammig und wird von Google als negativ gewertet. Hier sollte man vorsichtig sein und sein Handeln nochmals überdenken.

Wir kommen zum krönenden Abschluss, mit zwei letzten Fragen: Kannst Du Seiten empfehlen, auf denen Anfänger sich informieren können und wärst Du bereit, zu einem späteren Zeitpunkt, eventuell aufkommende Fragen erneut zu beantworten?

Hier findet man einige informative Blogs und Websites zum Thema SEO und Online Marketing.

Sehr zu empfehlen wäre noch Literatur wie „Die Kunst des SEO“. Viel lesen und immer am Ball bleiben, dann wird’s auch mit dem SEO! Auf Fragen gehe ich natürlich gerne ein.

Ihr habt´s gehört! Falls Fragen da sein sollten, schießt los!
Lieber Jan, ich danke Dir für die Zeit, die Du Dir genommen hast und für die klärenden und klaren Worte. Auf das wir Blogger ab heute wieder ein kleines bisschen schlauer geworden sind 😉

Ich habe zu danken, es hat mir viel Spaß gemacht, mich über die verschiedensten Aspekte und Sichtweisen des Online Marketings auszutauschen  🙂

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Über den Autor

Die Checkerin

Frohnatur! - Freak! - Philosophin!
Kommt selten schnell auf den Punkt, trifft aber irgendwann trotzdem den Nagel auf den Kopf.

6 Kommentare

  • Hallo liebe Checkerin 🙂

    Vielen Dank, dass du dir die Mühe gemacht hast und uns dieses wirklich äußerst informative Interview zeigst. Ich habe es mir von Anfang bis Ende durchgelesen und habe hier auch noch das eine oder andere lernen können. Super! Besonders im Bezug mit Do-Follow und no-follow bin ich jetzt auch endlich mal richtig informiert 🙂 Danke!

    Liebe Grüße,
    Andrina

  • Hallo Sandra,

    was für ein tolles und vor allem informatives Interview. Vielen Dank dafür, sehr hilfreich.

    LG und schönes Wochenende, Andrea

  • Hallo Sanny, hallo Jan,
    ich habe bis zum Schluss „durchgehalten“ und wurde nicht enttäuscht 🙂
    Vielen Dank für das sehr informative Interview – ich hab ne Menge lernen können.

    Viele Grüße, Häsin

  • Gerade beim SEO ändert sich auch für Hobby-Website-Betreiber laufend etwas: Erst kürzlich habe ich mich mit Lets encrypt beschäftigt – und dann meinen Hostingbetreiber um eine Anleitung gebeten, 2 min später war meine Website über https erreichbar, was wiederum fürs Google Ranking gut ist.

    • Wissen die beiden Doktoren Lenz eigentlich, mit welchen veralteten und noch dazu dreisten Mitteln du versuchst, Ihr Ranking für die Webseite zu pushen?

  • Ah ich verstehe! Die Checkerin glaubt, jemand würde im Auftrag der Dres. Lenz Kommentare posten, um deren Ranking zu verbessern. Diese Meinung von Dir hälst Du dann für veraltet und dreist.
    Tja, dann bleibt nur das Resumee:
    Du irrst (Nonchecker), denn das Interesse an Deinem Blog war echt und die Person auch.

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