Sollten wir mehr Insekten essen?

Bisher gehörte das Insekten Essen für mich in das Dschungelcamp.
Ich war sicher eine derjenigen, die sich vor dem Fernseher am lautesten geekelt hat, wenn die „Promis“ ihre Prüfungen absolvieren mussten. Selbst Insekten zu essen, kam mir bisher nie in den Sinn. Was das angeht, bin ich ne typische Frau.
Zwar kann ich Heuschrecken, Regenwürmer, Käfer und Co. ohne Probleme anfassen aber so eklige Insekten wie Spinnen, Schnaken, Maden oder Mehlwürmer sorgen bei mir für Kreischanfälle.
So war es auch, als ich die Dschungelade aus der MyCouchbox ausgepackt habe.
Einerseits war ich unwahrscheinlich neugierig, andererseits versetzte mich der bloße Anblick der Mehlwürmer in Schokolade in Panik.
Im Video erwähnte ich immer wieder, dass mir das Essen von Heuschrecken sicher einfacher gefallen wäre. Offenbar erwähnte ich es so oft, dass sich das Team von Snack-Insects* dazu berufen fühlte, meine Aussage genauer auf die Probe zu stellen.

Insekten essen DieCheckerin.de

Tja und nun saß ich vor diesen „Köstlichkeiten“ und dachte: „Hätteste mal besser im Video angefangen zu schreien und zu heulen, dann wäre Dir das hier erspart geblieben.“ 😀
Gleichzeitig wusste ich natürlich auch, dass es auf unserer Welt Milliarden Menschen gibt, die täglich Insekten essen und wir Europäer uns nur deshalb vor dem Essen von Insekten ekeln, weil wir damit nicht aufgewachsen sind.
Wir werden in unserem Leben schon als Kind massiv beeinflusst. Hätten meine Eltern täglich Insekten gegessen, wäre es für mich sicher das Normalste der Welt gewesen.
Bisher hatte ich allerdings nie das Gefühl, dass mir deshalb etwas Wichtiges fehlen würde 😉
Und da stellt sich natürlich die Frage:

Warum sollten wir überhaupt Insekten essen?

Wenn es nach Anbietern wie Snack-Insects geht, liegt die Antwort auf der Hand.
Insekten sind gesund. Sie enthalten ungesättigte Fettsäuren, Eisen, Fett, Proteine, Mineralstoffe und viele verschiedene Vitamine.
Sie sind im Überfluss vorhanden und außerdem kostengünstig und klimafreundlich.
Sie benötigen weit weniger Grünflächen und Wasser, wie z.B. Schweine, Hühner oder Rinder und produzieren gleichzeitig deutlich weniger Treibhausgase.
Sogar die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft hat 2012 erstmals dafür geworben, den Insekten als schmackhafte Mahlzeit eine Chance zu geben.
Also habe ich mich an der Bitte der UN orientiert und das Ganze ausprobiert.

Frittierte Heuschrecken und Buffalowürmer an Rucola

Zutaten
eine handvoll Heuschrecken
ein paar Buffalowürmer
200 g Rucola
100 g Feta
zwei Tomaten
4 EL Olivenöl
2 EL Balsamico (weiß)
n.B. Salz, Pfeffer

für die Zubereitung der Insekten:
Salz, Pfeffer, Paprikapulver, ein bisschen Chilli
ein EL Öl

Bevor man die Heuschrecken frittiert, müssen die Flügel und eventuell übrig gebliebene Beine entfernt werden.
Dazu packt man die Flügel/Beine am oberen Ende mit zwei Fingern und zieht sie einfach ab.
Heuschrecken Flügel entfernen
Während die Heuschrecken vorbereitet werden, wird das Öl in der Pfanne erhitzt.
Sind die Heuschrecken fertig vorbereitet, werden sie für wenige Minuten in die Pfanne geworfen, bis sie schön knackig braun sind.
Zusätzlich können die Heuschrecken nach Belieben gewürzt werden.
In meinem Fall kamen Pfeffer, Salz, Paprikapulver und eine mini Prise Chilli zum Einsatz.
vorbereitete Heuschrecken
Heuschrecken Pfanne
Die Zubereitung der Buffalowürmer ist etwas einfacher, da diese im Vorfeld nicht bearbeitet werden müssen.
Um die Würmchen schön knackig zu bekommen, werden sie also einfach in das heiße Öl gegeben, gewürzt und kurz angebraten.
Buffalowürmer frittieren

Während Ihr die Insekten in der Pfanne brutzeln lasst, könnt Ihr den Salat vorbereiten. Tomaten und Feta klein schnibbeln, Rucola putzen und portionieren, das Dressing anrühren und alles schön anrichten. Ihr kennt das ja 😉
Sind die Insekten dann fertig, werden sie einfach über den Salat gegeben.
Bei uns entstanden so zwei unterschiedliche Variationen:
Buffalowürmer an Rucola
Heuschrecken an Rucola

Und, wie hat´s geschmeckt?

Ich selbst habe nur den Salat mit den Heuschrecken gegessen.
Wobei ich fairer Weise dazu sagen muss, dass ich nur eine einzige Heuschrecke verzehrt habe.
Ich stehe mir da selbst im Weg.
Denn eigentlich hat die Heuschrecken-Beilage wirklich gut geschmeckt.
Der Geschmack hat mich an diese typischen Nuss-Mischungen erinnert, die man extra für Salate kaufen kann. Es war also, im Moment des Verzehrs, überhaupt nicht ekelhaft oder „unlecker“ aber mir hat, direkt nach dem Essen der ersten Heuschrecke, mein Kopf einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Der pure Gedanke an das, was ich dort gerade gegessen hatte, ließ mich schaudern – obwohl es lecker war!
Ich find das ja so dermaßen beknackt und verfluche mich eigentlich dafür aber ich konnte mich dennoch nicht mehr überwinden.

Mein Freund hingegen war super tapfer und hat die Buffalowürmer gegessen, als hätte er nie etwas anderes getan.
An die Heuschrecken hat er sich aber nicht ran getraut.
Da kann man mal sehen, wie unterschiedlich hier die Hemmschwellen verteilt sind.
Vermutlich hat er in seiner Kindheit schon einige Würmer gefuttert, während ich die Faszination Heuschrecke voll ausgelebt habe 😉

Mein Fazit

Ich bin stolz auf mich!
Insekten sind schmackhaft, wenn man die Ekel-Barriere überwinden kann und ich finde, dass man deutlich öfter über seinen Schatten springen sollte.
Ich meine das ernst.
Auch wenn ich selbst noch mit meinem Ekel zu kämpfen habe, sollte man sich zumindest mal mit dem Thema auseinandersetzen.
Es gibt knapp 2000 essbare Insektenarten auf dieser Erde und häufig leben sie in Gebieten, in denen keinerlei Pestizide angewendet werden.
Sie sind Energie-/Protein- und Vitaminlieferant in einem.
Auch wenn der komplette Verzicht auf Fleisch sicher für viele als der idealste Weg angesehen wird, würde alleine das zurück greifen auf Insekten auf lange Sicht Ressourcen schonender und ethisch vertretbarer sein, als der massenhafte Konsum von Kühen, Schweinen und Co.

Außerdem essen wir Europäer ja auch andere „Gliederfüßer“, wie zum Beispiel den Hummer oder Krebse und eigentlich sehen die, krabbelnd auf dem Boden, auch nicht wesentlich appetitlicher aus, als ne Heuschrecke oder ein Käfer.

Sicher werde ich auch in Zukunft keine reine „Insekten-Fresserin“ werden aber irgendwie reizt mich das Thema trotzdem und wenn man an die Millionen Menschen denkt, die auf dieser Welt hungern müssen, erscheint es gerade zu irrsinnig, dass das Essen von Insekten so verpönt ist.

Für meine Erfahrung mit den Snack-Insects, die Idee die dahinter steckt und die Tatsache, dass es geschmeckt hat, würde es fünf Check-Lights geben.
Da die Delikatessen aber einen recht hohen Preis haben (für 35 g Mehlwürmer beispielsweise 9,99€), wird ein Check-Light abgezogen.

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vier von fünf Check-Lights

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Über den Autor

Die Checkerin

Frohnatur! - Freak! - Philosophin!
Kommt selten schnell auf den Punkt, trifft aber irgendwann trotzdem den Nagel auf den Kopf.

5 Kommentare

  • Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich ran getraut hätte. Ich hab vor einer Weile in einem Hotel auch mal den Garnelensalat nicht angerührt, weil ich einfach das Gefühl hab, dass dsa Kauen mega eklig sein muss. Einfach das Geräusch beim Draufbeißen. Deswegen glaube ich würde ich auch die Heuschrecken und Würmer eher meiden 😉

    Schön, dass ihr euch getraut habt.

    Liebe Grüße
    Julia

  • Hut ab. Ich finde es toll das Du Dich getraut hast. Ich hätte vermutlich eher die Würmer als die Heuschrecken probiert (bei den Heuschrecken schrecken mich die noch gut sichtbaren Augen), aber ob ich es überhaupt getan hätte weiss ich nicht. Ich kann Deine Gefühle aber total gut nachvollziehen. Da treffen Vernunft und Konditionierung so richtig hart aufeinander. Vom Kopf her würde ich auch sagen „warum nicht?“ – aber mein Bauch würde bestimmt dauernd dazwischen plärren „tu‘ das nicht, das ist ekelig…“
    Obwohl mich der Lutscher mit dem Mehlwurm aus meiner Crashbox ja irgendwie schon gereizt hat. Ein paar Tage habe ich ihn mir angesehen – ihn dann aber doch entsorgt. Ich Feigling ich.

  • Puh, ich schwanke grad zwischen Faszination und Ekel, wenn ich das sehe und lese. Ich könnte das so gar nicht essen, aber in der Tat soll es nicht so schlecht schmecken.
    Respekt, Checkerin!

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