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Verliebt in: Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit

Ich hab es hin und wieder schon mal erwähnt: für gewöhnlich schaue ich weder fern, noch bin ich Kinos oder Streaming-Diensten verfallen. Ich kenne kaum einen Film (wenn ich davon erzähle, dass ich viele Klassiker nie gesehen habe, geht immer ein Raunen durch die Runde ;-) ) und auch für die allermeisten Serien konnte und kann ich mich nicht erwärmen.

Wenn ich einem Film eine Chance gebe, dann fällt es mir in den allermeisten Fällen schwer, wirklich bis zum Ende dran zu bleiben und konzentriert zu zu schauen. Irgendwie finde ich oft keinen Zugang zu der Geschichte typischer, gehypter Filme/Serien und kann mich nicht darin wieder finden – das ist für mich aber häufig eine Grundvoraussetzung, um wirklich gern und aufmerksam zu schauen. Es gibt nur wenige Storys, die mich von Anfang bis Ende so sehr in ihren Bann ziehen, dass ich gebannt auf den Fernseher oder die Leinwand blicke und alles um mich herum vergesse.

Mein Herz brennt für Dokumentationen und für künstlerisch anspruchsvolle, inspirierende Filme. Geschichten, die mich berühren, faszinieren und in eine andere Welt ziehen. Ungefähr so ging es mir, als ich “Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit” von Julian Schnabel zum ersten Mal sah (Kinostart in Deutschland ist der 18. April, ich durfte den Film vorab auf Englisch anschauen).

“Der van Gogh dieses Films entstand direkt aus meiner persönlichen Reaktion auf seine Bilder, und nicht auf Grundlage dessen, was andere über ihn geschrieben haben.” (Julian Schnabel)

Genau das macht den Film für mich so überragend gut! Regisseur Julian Schnabel und Kameramann Benoît Delhomme (beide sind Maler) haben Vincent van Gogh als Persönlichkeit unglaublich gut dargestellt. Ich war regelrecht schockiert, wie absolut stimmig das Bild für mich ist, das der Film von ihm, seiner Gefühlswelt und seiner möglichen Sicht auf die Welt zeichnet.

“Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit” ist kein klassischer Film, wie man es erwarten würde. Es ist eher ein einzigartiges, impressionistisches Gemälde – Meisterwerk, das seine Vollendung, in der Darstellung Vincent van Goghs, durch den Hauptdarsteller Willem Dafoe erfährt. Letzterer ist, völlig zu Recht, als Bester Darsteller für den Oscar nominiert worden.

Ich hatte das Gefühl, völlig in den Kopf van Goghs eintauchen zu können.
Zu sehen was er sieht, zu fühlen was er fühlt. Auf der ewigen Suche nach Anerkennung und Liebe, fest entschlossen etwas Größeres zu erfahren oder zu leisten, mit der traurigen Gewissheit, sich einfach nicht in diese Gesellschaft einfügen zu können. Der Film nimmt aus meiner Sicht van Gogh den “Verrückt”-Stempel ab und schafft statt dessen Verständnis für seine Handlungen und seine Persönlichkeit. Gleichzeitig eine Möglichkeit, seine Kunst aus einer ganz anderen Sicht zu betrachten und neu verstehen zu lernen.

Die Art der Kameraführung und Bilder unterstützt das Eintauchen. Oft sieht man andere Protagonisten, wie z.B. van Goghs Bruder “Theo” oder seinen Freund Paul Gaugin, aus van Goghs Perspektive: mit schummrigen und Tränen gefüllten Augen. Viele Szenen werden durch das atmosphärische Spiel von Licht und Dunkelheit untermalt. Man sieht die Welt so, wie er es tat und die Hintergründe im Film wirken fast, als seien sie aus einem seiner Bilder oder viel mehr: ein ganz eigenständiges van Gogh Gemälde. Manchmal kam es mir vor, als würde ich in einer Ausstellung an einem seiner Bilder vorbei gehen und einfach eingesogen werden.

Besonders berührt haben mich die Szenen, in denen van Gogh immer und immer wieder von seinem Umfeld als beängstigender Irrer abgetan wurde und in Folge dessen auch in der ein oder anderen Klinik landete. Seine Verzweiflung zu sehen, ja regelrecht spüren zu können. Wie er immer und immer wieder verkannt und von seinen Mitmenschen insgesamt verspottet und belächelt wurde. Die meisten hatten ja sogar Angst vor ihm. Das fand ich ganz fürchterlich traurig.

Der Film hat keine typische Handlung, wie man sie von einem Kinofilm für gewöhnlich erwarten würde. Er ist genauso künstlerisch wie das Thema selbst. Anspruchsvoll. Faszinierend. Bedrückend. Informativ. Phantasievoll. Realistisch. Intim. Mich hat er absolut in seinen Bann gezogen und ist einer der wenigen Filme, den ich mehrmals sehen möchte, um ihn ganz greifen und seine Geschichte vollends in mich aufsaugen kann.

Wer sich für künsterlisch-atmosphärische Filme fernab des Mainstreams begeistern kann, wer interessiert ist daran, in die Geschichte van Goghs auf ganz andere Art und Weise einzutauchen, der sollte die Möglichkeit nutzen und sich einen der (aus meiner Sicht) besten Filme des letzten Jahrzehnts ansehen.

 

 

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Über den Autor

Die Checkerin

[Sinnn­flu­en­cerin]
Person, die [in sozialen Netzwerken] Menschen mit großer Vorliebe zum Nachdenken anregt und mit unterschiedlichen Themen inspiriert

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