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5 Gründe, warum ehrliche Testberichte besser ankommen

In meiner bisherigen Zeit als Bloggerin bzw. insbesondere als „Checkerin“ ist mir, im Bereich der Testberichte, eine Sache besonders übel aufgestoßen: unehrliche Testberichte. Anfänglich habe ich noch an mir selbst gezweifelt. Geglaubt, dass ich zu hart ins Gericht gehe, zu hohe Ansprüche an die Qualität oder z.B. die Zusammenstellung eines Produktes stelle. Auf solche Gedanken kommt man schnell, wenn dein Artikel, von „hundert“ anderen, gefühlt der Einzige ist, der null Punkte vergibt. Natürlich kann es immer unterschiedliche, völlig subjektive Meinungen über ein Produkt geben aber wenn ich z.B. ein Elektro-Gerät habe, das beim bloßen Anblick fast zusammen bricht, ein Beautyprodukt, das Wunder verspricht die sich nicht erreichen lasse oder ein Hotel, das von oben bis unten versifft ist, dann geht es da nicht mehr um meine subjektive Meinung, sondern um harte Fakten.

Oft habe ich mich gewundert, dass einige der extrem positiven Berichte keinerlei Fotos oder Videos enthielten. Wenn eine Creme meine Falten zu 100% entfernt, wieso zeige ich das nicht? Wenn eine Shapewear in der Lage ist, mich Moppel zum Supermodel zu mogeln, wieso zeige ich das nicht? Wenn die Mundspülung aus meinen gelben Zähnen eine weiße Pracht zaubert, wieso zeige ich das nicht? Für mich liegt dann meistens nur ein einziger Grund nahe : der Bericht ist nicht ehrlich! Wenn ich von etwas so sehr überzeugt und überrascht werde und meinen Lesern genau das vermitteln will, dann verzichte ich nicht auf wichtige Fotos, die all das belegen können.

Meist teilen sich die unehrlichen Berichte in zwei Lager auf: die einen Blogger, die noch sehr klein sind und Angst haben, bei einem negativen Bericht keine Tests mehr zu bekommen und die anderen Blogger, die für den Artikel bezahlt wurden und sich deshalb nicht trauen, negativ zu berichten oder es schlicht nicht für nötig halten. Für mich sind beide Gründe absolut nicht nachvollziehbar. Da „ehrlich währt am Längsten“ offenbar nicht mehr zählt, gibt es von mir heute fünf gute Gründe, warum ehrliche Testberichte besser ankommen.

1. Verantwortungsbewusstsein ist In

Verantwortungsbewusst zu handeln ist viel schöner, als auf die Konsequenzen des eigenen Handelns zu scheißen. Den Lesern guten Gewissens zu etwas zu raten oder eben davon abzuraten, als mit geschönten Berichten andere in ihr „Verderben“ zu leiten, wird Euch auf lange Sicht nicht nur besser gefallen, es wird Euch auch gut tun! Wer Empfehlungen auf seinem Blog gibt, der trägt nämlich durchaus Verantwortung für seine Leser. Die Leute geben auf Grund Eurer Empfehlungen (!) Geld aus. Gerade wenn teure Produkte, medizinische Produkte oder z.B. Diäten einfach nur so in den Himmel gelobt werden, hängt da ein ganzer Rattenschwanz an negativen Folgen dran. Eure Leser geben unnötig Geld aus, sind enttäuscht, vielleicht sogar sauer. Das medizinische Produkt ist voller Chemie und statt für empfindliche Haut geeignet zu sein, verursacht es massive allergische Reaktionen, im Hotel wird man von Kakerlaken überfallen und die wundertolle Diät treibt eine 14 Jährige in die Magersucht. Mag im ersten Moment übertrieben klingen, aber Blogs und die Meinungen im Internet haben eine unsagbar große Macht. Seid Euch dessen immer bewusst.

2. Viele Firmen wollen ehrliches Feedback

Firmen gehen Kooperationen mit Bloggern nicht nur ein, um ihre Firma/ihr Produkt bekannt zu machen oder um Backlinks zu sammeln. Ein Großteil der Firmen legt großen Wert auf die ehrliche Meinung und authentische Testergebnisse, um die Produkte/die Marke weiter zu entwickeln, zu verbessern aber auch um abschätzen zu können, wie gut etwas bei den Kunden ankommt. Geschönte Berichte bringen den Unternehmen auf lange Sicht ohnehin nicht den gewünschten Effekt.

3. Leser schätzen die Ehrlichkeit

Wer sich auf Grund Eurer Empfehlung ein Produkt zulegt, mit dem er im Anschluss absolut zufrieden ist, der weiß das zu schätzen. Genauso wie er es zu schätzen weiß, wenn er vor einem Fehlkauf bewahrt wird. Eure Leser kommen gerne wieder, um sich bei Euch zu informieren. Sie fühlen sich auf Eurem Blog wohl und ehrlich beraten. Vielleicht empfehlen sie Eure Artikel sogar gerne weiter.

4. Ehrliche Artikel werden öfter gelesen

Die meistgelesensten Artikel sind die, die schonungslos ehrlich sind, die aufklären, die gut recherchiert sind. Von denen die Leser etwas lernen können und etwas mitnehmen. Einfältiges, gelogenes Wischi-Waschi Geplänkel interessiert niemanden.

5. Es bringt Euch Nichts

Tatsächlich bringen Euch geschönte Berichte rein gar nichts. Die Firmen finden Euch wegen gefakter Artikel nicht toller, als andere Blogger und wenn doch, dann arbeiten sie nicht seriös. Eure Leser werden mit der Zeit hinter Eure Lügenstorys steigen. Spätestens dann, wenn sie mehrfach ein Produkt auf Eure Empfehlung hin gekauft haben und enttäuscht wurden. Am Ende steht Ihr alleine da, mit Euren gefakten Artikeln. Dass die Firmen dann auch keinen Bock mehr darauf haben, Euch die Produkte in den Rachen zu schmeißen, erklärt sich von selbst, oder?

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Über den Autor

Die Checkerin

Frohnatur! – Freak! – Philosophin!
Kommt selten schnell auf den Punkt, trifft aber irgendwann trotzdem den Nagel auf den Kopf.

16 Kommentare

  • Huhu Sanny,
    ich bin in allen Punkten voll bei dir.
    Seltsam finde ich es allerdings auch, wenn man als Leser dann seine Meinung drunter schreibt und die Blogger/in das als puren Neid empfindet.
    Ich lese die Berichte durch und freue mich immer wenn da Fragen stehen, die ich beantworten kann, ist ja auch besser für den Austausch zwischen Leser und Blogger, denke ich zumindest.
    Also mal ehrlich, wenn man seine Leser fragt wie hat euch der Bericht gefallen und ich schreibe er hat mir nicht gefallen weil diese und jenes in meinen Augen fehlt, dann ist es doch unglaublich das man dann beschimpft wird. Einen Austausch auf Augenhöhe wünsche ich mir da schon aber einige sind scheinbar viel zu jung um das zu verstehen. Dann belächel ich das Ganze und denke mir meinen Teil.
    Ehrliche Meinung ist nicht gefragt sondern nur Geplänkel, Lobeshymnen zu allem ja toll zu sagen. Das ist nicht mein Ding.
    Genau so wie manche die Produkte in den Himmel heben und andere drauf rein fallen. Da geht kaum einer auf den Blog zurück und sagt offen, das hier nicht die Wahrheit gesagt wurde, ich finde es traurig.
    Und wenn doch dann wird der Kommentar nicht veröffentlicht! …stört ja das Gesamtbild 🙂
    herzliche Grüße zahnfeee

    • Die Erfahrung hab ich auch gemacht. Ich hab vor zwei Jahren noch diesen fürchterlichen Drang gehabt, gegen Windmühlen zu kämpfen und auch heute rutscht mir an manchen Stellen auf diesen „speziellen“ Blogs noch meine Meinung raus, die dann jedes Mal gelöscht wird ODER als Arroganz abgetan wird.
      Hab’s aufgegeben. Zumindest bei den typischen Leuten. Sollense machen. Sollense faken.
      Aber ich glaub es gibt da draußen so viele, die eigentlich toll und ehrlich schreiben könnten, wenn sie endlich diese Angst los kriegen würden, dass sie „nichts mehr bekommen“:

  • Hey Sanny,
    ich gebe Dir in allen Punkten recht. Natürlich ist es manchmal schwer gerade kleine Unternehmen ggf. schlecht zu bewerten, weil das Produkt einfach schlecht ist (oder freundlicher ausgedrückt: nicht optimal).

    Bloß wir müssen uns dann immer sagen… „dann dürfen sie ihre Produkte nicht für Testungen zur Verfügung stellen“. Schön ist es natürlich auch, wenn die Unternehmen dann verlangen, dass man den Beitrag sofort löschen soll *Vogelzeig*.

    Es kann natürlich gut sein, dass einige Angst haben, dann nichts mehr zu bekommen. So ein Quatsch.

    Einer unser Kooperationspartner war bei einer nicht so guten Bewertung natürlich enttäuscht, hat uns aber dennoch gefragt, ob wir auch in Zukunft zusammenarbeiten wollen. Und genau das sind auch die Unternehmen, die sich über ein ehrliches Feedback freuen und es sich idealerweise sogar zu Herzen nehmen :-).

    Und ganz ehrlich…. Unternehmen, die auf gefakte Bewertungen hoffen, können einem doch gestohlen bleiben, oder? Dann schreibe ich lieber nur noch einen Bericht in der Woche, als mich verstellen und lügen zu müssen.

    Nochmals Danke, dass Du uns einmal mehr in dieser Form an Deinen Gedanken hast teilhaben lassen.

    Ganz liebe Grüße,
    Danny

  • Eigentlich sollten alle fünf Punkte selbstverständlich sein. Eigentlich. Aber wir sind hier ja im Netz 🙂
    Ich sehe es genauso wie Du und die anderen Kommentatoren (huhu in die Runde!). Ehrlich währt am längsten, war schon immer so und wird (vermutlich) auch so bleiben.
    Bei den Punkt der Fotos muss ich auch oft schmunzeln. Entweder es sind nur die Fotos des Unternehmens zu sehen (und häufig auch nur deren eigene Texte …..) oder aber die Fotos sind so verwischt, überarbeitet dass nichts zu erkennen ist. Dann frage ich mich schon: Wurde das Produkt tatsächlich genutzt? Fehlt da jetzt nur eine Kennzeichnung als Sponsored Post?!

    Wobei ich selbst manchmal auch „Vorher“ Fotos einfach vergesse 😀 Daran gewöhne ich mich aber noch.

    • Ein Problem ist nicht unbedingt, das ein „vorher“-Foto fehlt, viele posten grad mal das Produkt original verpackt und das wars – und später kannst es über Ebay & Co. finden. *lol*

      Ich schreibe wie ich das jeweilie Produkt empfinde, ist was schlecht dran, schmeckts mir nicht etc. dann ist das eben so. Nicht jeder kann jedes Produkt toll finden. Den Bericht kann man ja trotzdem vernünftig und fürs Unternehmen „positiv“ schreiben. Ich mach das oftmals in dem ich Verbesserungen oder Tipps wie es sein sollte aufzeige. So ist das Produkt vielleicht in meinen Augen nicht ganz ok, aber der Hersteller bekommt direkt Feedback was besser ist. (z.b. grad einen Lieferservice ausprobiert, ab 3 Kisten gibts einen „Kistenaufschlag“, viele Kunden bestellen dann 3×11 Stück (12 würde als 1 Kiste zählen) und umgehen so den Aufschlag, oder abgewogene Ware, echt super zusätzlich noch vakumiert verpackt worden – allerdings bei mehreren Sorten schwierig, da eine Beschriftung fehlt. 🙂 Und auch wenn mal ein Artikel vertauscht wird, ist das bei einer größeren Bestellung kein Beinbruch für mich, sowas gibt dem Lieferanten ja nur den Ansporn, es besser zu machen beim nächsten Mal.
      Es ist eben sinnvoller alles in höchste Töne zu loben oder einfach mies zu machen, oder konstruktiv Kritik zu geben die dem Unternehmen hilft.

      Ich liebe übrigens auch solche Unternehmen, die sich für Testberichte „positives Feedback“ wünschen. 😀

      • Hey Mandy,

        oh ja! Da haste absolut Recht. Finde die „Vorher“ Fotos müssen auch nicht zwingend sein, nachher reicht oft ja schon 😀
        Ich glaub, ich bin manchmal doch etwas rigoroser, gerade wenn es um Kosmetik von großen Herstellern geht aber da mir immer versichert wird, dass sie schonungslos ehrlich bewertet werden wollen, mach ich das dann auch genau so 😀 Und trotzdem gibt es natürlich nen Unterschied, ob ich schreibe: „Is alles scheiße probiert das bloß nicht aus!!!“ oder „Naja gut, ich finds dämlich aber was Ihr draus macht und wo Ihr Eure Prioritäten setzt, müsst Ihr selbst entscheiden. Es gab viele, denen hat das Produkt gefallen, schaut Euch da mal um.“

        Die Maschen einiger Unternehmen sind auch so ne Sache. Da erlebt man ja auch die herrlichsten Sachen. Aber dazu was zu schreiben erschien mir voll langweilig, weil Blogger Relations & Co. ja eh seit Ewigkeiten tot diskutiert werden 😀

    • Hey Jessy,

      na die „Vorher“ Fotos müssen ja auch nicht zwingend IMMER zu sehen sein. Ich hab das auch schon mal vergessen 😀
      Viele Leser wissen ja teilweise besser als ich, wie ich aussehe hahaha wenn sich dann echt was sagenhaftes verändert, wird das meist ja auch registriert. Mittlerweile mach ich mir aber immer Zettel in den Spiegelschrank, wenn ich Vorher-Fotos brauche, damit ich es nicht vergesse.

      Und ja, genau solche Fotos irritieren mich dann auch immer. Zumindest halt bei Produkten, die in irgendeiner Art und Weise etwas bewirken. Wenn sie es nicht tun, brauch man natürlich auch kein Foto aber sonst… äh ja! Wir sind uns einig 😉

  • Hey Checkerin, wahre Worte. Momentan sprießen die angeblichen „Test“ Seiten ja nur so aus dem Internet und garantiert sind alle Tests wirklich echt und nicht nur reine Abschriften der Produktbeschreibungen und Amazon Rezensionen. /Ironie aus.

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