Aus dem Leben

Was wir JETZT tun können, um unser denken & handeln nicht mehr von anderen abhängig zu machen

Was ist falsch daran, wenn man will, dass andere einen mögen?

Falsch direkt wahrscheinlich nichts. Aber das eigene Selbstwertgefühl von der Meinung anderer abhängig zu machen und damit zu verbinden, lässt uns ein völlig falsches Gefühl der Realität entwickeln. Bevor wir aber darüber nachdenken, wie wir es schaffen, uns keine Gedanken mehr darüber zu machen, was andere von uns denken, sollten wir erst mal erforschen und verstehen, warum wir genau das machen.


Ich war einer dieser Menschen, der sein gesamtes Denken & Handeln von anderen abhängig gemacht hat. Ich brauchte (etwas übertrieben dargestellt, aber letzten Endes dennoch sehr real) nur eine einzige Person, die mein Handeln kritisierte. Ich glaubte ihr und stellte mich und alles was ich tat in Frage. Auch wenn Hunderte mir das Gegenteil erzählten.

Ich redete anderen nach dem Mund, tat Dinge nur für sie und vergaß mich dabei selbst, nur um keine Ablehnung zu erfahren. Fast alle Entscheidungen, bis zu meinem 24. Lebensjahr, beruhten auf den Erwartungen und der Meinung anderer. Niemand zwang mich dazu so zu handeln. Ich tat es, weil ich jeden anderen Menschen auf dieser Welt für wichtiger hielt, als mich selbst.

Sicherlich bin ich ein Extrembeispiel und doch geht es den meisten zumindest ähnlich. Wir wünschen uns, dass uns andere attraktiv finden (unser Schönheitsideal orientiert sich dabei meist an der Masse, deren Meinung wiederum durch z.B. die Industrie/ die Medien geformt wird), dass wir in der Masse nicht besonders negativ auffallen und in einer Gruppe die gegen oder für etwas ist, schließen wir uns schnell an, auch wenn wir eigentlich eine ganz andere Meinung haben. Die Macht der Gruppe auf das Individuum ist enorm. Nicht immer, aber sehr oft – dazu gibt es zig Experimente und Studien (hier oder hier oder hier sind interessante Beispiele )

Wir wollen dazu gehören, um (fast) jeden Preis. Zwar lernen wir im Laufe unseres Lebens, unsere Gedanken und Emotionen von denen anderer zu trennen und nicht mehr, wie als Baby, von unserer Umgebung aufzunehmen, dennoch suchen viele von uns weiterhin nach einer positiven Verstärkung / Bestätigung im Außen. Dieses Verhalten führt auf lange Sicht unweigerlich dazu, dass unser Selbstwertgefühl leidet und unser Empfinden von Glück minimiert wird.

All unsere Reaktionen auf das, was wir erleben, entstehen durch unsere Erfahrungen und unsere Erwartungen. Jeder von uns hat individuelle, tief verwurzelte Überzeugungen davon, wie die Welt ist und alles in ihr sein sollte.

“Ich bin nicht das, was ich denke, dass ich bin, und ich bin nicht das, was du denkst, dass ich bin – ich bin das, was ich denke, dass du denkst, dass ich bin”. (Charles Cooley “The Looking Glass Self”)

Diese Art der externen Validierung basiert auf Unsicherheit und zerstört unser Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen. Das größte Problem ist, dass wir oftmals völlig vergessen, dass die Menschen uns anhand ihrer Erfahrungen, ihrer Einflüsse und ihrem Bild der Welt beurteilen. Das alles hat aber absolut nichts mit uns zu tun. So könnte eine Person etwas über mich glauben oder behaupten, das einzig auf einer negativen Erfahrung in ihrer Vergangenheit fußt (z.B. überspitzt sowas wie “Ich bin von einer Blondine beklaut worden. Sandra ist blond. Sandra klaut.”). Sie lehnt mich nur durch diese Erfahrung und ihre Erwartungshaltung ab, nicht weil ich tatsächlich geklaubt hätte.

Wenn wir uns auf das stützen, was (wir glauben was) andere denken, versetzen wir uns in einen ewigen Zustand der Verletzlichkeit, der Abhängigkeit und der Selbstleugnung. Wir sind buchstäblich der Gnade unserer unzuverlässigen und voreingenommenen Perspektiven ausgeliefert. Wenn andere uns im richtigen Licht sehen und positiv und bejahend reagieren, dann fühlen wir uns gut mit uns. Und wenn nicht, haben wir das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben.

“Wir wissen nicht, was andere Menschen denken oder fühlen, wir interpretieren ihr Verhalten und sind dann wegen unserer eigenen Gedanken beleidigt.” (Michael Nast)

Fakt ist: Wenn wir alles für und wegen anderen Menschen tun, wenn wir unseren Selbstwert und unsere Meinung auf ihre Meinung stützen, verleugnen wir uns und unsere Moral.

Aber die gute Nachricht ist: wir können das ändern! Weil wir die Fähigkeit besitzen, unsere Gedanken, Ansichten und Erwartungen nicht nur wahrzunehmen und zu identifizieren, sondern auch zu hinterfragen und zu verändern.

Um also aufhören zu können, sich so viel Sorgen darüber zu machen, was andere denken, ist es an der Zeit, neue Objektivität in unser Leben zu bringen und ein Wertesystem zu entwickeln, das nicht mehr von anderen abhängt.

Und das aller Beste: wir können JETZT sofort damit anfangen.

  1. Die meisten Leute denken nicht an uns
    Wahrscheinlich wäre es dir egal, was andere über dich denken, wenn du wüsstest, wie selten sie es tun” (Olin Miller). Das ist SO wahr. All das, was andere potentiell über mich denken, entsteht in unserem Kopf. Vergessen wir also einfach, was andere möglicherweise von uns halten. Die Chancen stehen gut, dass sie sowieso nicht an uns denken. Das Gefühl, dass sie es doch tun, entsteht aus unserer Wahrnehmung, unseren Ängsten und unserer Unsicherheit heraus. Es ist das Produkt unserer Phantasie und eine absolute Illusion. PUNKT!
  2. Gedanken über andere stehen uns nur im Weg
    Wir sollten uns absolut klar machen und bewusst darüber werden, was unsere Sorgen und Gedanken darüber, was andere möglicherweise über uns denken, mit unserem Leben anstellen. Mir fallen tausende Situationen ein, in denen mir genau diese Gedanken im Weg standen und dazu geführt haben, dass ich mich selbst schlecht gemacht habe, mir Dinge nicht zugetraut und deshalb Erlebnisse verpasst habe. Wie furchtbar traurig ist das bitte? Wann immer wir uns dabei erwischen, wieder darüber nachzudenken, was andere denken, sollten wir uns einen anderen Gedanken ins Gehirn pflanzen. Es wird schwer, diesen Automatismus zu durchbrechen, aber es ist möglich. Fest das Ziel vor Augen, die (potentielle) Meinung anderer nicht mehr unser Leben bestimmen zu lassen. Niemals mehr zu verleugnen wer wir sind oder sein wollen, nur weil jemand anderes ein Problem damit haben könnte oder hat. Uns zu lieben und zu akzeptieren. Anzuerkenne, das niemand die Kraft hat, uns klein fühlen zu lassen, wenn wir ihm keine Chance dazu geben.
  3. Wir können nicht wissen was andere über uns denken
    Wie oft zerbreche ich mir den Kopf darüber, was die Leute von mir denken. Ob ich gut genug bin, ob das was ich mache gut ist, was andere fieses schreiben könnten usw. Ich verschwende mehr Energie damit, mir Sorgen zu machen, als mit allem anderen. Vor einiger Zeit wurde mir klar, dass ich gar nicht weiß und wissen KANN, was andere in der Zukunft denken. Das ist ein Problem, das nicht dazu bestimmt ist, von mir gelöst zu werden. Ich MUSS nicht wissen, was andere eventuell denken, wie sie reagieren. Oft hat die Wahrnehmung von mir durch andere viel mehr mit ihnen selbst zu tun, als wirklich mit mir. Manche mögen mich, andere lehnen mich ab und das oft nur weil etwas an mir eine Assoziation in ihrem Kopf ausgelöst hat, die sie an jemanden oder etwas positives/negatives aus ihrer Vergangenheit erinnern. Einzig und allein darauf beruht ihre Meinung. Machen wir uns klar: Das ist mein Leben. Es ist mein Weg, mit meinen Entscheidungen, meinen Ansichten, meinen Fehler. Was andere von mir halten, braucht mich (für gewöhnlich) nicht zu kümmern.
  4. Was wirklich zählt
    Die Menschen werden denken, was immer sie denken wollen. Ich kann das nicht kontrollieren und ihr könnt das auch nicht. Egal wie viel fuckin’ Mühe wir uns auch geben, es jedem Recht zu machen. Egal wie sorgfältig wir unsere Wörter wählen : Es wird immer jemanden geben, der es falsch interpretiert. Es wird immer jemanden geben, der uns nicht mag. Es wird immer jemanden geben, der uns Worte in den Mund legt. ABER! Das spielt gar keine Rolle. Wichtig ist, wie wir uns selbst sehen. (und vielleicht auch mal kurz anzuerkennen, dass es durchaus Menschen in unserem Leben gibt, die uns mögen).  Machen wir uns also lieber zu Gewohnheit, uns selbst treu zu bleiben. Versuchen wir FANGEN WIR JETZT DAMIT AN, uns nicht mehr für das zu schämen, was sich für uns gut und richtig anfühlt.

Mit jetzt meine ich JETZT

Wir schnappen uns jetzt ein Blatt Papier und einen Stift und fangen an, Dinge aufzuschreiben, die uns in Bezug auf unseren Charakter und unser neues Vorhaben wichtig sind.

Bei mir sind es beispielsweise:

  • Selbstachtung
  • Ehrlichkeit
  • Klarheit
  • Selbstwert
  • Optimismus
  • (Selbst)Liebe
  • Selbstmitgefühl

Wir nehmen uns nur selten die Zeit uns zu entscheiden, was für uns wichtig ist, wenn es um unser Selbstbild geht. Meist lassen wir andere entscheiden. Listen find ich super, um schwarz auf weiß zu sehen, zu reflektieren, fest zu halten, wieder ins Gedächtnis zu rufen, was zum jeweiligen Thema für uns wichtig ist (auf diesem Prinzip basiert ja auch mein Buch 100 Tage Selbstfindung* – das hat auch schon vielen geholfen :-) ).

Eine weitere Idee für eine solche Liste: wir schreiben all unsere Zweifel auf und ersetzen sie durch positive Eigenschaften. Oder wir schreiben aus, was wir glauben das andere von uns negatives denken und ersetzen es durch positive Sachen, die andere vielleicht über uns denken. Die Möglichkeiten, sich dahingehend selbst positiv zu bestärken sind fast unendlich. Unterschätzt nicht die Macht solcher schriftlichen Sachen. Wenn wir es machen (MACHEN!), dann hilft es. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer.


Wir definieren uns nicht durch das, was wir erreichen, was wir können, was wir besitzen oder was wir erzählen. Unser Haus, die Kohle auf unserem Konto, der Bestseller, das Studium, die geile Position im Job. All das brauchen wir nicht, um uns zu profilieren. Wir müssen niemandem etwas beweisen. Wir sind genug.

DU BIST GENUG.

Hören wir endlich auf uns darum zu kümmern, wer wir für andere sind oder sein wollen und fangen an, uns damit zu beschäftigen, wer wir für uns sind. Wie geil ist bitte das Gefühl, nicht mehr die Bestätigung im Außen zu suchen? Den eigenen Selbstwert nicht mehr daran zu messen, was andere gut/richtig/wichtig finden.

Es ist eine Befreiung. 


Habt Ihr Erfahrungen mit dem Thema gemacht? Ich könnte ganze Romane davon erzählen, wie sich die Sorge um das, was andere von mir denken, mein Leben beeinflusst hat. Wie geht ihr damit um? Und wo steht ihr auf eurem Weg? Ich freue mich über Eure Kommentare und Eure Erfahrungen & Gedanken zum Thema

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Über den Autor

Die Checkerin

[Sinnn­flu­en­cerin]
Person, die [in sozialen Netzwerken] Menschen mit großer Vorliebe zum Nachdenken anregt und mit unterschiedlichen Themen inspiriert

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