Zeig mir dein Handy und ich sage dir, wer du bist

Heutzutage ist ja jeder Psychologe. Hobbypsychologe natürlich, solange kein Diplom an der Praxiswand hängt. Sicher kennt ihr da den einen oder anderen. Oder bekennt euch sogar, selbst in ab und an diesem Feld tätig zu sein. Da wird wild über Profilneurosen, narzisstische Adern oder Ödipuskomplexe anderer gemutmaßt. Mal mehr, mal weniger treffend. Macht ja auch Spaß, anderer Leute Charaktere zu sezieren. Mit dem Smartphone-Boom kommt gleichzeitig auch der Handyhüllen-Boom. Entweder schlicht oder elegant, glossy oder hyperindividuell. Allen Freizeit-Freudianern und Stammtisch-Therapeuten wird damit natürlich ein ganz neues Feld eröffnet. Was lässt sich anhand der Telefonverpackung über den Charakter des Besitzers ableiten? Lässt sich an so etwas Banalem wie einer Hülle wirklich ein Persönlichkeitsprofil erstellen oder ist das alles Quatsch? Da gibt es sowohl die Pragmatiker als auch den ausgeflippten Exzentriker. Und natürlich alles dazwischen. Also, wenn der Patient es sich bitte auf dem Sofa bequem machen und sein Mobiltelefon zücken möge? Die Analyse beginnt. P.S.: Solltet ihr euch im Laufe des Textes wiederfinden, seid nicht verärgert. Freut euch lieber und lächelt kritische Zwischentöne einfach weg 😉

Zwischen Pragmatismus und IT’lertum

Wer eine schlichte, unifarbene Hülle zum Schutze seines Phones wählt, muss nicht unbedingt von schlichtem Gemüte sein. Gut, nichts muss, alles kann. Aber vielleicht steckt hinter dieser Wahl ja eine gefestigte, selbstbewusste Person, die einfach keinen bunten Schnickschnack braucht. Zufrieden und vollkommen im Reinen mit sich und seiner Umwelt. Natürlich der Idealzustand. Denn merke: Wer einen bunten Charakter hat, muss nicht mit abgefahrenen Farben und Formen nachhelfen. Natürlich kann so ein einfarbiges Etui aber auch ein direkter Spiegel innerer Farblosigkeit sein. Und mal ganz ehrlich, solche Leute kennen wir doch alle, oder? Sei es der Kollege aus der Finanzbuchhaltung oder der scheue IT’ler, der euren Rechner inspiziert. Ohne Vorurteile breittreten zu wollen, müssen wir ehrlich sein und zugeben, dass es diese Typen gibt. Und wenn ihr anhand des Handy Cases nicht genau ausmachen könnt, in welche Sparte die entsprechende Person fällt: gleicht den restlichen Stil ab. Verwaschene schwarze Cargohosen, Funshirts und/oder unförmige Wanderschuhe können ein Indiz dafür sein, dass derjenige eher in Kategorie 2 einzuordnen ist.

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Die durchsichtige Hülle – der technikaffine Purist

Nächster Fall. Ihr blickt auf das Handy und seht: das Handy! Entweder weil es dem Besitzer wurscht ist, ob das gute Gerät sicher und behütet ist – in dem Fall hat derjenige entweder zu viel Geld oder steht schlichtweg auf den Nervenkitzel der stetig lauernden Gefahr – ODER ihr erkennt die Schutzhülle im ersten Moment einfach nicht, weil unsichtbar. Gut, durchsichtig. Unsichtbar will erst noch erfunden werden. Aber wer trägt so etwas spazieren? Auf jeden Fall jemand, dem die Optik seines Smartphones in seiner puren Form so gut gefällt, dass er es nicht verstecken mag. Das könnte entweder der getreue Apple-Jünger Schrägstrich Hipster sein (oft ein und dasselbe), der seine Religionszugehörigkeit immer und jederzeit öffentlich machen will. Oder ihr habt tatsächlich einen echten Technik- und Designpuristen vor euch. Also einen echten Hightech-Gourmet, der auf die nackte Schönheit des Gerätes steht, diese ungefiltert genießen und zeigen möchte. Anders als der altbekannte IT-Nerd hat dieser Typus ein ziemlich ausgeprägtes Gespür für Formen und Farben. Das zeigt sich auch an den Klamotten. Keine unförmigen Shirts pathetischer Metalbands, sondern von Kopf bis Fuß durchgestimmte Outfits, die sicher auch die eine oder andere Mark kosten dürfen. Solltet ihr diese Spezies spontan ansprechen wollen, ist aber Vorsicht geboten. Denn der Purist kann mitunter schon etwas arrogant rüberkommen. Denn schließlich hat er den Style, den Durchblick und die Weisheit mit Löffeln gefressen. Darin muss er sich aber nicht zwangsläufig vom Apple-Hipster unterscheiden. Unter Umständen ist der Technik-Styler gleichzeitig auch Apfeljunkie und Matetrinker.

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Bunt, bunter am büntesten

Kommt die Hülle knallbunt daher, kann das sowohl für einen ebenso bunten Menschen dahinter stehen oder aber auch für das genaue Gegenteil. Jemanden, der das eigene Grau-in-Grau mit farbenfrohen Kleidern und Accessoires ausgleichen muss. Da gilt es, dass ihr auf die kleinen Details achtet. Körperhaltung, Gesichtszüge und Gestik können Aufschluss darüber geben, welche Persönlichkeit ihr hier vor euch habt. Hängende Schultern, zusammengekniffene Knie oder unsichere Blicke sind eindeutige Signale, die den tristen Geist oder schlichtweg etwas unsicheren Menschen preisgeben. Prinzipiell ist es aber löblich, wenn jemand den Mut zu wilden Farbkombis hat. Ganz egal, ob nun selbstbewusst oder nicht. Ob strahlendes Hippie-Blumenkind oder verhinderter Freigeist – wer knallige Blumendesigns, abgefahrene geometrische Muster oder neonleuchtende Glitzerstyles präsentiert, möchte definitiv auffallen und wahrgenommen werden. Hier ist der Grat zwischen natürlichem Selbstbewusstsein und eingeschränktem Selbstwertgefühl schmal.

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By Garfeild2016 (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Der kuschelige Familienmensch

Herzen, Treueschwüre, Liebesbekundungen – offen sichtbar für jeden auf dem eigenen Handy. Wenn euch sowas ins Blickfeld gerät, wisst ihr sofort, was Sache ist. Hier steht ein Familienmensch durch und durch. Und dieser Mensch meint es ernst. Dabei ist dieses Phänomen auf keine spezielle Schicht beschränkt. Ob nun der erfolgreiche Bänker, die tüchtige Hausfrau oder das Teeniegirl, das mitten in den Wirren der ersten Liebe steckt. Allen ist gemein, dass sie einen ausgesprochenen Familien- und Beziehungssinn ihr Eigen nennen. Quasi der Gegenentwurf zum selbstfixierten Partypeople. Das kann natürlich ebenso auf das geliebte Haustier bezogen sein. Wenn zum Bespiel die Trauer über Hassos Ableben nicht vergehen will, ab mit dem Konterfeit und den Daten auf’s Case. Das mag manch einem kitschig erscheinen. Wenn es aber hilft, ist das doch durchaus legitim. Ebenso wie das Pärchenbild mit entsprechendem Kommuniqué, das die Eckdaten des Zusammenseins dokumentiert. Hinter diesem Menschenschlag, wenn man es so ausdrücken darf, steht meist ein solides, zu teilen auch konservatives Werteempfinden. Diese Menschen brauchen sich zumeist nicht großartig individuell produzieren, sondern fühlen sich im Mainstream durchaus wohl und sind traditionsbewusst.

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Zeig mir dein Handy und ich sage dir, wer du bist

Dass das so präzise nicht funktioniert, sollte euch selbstredend klar sein. Schließlich machen noch viel mehr Aspekte den menschlichen Charakter aus, als dass er einzig an einem Stück zurechtgeformten Stück Kunststoff abzulesen wäre. Aber dennoch lässt so ein kleines Element schon einige Rückschlüsse zu, wie der Besitzer tickt. Wenn ihr den Blick dann auf weitere Details und die Gesamterscheinung richtet, könnt ihr aber unter Umständen schon ein gutes erstes Profil erarbeiten. Etwas Menschenkenntnis vorausgesetzt, klar. Wer von euch sich in einem der Absätze wiedererkannt hat und nun schnellstmöglich den Imagewechsel anstrebt, kann sich beziehungsweise sein Smartphone bei deinPhone.de von Grund auf neu einkleiden. Da gibt es alles, was für die Transformation vom grauen Mäuschen zum hippen Strahlemann und wieder zurück von Nöten ist.

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Über den Autor

Die Checkerin

Frohnatur! - Freak! - Philosophin!
Kommt selten schnell auf den Punkt, trifft aber irgendwann trotzdem den Nagel auf den Kopf.

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