Mind & Soul

Drei Tage ohne Smartphone – zwischen Panik und Euphorie

Drei Tage ohne Smartphone sind mittlerweile geschafft und auf meinem, wie mein Freund zu sagen pflegt, „Selbstfindungstrip“, finde ich immer mehr tolle Sachen, die mir zeigen, dass das genau der richtige Zeitpunkt und genau die richtige Entscheidung war. Auch wenn ich gestern kurz in Panik verfallen bin. Um viertel vor zehn klingelte mich nämlich das Telefon aus dem Tiefschlaf. Eine Zeit, in der normalerweise niemand anruft weil alle wissen, was für eine Schlafmemme ich bin. Meistens hau ich spätestens um 22:00 Uhr ab ins Bett. Ich werde also wach und verfalle sofort in alte Muster . Der Panische und schlaftrunkene Griff zum Smartphone. Als ich es nicht finde (is ja klar, liegt in der Schublade aber als ob man so was raffen würde im Halbschlaf) werde ich noch panischer. Ich stürze zum Smartphone meines Freundes. Keine Nachrichten. Keine Anrufe. Rase zum Telefon. Meine Mama! Ist was passiert? Wieso ruft sie so spät an? Rufe ich zurück oder widerstehe ich? Die ersten 5 Minuten versuche ich mich selbst zu beruhigen. Lege mich wieder ins Bett.

Mein Puls rast und ich kann mich absolut nicht beruhigen. Also rufe ich zurück aber niemand geht ran. Ich schalte tatsächlich noch mal den PC an, um zu sehen, ob dort jemand was geschrieben hat. Wie hirnrissig! Was kann sie gewollt haben? Vielleicht ist sie einfach spät nach Hause gekommen und will sich nach meinem Stich erkundigen? Vielleicht geht es ihr aber auch scheiße und sie sucht ein offenes Ohr? Ich fange an mir ein verdammtes Mantra auszudenken, um mich zu beruhigen. „Es ist nichts Schlimmes passiert, sonst würde sie noch mal anrufen. Es ist nichts Schlimmes passiert, sonst würde sie noch mal anrufen. Es ist nichts Schlimmes passiert, sonst würde sie noch mal anrufen. Es ist nichts Schlimmes passiert, sonst würde sie noch mal anrufen.“ und schlafe ein.

Ich habs geschafft!
Das war bisher nicht denkbar. Dass ich mich einfach so von alleine beruhige, OHNE zu wissen, was meine Mum wollte. Letzten Endes habe ich es aber geschafft, meine dämlichen Gedanken in den Griff zu bekommen. Obwohl mein Drang danach, mein Smartphone einzuschalten, um zu checken, wann sie das letzte mal online war und ihr eben zu schreiben, enorm groß war. Genau diese Gedanken zeigen aber auch, wie unfassbar krank mein Verhalten eigentlich ist. Als ob der Whatsapp Status IRGENDWAS zu bedeuten oder zu sagen hätte. Als ob eine Nachricht von mir irgendetwas verändern würde. Als ob meine Mutter mir bei Facebook schreiben würde, wenn was Schlimmes passiert ist 😀 Ich muss mittlerweile tatsächlich selbst über mein Verhalten lachen. Weil es so absurd ist! Und weil man das immer erst merkt, wenn man sich seinen Ängsten stellt und sich mit dem eigenen Verhalten auseinander setzt.

Der Verzicht schafft Freiraum
Mein Verzicht auf das Smartphone bzw. auf die ewige Kontrolle schafft Freiraum. Freiraum für einfach alles in meinem Leben. Statt am Handy zu fummeln, beschäftige ich mich viel mehr mit mir selbst aber auch mit meiner Umwelt. Und ja, wer glaubt, dass mein Verhalten völlig absurd und krank ist, der liegt absolut richtig. Es ist krank und genau deshalb arbeite ich daran. Ich bin schon jetzt fest entschlossen, dass das Smartphone nach den sieben Tagen den Großteil der Zeit im Flugzeugmodus sein wird. Ich möchte nicht mehr ständig online sein, ständig erreichbar sein. Ein festgelegter Zeitraum muss her. Vielleicht wird das Internet am Handy morgens für 20 Minuten an sein, Mittags für 10 Minuten und am frühen Abend noch mal für 20 oder so. Wie genau ich das später für mich festlege weiß ich nicht, aber es steht fest, dass 24/7 online nicht mehr stattfinden wird. Dieser ewige (selbstgemachte) Druck, Nachrichten, Fragen, Kommentare, E-Mails SOFORT lesen, beachten und beantworten zu müssen. Das Verlangen, zu jedem Scheiß den eigenen Senf dazu geben zu müssen und zusätzlich das Gefühl, immer wieder checken zu müssen, ob überall alles in Ordnung ist. Ob alle „noch leben“. Das geht gar nicht klar und das muss ein Ende haben.

Online sein gehört zu meinem Beruf – ABER!
Natürlich gehört das „online sein“ mit zu meinem Beruf. Ohne Beiträge und Postings würde DieCheckerin im Nirwana verschwinden und außerdem lasse ich die Leute ja auch gerne teilhaben. Ich zeige gerne was von mir und meinem Leben, albere gerne rum, poste dämliche Fotos oder Videos und schreib sinnlosen Kram. Das soll auch gar nicht aufhören. Ich muss nur nicht SOFORT auf alles reagieren. Muss nicht sofort E-Mails, Kommentare oder Nachrichten beantworten. Und ich muss die Fotos auch nicht sofort online stellen oder instant posten, wenn was Lustiges passiert ist. Schon gar nicht so ausgiebig, dass ich mein Smartphone kaum mehr aus der Hand lege.

Entschleunigen tut gut
Es tut verdammt noch mal gut, das Leben mal ein bisschen zu entschleunigen. Und das ist es wirklich. Wenn man das Smartphone so intensiv nutzt, dass vieles im Alltag gar nicht mehr die Aufmerksamkeit bekommt, die es eigentlich verdient hätte. Wenn man während einem Gespräch immer wieder daran denkt, ob gerade neue Kommentare oder wichtige E-Mails eingegangen sind. Wenn man Abends beim fernsehen gar nicht dem Geschehen folgt, sondern ununterbrochen durchs Netz surft. Wenn man zum Essen erst mal die Kamera zückt und die schönste Konstellation zurecht sucht oder beim Ausflug draußen gar nicht die Natur genießt, sondern auf der Suche nach DEM Bild ist, dass die Situation am schönsten darstellt. Aber auch wenn man mit dem Freund oder der Familie zusammen sitzt und während einem Gespräch immer wieder zum Handy greift. Das ist nicht nur unhöflich, sondern raubt auch Aufmerksamkeit und Energie. Man konzentriert sich nicht mehr zu 100% auf eine Sache. Man ist überall und nirgendwo. Und das, wo im Netz 90% völlig belanglose Dinge passieren. Dinge, die mich vielleicht unterhalten, verärgern oder berühren, die aber im Grunde rein gar nichts mit meinem realen Leben zu tun haben. Die mich letzten Endes kaum interessieren und deshalb absolut unwichtig sind.

Ich merke bereits jetzt, wie viel aufnahmefähiger ich bin. Viele Dinge nehme ich viel bewusster wahr, ich bin den Tag über nicht mehr so kaputt und gestresst. Ich höre besser zu , kann besser einschlafen und mache mir deutlich weniger Gedanken. Und ja, tatsächlich hängt all das nur damit zusammen, dass ich den ganzen Tag mit der Nutzung des verdammten Smartphones unter Strom stehe. Es ist völlig beknackt aber es wird sich ändern. Und vielleicht führe ich auch einen kompletten Digital Detox-Tag pro Woche ein 😉

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Über den Autor

Die Checkerin

Frohnatur! - Freak! - Philosophin!
Kommt selten schnell auf den Punkt, trifft aber irgendwann trotzdem den Nagel auf den Kopf.

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