Immer wieder Sonntags


Immer wieder Sonntags 265

|Gesehen| Wir teilen alles – Leben in der Kommune” (etwas “schwere” Kost für mich, weil ich das Verhalten teilweise sehr bedenklich und übergriffig finde), “Durch das Jahr in der weltweiten Wildnis” (hoch interessant und sehr empfehlenswert!), “Jung und schwer krank durch Corona” (erschreckend) und “Der Querdenker-Effekt – Kann uns Corona spalten?
|Gehört| meine Playlists
|Getan| getanzt, gekocht, gearbeitet, geschrieben, geatmet, geredet, gefreut,  Hühner gekuschelt, gegangen, gespielt
|Gefreut| über einen Spiele-Tag und einen Knet-Quatsch-Hühnerkuschel-Nachmittag
|Gelesen| Rente mit 40: finanzielle Freiheit und Glück durch Frugalismus* (als Hörbuch)
|Gekauft| Nix
|Geschrieben| Nix
|Geplant| Biofeedback bei der Ergotherapie

"Dumme Menschen"

Gestern habe ich in der Story auf Instagram eine Umfrage rund um das Thema “Nachhaltigkeit” gestartet (bzgl. der Ergebnisse und meiner Gedanken teile ich in nächster Zeit noch was). Eine der Fragen war “Was erwartest du in Bezug auf Nachhaltigkeit von Bio-Baumwolle?”. Nachdem einige Male geantwortet wurde, dass man erwartet, dass die Schafe gut behandelt werden, teilte ich einen Hinweis dazu, dass Baumwolle vom Baum und nicht vom Schaf kommt.

Ich hatte mich zuvor selbst dabei erwischt, über die Unwissenheit der anderen zu schmunzeln, mich dann aber recht zügig dazu entschieden, aufzuklären, statt mich zu wundern oder lustig über das Unwissen zu machen.

Das ist etwas, das ich immer wieder übe(n muss/möchte) und das mir manchmal noch echt schwer fällt. Früher war es völlig normal für mich, andere für ihr Nichtwissen, ihr Anderssein und/oder ihre Fehler auszulachen/auszugrenzen. Nicht nur in Fernsehsendungen (wie früher TV Total oder heute noch Bauer sucht Frau, Schwiegertochter gesucht usw.) ist das völlig normal.

Wir haben, im Sinne einer “funktionierenden Gesellschaft” gelernt, diejenigen auszuschließen oder zur “Besinnung” zu bringen, die in irgendeiner Art und Weise nicht rein passen oder etwas gefährden. Auslachen ist eine Form der Ausgrenzung, aber auch des sich Erhebens.

Aus der Position desjenigen, der bereits etwas weiß, ist es ziemlich leicht über diejenigen zu urteilen, die etwas noch nicht wissen. Wir empören und echauffieren uns, wenn wir z.B. sehen, dass Menschen nicht wissen, wer gerade Bundeskanzler*in ist, wo auf der Karte Amerika liegt, wie viele Bundesländer Deutschland hat oder eben, dass Baumwolle vom Baum kommt. Was sind das nur für dumme Menschen? Wie kann man SOWAS bitte nicht wissen?

Ich habe mich in letzter Zeit häufiger gefragt, was es mir bringt, so über andere zu denken. Die Antwort ist: nichts, außer dem Gefühl, erhaben zu sein. Es geht vermutlich bei vielen in die Richtung: “Haha, ich bin nicht so unwissend wie ihr es seid! Wie kann man nur so unwissend sein und glauben, dass Baumwolle vom Schaf kommt? Zum Glück bin ich nicht so doof.

Wir wissen gar nichts über die Menschen und ihre Situation. Haben sie eine Lernschwäche oder Lernschwierigkeiten, sind nicht richtig gefördert worden, haben etwas verwechselt oder falsch verstanden, verstehen ggf. die Sprache nicht richtig, interessieren sich speziell für dieses Thema nicht, sind dafür aber woanders absolute Expert*innen (Stichwort: ADHS oder Autismus), hatten keinen richtigen Zugang zu Bildung, haben eine Krankheit usw. Die Möglichkeiten, warum Menschen etwas nicht wissen, sind vielfältig.

Etwas nicht zu wissen, ist keine Schande und sagt überhaupt nichts, über die vermeintliche Intelligenz eines Menschen aus. “Wissend” ist nicht gleich “gut” und “unwissend” nicht gleich “böse”. Was tut es mir persönlich an, wenn jemand anders etwas nicht weiß? Nichts. Aber ich tue anderen etwas an, wenn ich sie dafür verurteile und auslache.

Insofern möchte ich an dieser Stelle auch hier die Chance nutzen aufzuklären und zum Nachdenken anzuregen: wenn ihr beim nächsten Mal auf einen Menschen trefft, der etwas, das für euch vielleicht sogar selbstverständlich ist, nicht weiß: wie wäre es, diesen Menschen dann nicht auszulachen oder zu verurteilen, sondern aufzuklären (sofern es erwünscht und angebracht ist).

Wie meine Lebensweise für Verunsicherung sorgt

Gerade im Austausch mit Menschen, die überhaupt nicht so leben und denken wie ich, fällt mir oft auf, wie individuell die Welt ist, in der wir leben. Je nach Gespräch hat man das Gefühl, in völlig anderen Welten zu leben.

Ich habe schon oft gehört “Dein Lebensstil ist aber auch extrem” und “Du magst das ja auch anzuecken, an anderen zu reiben und dich gegen alles zu stellen, das normal ist”. Ich habe deshalb früher häufig meine Ansichten und meine Art zu leben hinterfragt. Ist das, was für MICH von Bedeutung ist, was MIR gut tut, wirklich so extrem? Mache ich das, weil ich um jeden Preis anecken will?

Ich erinnere mich daran, vor einigen Jahren mal eine “Pro & Contra” Liste gemacht zu haben, bei der mir dann (zum Glück!) die Absurdität dieses Themas aufgefallen ist.

Ist es extrem und will ich unbedingt damit anecken, dass…:

  • ich nur das besitzen möchte, das mich glücklich macht und das ich wirklich brauche?
  • ich durch den Verzicht auf tierische Produkte unnötiges Tierleid und unnötige Umweltzerstörung verringern bzw. am liebsten gar nicht daran beteiligt sein möchte?
  • ich bei Todesfällen und folgenden Beerdigungen so trauern und sein möchte, wie es sich für mich gut anfühlt?
  • ich so viel Zeit meines Lebens wie möglich mit mir wichtigen Menschen und Erlebnissen verbringen möchte und infolgedessen nur so viel arbeite, wie es notwendig ist, um davon genauso und für mein Empfinden gut leben zu können?
  • ich gar keinen Alkohol mehr trinken möchte, weil er mir nichts Positives geben kann?
  • ich die Pille abgesetzt habe und mit einer hormonfreien Methode verhüte, die (bei gewissenhafter Anwendung) genauso sicher bzw. unsicher ist?
  • ich mir sicher bin, keine Kinder haben zu wollen und deshalb für mich und meinen Körper entschieden habe, mich sterilisieren zu lassen?
  • ich mich und meine Ideen ausprobiere, auch dann, wenn die Gefahr besteht zu scheitern?

Was bedeutet eigentlich “extrem”? Insbesondere wenn man daran denkt, dass “Extremismus” absolut negativ konnotiert ist. Welche Normen werden hier angesetzt und aus welcher Position/Situation heraus bestimmt, was extrem ist und was nicht?

Ich finde es besonders im Hinblick darauf spannend, dass ich meine Entscheidungen früher traf, “weil man das so macht”, ich das Gefühl hatte es würde von mir erwartet werden oder ich könnte andernfalls unangenehm auffallen. Meine Entscheidungen waren häufig abhängig von anderen und damit oft “negativ” für mich (weil ich mich in vielen Bereichen anders entschieden hätte, wenn ich mich nicht von Außen hätte leiten lassen).

Jetzt wo ich Entscheidungen in MEINEM alleinigen Sinne treffe (und dadurch leider automatisch häufig außerhalb geläufiger Konventionen), kommen bei anderen dann Gedanken wie die oben genannten auf. Auch das sind (hochgradig unbewusste!) gesellschaftliche Mechanismen, quasi “Abtrünnige” wieder zurück in die gesellschaftlich anerkannten Strukturen zu befördern.

Denn natürlich lebe ich all das nicht, um anderen auf den Sack zu gehen oder weil ich “das Extreme” suche. Ich empfinde mein Leben auch absolut nicht als extrem, sondern als so ziemlich das genaue Gegenteil davon 😅 Extrem bedeutet für mich, neben der grundsätzlich negativen Konnotation, immer auch eine Form von “Zwang” und strengen Regeln und das ist mir mittlerweile völlig fremd.

Ein schönes Beispiel von “andere Welten” und “Ausgrenzungsversuchen” gab es kürzlich während einer Unterhaltung in einer Facebookgruppe. Es ging um Minimalismus und ich erzählte u.a. von meinem Kleiderschrank und dass ich nur noch um die 30 Kleidungsstücke habe. Die Wortwahl der beteiligten Person zeigt gut ihr Wertesystem und ihre Weltansicht.

“Ich trage niemals was zweimal, finde ich eklig.” -> damit sagt sie durch die Blume eben auch, dass sie “mich eklig findet”, weil ich manche Kleidungsstücke mehr als einmal trage und grenzt mich aus ihrem Wertesystem aus.

“Wenn du nur 4 BH hast musst du ja auch alle 4 Tage waschen.”. Glaube sie dachte mich hier mit meiner “ich wasche gewöhnlich nur 1 x pro Woche Aussage” erwischt zu (fernab dessen, dass sie mit dem “musst du ja (…) waschen” auch nochmal ihre “Ich trage niemals was zweimal, finde ich eklig” Aussage einfließen lässt). Was sie dabei gar nicht in Betracht zieht ist (neben der Tatsache, dass es Menschen gibt, die einige Kleidungsstücke öfter tragen), dass es auch Menschen gibt, die nicht regelmäßig oder sogar gar keine BHs tragen.

“Weil ich wert drauf lege, das sie in Farbe und Stil zum Outfit passen”. Auch hier zieht sie keinerlei andere Möglichkeiten in Betracht und schlussfolgert stattdessen “durch die Blume”, dass ich wohl keinen Wert darauf lege, dass alles schön zusammen passt und ich mich generell nur so kleide, wie es mir nicht gefällt 😅

Man sieht gut wie ich durch meine persönliche Lebensweise, mit der ich niemandem irgendwas antue oder vorschreibe, anecke, weil sie nicht der Norm entspricht. Die wenigsten sagen “Oh, interessant, aber für mich wäre das nichts.” oder bringen bloß ihre Ungläubigkeit oder “Unfähigkeit” sich etwas vorzustellen, das sie selbst nicht so leben (z.B. “Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das funktionieren soll. Kannst du mir da mehr zu erzählen?”) zum Ausdruck.

In den meisten Fällen beurteilen und / oder verurteilen die Menschen das, was außerhalb der Norm ist. Denn auch Fragen wie “Wie soll das denn bitte gehen?”, “Wie soll sowas schmecken?”, “Wie soll das Spaß machen?”, “Wie kann man so denn Geld verdienen?”  beinhalten bereits mindestens eine Beurteilung, je nach Betonung aber sogar einen Anflug von Verurteilung.

Meiner Meinung nach ist das Verhalten menschlich und passiert zumeist gar nicht bewusst. Dass Menschen anders denken, handeln, leben usw. als es “gesellschaftlich normal” ist, sorgt für Verunsicherung. Automatisch sieht man die eigene Komfortzone und die Weltordnung in Gefahr. Diese Mechanismen sind so tief verankert, dass wir uns nicht dagegen wehren können, solange wir sie nicht hinterfragen.

Früher waren Menschen auf Fleisch angewiesen und es war etwas ganz Besonderes. Nach dem Krieg sorgte man für den Notfall vor und besaß von allem mehr, als notwendig. Nicht nur genügend Essensvorräte, sondern auch genug (warme) Kleidung war von zentraler Bedeutung. Alkohol und Zigaretten galten als Genussmitteln, waren ein Luxusgut & Statussymbol. Diese und andere Strukturen der Generationen vor uns, sind immer noch “in uns drin”.

Wenn jemand wie ich daher kommt, der das für sich ablehnt, wird das “natürlich” (im Sinne des Ursprungs) kritisch beäugt und man versucht mich ggf. mit allen Mitteln zur Besinnung zu bekommen 😅

Aus meiner Sicht ist es, im Sinne einer harmonischen Gesellschaft, hilfreich einerseits zwar “bei sich zu bleiben” und nicht das Haar in der Suppe zu suchen, gleichzeitig aber die Fähigkeit zu besitzen, über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken, zu sehen und zu akzeptieren, dass es andere Lebensmodelle gibt, die nicht zwingend besser oder schlechter sein müssen, als das eigene Modell und die vor allem auch niemandem schaden.

Und sonst so?

Montag haben wir einen virtuellen “Spieletag” mit Freunden gemacht und 10 Stunden Gesellschaftsspiele gespielt. Wir starteten dieses Mal extra schon um 15:00 Uhr, spielten dann aber letzten Endes doch noch länger, als bei unserem voran gegangenen “Spieleabend”. Deshalb planen wir den nächsten “Spieleabend” wohl am besten schon ab früh morgens 😂

Freitag war ich nach der Ergotherapie noch ein paar Stunden bei einer Freundin zum reden, Hühner kuscheln & Kinetic Sand spielen 😍 Ansonsten bestand die Woche aus Arbeit, mangelnder Motivation, Spaziergängen, Ratten kuscheln, Kimba kuscheln und Musik hören.

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche!

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