Aus dem Leben

Chaos in der Wohnung – was mir hilft (Erfahrungen aus Sicht einer ADHSlerin & ehemaligen Messies)

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Viele von euch wissen bereits, dass ich früher ein “Messie” war. Diese Zeit habe ich zum Glück hinter mir gelassen. Im Laufe der Jahre habe ich für mich erkannt, dass minimalistische, klare Wohnkonzepte, nicht zuletzt auch im Hinblick auf mein ADHS im Erwachsenenalter (in den hier aufgeführten “Immer wieder Sonntags” Artikeln erzähle ich ab Immer wieder Sonntags 230 mehr zu meiner Geschichte), für mich besonders hilfreich sind.

Vorweg möchte ich klar machen: Beim Messie-Syndrom geht es nicht darum, dass man ein bisschen aufräumt und dann ist alles gut, sondern (meist) um eine Krankheit und/oder tiefsitzende psychische Probleme. Die Wurzel des Problems ist nicht das Chaos oder Faulheit. Es müssen viele verschiedene Hebel in Gang gesetzt werden, um auf lange Sicht gesund zu werden. Die Basis des Ganzen ist aus meiner Sicht eine professionelle Begleitung in Form einer Therapie, in der Probleme aufgearbeitet und Strukturen, sowie Lösungen erarbeitet werden.

Die Anregungen in diesem Artikel beziehen sich nicht ausschließlich auf Messies/ADHSler und sind zudem aus meiner eigenen Situation heraus geschrieben, weshalb ich voraussetze, dass Betroffene sich professionelle Hilfe (Therapie, Entrümpelung, Unterstützung im Alltag z.B. auch in Form einer Selbsthilfegruppe, ggf. medikamentöse Unterstützung) besorgt und ihr Zuhause bereits grob entmüllt haben, sowie in der Lage sind, die hier aufgeführten subjektiven Hilfevorschläge differenziert zu betrachten.

Jeder Mensch ist anders, hat andere Voraussetzungen, Charakterzüge etc. so dass Dinge, die für mich perfekt funktionieren, für jemand anderen völlig falsch sein können. Bitte beachtet das.


Was mir geholfen hat

Rigoros Ausmisten

(alle Fotos können zum Vergrößern angeklickt werden)

Ich habe über mehrere Jahre rigoros ausgemistet (ca. alle drei Monate ALLE Schränke aussortiert). Anfänglich nur das, was wirklich kaputt und unbrauchbar war. Mit der Zeit dann auch all das, was nicht oder nur sehr selten benutzt wurde (von Gegenständen, die man generell selten nutzt wie z.B. eine Bohrmaschine mal abgesehen).

Für mich war und ist wichtig, dass ich das behalte, das ich wirklich liebe und von dem ich mich keinesfalls trennen möchte. Sachen die als bloßes Andenken dienten habe ich als Foto digitalisiert (z.B. alte Klavierhefte, Briefe usw.). Alles angelehnt an die “KonMari Methode*”.

Stück für Stück wurden so die Schränke und Räume immer leerer, wodurch es mir leichter fiel bzw. fällt, Ordnung zu halten.

Mein Kleiderschrank umfasst heute z.B. statt über 200 Kleidungsstücken nur noch um die 30. Unsere Wohnung hat insgesamt pro Zimmer (Küche ausgenommen) nur noch einen einzigen Schrank (früher waren es um die drei).

Unser Büro haben wir im Laufe der Jahre weitestgehend digitalisiert (sprich Dokumente mit einem ScanSnap Documentenscanner* eingescannt, sowie Rechnungsversand u.ä. auf digital umgestellt) und somit von drei Schränken (voller Unterlagen und Ordnern) auf einen Schrank reduziert, von dem eine Hälfte meine Kreativsachen enthält und der andere Bürozubehör (wie Briefumschläge, Druckerpapier usw.), sowie einen Ordner mit Dokumenten, die im Original benötigt werden.

Auch meine Beauty-Sachen habe ich im Laufe der Jahre massiv ausgemistet. Ich hatte beispielsweise an die 15 Lidschattenpaletten, über 50 Nagellacke und viel anderes Gedöns, das ich nie oder nur sehr selten nutzte.

Ebenso verändert haben sich das Badezimmer und der Flur. Hier habe ich leider kein Vorher-Foto, der Flur stand allerdings voll mit einem großen Schuhschrank, einer Bank sowie einer großen Garderobe (mit über 10 Taschen, etlichen Paar Schuhen und Jacken).

Heute haben wir einen kleinen Schrank mit Platz für insgesamt 12 Paar Schuhe (von mir sind 2 Paar Barfuß-Ballerina, zwei Paar Barfuß-Turnschuhe, 1 Paar Barfuß-Winterschuhe, sowie 1 Paar feste Wanderschuhe), sowie eine kleine Garderobe mit aktuell vier Jacken (für jeden je eine Winter- und Regenjacke).

Das regelmäßige Ausmisten behalten wir auch heute noch bei. Wir gehen alle halbe Jahre alle Schränke durch, räumen sie komplett aus, machen alles sauber und schauen, was wir ggf. nicht mehr benötigen.

Bilder unserer bisher letzten großen Ausmistaktion Ende 2019. Alle Möbel auf den Bildern wurden entsorgt

Ordnung vereinfachen

Mir hat es unwahrscheinlich geholfen, mich von all dem “hätte, könnte, wenn und aber” zu trennen. Das kann ich noch tragen, wenn ich abgenommen habe. Das Buch lese ich vielleicht irgendwann mal. Das ist doch noch gut. Das kann ich sicher mal gebrauchen. BlaBlaBla. Alles, was mehr als ein paar Monate ungenutzt rum lag, kam weg. Eine riesige Erleichterung (für mich).

Sehr geholfen hat mir zudem, die Ordnung in den Schränken zu vereinfachen. In meinem Kleiderschrank wird beispielsweise alles aufgehangen. So laufe ich nicht Gefahr, etwas unordentlich einzuräumen, weil jedes Teil seinen Platz hat. Unterwäsche, Socken, Handtücher und Bettwäsche sind in kleinen Kisten nach der Marie Kondo Methode gefaltet (wird glaube ich auch in ihrem Buch* erklärt, ihr findet dazu aber auch viele Videos im Internet).

Ähnlich verfahre ich auch in den anderen Schränken. Mein Gewürzschrank besteht z.B. aus Gläsern gleicher Größe, bei denen ebenfalls jedes Glas seinen Platz hat, so dass Chaos nahezu ausgeschlossen ist.

Jedes Teil in der Wohnung hat seinen Platz und die oberste Regel ist: alles kommt dahin wieder zurück. Da ich weiß, dass ich mich an diese Regel nicht immer halten kann, kontrolliere ich mich selbst zwei bis drei mal am Tag (durch eine Erinnerung über den PC & das Smartphone). Je weniger ich habe und je leerer dabei die Schränke & Ablageflächen sind, desto leichter fällt es mir, alles an seinen Platz zurück zu legen.

Eine große Hilfe beim Sauberhalten der Wohnung sind mir außerdem alltägliche Helfer wie mein Staubsaugerroboter* (der täglich die Wohnung saugt) oder mein Fenstersauger*, mit denen mir das Reinigen leichter fällt.


Richtig Einkaufen

Für mich ist es essentiell wichtig gewesen, mein Einkaufsverhalten zu verändern. Früher habe ich kopflos gekauft, worauf ich Lust hatte. Einziges Ziel war, dass ich mich besser fühle und etwas bekomme (als Belohnung/Trost o.ä.).

Ich habe für mich die folgenden Regeln aufgestellt:

  • wenn ein neues Kleidungsstück kommt, muss ein anderes gehen.
  • habe ich das Produkt bereits Zuhause? Dann wird dieses erst aufgebraucht.
  • bin ich gerade wütend/traurig/hungrig/… wird nichts gekauft.
  • alles über 10€ wird erst nach mindestens einem Tag Bedenkzeit gekauft.
  • Impulskäufe sind (für gewöhnlich) verboten. Gekauft wird, was auf der Liste steht
  • große Anschaffungen/Wünsche, die nicht SOFORT sein müssen, werden möglichst erst dann gekauft, wenn sie im Angebot sind
  • Bücher werden bevorzugt digital gekauft oder gleich nach dem lesen wieder verkauft

Diese Regeln verhindern weitestgehend, dass ich ständig Dinge nachkaufe und somit wieder unnötigen Kram in den Schränken liegen habe.

Manchmal spüre ich, dass ich Lust habe, mir plötzlich wieder Nagellacke oder Lidschatten zu kaufen. Hier hilft mir zusätzlich, mich daran zu erinnern, was ich bereits ausgemistet habe und dass ich mich ohnehin kaum schminke.


Meine “Tools”

Das Wichtigste ist: man muss sich an die eigenen Regeln halten. Die Strukturen, die wir uns erarbeiten, können uns nur dann unterstützen, wenn wir uns an unsere Pläne halten. Ohne Ausnahme.

Ich übe mich z.B. gerade darin alles, das zu erledigen ist, SOFORT zu erledigen und nicht auf später zu verschieben. Sobald ich auf später verschiebe, vergesse oder verdränge ich Dinge nämlich häufig. Ich habe Marius darum gebeten, mich regelmäßig daran zu erinnern, wenn ich etwas nicht erledigt habe. Das hilft mir sehr.

Es gibt feste Tage und Zeiten, an denen ich (ohne Ausnahme, von Todesfällen und anderen Terminen mit sehr hoher Priorität abgesehen) putze, einkaufen gehe, koche, Einkaufslisten schreibe oder beispielsweise überprüfe, ob ich mich an meine Regeln halte.

Hierfür führe ich direkt in meinem Kalender (für 2021 ist es dieser*) eine to-do Liste, die ich jeden Abend für den nächsten Tag schreibe und auf der ich alles (inkl. grober Uhrzeit & Priorität) festhalte, das ich erledigen möchte. Es ist zu Beginn lästig, wirklich ALLES zu planen, aber für mich (gerade auch in Bezug auf meine ADHS-Schwächen in Form von z.B. Prokrastination, Hyperfokus & Co.) ist das, zumindest aktuell, der einzige Weg, um einen geregelten Tagesablauf zu haben.

Um den Überblick über meine Sachen zu behalten, habe ich 2021 außerdem eine “Zuhause-Inventur” gemacht und in einer Excel-Tabelle ALLES aufgelistet, das wir besitzen. Die Liste wird regelmäßig aktualisiert und ist gerade in Bezug auf den Überblick über den Vorratsschrank und das Einkaufen sehr hilfreich.


Ehrlich sein

Es ist wichtig, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und ehrlich zu sich und auch zu seinem Umfeld zu sein. Ohne Eigeninitiative, den Willen zur Veränderung und dem eigenen Handeln wird sich nichts tun. Ich weiß selber, wie hart dieser Weg ist und ich bin noch lange nicht da angekommen, wo ich gerne hin möchte und wie es “normal” wäre, aber es lohnt sich dafür zu kämpfen.


Muss man das so machen?

Nein. Ich habe für mich persönlich erkannt, dass ich glücklicher bin, je weniger ich an materiellem Kram besitze. Für mich sind solche Sachen häufig eine Form von unangenehmen Ballast, der mich stört und “runter drückt”.

Wie oben erwähnt, ist das MEIN Weg und das, was für mich gut funktioniert. Nicht jeder findet diese Form des Minimalismus schön und/oder hilfreich. Sicher können aber viele einiges an Anregungen aus dem mitnehmen, was ich für mich im Laufe der Jahre erarbeitet habe.


Bücher die mir geholfen haben

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