Das Glück liegt in den kleinen Dingen

Lexa fragt: „Wann bist Du glücklich?“ und das ist wieder ein Blogparaden Thema, das genau meinen Geschmack trifft. Deshalb beantworte ich die Frage gerne.

Eigentlich bin ich in „So soll es bleiben!“ schon ein wenig auf das Thema „Glücklich sein“ eingegangen. Meine Definition von „Glück“ und „Glücklich sein“ hat sich in den letzten zwei Jahren massiv verändert. Zwar konnte ich schon früher in den kleinen Dingen des Lebens Glück finden, aber ich war oft nur dann wirklich glücklich, wenn etwas Außergewöhnliches geschah. Wenn ich etwas Besonderes kaufen konnte. Wenn einfach ALLES um mich herum perfekt war.

Heute lebe ich mein Leben bewusster und ich weiß, dass Oberflächlichkeiten völlig unwichtig sind. Materieller Besitz macht nicht glücklich. Mein Glück liegt in all dem, das man nicht kaufen kann. Oft sind es ganz kleine Dinge, manchmal auch aber bedeutend Große. Das Zusammenspiel aus diesen ganzen Faktoren macht dann mein „glücklich sein“ aus.

Glück fängt für mich bei der Ruhe an. In der Ruhe liegt nicht nur die Kraft, sondern auch das Glück. Erst wenn ich ruhig und entspannt bin, öffnet sich mein Blick für das wahre Glück. Für die Kleinigkeiten am Wegesrand, für eine nette Geste oder das einfache „sein“. Mit echter Ruhe kann ich nicht nur mich spüren, sondern auch das Leben. In der Ruhe besinne ich mich auf das Wesentliche und genau dort, im Wesentlichen, liegt das Glück. Der Moment, in dem man sich (bewusst oder unbewusst) eine Auszeit nimmt, sorgt für ein Glücksgefühl.

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Dann sehe ich ein herabfallendes Blatt, das in der Luft tänzelt und mich an meinen Opa erinnert. Ich sehe eine große, schillernde Feder auf dem Weg und weiß: mein Dad ist da. Ich sehe, schmecke, fühle und rieche die Natur. Bäume, Blüten, Blätter, Wiesen, Sonne, Regen, Wind.Vögel, Schnecken, Frösche, Rehe, Hasen, Kühe, Hummeln. Kälte und Wärme. Ich höre das Rascheln der Gräser, das Zierpen der Grillen, das Lachen der Kinder, das Pfeifen des Windes und meinen Herzschlag. Ich lebe.

Gemeinsam mit meiner Mutter, meinem Bruder, meinem Freund und all unseren Freunden leben zu können ist ein großes Glück. Auch wenn uns unendlich viel Schlechtes widerfahren ist, und wir zwei der wichtigsten Menschen in unserem Leben verloren haben, die täglich fehlen, sind wir froh uns zu haben. Und wir versuchen das Beste aus jedem Tag zu machen, das Leben weiter zu leben. In solchen Zeiten verändert sich das Glück.  Es gibt Momente, da fallen einem unzählige Gründe ein, um aufzugeben, aber ein einziger Grund kann reichen, um es nicht zu tun. Auch wenn das glücklich sein (noch) nicht so funktioniert wie früher. Wir haben und halten uns und das alleine ist schon Glück genug.

Glücklich sein bedeutet für mich außerdem Zeit zu haben. Zeit, zum Inne halten. Zeit zum Genießen. Zeit zum Leben. Ich bin in der glücklichen Situation, mir diese Zeit einfach genehmigen zu können. Wer dazu mehr lesen möchte, sollte den oben verlinkten Artikel „So soll es bleiben“ lesen, dann wird einiges klarer 🙂

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All diese kleinen Momente können nicht gekauft werden. Sie sind sogar unbezahlbar!
Ich bin der Meinung, dass wir einen Großteil des Gefühls von „glücklich sein“ ganz alleine in der Hand haben. Denn glücklich sein hat kaum etwas mit dem eigentlichen Sinn von „Glück haben“ zu tun. Viel mehr schaffen wir mit unseren Gedanken, Ansichten und (Wert)Vorstellungen unsere Realität. Wenn ich täglich damit beschäftigt bin, mich in Selbstmitleid und Trauer zu suhlen, mir Gedanken zu machen und Angst vor Verlusten zu haben, dann empfinde ich kein Glück. Im Gegenteil fühle ich mich sogar miserabel. Ich sehe in solchen Momenten nur das Schlechte. Stehe unter Strom und mache mir das Leben noch schwerer.
Man kann all das aber beeinflussen. Nicht nur, in dem man sich selbst immer wieder das eigene Glück vor Augen hält, sondern auch mit den richtigen Gedanken. „Niemand kann glücklich sein, wenn er keine Gedanken der Zufriedenheit und des Glückes pflegt.“ (Marc Aurel). Manch einer mag das für Hokus Pokus halten, wer sich aber erst mal darauf einlässt, der wird vielleicht auch erkennen, dass positive Gedanken funktionieren können.

Mantras sind kein Hokus Pokus. Eigentlich nutzen wir diese Methode fast alle in unserem Alltag und merken es gar nicht. Wie oft haben wir uns gesagt „Ich schaff das!“ oder „Jetzt reiß dich mal zusammen.“ oder „Du ziehst das jetzt durch.“ Vielleicht auch „Eigentlich bist du doch ganz hübsch!“ oder „Du bist liebenswert.“ All das sind Mantras. Und wir können uns, zum Beispiel zum glücklich sein, unsere eigenen Mantras erfinden. Wichtig dabei ist, dass wir uns diesen Gedanken, diese Worte, täglich (gedanklich oder laut) vorsagen. Immer und immer wieder. Auch wenn es uns mies geht. Vielleicht ein einfaches „Ich bin glücklich.“ für den Anfang. Manchmal hilft es auch, erst tief in den Wald zu gehen und wie eine Irre am Spieß zu schreien und danach hysterisch anzufangen zu lachen.

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Überhaupt kann Euch die Natur einiges zum glücklich sein mit auf den Weg geben. Gerade nach einem wirklich beschissenen Tag kann es ein Segen sein, sich in den Wald zurück zu ziehen und inne zu halten. Zu sich zu finden. Vielleicht streckt man die Arme aus und atmet tief ein. Vielleicht lauscht man einfach nur dem Treiben des Waldes. Oder man schreit, lacht, weint. Für mich gibt es auf jeden Fall kaum einen besseren Ort, um Ruhe zu empfinden. Und damit schließt sich der Kreis auch schon wieder. Das Glück liegt in den kleinen Dingen und Ruhe ist der Schlüssel zu all dem für mich.

Die Frage danach, ob ich glücklich bin, beantworte ich natürlich auch noch:
Ja, ich bin glücklich. Eigentlich fühle ich mich fast ein wenig schlecht das zu sagen aber es entspricht der Tatsache. Man kann auch glücklich sein, wenn man traurig ist und einen Menschen schmerzlich vermisst. Auch wenn mein Vater und mein Opa fehlen, jeden Tag aufs Neue, bin ich glücklich. Anders als vorher, sicher auch nicht wunschlos aber glücklich.

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Über den Autor

Die Checkerin

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Kommt selten schnell auf den Punkt, trifft aber irgendwann trotzdem den Nagel auf den Kopf.

14 Kommentare

  • ein wundervoller beitrag !! du sprichst mir aus der seele..genau so ist es !
    ich bin ein richtige pessimistin..! und mir gings damals nicht so gut…heute gehts mir besser..zwar nicht so gut das ich rundum glücklich bin aber immerhin besser und ich weis was mich glücklich macht. Mich macht zum beispiel glücklich tiere zu beobachten..egal ob es ein vogel ist..oder eine katze.. Ich liebe es mit mein fahrrad in der natur zu fahren und wenn ich mal eine pause mache einfach mal lauschen und entspannen..ist so schön wenn die vögelchen zwitschern oder wenn man ein eichhörnchen mal sieht 😀
    Habe auch damals oft gedacht das dinge die man sich kauft oder kaufen kann glücklich machen bzw mich hats immer so glücklich gemacht..aber auch nur ganz kurz..dann wieder gab es ein tief..

    naja bin froh das ich weis was mich glücklich macht bzw. wenn ich mal traurig bin dann hilft mir es sehr.. gerade die kleinsten dinge am tag macht einen sooo glücklich 🙂

  • Genau so!
    Jeder ist seines Glückes Schmied heißt ein schönes Sprichwort – nicht zu unrecht.

    Und ich finde es auch wichtig, sich selbst zu erlauben, glücklich zu sein – gerade, wenn einem schwere Schicksale widerfahren sind. Die Leute, die sagen „wie kann man nur lachen und Spaß haben“, wissen gar nichts. Das Leben muss weitergehen und nur, wer in der Lage ist, neues Glück zuzulassen, kann auch wieder glücklich sein.

  • So ein wunderschöner Beitrag ! Schon allein den Beitrag zu lesen, gibt einem ein gutes Gefühl und ein wenig Glück 🙂 Ich finde, es super, wie du es schaffst auch mit traurigen Situationen umzugehen und auch daraus Kraft zu schöpfen! Sehr inspirierend.

    Liebe Grüße,
    Kiamisu

  • Liebe Sanny,
    hab das tief atmend in mich aufgesaugt, Du hast so Recht.
    Ich bin seit einiger Zeit auch auf diesem Weg, mir gefällt er. Es bedarf so so wenig, glücklich zu sein.
    Schade für die Menschen, die sich selbst unter einen enormen Druck setzen und dabei total vergessen, das Leben zu genießen.
    Liebe Grüße
    Marion

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