Aus dem Leben

Immer wieder Sonntags 102

Auf dem Blog war das eine recht ruhige Woche. Nach den letzten Wochen, in denen der Blog von Euch gestürmt wurde, war das aber auch mal ganz ok. Viel Interessantes ist auch außerhalb des Blogs nicht gewesen. Momentan setze ich meine Selbstfindungsphase weiter fort und bin an einem Punkt angelangt, wo ich mir selbst eingestehen musste, ein echtes Problem mit meiner Internetnutzung zu haben. Holt Euch besser nen Kaffee, es startet einer meiner vielen, geistigen Ergüsse, der die letzten Wochen, zu diesem Thema, gedanklich zusammen fasst. Wie immer bei „Immer wieder Sonntags“ wild runter geschrieben:

Klar, es gibt viele, die das Internet und das Handy noch deutlich exzessiver nutzen als ich. Die WIRKLICH von morgens bis abends dran hängen und rumdaddeln, die keine Sekunde ohne können und nervös werden, sobald sie ihr Handy irgendwo vergessen. Zu dieser Gruppe gehöre ich nicht. Nicht mal annähernd. Es gibt für mich Tabus und ich kann verzichten, wenn ich will oder muss. Und ja, klar. Das Internet gibt mir viel. Ich verdiene damit einen Großteil meines Geldes. Ich habe viele Möglichkeiten etwas zu bewegen. Habe viele, tolle Menschen kennen gelernt (nicht zuletzt meinen weltbesten Freund).

Aber ich merke, wie mich das Internet dumm und unglücklich macht. Wie es mich vom Wesentlichen abhält und mich das immer häufiger und nachhaltiger sauer macht, weil einerseits meine Gedanken immer darum kreisen („Oh, hier, das musst Du teilen!“ – „Hm. Seit 3 Tagen nichts gepostet, Du solltest mal wieder.“ und auch „Mama war seit gestern Abend nicht mehr online, ist da was passiert?“), mir so viel Zeit flöten geht und ich andererseits so viele Menschen sehe, die nur auf Ihr scheiß Smartphone starren. Zu denen will ich nicht dazu gehören.

Ich weiß, es gab schon mehrere Phasen, in denen ich mich dem Digital Detox widmete und mich aufregte, dass mein Leben im Smartphone Platz findet. Immer wieder habe ich versucht, meinen Konsum alleine zu regulieren. Es ist ein Teufelskreis. Wenn ich mein Smartphone nicht habe, dann fehlt es mir nicht, wenn ich es aber da habe, dann will muss ich es nutzen. Dämliche Digital Detox Apps, Nutzungszeiten und andere Ideen haben nicht geholfen.

Ich brauche für alle Veränderungen in meinem Leben Zeit. Das Rauchen aufzuhören hat 15 Jahre gedauert, wieder Sport zu treiben ebenso lang. Meine Ernährung umzustellen brauchte 3 Jahre, mich auf mich selbst zu konzentrieren und von vielen Dingen zu lösen fast 30 Jahre. Jetzt scheint die Zeit also für diese Veränderung reif :-)

Das Fass zum Überlaufen gebracht haben jedenfalls gleich mehrere Situationen in den letzten Wochen:

  1. ich saß letzte Woche beim Arzt im Wartezimmer und alle haben wie Zombies da gesessen und auf Ihr Smartphone gestarrt. Mein Handy habe ich ganz bewusst in der Tasche gelassen und gemerkt, dass ich gar nicht mehr weiß, was ich tun kann, wenn ich nicht aufs Handy starre.
  2. am Wochenende bei Jenny haben wir ständig am Handy rumgefummelt. Jenny hat mich gefilmt oder Fotos gemacht, als ich die Treppen hoch kam, als wir gegessen haben, als wir fern gesehen haben, als ich vom Klo aus dem Bad kam, als wir gefrühstückt haben, als ich mit dem Hund gekuschelt habe (…). Locker 75% der Zeit waren wir am Smartphone. Ich bin also 2,5 Stunden nach Hannover gefahren, um das zu machen, was ich eh immer mache. Nur in Gesellschaft. Statt dass wir einfach raus gehen, Hannover erkunden, mit dem Hund ne große Runde gehen, anstatt 10 Minuten um den Block usw. Rückblickend betrachtet völlig Banane, so schön die Zeit auch war.
  3. ich bin im Kopf total „voll“ und kann mich nicht mehr konzentrieren, obwohl ich eigentlich nichts erlebe. All die Informationen, die ich über die sozialen Medien aufsammel, von völlig fremden Menschen, ich kann das nicht mehr verarbeiten. Montag fiel mir dann plötzlich vor lauter „Kopf voll“ nicht mal mehr der Name von unserem Kater Bongo auf Anhieb ein. Kurz hatte ich sogar Angst, irgendwie ernsthafter krank zu sein. Ich kann mich aber einfach gar nicht mehr richtig konzentrieren, weil alles um diesen Scheiß schwirrt. Man denkt den ganzen Tag nach, aber niemals über das Wesentliche, sondern über irgendeinen Shit, der durch die sozialen Medien verursacht wird.
  4. ich sitze am PC und lese von einer Fremden, die widerrum von Ihrer Freundin erzählt, deren Freund schwer erkrankt ist. Bis ins kleinste Detail wird darüber berichtet, wie es dem Freund geht, wie es der Familie geht, was es mit allen macht und was für Dinge im Detail zu regeln sind. Man verliert absolut die Grenzen. Niemals würde man sich irgendwo hinstellen, Fotos von Familienmitgliedern oder Freunden zeigen und davon erzählen, wie es denen gerade geht. „Omma hat Parkinson und ist inkontinent – hier guckt Euch mal die Fotos an, ist ne ganz Liebe und die Situation für uns ist UNFASSBAR schwer aber machse nix.“ „Hey Leute, hört mal zu ! Mein Oppa hat ein Alkoholproblem, deshalb schlägt er ständig meine Oma. Hier sind ihre blauen Flecken. Es ist so traurig.“ „Oh meine Freundin hat n fetten Abszess am Hintern der nicht zugeht. Das tut mir so leid, was die für Schmerzen hat.“. Das geht doch niemanden etwas an, Leute! Wieso sollte ich über den gesundheitlichen Zustand meiner Oma, über etwas, das Marius oder seine Familie betrifft oder über eine Freundin von mir erzählen. Diese Menschen können sich ggf. nicht mal dagegen wehren, wenn ich der halben Welt von ihren Leiden erzähle. Ich teile gerne Dinge über MICH, die vielleicht aus der Sicht einiger anderer nicht hier her gehören, die aber eben NUR MICH betreffen und wo ich persönlich entscheide, was ich hier erzähle. Das wiederum mache ich vor allem, weil es zu „meinem Business“ gehört, weil ich damit vielleicht andere Menschen erreichen, ermutigen und aufwecken kann. Aber ICH entscheide das. Niemals würde ich wirklich private Dinge über meine Familie oder Freunde öffentlich im Internet breit treten. Schon gar nicht ohne deren Wissen. Über das private Schicksal anderer Menschen öffentlich zu sprechen, das passiert immer aus sehr egoistischen Zwecken. Gerade das find ich dabei so grausam. Über sich selbst kann man schreiben, was immer man will. Aber wenn ich da jemanden sehe, der wiederum die Krankengeschichte eines anderen nutzt, um sich selbst als Heiland oder Opfer oder weiß der Geier was sonst darzustellen, da fehlen mir die Worte. Ich hab 1 x auf Instagram über den aktuellen Gesundheitszustand eines Familienmitglieds geschrieben und das Ganze wenige Stunden später völlig schockiert gelöscht. Weil es niemanden etwas angeht. Niemanden! Wer bin ich, dass ich Details aus dem privaten Leben anderer Menschen mit Fremden im Netz teile? Für mich eine der wichtigsten Situationen, um sich diesem ganzen Irrsinn bewusst zu werden. Ich wollte es Teilen, um irgendwie was zurück zu bekommen. Mitleid, Verständnis, ein offenes Ohr. Dabei habe ich reale Freunde, einen Partner, eine Familie. Es ist so krank.
  5. alles andere steht hinten an, weil ich mich weder aufraffen noch konzentrieren kann. Wenn ich mich um was kümmere, dann sind es Probleme anderer. Meine Ideen, meine Vorhaben sind seit einem dreiviertel Jahr komplett auf Eis gelegt worden. Montag ist mir das aufgefallen. Meine wirklich guten Ideen und all das, was ich dafür bereits vorbereitet habe, habe ich einfach stehen und liegen lassen. Dabei geht es um MEINE Träume, Ziele und vor allem um unsere Zukunft.
  6. ständig vergleiche ich mein Leben mit dem Fake-Instagram/Facebook Leben anderer, fühle mich dadurch schlechter, bin aber unfähig was zu ändern, weil ich ja am Handy rumgammel. Die Anderen machen bessere Fotos, haben tollere Ideen, ein eigenes Haus, blabla. Völlig bescheuert! Insbesondere, wenn ich die wirkliche Realität betrachte, in der es mir besser geht als sicher 50% dieser Fake-Leute. Und obwohl ich das eigentlich weiß, fühle ich mich „blöder“.
  7. ich versuche mir im Netz über die sozialen Medien Anerkennung zu holen. Mit das wichtigste Eingeständnis dieser Woche. Es ist ein Fakt. Ich habe oft das Gefühl, außerhalb weing(er) Anerkennung zu bekommen. Fühle mich wertlos, nutzlos und unwichtig. Aber im Internet, da „bin ich wer“ da „zähl ich“. Völlig bescheuert, weil es eben auch gar nicht so ist. Den Nutzern ist es letzten Endes scheißegal WER sie da bespaßt. Nach vier Wochen oder ein paar Monaten hätte mich jeder vergessen.

Das Maß war für mich Montag voll. Nachdem ich ne Stunde verzweifelt geheult habe, hab ich mich mit Marius zusammen gesetzt und ihm mein Handy gegeben. Er hat den Pin-Code geändert und gibt mir das Handy nur, wenn ich z.B. Codes für die 2-Faktor Authentifizierung benötige, bei WhatsApp meiner Familie/Freunden antworten „muss“, oder es was für den Blog zu teilen gibt. Es gibt kein sinnloses Rumsurfen mehr, kein Facebook und Instagram mehr, außerhalb des Blogs oder einer wichtigen Unterhaltung. Meine Erkenntnisse sind dieselben, wie auch sonst schon: es tut gut, mir fehlt nichts. Ich merke nur, dass ich immer noch glaube, reagieren zu müssen. Auf Kommentare, auf Nachrichten, auf ein Like. Und dass ich oft denke „Oh, das jetzt mal eben teilen.“ aber mir dann gleich auffällt, wie sinnlos dieser Gedanke aber auch das, was ich für „Teilenswert“ halte, eigentlich ist. Fakt ist, dass bisher nichts (für mich persönlich) Wichtiges war. Es ist ein Luxusartikel, den ich eigentlich nur für meine Arbeit brauche.

Nachdem ich mich diese Woche davon getrennt habe, habe ich die Zeit, die ich mal wieder hatte, ordentlich genutzt. Ich habe eine erste „Testphase“ für eines meiner momentan noch geheimen Projekte eingeleitet und warte gespannt auf die Ergebnisse. Ich habe zum ersten Mal seit Jahren meine Freundin an ihrem Geburtstag morgens angerufen, statt ihr zu schreiben und sie hat sich unwahrscheinlich gefreut (das war übrigens das schönste Erlebnis in dieser Woche!). Ich habe Postkarten selber gemalt und werde sie verschicken. Habe gemerkt, wie meine Konzentrationsfähigkeit jetzt zum Ende der Woche hin deutlich besser wurde. Mit Marius erste Urlaubspläne geschmiedet. Und ach, diese Liste könnte ich wirklich noch lang fortführen. Ich habe SOFORT eine Besserung gemerkt und alleine deshalb wird das so nun fortgeführt. Da ich selbst es einfach nicht reguliert kriege, muss es so laufen, wie es jetzt ist. Find’s aber auch völlig in Ordnung.

Diese Woche gab es außerdem noch eine Zusage für das schöne Bloggertreffen #AbenteuerBrodenbach in Brodenbach im Ehrbachtal. Dort darf ich, gemeinsam mit insgesamt (ich glaube) 15 anderen Bloggern teilnehmen. Was auf mich wartet klingt super toll:

  • Einblicke in die Kräuterküche & zauberhafte Kochmomente mit Christian von der Historischen Mühle Vogelsang.
  • Abendessen mit mystischer Lesung von Autorin Heike Rosa Maria Gaudenti.
  • Abenteuer-Wanderung durch die Ehrbachklamm mit Wanderführer Bastian Dick.
  • Abenteuer Camp (laßt euch überraschen) mit Achim Weiler.
  • Im Wein liegt die Wahrheit – Besuch Weingut Bernardy Brodenbach mit Weinprobe.
  • Burgführung auf der Ehrenburg.
  • Ortsführung Brodenbach mit Peter Schram, Klaus Hammes und Oswald Klein.

Ist natürlich voll mein Ding und ich freue mich schon sehr auf die neuen Eindrücke, das brauche ich denen, die mich kennen, wohl kaum erzählen :-) Schön war auch noch die Erwähnung von Frau Achtsamkeit in der „cosmia„. Ich selbst hab das gar nicht entdeckt, sondern eine Freundin von uns. Hab mich sehr gefreut, weil Frau Achtsamkeit mir ziemlich sehr am Herzen liegt, aber momentan immer noch (für meinen Geschmack) zu kurz kommt. Sonst war hier nix und ich bin die Internetzeit jetzt auch schon leid. Geht jetzt ab in die Küche :-)

|Gehört| bewusst nichts
|Gesehen| Dschungelcamp und Get the f*ck out of my house. Beides gleichermaßen trashig und doof.
|Getan| gearbeitet, gelesen, gesungen, gemalt, gelebt
|Gegessen| siehe Essensplan KW 4
|Gedacht| Handy weg! Das war wirklich mein erster Impuls und ich war sogar so wütend auf mich, dass ich im Moment der KRise am liebsten auch die Blogs gelöscht hätte. Zum Glück ist Marius mein Ruhepol und der, der den realistischen Druchblick behält.
|Gefreut| noch mehr gute Gespräche mit Marius, Erfolge mit meinen Projekten, die Zusage für den Ausflug nach Brodenbach
|Gelesen|nichts
|Geärgert|über mich selbst
|Gekauft|ich glaube, bis auf ein Geburtstagsgeschenk für meinen Bruder, war ich enthaltsam
|Geliebt| Abschalten.
|Geklickt|nix
|Geschrieben| nur „Was essen wir heute
|Geplant| nach Holland fahren, Pferde-Ausflugs-Zeit bei Lexa und sowas alles :-)

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Über den Autor

Die Checkerin

Frohnatur! - Freak! - Philosophin!
Kommt selten schnell auf den Punkt, trifft aber irgendwann trotzdem den Nagel auf den Kopf.

4 Kommentare

  • Hey Sandra,

    ich teile deinen EGdanken zu 100%! Mir geht es ganz genau so. Mein Freund und ich haben uns jetzt darauf geeinigt, einen Abend die Woche handy- und PC-frei zu verbringen. Wir vermissen nichts.
    Aber auch ich verbringe endlos viel Zeit am Handy. Weiß mich ohne manchmal gar nichts zu beschäftigen.
    Richtest du dir dann einmal am Tag eine Stunde ein, in der du dich dann um diverse Nachrichten etc. kümmerst? Und kannst du das Telefon denn wenigstens unterwegs nutzen ?(Falls mal was passiert o.ä.) oder wie handhabst du das dann?
    Ich muss auch noch einen Weg finden, das Handy aus meinem Alltag verbannen zu können. Abends könnte ich es ähnlich machen wie du. Tagsüber muss eine Lösung her. Vorallem weil es bald auf meine prüfungen zugeht und ich Ablenkung nicht gebrauchen kann.

    Danke für deinen Input … hab eine schöne Woche!

    • Hey Nicole,

      also bis jetzt machen wir es so: Marius hat mein Handy den gesamten Tag. WhatsApp Web ist auf der Arbeit am PC freigeschaltet, weil wir das (leider), ebenso wie Facebook, für die Arbeit nutzen. Ich bin ja u.a. Social Media Managerin, was mein Problem irgendwie nochmal schwerer macht, aber gut :-D Auf Facebook ist zum Glück ja kaum was los und da hab ich schon vor nem Jahr nen guten Weg für mich gefunden, damit gesund umzugehen. Das klappt auch echt gut.

      Zuhause gibt es momentan NICHTS am PC. Also nicht mal Youtube momentan, damit ich eben von diesem ewigen „Ah, ich sitz einfach dumm hier rum und scrolle durch die Timeline“ weg komme. Das hilft ganz gut, weil ich so eigentlich nur zum Arbeiten an den PC gehe und ihn danach ausmache.

      Ich hab mein Handy den gesamten Tag nicht. Instagram nutz ich morgens für 10 Minuten, um auf Kommentare vom Vortag zu antworten.
      Ansonsten sage ich Marius Bescheid, wenn ich einen Artikel teilen möchte und er gibt mir das Handy dann für weitere 5-10 Minuten. WhatsApp Nachrichten außerhalb der Arbeitszeit sondiert er für mich aus. Alles Unwichtige bleibt für mich unbemerkt, Wichtiges teilt er mir mit oder gibt mir das Handy zum reagieren.

      Falls Du Englisch kannst, empfehle ich dir den Artikel: https://www.theatlantic.com/magazine/archive/2017/09/has-the-smartphone-destroyed-a-generation/534198/
      Vielleicht manchmal überzogen, aber auf jeden Fall sehr viele, sehr gute Ansätze.

  • Ich verstehe dich total und einen Handy Entzug werde ich bald auch mal für eine Woche machen. Trotz allem, ich vermisse dich auf Instagram ganz doll! Bussi bussi ;-)

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