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Kolumne

Immer wieder Sonntags 137

Heute ist nicht viel mit mir los. Meine Oma liegt aktuell im Krankenhaus weil sie vermutlich wieder einen Infarkt hatte und ich bin einfach nur tierisch wütend. Weil die deutschen Krankenhäuser zum Großteil, zur Hölle nochmal, immer noch nicht auf Demenzpatienten eingestellt sind. Ja, ich weiß. Personalmangel. Demenzpatienten sind eine riesen Aufgabe. Alle geben sich Mühe. Blablabla. Ich habe dahingehend in den letzten acht Jahren so viel Fürchterliches erlebt und so viele Ausflüchte gehört, das mir persönlich absolut das Verständnis fehlt.

Wir haben all das 2010 und 2011 und 2012 schon einmal erlebt. Wie ein demenzkranker Mensch wegen „Es geht nicht anders“ am Bett fixiert wurde und wie am Spieß schrie. Voller Panik. Verzweifelt. Ohnmächtig. Meine Oma ist gerade in einer sehr ähnlichen Situation.  Eine schwere Situation für alle Beteiligten. Zu 100%, aber dennoch am aller meisten für den Demenzpatienten.

Ich krieg echt das Kotzen, wenn uns als Angehörige gesagt wird, dass wir entweder 24 Stunden bei ihr sein müssen oder sie fixiert werden muss, weil es nicht anders geht. Wenn ein hochrangiger Patient da wäre, WÜRDE es gehen. Und es geht auch, wenn entsprechend geschultes Personal da ist. Oder wenn man richtig Terz macht.

Die Person damals wurde verlegt, nachdem sie tagelang wegen „Es geht nicht anders“ fixiert wurde. Und sofort, als geschultes Pflegepersonal da war, ging es eben doch. Es brauchte, trotz „Fluchtgefahr“ keine Fixierungen mehr. Es wurde nicht mehr geschrien. Es gab keine Angst mehr.

Weil ich es SO scheiße oft erlebt habe, wie mit Demenzpatienten umgegangen wird, weil man überfordert ist und keine anderen Mittel möglich machen darf/kann/will, macht es mich jedes Mal aufs neue deutlich wütender, wenn ich diesen Scheiß wieder und wieder hören muss. Die Verantwortung für die Fixierung wird an uns weiter gegeben. Sie können nicht 24 Stunden am Bett sitzen weil sie arbeiten müssen? Tja, das tut uns leid. Dann müssen wir sie leider ans Bett fesseln. Ich find es erbärmlich. Der Patient leidet nämlich, wie immer bei solchen Sachen, am aller meisten darunter. Genau das ist der Punkt, an dem ich kein „Ja aber blablabla“ akzeptieren kann. Ich habe kein Verständnis und kein Mitleid, weil es eben um meine Familie geht. Und weil ich weiß, dass es anders geht, wenn es um die Familie des Personals oder gar der Ärzte geht.

Ich könnte ein ganzes Buch mit meinen Erfahrungen füllen, viele von Euch können mit meiner Wut hier jetzt wahrscheinlich nicht mal was anfangen. Andere arbeiten selbst als Pflegepersonal und fühlen sich wahlweise angegriffen oder wissen um die Umstände, sind über die Jahre aber abgestumpft (viele meiner Bekannten berichten genau das :-( ) . Muss man wahrscheinlich auch. Das hier soll zum Thema reichen. Ich konnte mich immerhin etwas abreagieren ;-)


Viel mehr gibt es von dieser Woche allerdings auch nicht zu berichten. Ich habe vor allem gearbeitet. Nicht zuletzt, damit endlich unsere wunderschönen Designer Keramik Öllampen online gehen konnten. Das war mit einem Haufen an Arbeit verbunden, aber ich freue mich, dass ich es letzten Endes doch noch an diesem Wochenende geschafft habe. Aktuell sind die erste 16 Modelle im Shop erhältlich.

Ich bin, seit ich die erste Öllampe aus der Kollektion sah, absolut Öllampen-verrückt. Irgendwie sind die Dinger aus der Mode geraten, dabei sind sie nicht nur nachhaltiger sondern (zumindest für meinen Geschmack) auch viel wunderschöner, als z.B. Teelichte samt Teelichthalter. Einige Pyramiden sind übrigens maßstabgetreue Nachbildungen der Cheopspyramide von Gizeh und damit ein ganz besonderes Unikat. Ich hatte bei Instagram schon meine Begeisterung für diese Art von Kunst geteilt. Irre gut! Neben der Arbeit waren wir gestern dann noch bei Marius Familie in Werne um, wie jedes Jahr, auf die Werner Kirmes „SimJü“ zu gehen. Das hat wie immer großen Spaß gemacht.


Als „Lückenfüller“ kann heute außerdem das Thema „Alkohol“ dienen. Mein Alkoholkonsum schwirrt mir schon lange durch den Kopf. Vor etwas über einem Jahr schrieb ich das dazu.

Letzte Woche habe ich mich bzw. haben wir uns dazu entschlossen, vorerst keinen Alkohol mehr zu trinken. Halt einfach mal so. Mir geht es einfach auf den Sack, dass Alkohol so normal geworden ist. Auf Partys sowieso. Hier ein Gläschen, da mal eins. „Wie, du trinkst keinen Alkohol? Du Arme, musst Du noch fahren? Nicht? Bist du schwanger? Wie? Du trinkst einfach nur so nicht? Sei keine Spielverderberbin. Komm schon! Oh man, du Spaßbremse.“. Es ist für mich SO normal gewesen, dass mir lange gar nicht auffiel, wie selbstverständlich es für mich geworden ist, Alkohol zu trinken.

Als Marius und ich damals zusammen kamen, trank er nahezu gar keinen Alkohol. Wenn wir mit meiner Familie oder Freunden zusammen saßen und er nicht trinken wollte, wurde er immer darauf angesprochen. Langweiler. Ach komm schon. Bist Du nicht gut drauf? Und ich hatte das Gefühl mich rechtfertigen zu müssen. „Ne, der Marius ist nicht so gut drauf heute.“ Ich hatte immer ein ganz schlechtes Gefühl und für ihn war es auch fürchterlich. Denn ich hab auf ihn eingeredet. Komm schon, das wird Dir gut tun. Das macht Spaß. Los. Blabla. Und irgendwann begann er mit zu trinken. Mir zuliebe quasi.

Wenn ich das heute so rückblickend betrachte, find ich es fürchterlich und schäme mich dafür. Dass es mir unangenehm war, dass mein Freund keinen Alkohol trinken wollte. Dass ich das Gefühl hatte, mich dafür rechtfertigen zu müssen. Dass ich es gleichsetzte mit: Der hat schlechte Laune / dem geht es nicht gut. Furchtbar.

Im letzten Jahr habe ich mich jedenfalls immer wieder mit meinem Alkoholkonsum beschäftigt. Anfänglich haben wir am Wochenende und unter der Woche manchmal „zum runter kommen“ Whisky Cola getrunken. Vor rund einem dreiviertel Jahr haben wir das komplett eingestellt und sind dann aber wenig später auf Wein umgestiegen. Ein gemütliches Glas Wein. Völlig ok und ja ab und zu wirklich gemütlich und ein Genuss. Aber auch da wurde es irgendwann so zur Gewohnheit, dass das Glas Wein eigentlich zu einem gemütlichen Wochenende dazu gehörte. Und gern auch zum Essen. Auch dieses Verhalten habe ich einige Monate bei mir beobachtet und jetzt die Entscheidung getroffen, dass ich eben erst mal keinen Alkohol mehr trinken möchte.

Die Frage: „Warum trinkst Du Alkohol?“ beantworte ich meist nicht mit „weil es so gut schmeckt“, sondern eben sowas wie „weil ich runter kommen kann“ „weil ich was vergessen kann“ „weil ich mich sonst nicht traue zu tanzen“ oder irgendwie sowas. Das ist etwas, das ich nicht mehr will. Ich möchte Alkohol nicht mehr trinken, wenn es etwas anderes irgendwie „besser machen“ soll oder es „dazu gehört“ Solange das so ist, trinke ich nichts mehr, das hab ich mir geschworen und das zieh ich natürlich auch durch.

Ich hatte das Thema jedenfalls vorgestern schon auf Instagram angesprochen und die Resonanz war, wie so oft, echt erschreckend. Es gibt so viele Menschen, die für den Verzicht auf Alkohol verurteilt werden. Viel häufiger werden sie verurteilt, als dafür z.B. gelobt oder sogar bewundert zu werden. Weil Alkoholkonsum als legale Droge wie Tabak so gesellschaftsfähig geworden ist. Selbst in der Schwangerschaft: „Ach, das kleine Gläschen! Was soll das schon anrichten“. Geht gar nicht klar. Will ich nicht mehr. Mach ich nicht mehr.

Ich befreie mich damit gleichzeitig natürlich auch mal wieder von meinen eigenen Vorurteilen. Denn ich bin ja genau so eine: „Wie, die trinkt keinen Alkohol? Seltsam Tusse. Mega langweilig.“ „Weichei. Was ein seltsamer Typ.“. Ich bin Meisterin im „schön saufen“ und „locker saufen“ gewesen. Alleinunterhalterin und Tänzerin ab 2 Promille. Läuft bei mir. Ab jetzt aber halt nicht mehr :-)


Heute geht es zum Räucherabend zu Lexa auf den Begegnungshof und ich glaub wenn ich wieder komme, muss ich noch ne Runde in die Wanne oder meditieren oder vielleicht besser noch die Kali Meditation machen. Meine Wut ist jetzt nämlich einfach mal wieder unterdrückt worden von mir und ich lerne eigentlich gerade, genau das eben nicht mehr zu tun. Muss wohl noch was üben.

Morgen wollte ich nun eigentlich zum Yatao Konzert in Köln, aber da wir in der kommenden Woche mein neues Produkt geliefert bekommen, meine Oma im Krankenhaus ist und ganz viel anderer Kram zu erledigen ist, habe ich mich heute dagegen entschieden. Ich würd es gar nicht richtig genießen können. Also abgesagt. War die richtige Entscheidung.


|Gesehen| heute noch ein paar Kraniche
|Gelesen| keine Zeit gehabt
|Gehört| noch ein paar Kraniche ;-)
|Getan| gearbeitet, geärgert, gehofft, geplant, geschrieben, geklärt, besucht
|Gegessen| unregelmäßig! Es gab auch keinen Essensplan, sorry :-)
|Gedacht| Wie entwickel ich Verständnis für etwas, für das ich kein Verständnis habe bzw. wie gehe ich damit um?
|Gefreut| über Kraniche, Salbei, Minze, eigene Ringelblumen-Samen, große Fortschritte, viel Arbeit
|Geärgert| über Krankenhäuser bzw. eigentlich sogar die Pflegesituationen im Allgemeinen
|Gewünscht| Ruhe.
|Gekauft| Nix! Hab ja bald Geburtstag und quasi Kaufverbot :-D
|Geliebt| die Aussicht auf Zeit für uns ganz alleine 
|Geschrieben| nichts, aber dafür ein Video gedreht
|Geplant| Arzttermin, Produkte auspacken, sichten, etikettieren, einpacken und verkaufen, mit Bongo zum Tierarzt, zu Marius Mama

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