Immer wieder Sonntags


Immer wieder Sonntags 157

Diese Woche war voller geschäftlicher Termine und Krankenhausbesuche (mittlerweile ist meine Schwiegermutter zum Glück wieder zurück im Heim – wer unsere Heim-Geschichte noch nicht gelesen hat: KLICK!). An dieser Stelle könnt ich jetzt eigentlich auch schon Ende machen :-) Aber mir sind diese Woche ein paar Dinge klar geworden und ich habe Entscheidungen getroffen, die Euch vielleicht interessieren und in denen ihr Euch wieder finden könnt. Los geht’s:

In dieser Woche habe ich die Entscheidung getroffen, dass ich mein privates Smartphone abschaffe. Die Grenzen verschwimmen dadurch, dass man 24/7 erreichbar ist. Dadurch dass ich immer so super freundlich und nahbar wirke, haben selbst entfernte Bekannte keinen Vertrag damit, mich am Wochenende abends oder gern auch mal unter der Woche um 23:00 Uhr anzurufen oder mir zu schreiben. Für Probleme, die sie selber lösen könnten oder einfach etwas, das auch bis Montag warten kann. Ich nicke immer freundlich, sage „Ja, kein Problem. Ja gerne. Na klar.“ und bin am Ende des Tages mit ALLEM beschäftigt gewesen, nur nicht mit dem, was für MICH wichtig ist. Abgrenzung fällt mir schwer, weil ich niemanden vor den Kopf stoßen will. Ein echtes Problem.

Vor anderthalb Jahren hatten nur wenige Personen aus meinem Umfeld meine Nummer. Da gab es solche Probleme nicht. Ich hab das natürlich selbst herbei geführt und muss es entsprechend selbst auch wieder beenden. Ich will mein Smartphone eigentlich schon lange wieder so wie früher nutzen, hab aber auch da den letzten Schritt (nämlich eine neue Nummer) lange gescheut.

Vorher hab ich einiges versucht. Mein Smartphone ist z.B. seit sechs Jahren IMMER lautlos und seit einem Jahr bekomme ich keinerlei Benachrichtigungen mehr. Vor ein paar Monaten habe ich außerdem die Social Media Apps gelöscht. Zwischenzeitlich gab es feste Nutzungszeiten (nur morgens 10 Minuten und abends 10 Minuten). Letzten Endes hat das aber, nicht zuletzt weil WhatsApp und Anruffunktion weiterhin verfügbar waren, eigentlich nichts verändert. Ich saß dann hier und hab das Smartphone blinken sehen weil jemand angerufen hat. Oder ich hab morgens Anrufe und Nachrichten in Abwesenheit von Bekannten / Kunden drauf gehabt und bekam ein schlechtes Gewissen. Sowas von bescheuert und ungesund.

Vor zwei Monaten habe ich meinen Vertrag gekündigt. Jetzt läuft der Vertrag in rund einer Woche aus. In den letzten zwei Monaten hab ich dann überlegt, ob ich die Nummer behalte oder nicht und mich dagegen entschieden. Nicht zuletzt auch, weil es zum Schluss so war, dass ich mich oft nicht mal mehr getraut habe, bei WhatsApp online zu gehen, weil sonst „alle“ sehen, dass ich online bin und anfangen mir zu schreiben oder anzurufen oder zu fragen, wann ich mich melde. Ich fühle mich mit der Entscheidung also auf jeden Fall sehr wohl und kann es quasi kaum erwarten ;-)

Für Geschäftskontakte gibt es bereits eine eigene Handynummer, so dass auch berufliches und privates endlich nicht mehr miteinander vermischt werden. Nach Feierabend bin ich dann für Kunden nicht mehr „mal eben“ erreichbar (es gibt natürlich auch hier immer Ausnahmen). Auch eine Sache, die im Online-Business echt selten eingehalten wird weil man sieht: Die ist ja (sowieso) online! Rufen wir mal eben an / schreiben wir mal eben. Deshalb verzichte ich beruflich künftig wohl auch auf WhatsApp

Die letzten Jahre haben mir gezeigt, dass die meisten diesen Service nicht richtig nutzen können. Für mich ist WhatsApp ein einfacher, schneller und unkomplizierter Informationskanal. Für viele andere eher eine Kontrollmaschine und ein Ort für unwichtigen SmallTalk. Da prallen Welten aufeinander und ich fühle mich dann immer, wie bei Aldi an der Kasse, wenn der/die hinter mir in der Schlange mal wieder in meinen Nacken atmet und viel zu nah kommt.

Ich denke, dass das für mich der beste Weg ist, um beruflich und privat, aber auch „das dazwischen“, voneinander zu trennen. Die letzte Zeit hat mir auf jeden Fall gezeigt, dass das etwas ist, das mir bisher nicht so gut gelingt, aber wichtig für meinen Alltag ist. Ich kann nicht immer die nette Sandra sein, zumindest nicht, wenn meine Gutmütigkeit und meine „Omnipräsenz“ dazu führen, dass ich mich letzten Endes schlecht fühle, es allen anderen aber super toll geht.


In dieser Woche haben wir es nicht geschafft, unsere tägliche Runde durch den Wald zu gehen und mein Sport ist morgens an vier Tagen ausgefallen. Die Konsequenz war in dieser Woche, dass ich mich unwahrscheinlich schlecht gefühlt habe. Es ging mir wirklich gar nicht gut, alte Verhaltensmuster wie z.B. die Angst aber auch die typischen psychosomatischen Symptome kamen wieder auf. Ein weiterer Hinweis darauf, dass ich mich mehr abgrenzen und die Probleme, Sorgen, Anforderungen und Erwartungen anderer nicht zu meinem Thema machen darf.

So Zeiten sind aber eben auch wichtig um zu bemerken, dass die Entscheidungen, die man getroffen hat (wie z.B. eben in Bezug auf die eigene Work-Life-Balance) nicht nur richtig, sondern auch wichtig sind. Mag sein, dass es Worcaholics gibt die es toll finden, ihr Leben 24/7 mit Arbeit zu verbringen. Ich hab mich nach Papas Tod ganz klar dagegen entschieden, weil ich oft genug gesehen habe und weiterhin sehe, dass das zu nichts führt. Außer vielleicht dazu, dass man wahlweise vor der Rente stirbt oder während der Rente plötzlich merkt, was man sein Leben lang alles nicht gelebt/erlebt hat.


Die letzten drei Tage hab ich nen Gang runtergeschaltet, zumindest äußerlich und in Bezug auf das Smartphone. Mein Kopf rattert noch weiter die to-do Listen ab. Aber nächste Woche gibt’s dann nochmal ne kleine Auszeit in Werne und zum Wandern, damit sich auch innerlich alles wieder beruhigt. Das war’s im Grunde auch von der Woche.

Schön war noch das Gesicht meiner Mama, als wir ihr Donnerstag zum Geburtstag ein richtig cooles Pilzzuchtset* geschenkt haben. War seit Jahren mal wieder so mutig etwas zu kaufen, dass sie sich nicht gewünscht hat. Hab da noch ein Trauma. Mein Vater und ich hatten zu Weihnachten mal die grandiose Idee, ihr einen Setzkasten mit Miniaturflacons zu schenken. Die fand sie früher mal toll. Wir waren Stunden in der Stadt, haben tolle Flacons gesucht und als sie das Geschenk ausgepackt hat, sagte sie ungefähr so was wie: „Ach du scheiße, neee! Einen Setzkasten wollt ich noch nie!“. Das war so ein fürchterliches Gefühl. Aber die Abneigung gegen diese ewigen Wunschlisten, die man fünf Tage vorher rumschickt, war größer als die Angst vor der Niederlage – zum Glück! ;-)

Wie war eure Woche? Neue Erkentnisse? Tolle Erlebnisse? Oder alles beim Alten? Erzählt mal!


Aphorismus der Woche|

Manche Menschen kennen keine Grenzen. Frei sind sie deshalb aber noch lange nicht.
© Ernst Ferstl

|Gesehen| Retten Veganer die Umwelt? und Veganer vs. Landwirte
|Gehört| Antenne Bayern und WDR 4 
|Getan| gearbeitet, gelesen, gekocht, geärgert, geweint, geredet, gestolpert, gefallen, gewachsen, gelernt, geschrieben, gegessen
|Gegessen| siehe „Was essen wir heute
|Gefreut| über ein ausgiebiges, wunderherrliches Frühstück und Mamas neuen Job
|Gelesen|Schmerz, Liebe, offene Weite: The Buddhist Path of Joy*“
|Geärgert| über mich selbst
|Gekauft| einige Bücher und zwar: „Mutterschaft*„, Dana Czapnik „Ich werde fliegen„, dann die „Die Smartphone Epidemie*„, Sarah Kuttners „Kurt*„,  „Mein Leben mit Martha*“ uuund „Was dich berührt ist ein Teil von Dir*“. Außerdem das Pilzzuchtset* für Mama und Mock Duck*
|Geliebt| meine Entscheidungen und die Aussicht auf Sonne
|Geträumt| leider kann ich mich dieses Mal an nichts erinnern
|Geklickt| so herrlich und zutreffend: „Warum ich keine Anrufe mag!„, außerdem mit etwas skeptischem Blick: „Sexcoaching: Selbstermächtigung durch Yoni Mapping & Co“ nicht meine Welt, aber trotzdem interessant zu lesen
|Geschrieben| darüber, warum heiraten plötzlich doch ein Thema bei uns ist 
|Geplant| wir fahren nach Werne, ich hab ein paar geschäftliche Termine und wir wollen endlich mal unsere eigene Homepage voranbringen und uns um meine Visitenkarten kümmern

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Über den Autor

Die Checkerin

[Sinnn­flu­en­cerin]
Person, die [in sozialen Netzwerken] Menschen mit großer Vorliebe zum Nachdenken anregt und mit unterschiedlichen Themen inspiriert

2 Kommentare

  • Das mit dem privaten Smartphone hört sich aufregend an und nachvollziehbar bei deinen Erfahrungen mit Anrufen etc. noch spät abends (ich bin übrigens so aufgewachsen, dass man sich nur bis zur Tagesschau meldet- danach nur in Notfällen oder wenn es abgesprochen ist). Ich finde es sehr grenzüberschreitend, wie sich dir gegenüber verhalten wurde/wird. Ein bisschen durfte ich ja deine Versuche mit der Handynutzung/Social Media mit erleben und kann mir gut vorstellen, dass dieser Schritt hilfreich ist! Über deine Erfahrungen hierbei zu lesen fände ich toll 😊 Und ich freue mich darauf, dir dann künftig ganz old school Karten/Briefe zu schreiben :-)
    Da ich nur ein Smartphone habe, kann ich nicht so ohne weiteres darauf verzichten, habe es aber zu 95% auch auf lautlos/vibrierend, Benachrichtigungen habe ich schon vor langer Zeit ausgeschaltet. Was ich aktuell wieder merke, ist, wie gut der Social Media Verzicht ist. Statt 6-9 Stunden Handynutzung täglich sind es jetzt „nur“ 1-4 Stunden (je nachdem, was getan werden muss) und könnte mir gut vorstellen, entweder weiter zu verzichten oder auf 1x wöchentlich zu reduzieren. Dieses Überdenken der Handy-/Social Medianutzung ist übrigens weitestgehend dir zu verdanken. Danke hierfür!

    • Liebe Yara,

      das ist wirklich meine Hoffnung, quasi „back to the roots“ auch wieder öfter über Karten und Briefe zu kommunizieren. Ich werd hier auf jeden Fall davon berichten, wie sich das alles weiter entwickelt! Deine Idee, auf 1 x wöchentlich zu reduzieren find ich gut. Ich glaub das ist ein guter Kompromiss, auch weil dir der Austausch bei Insta z.B. ja trotzdem auch gut tut.

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