Immer wieder Sonntags


Immer wieder Sonntags 240

Hinweis
Dieser Artikel enthält mit einem * markierte Partnerlinks d.h. wenn ihr den Links folgt und Waren erwerbt, erhalte ich ggf. eine Provision. Mehr dazu findet Ihr in den Datenschutzrichtlinien und bei der Werbekennzeichnung.

|Gesehen| “Lockdown Light? Muss ich das verstehen?(unterschreibe ich zu tausend Prozent) und “Vegane Ernährung für Kinder gehört verboten!
|Gehört| meine Playlists
|Getan| gearbeitet, gelesen, geschrieben, gesammelt, geräuchert, gelernt, gebastelt, gemalt
|Gefreut| über gute Nachrichten und wasserfeste Socken*
|Gelesen| “Kognitive Verhaltenstherapie der ADHS im Erwachsenenalter*” und “Eine andere Art, die Welt zu sehen*”
|Gekauft| Bactisel* und Heilerde* für Bongo
|Geschrieben| neue Buchinspiration und Was essen wir heute und ganz vergessen zu erwähnen: Meinen Rauhnächte Guide mit den Artikeln:Was zu den Rauhnächten räuchern“, “Aberglaube, Bräuche und Verbote zu den Rauhnächten“, “Welche Rituale zu den Rauhnächten“, “Vorbereitungen für die Rauhnächte“, “Rauhnächte Themen und Fragen zur Selbstreflexion” und “Welche Edelsteine passen zu den Rauhnächten?
|Gestreamt| nope.
|Geplant| FreiTalk zum Thema ADHS auf Twitch streamen (Freitag 06.11. um 18:00 Uhr) und meinen Geburtstag bewandern


Hallo November, hallo Lockdown

Der November ist (glaube ich?) einer meiner Lieblingsmonate. Ich mag es total, wie sich jetzt alles zurück zieht. Man spürt mit dem November, dass ein Jahr zu Ende geht. Lichter erhellen die Dunkelheit und spiegeln sich so schön vertraut im Regen. Irgendwie ruft gerade der November bei mir ein totales Gefühl von Vertrautheit und Geborgenheit hervor. Einige glauben vermutlich, dass ich nicht mehr alle Tassen im Schrank habe, aber ja, ich liebe das.

Ich liebe es, durch die verregneten und oft menschenleeren Wälder zu streifen, Nebel aufsteigen zu sehen, dass es spät hell und früh dunkel wird. Ich mag die Geräusche, Gefühle, Gerüche und das Aussehen des Novembers.

Passend zum Rückzug gibt es jetzt auch den Lockdown “light”, wobei die meisten Menschen genug vom Rückzug haben. Das hat man die letzten Monate ja bereits mehr als deutlich zu spüren bekommen. Der Kessel brodelt. Die Menschen wollen raus. Gefühlt waren Marius und ich mit die einzigen Menschen dieses Planeten, die das gesamte Jahr über nicht fröhlich-sorglos ihre Kontakte pflegten.

Insgesamt scheint die Gesellschaft gespaltener denn je. Man spürt Aggressivität an jeder Ecke. Mit der dunklen Jahreszeit, die den allermeisten sehr zusetzt, noch mehr als sowieso schon. Millionen Menschen haben allein in Deutschland Sorge um ihre Existenz und Zukunft.

Das Vorgehen der Regierung, die Handlungen einzelner Politiker und die Entscheidungen, Regeln & Verbote im Gesamten sind zum Teil nicht nur verwirrend, sondern auch nicht nachvollziehbar – das führt zu Unverständnis & Unzufriedenheit, auf allen Seiten.

Ich sehe mich, was die Corona-Sache angeht, weiterhin in einer relativ privilegierten Lage. Zwar setzt auch mir das Ganze finanziell zu, ich habe aber den entscheidenden Vorteil, all das drumherum nicht zu brauchen oder zu vermissen. Ich brauche, nutze und vermisse keine Friseure, Fitnessstudios, Shopping-Malls, Cafés, Bars, Konzerte etc. Ich treffe mich zudem insgesamt nur sehr selten mit Freunden, vermisse also auch in dieser Hinsicht nicht wirklich was.

Das, was mir, neben der finanziellen Sache, weh tut, ist die Angst um meine Mitmenschen. Ich habe Angst um meine Familie. Um Menschen, die zur Risikogruppe gehören und sich selbst teilweise nicht schützen können. Ich möchte niemanden an Corona verlieren, nur weil ein Fremder die Gefahren und Regeln nicht ernst nimmt und weiter sein Ding durchzieht.

Ich habe in diesem Jahr so viele Menschen erlebt, die Verständnis für sich einfordern. Dafür, dass sie das Gefühl haben, dass die Demokratie gestürzt wird, dass Corona eine Erfindung von ganz oben ist, dass alles übertrieben ist, dass sie keinen Mundschutz tragen können und keinen Abstand halten wollen weil Freiheit (11elf!).

Leider geht es in diesem Fall aber eben nicht mehr um die Freiheit jedes Einzelnen. Ich habe Anfang des Jahres schon geschrieben: wir sitzen mitten im Meer im selben Boot, können sogar das Ufer in weiter Ferne sehen. Aber es macht halt keinen Sinn zu hoffen, das Ufer zu erreichen, wenn einer ständig die Paddel ins Meer schmeißt und “FREIHEIIIT!” verlangt.

Die Probleme bzw. auch Folgen des Lockdowns und der mangelhaften Kommunikation insgesamt bringt das Video von LeFloid jedenfalls wirklich gut auf den Punkt.


Lockdown Geburtstag

Auch hier ändert sich letzten Endes für mich nicht so viel (außer das nächste Woche “Immer wieder Sonntags” wegen meinem Geburtstag ausfällt :-) ). Die letzten Jahre war ich über meinen Geburtstag meist im Schwarzwald oder sonst irgendwo mitten in der Natur und bin mit Marius den ganzen Tag wandern gewesen. So ähnlich wird es in diesem Jahr also auch sein. Nur mit dem Unterschied, dass wir hier bleiben. Damit habe ich kein Problem.

Lustigerweise habe ich dieses Jahr allerdings in einem Anflug geistiger Umnachtung kurzfristig meine Mini-Familie für eine Nachtwanderung eingeladen. Bis mir einige Stunden später auffiel: “Äh, Sandra?! Es ist gerade Coronazeit und es macht wenig Sinn, wenn du dich über all die Menschen aufregst, die sich seit Monaten mit Hinz & Kunz treffen, wenn du dann zu deinem Geburtstag dasselbe machst.”

Die Situation zeigt, wie wenig ich selbst von Corona betroffen bin. Für mich ist fast alles wie immer und ich dachte in meinem, zu diesem Zeitpunkt Medikament-freien ADHS-Gehirn: “Och joa, so ne Nachtwanderung wäre doch ne lustige Idee!”. Kein Gedanke daran, dass es die Coronakrise gibt, dass wir ab November im “Lockdown sind” und ich mich gar nicht mit Menschen treffen möchte. Habe meine Einladung dann am nächsten morgen also wieder feierlich zurück genommen ;-)


ADHS Kurven

Ich freue mich schon jetzt auf kommenden Freitag und den FreiTalk auf Twitch. Das Thema ADHS ist seit meiner Diagnose vor einigen Monaten natürlich omnipräsent. Während ich ADHS vorher nie auf dem Schirm hatte (außer bei “nervigen, kleinen Jungs”), lerne ich mittlerweile beinah täglich Neues dazu. Mit jeder neuen Erkenntnis verstehe ich auch mich selbst immer besser.

Erst gestern habe ich noch zu Marius gesagt: “Es ist verrückt, wie alles zusammenhängt und so langsam einen Sinn ergibt.” Selbst vermeintliche Kleinigkeiten wie die, dass ich von Kaffee müde werde und mir immer gesagt wurde, dass ich mir das einbilde, sind auf einmal völlig logisch (hier mehr zu Koffein und ADHS).

Aktuell fühle ich einen Mix aus “reich beschenkt” und “völlig verloren”. Denn neben all den positiven Erkenntnissen und dem heilsamen Gefühl, endlich zu wissen, dass man nicht “verrückt” und “unnormal” ist, ist da eben auch ein riesiger Berg, den es zu erklimmen gilt.

Ein Berg, der mir an manchen Tagen unerklimmbar erscheint und mir Angst macht. Ich habe ADHS-typisch eine recht “verquere” Vorstellung davon, wie das alles zu laufen hat. So nach dem Motto: “Du weißt jetzt, was Sache ist, also ändere das und zwar SOFORT ALLES und ohne auch nur EINEN EINZIGEN FEHLER zu machen!”.

Das ist schwierig, weil mein vermeintliches Scheitern dadurch vorprogrammiert ist. Und so gibt es gerade viele Kurven in meinem Alltag. Lernkurven, Gefühlskurven, Lebenswegkurven. Es geht, gefühlt im Schneckentempo, realistisch betrachtet aber dann doch sehr zügig (und vor allem bei echt sehr klarer Sicht!) bergauf und manchmal im Sturzflug auch wieder steil hinab. Gehört halt dazu und eiiigentlich weiß ich das auch ziemlich genau.

Jedenfalls bemerke ich in dieser Woche einen Fortschritt, der mir vor allem Hoffnung macht: manche Dinge werden für mich langsam normal, auch dann, wenn ich das Medikament nicht genommen habe. Ich nehme es momentan erst relativ spät, zwischen zehn und elf ein, bekomme aber meine typischen Aufgaben vor der Einnahme deutlich besser hin, als noch vor vier Monaten ohne Diagnose, Medikament & Strategien. Das ist toll!

Das zeigt mir: obwohl meine Therapie in Bezug auf ADHS bisher, außerhalb der medikamentösen Einstellungsphase, noch gar nicht angelaufen ist, mache ich bereits alleine Fortschritte. Wenn ich mir das Therapie Manual* ansehe ist es auch nicht weiter verwunderlich, denn das wichtigste Werkzeug, meine Selbstreflexion, besitze ich bereits. Es geht “nur” darum, anzufangen.

Ich muss die (für mich) richtigen Strategien ausarbeiten UND durchziehen, sowie meine weniger förderlichen Verhaltensmuster und Gedankenstrukturen erkennen und ggf. verändern. Nicht mehr, aber leider eben auch nicht weniger. Das ist für viele ADHSler mit DIE Herausforderung überhaupt.

Insgesamt bin ich ja keine “Medikamenten-Freundin”, aber gerade hilft mir das Medikament massiv dabei, den Fokus zu halten, um an diesen Dingen arbeiten zu können. Diese Konzentration kann ich ohne Medikament noch nicht entwickeln.

Ich merke an guten Tagen auch, dass ich auf lange Sicht, ganz sicher in der Lage bin, auf das Medikament zu verzichten. Nicht heute, nicht morgen und vermutlich auch nicht im nächsten Jahr, aber in Zukunft. Das motiviert mich zusätzlich.


Wenn das Schicksal seine Spuren hinterlässt

Ich habe in dieser Woche festgestellt, dass die vielen Schicksalsschläge der vergangenen Jahre etwas mit mir gemacht haben. Das Gefühl, aus allen Wolken zu fallen und den Boden unter den Füßen weggezogen zu bekommen, habe ich zu oft gefühlt. So oft, dass ich gute Nachrichten manchmal nicht fühlen will.

Es gab in dieser Woche eine unfassbar gute Nachricht. Eine Nachricht die so gut ist, dass ich sie nicht glauben kann. Bei der ich mich beinah zwingen musste, mich zu freuen. Das liegt einerseits ganz sicher an den Umstände, ist aber auch ein Schutzmechanismus. Mir ist in der Vergangenheit schon das ein oder andere mal aufgefallen, dass ein Stück meiner Unbeschwertheit einem gewissen pessimistischen Realismus gewichen ist.

Ich habe so große Angst davor, dass mir schon wieder der Boden unter den Füßen weggerissen wird, dass ich mich lieber nicht zu dolle freue. Einerseits ermöglicht mir dieses Denken, mit der Gewissheit das morgen immer alles für jeden von uns vorbei sein kann, im JETZT zu leben, andererseits nimmt es mir hier und da aber eben auch eine gewisse Leichtigkeit.

Ich freue mich für das Hier und Jetzt, wache am nächsten Tag aber mit dem “Erst mal abwarten, was heute passiert” Gefühl auf und bin in Habachtstellung (bei dem Ausdruck muss ich übrigens immer Kichern, weil mein Vater glaubte es hieße “halb acht Stellung” 😂). Ob ich mein Vorgehen jetzt gut oder schlecht finde weiß ich ehrlich gesagt gar nicht so genau. Glaube es schadet auf jeden Fall nicht, sich dieser Spuren bewusst zu sein.


Mitten im Wald & endlich trockene Füße

Vorgestern haben meine Mama und ich uns eine große Matte geschnappt und uns abends mitten in den dunklen Wald auf den Boden bzw. später auf eine Bank gesetzt, dabei ein paar Harze verräuchert, der Stille gelauscht, Dinge losgelassen, die Lichter in der Ferne beobachtet und uns schön unterhalten. Abends mitten im Wald zu stehen war wunderherrlich. Vor allem auch weil die Sinne ganz anders angesprochen werden. Ein schönes Erlebnis.

Außerdem konnte ich den Spaziergang dieses Mal besonders genießen, weil ich endlich mal trockene Füße hatte. Meine Mama hat mir Anfang der Woche ein Paar wasserfeste Socken* geschenkt, die ich mir (eigentlich zum Geburtstag) gewünscht hatte. Aktuell sind sie die einzige Möglichkeit für mich, mit Barfußschuhen trockene Füße zu haben. Denn die Barfußschuhe die ich habe, sind nicht wasserfest. Und die wasserfesten Barfußschuhe die es gibt, sind nicht vegan, nicht WIRKLICH wasserfest und/oder gefallen mir nicht.

Ich habe es nicht für möglich gehalten, nachdem wir quer durch den nassen Wald und durch Regen spaziert sind, aber ich hatte tatsächlich trockene Füße.


Und sonst so?

Ich war erneut sehr produktiv und kreativ, habe viel gearbeitet aber auch viel für mich gemalt/gebastelt/gewerkelt. Wir waren draußen spazieren, ich habe meine Oma vor dem Lockdown nochmal im Heim besucht und ein Interview für einen Podcast zum Thema “Leben ohne Alkohol” geführt. Das Interview geht voraussichtlich im neuen Jahr online, ich teile es dann natürlich mit euch.

Mir bleibt für heute nichts weiter, als euch einen schönen Sonntag und zwei schöne Wochen zu wünschen. Denn nächsten Sonntag habe ich Geburtstag und werde mir einen “Immer wieder Sonntags”-freien Sonntag gönnen :-)

Vergesst nicht: am 04.November geht nochmal ein Newsletter mit eurer Adventskalender Top 10 raus (hier könnt ihr den Newsletter kostenlos abonnieren) und am 06.November findet um 18:00 Uhr der FreiTalk zum Thema ADHS auf Twitch statt.

Anzeige

Über den Autor

Sandra Stüber

Ü30, seit 1998 Bloggerin, alberne Öko-Frohnatur und
naturverbundene Pflanzenfresserin. Versucht hier seit 2013 die Menschen zu inspirieren.

1 Kommentar

  • Liebe Sandra, ich muss ehrlich gestehen das ich gerade die jetzige Monate früher nicht sonderlich mochte.Doch mittlerweile habe ich sie lieben gelernt und daran bis du bucht ganz unschuldig. Durch deinen und auch anderen Erzählungen kann ich mich von Jahr zu Jahr immer mehr freuen und hineinfühlen. Als du vor einigen Wochen von deiner Diagnose erzählt hast war ich erst traurig, traurig darüber das es soooo lange gedauert hat dir das zu diagnostizieren.Aber das ändert ja nicht daran. Deshalb freue ich mich das du schon so viele Fortschritte und Erkenntnisse dazu gewonnen hast. Ich wünsche dir noch eine schöne Woche. Liebe Grüße Catharina

Schreibe einen Kommentar

Mit der Nutzung der Kommentarfunktion erklärst du dich mit der Verarbeitung deiner Daten gemäß der Datenschutzerklärung einverstanden.