Aus dem Leben

Leben ohne Alkohol – mein Erfahrungsbericht

Geschrieben von Sandra Stüber
Hinweis
In diesem Artikel geht es um das Thema Alkohol und Alkoholmissbrauch. Wenn dich dieses Thema stresst, dann ließ den Artikel besser nicht. Für Hilfesuchende gibt es folgende Anlaufstellen:

  • Sucht und Drogen Hotline 01805 313031*
  • BzGA Telefonberatung: (02 21) 89 20 31 (Mo – Do: 10 bis 22 Uhr & Fr – So: 10 bis 18 Uhr)
  • Blaues Kreuz
  • Anonyme Alkoholiker

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Seit Ende 2017 trinke ich keinen Alkohol mehr (Hier meinen Artikel “Tschüss, Alkohol! Warum ich mich getrennt habe” lesen). Seitdem hat sich viel in meinem Leben verändert. Zeit für einen Erfahrungsbericht, oder?

In meinem früheren Artikel zum Thema habe ich mein Leben mit und mein damaliges Verhältnis zu Alkohol bereits thematisiert. Alkohol war mein Seelentröster, mein Lockermacher, mein Spaßbringer, mein Verdrängungsmechanismus und mein Feierabend.

Als ich mich Ende 2017, nach einem üblen Saufgelage samt totalem Blackout, dazu entschied, künftig auf Alkohol zu verzichten, hätte ich nicht geglaubt, wie sehr diese Entscheidung mein Leben beeinflussen würde.

Freunde und Gesellschaftliches

Dass Alkohol in unserer Gesellschaft so normal ist, dass man schief angeschaut wird, wenn man sich dagegen entscheidet, war mir anfänglich nicht bewusst. Aber genau das war eine der ersten Erfahrungen, die ich gemacht habe.

Während ich meine Entscheidung als Gewinn begreife und stolz darauf bin, Alkohol einfach so aus meinem Leben streichen zu können, war und ist es für viele andere regelrecht seltsam. In beinah drei Jahren ohne Alkohol wunderten sich mehr Menschen darüber, dass ich keinen Alkohol trinke, als dass sich in den bald 20 Jahren zuvor jemand gewundert hätte, dass ich so massenhaft Alkohol trinke.

Ich bin sehr selten auf meinen exzessiven Alkoholkonsum angesprochen worden. Ich war diejenige, die alle unter den Tisch saufen konnte und dafür gefeiert wurde.

Als ich aufhörte erkannte ich: das einzige, das mich und die meisten Freundschaften / Bekanntschaften verband, war der Alkohol. Nachdem klar war, dass meine Entscheidung nicht nur so ne “Phase” ist, zerfielen zum Teil langjährige Freundschaften beinah über Nacht.

Wenn ich die damaligen “Party-Fotos” heute anschaue, bin ich oft sprachlos. Das, was ich früher mal gefeiert habe und cool fand, verursacht heute tiefes Mitgefühl. Ich sehe eine junge Sandra, die alles tut, um sich nicht mit sich und ihren Problemen auseinander setzen zu müssen. Eine ehemalige Freundin sagte mal: “Mit Alkohol warst du immer so glücklich.”. Ein Stück weit war es auf die damalige Zeit bezogen sogar zutreffend, denn besoffen vergaß ich beispielsweise meine, mittlerweile der Vergangenheit angehörende, Messie-Bude für einen Abend und war lockerer.

Partys

Früher habe ich Partys gefeiert, um dazu zugehören und getrunken, um mich während einer solchen Party nicht unwohl zu fühlen. Eine Party bei vollem Bewusstsein mitzuerleben ist, im wahrsten Sinne des Wortes, erstmal ernüchternd. Um einen herum sind für gewöhnlich alle besoffen. Sie nehmen die Welt mit völlig anderen Augen wahr, lachen über Sachen, die nicht witzig sind. Ich finde das furchtbar und meide Discotheken und ähnliche Veranstaltungen deshalb. Das ist nicht meine Welt und war es (nüchtern betrachtet) auch nie.

Ich stoße damit zwar regelmäßig andere vor den Kopf, weil sie nicht verstehen können, dass ich daran keinen Spaß habe und mich unwohl fühle und da auch keine Ausnahme mache, nicht mal um ihnen einen Gefallen zu tun. Aber mittlerweile bleibe ich mir treu.

Es gibt aber ja auch Partys, auf denen nicht alle wie verrückt saufen müssen. Und auf einer dieser Partys habe ich zum ersten Mal in meinem Leben (seit meiner Jugendzeit) nüchtern getanzt. Das war für mich ein unglaublich befreiendes und irgendwie auch ermächtigendes Erlebnis. Für mich war es früher nämlich undenkbar, nüchtern zu tanzen.

Gefühle & Stress

Alkohol war für mich eine Art Belohnung/Trost für Situationen, in denen ich gestresst war (z.B. nach der Arbeit) oder mich schlecht fühlte. Viele meiner Sorgen, Ängste und Probleme, aber auch viele Gefühle und Emotionen verdrängte ich durch Alkohol. Das berühmt berüchtigte “Feierabend-Bierchen” ist so normal in unserer Gesellschaft, dass es nicht mal jemanden wunderte, wenn ich unter der Woche oder Nachmittags nach der Arbeit etwas trank. Es wurde eigentlich immer nur mit einem “Läuft bei dir!” oder “Kein Bier vor vier” begleitet.

meine traurige “Chronik des Suffs”

Für mich war es durchaus eine Umstellung, abends anders runter zu fahren und meine Probleme neu anzugehen. Gefühle nicht mehr wegzusaufen, sondern auszuhalten und sich damit zu beschäftigen ist harte Arbeit. Dafür hat sich mir, in Bezug auf die neu gewonnene Zeit, eine neue Welt eröffnet.

Nicht nur am Wochenende morgens, wenn man endlich mal keinen Kater hat und man noch so viel vom Tag hat, sondern ganz speziell auch abends. Neue Zeit, die ich aktiv und bei vollem Bewusstsein miterlebe und gestalte. Ich kann mir gar nicht vorstellen, jemals wieder freiwillig einen Kater riskieren zu wollen oder meine Zeit überhaupt damit zu verbringen, nur rum zu sitzen und Alkohol zu trinken.

Manchmal denke ich: “Es war leichter, sich die Probleme und Situationen schön zu saufen!”. Und es stimmt: leichter war es. Allerdings nur für diesen einen Moment. Das Ankommen in der Realität am nächsten Morgen war dafür umso härter. Ich vermisse es definitiv nicht und würde mich jeder Zeit wieder dazu entschließen, meine Probleme/Gefühle ehrlich zu leben, statt sie zu verdrängen.

Wochenende

Was macht man am Wochenende, wenn man nicht feiern geht? Für gewöhnlich gilt man als Spielverderber, Spaßbremse und Couchpotato, wenn man nicht mehr jedes Wochenende besoffen in der Disco abhängt.

Ich fühle mich hingegen frei und sehr bereichert. Denn meine Treffen mit Freunden sind ohne Alkohol viel schöner, aktiver und intensiver. Wir treffen uns zum Spieleabend mit Freunden, zum kegeln, wandern, Badminton spielen, geocachen, Billard spielen, Escape Rooms lösen, zum gemeinsamen kochen oder einfach zum Quatschen. Eine enorme Bereicherung.

Meine Einstellung zu Alkohol

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich Alkohol mittlerweile sehr kritisch gegenüber stehe. Der gute Wein zum Essen, das Feierabend Bier – bei nahezu jedem gesellschaftlichen Anlass wird Alkohol als legale Droge konsumiert. Aber alleine Alkohol mit dem Begriff “Droge” in Verbindung zu setzen führt zu Aufruhr. In den Köpfen der meisten ist Alkohol nämlich keine Droge, sondern ein Genussmittel. Das klingt für mich nach derselben, absurden Schönrederei wie “Wir töten keine Tiere, wir erlegen sie.” 🙄

Es ist nicht so, dass ich jemandem absprechen möchte, Alkohol zu trinken. Wie bei allem, ist das natürlich eine private Entscheidung. Was aber nicht unter die “private Entscheidung” fällt ist das, was die meisten nach Außen tragen und auch Kindern vorleben: Nämlich, dass Alkohol dazu gehört, ungefährlich oder sogar ausgesprochen gesund ist. Jaja, die Dosis macht das Gift. Das gilt aber für jedes Gift dieser Welt.

Das Bild, das in Bezug auf den Konsum von Alkohol vermittelt wird, ist aus meiner Sicht nicht nur falsch, sondern fahrlässig. Uns wird vermittelt, dass WIR das Problem sind, wenn uns Alkohol schadet (“Kenn dein Limit!”).

Fakt ist aber: Es ist nicht langweilig oder komisch, auf Alkohol zu verzichten. Es ist nicht notwendig, auf ner Party Alkohol zu trinken. Ein gutes Glas Wein gehört nicht zum Abendessen dazu und auch der Feierabend ist ohne Bier gut. Es muss nicht auf jeden Erfolg und jede positive Nachricht mit einem alkoholischen Getränk angestoßen werden.

In Bezug auf mein Umfeld sehe ich den Alkoholkonsum mittlerweile auch mit anderen Augen. Wir haben völlig unterschiedliche Ansichten, die sich spätestens auf Feiern jeglicher Art bemerkbar machen.

Für meinen Bruder gehört Alkohol z.B. dazu. Er findet, dass Alkohol alles leichter und lustiger macht und möchte, dass die Gäste sich auf seiner Hochzeit möglichst schon vor der Feier mit ein paar “Kurzen warm trinken”, damit nachher alle locker sind – für mich aus heutiger Sicht absolut nicht nachvollziehbar. Für ihn hingegen ist es unbehaglich, dass ich keinen Alkohol trinken möchte und er hat schon im Vorfeld angekündigt, dass er mich mehrfach fragen “muss”, ob ich WIRKLICH nichts trinken möchte.

Die anderen haben das Problem. Für mich ist und bleibt es eine Bereicherung, keinen Alkohol zu trinken. Im Laufe der letzten Jahre hat sich sogar gezeigt, dass ich selbst auf “ein Bierchen” keinen Bock mehr habe. Wie schon an anderer Stelle erwähnt: Alkohol hat mir nichts zu geben. Er schmeckt mir nicht mal mehr. Entsprechend vermisse ich ihn auch nicht.

Außerdem bin ich ohne Alkohol viel glücklicher und lache auch viel schöner ;-)

Leben ohne Alkohol – mein Erfahrungsbericht DieCheckerin

Hand aufs Herz: findet ihr es seltsam, wenn jemand keinen Alkohol trinkt? Mich würde wirklich interessieren wie es euch geht. Insbesondere denen, für die Alkohol dazu gehört. Fällt es euch schwer, auf Alkohol zu verzichten? Und wie sind die Erfahrungen anderer mit einem Leben ohne Alkohol? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht wie ich?

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Über den Autor

Sandra Stüber

Ü30, seit 1998 Bloggerin, alberne Öko-Frohnatur und
naturverbundene Pflanzenfresserin. Versucht hier seit 2013 die Menschen zu inspirieren.

13 Kommentare

  • Hallo Sandra,

    Ich selbst trinke durchaus mal ein Glas Wein oder wenn ich denn mal feiern gehe auch mal nen Kurzen – aber oft genug trinke ich auch gar nichts, weil ich keine Lust habe oder noch Auto fahren „muss“ (wieso zur Hölle soll ich ein Taxi bezahlen und meine Eltern müssen mich auch nicht Abholen wenn ich Selbst fahren kann und will). Ich finde es allerdings auch teils erschreckend wie sehr man sich teils rechtfertigen muss, dass man keinen Alkohol trinkt. Ich habe da mit meinen Freunden keinerlei Probleme, mit einer guten Freundin mit der ich regelmäßig essen gehe trinken wir immer die alkoholfreien Cocktails – die sind sogar leckerer als die mit Alkohol. Aber es ist wirklich so, dass gesellschaftlich unglaublich viele nicht erkennen wollen oder können, dass Alkohol eine Droge ist und es absolut nicht schlimm ist, nichts zu trinken. Es ist auch keine Strafe oder ähnliches. Bei mir im Dorf trinken in aller Regel die Mädels ab 12 ein Glas Sekt vor ihrem Auftritt während der Weiberfaschingsitzung. Mit 12. Meine Mama wollte das nicht für mich (sehr gute Entscheidung) und kurz danach habe ich da auch aufgehört. Aber da läuft gar nichts ohne Alkohol. Und auch das finde ich sehr erschreckend. Allgemein habe ich schon viele erschreckende Beispiele mitbekommen (teils auch mir selbst passiert) wo Alkohol alles andere als gut ist. Deswegen bleibe ich meistens lieber bei meinen Saftschorlen oder einem alkoholfreien Bier oder Apfelwein. Geschmack ist da, aber ohne Alkohol ist es doch schöner.
    Liebe Grüße
    Pauline

    • Liebe Pauline,
      danke für deinen Kommentar.
      Boah ja, das mit dem Taxigeld kenne ich auch noch. Bei mir hat es allerdings trotzdem nie dazu geführt, dass ich deshalb nicht trinken wollte :-D
      Das mit dem Glas Sekt vor dem Auftritt finde ich auch echt erschreckend. Aber genau dieses “eine Glas Sekt” ist auch so ein tolles Beispiel dafür, wie normal es ist. Zu Silvester wollten meine Oma und mein Opa mir immer Sekt geben, meine Eltern waren vehement dagegen. Und was hat das alles bewirkt? Dass ich dachte: “WOAH GEIL! Wenn ich mal groß bin, darf ich ENDLICH Sekt trinken.”
      Gerade bei meinen Großeltern war Alkohol immer sowas von normal und soooo positiv besetzt, dass es für mich bis heute schwer ist, diesen Teil der “übernommenen Werte” richtig loszulassen. Vor ungefähr zwei Jahren hatte ich so ne Situation, da saß ich auf dem Balkon und dachte an schöne Abende mit meinem Opa mit Whisky. Und plötzlich war dieses Gefühl da: “Ohne Whisky ist das hier gar nicht so genussvoll. Mit deinem Glas Wasser regelrecht langweilig”.
      Echt bescheuert alles.

      • Ohja, es ist viel zu normal zu allen Tages- und Jahreszeiten etwas zu trinken. Es wird auch wirklich wie so eine tolle Belohnung angepriesen die man trinken darf, wenn man alt genug ist (und dass man es dann auch unbedingt mögen muss). Ich habe tatsächlich Glück, meine Großeltern bzw. meine ganze Familie trinkt wenig Alkohol, wir haben tendenziell eher alkoholfreies Bier da als welches mit Alkohol usw. – die Schnapsflaschen verstauben im Schrank. Aber ja ich weiß auch noch, wie oft zum 16. Geburtstag ein Glas Sekt getrunken wurde – und ich mag keinen Sekt. Wirklich nicht. Aber es kam mir vor 5 Jahren eben noch „falsch“ vor, zu sagen, dass es nicht schmeckt – also hab ich durchaus oft den Sekt mit Saft verdünnt um ihn überhaupt trinken zu können – klingt und ist auch sehr bescheuert.
        Erschreckend finde ich eigentlich auch, wie oft Alkohol verschenkt wird. Nicht nur die Flasche Wein oder Sekt, sondern wenn es dann diverse Obstbrände im Präsentkorb sind, dafür dass man 25 Jahre bei der gleichen Firma arbeitet.. Ich hätte da lieber Schokolade. Oder ein Buch. Insgesamt gibt es viele Dinge, die ich da passender oder schöner finde als Alkohol..
        Das glaube ich dir, mit dem
        Empfinden über deinen Opa und das Glas Whiskey – aber sicherlich war nicht der Whiskey das, was es schön gemacht hat, sondern das zu zweit da sitzen oder eventuell auch die Gespräche, oder?
        Liebe Grüße
        Pauline

        • Jaaa, diese Präsentkörbe des Grauens oder das obligatorische Weihnachtsgeschenk von irgendwelchen Firmen. Fände es auch viel schöner, wenn was sinnvolles drin wäre.

          Und ja klar, es war nicht der Whiskey. Aber die Verknüpfung macht das Gehirn trotzdem. Whisky + Opa = schön. weil mein Opa auch oft erst richtig entspannt und redselig war, wenn er eben genau so den Abend verbrachte :-)

  • Ich finde richtig was du schreibst. Du hast eindeutig Recht und ich weiß, dass ich auch ständig aus den falschen Gründen trinke. Ich trinke gern, ich glaube auch das es mir schmeckt. Besonders der Rotwein beim Essen, der Sekt wenn es was zu feiern gibt und das Bier auf dem Balkon.
    Ich weiß aber auch das ich psychisch schwer belastet bin und mir damit jedesmal eine Auszeit nehme. Von mir und meinen Problemen. Endlich mal abschalten und nicht ständig denken.
    Ich habe keine Ahnung, wie ich aus dem Kreislauf aussteigen soll. Versuche gab es oft, lange angehalten hat es nie. Dieser: “ach da hätte ich jetzt echt Lust drauf” Gedanke ist einfach zu präsent. Ich vertrage eine Menge und es kommt selten bis nie zu einem Kater. Eher endet es mit Alkohol immer in einem Redeschwall. Genau das gleiche Phänomen erlebe ich immer in den Zeiten in denen es mir nicht gut geht, sich Druck aufbaut und die Gedanken oberflächlicher werden um sich mit nichts beschäftigen zu müssen. Stress hat also die gleiche Wirkung wie Alkohol und am nächsten Morgen beginnt das Kopf Karussell, was habe ich wem erzählt? Warum hab ich soviel geredet? Musste ich das wirklich dem oder der erzählen?
    Und dann gibt es wieder schöne Kaminabende bei meiner Familie, super guten whiskey und entspannte Spieleabende.
    Ach Mensch, ich weiß auch nicht.

    • Liebe Jane,
      boah ich weiß so sehr was du meinst. Ich habe z.B. nur ein einziges Mal von Alkohol gekotzt und fand den “Hangover” morgens meist sogar ganz schön, weil man wie in Watte eingepackt war. Erst jetzt die letzten zwei drei Jahre ging es mir dann wirklich immer richtig dreckig. Aber ich habe nie so gelitten, dass ich dachte: Ey das geht gar nicht!”
      Diese Auszeit die du beschreibst, das kann ich mir grob vorstellen. In Bezug auf diese furchtbare Messie-Geschichte und meine Schüchternheit ging es mir auch immer so. Es war ein Segen, betrunken zu sein. Und das war (zumindest für mich) irgendwie auch das Fatale. Ich konnte nur besoffen richtig “lustig und locker” sein.

      Was ich bei dir jedenfalls spontan raus lese ist: Familie.
      Dass es mit deiner Familie und Whiskey schön ist, nur vielleicht die “exzessiven Abende” mit anderen (?) nicht so?!

      Ich bin mir jedenfalls sehr sicher, dass du deinen Weg gehst. Und Antworten auf deine Fragen findest. Vielleicht nicht heute oder morgen. Aber du wirst sie finden. Und soweit ich weiß, hast du ja auch Hilfe an deiner Seite oder? Glaube dass das auch ganz wichtig ist.

      Lass dich jedenfalls von meiner Geschichte nicht zu sehr “aus der Fassung” bringen. Es ist schließlich mein Weg und es sind meine Erfahrungen. Vielleicht ist Alkohol für dich auch ein Stück weit eine Hilfe. Mich hat er auch eine Zeit getragen, ich glaube es ist nur wichtig, dass man weiß, wann es zu gefährlich und ungesund wird <3

    • Liebe Jane, deinen Kommentar habe ich mit großem Interesse gelesen, Ich habe mich darin sehr wiedererkannt. Jetzt, mit Mitte 40, ist es besser geworden, auch, weil ich mich sehr mit mir beschäftigt habe. Aber noch immer bleibt es so, dass Alkohol bei mir eher positiv besetzt ist, mit Entspannung und ja, auch lustigen und schönen Stunden. Viele Dinge hätte ich ohne Alkohol früher nicht angesprochen und vielleicht wäre es manchmal auch besser gewesen. Trotzdem gab es auch das Gefühl, jemandem ganz nah zu sein. Aber vielleicht beziehe ich das dann zu sehr auf den Alkohol und nicht auf die entstandene Nähe, weil ich mich geöffnet habe. Es ist jedenfalls beruhigend zu wissen, dass es noch andere gibt, die dieses Gefühl kennen und den struggle. Mir ist jedenfalls klar, auch, wenn ich nie ein „harter Alkoholiker“ war, ich immer ein Problem damit haben werde….

  • Liebe Sandra, das Thema ist sehr interessant. Ich bin jemand, der sehr gerne Wein trinkt und es auch tut-allerdings immer weniger und nur noch zu Gelegenheiten, bei denen ich genießen will und eben die leicht berauschende Wirkung (nicht vollgesoffene!) schätze.
    Ich habe bei mir aber auch in den letzten Jahrzehnten festgestellt, dass ich dazu neige, gerade in anstrengenden Situationen zu Alkohol zu greifen. Und DAS habe ich mir komplett abgewöhnt. Genauso wie das Zuviel-Trinken. Das macht mich am nächsten Tag nur unausgeschlafen, angreifbar, unausgewogen und weinerlich. Ich sehe meine Probleme dann nicht mehr klar, sondern kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Für mich ist Alkohol ein Nervengift.
    Was ich auch kenne: Dass ich sehr oft dumme Sprüche gehört habe, wenn ich nichts getrunken habe. Und ich bin kein Abstinenzler. Aber scheinbar ist es sehr, sehr seltsam, wenn man einfach mal keine Lust hat, etwas zu trinken…..ich habe mir das übrigens auch in beiden Schwangerschaften sagen lassen müssen. Mein Argument, dass ich NIE und NIMMER einem Kind in meinem Körper ein Bier zu trinken geben würde, wurde immer leicht belächelt. Und abgetan. Das hat mich damals wahnsinnig geärgert.
    Ich finde es super, dass du für dich einen Weg ganz ohne Alkohol gefunden hast und kann nur bestätigen: Kein einziger Abend war ohne Alkohol langweiliger oder weniger lustig! Und ich finde es interessant, dass die meisten Menschen ihre „Absturzgeschichten“ in lustige Anekdoten verwandeln müssen. Dabei sind Filmrisse und in den Flur kotzen eher traurige Angelegenheiten……danke mal wieder für deinen Beitrag, hat mir das Schwitzen versüßt 😂👍🏻

    • Danke Katrin <3 Besonders für die Sache mit den "lustigen Anekdoten". So sehe ich es auch. Ich muss mir nur noch abgewöhnen, über die Filmrisse und Suff-Anekdoten anderer nicht mehr zu lachen. Das mache ich nämlich aus Höflichkeit und Gewohnheit immer noch. Erst gerade vor ein paar Tagen gab es eine Situation mit meinem Bruder, die ich eigentlich gar nicht witzig fand und über die ich dennoch gelacht habe. Die Muster sind echt sehr stark in einem verankert

  • Also liebe Sandra, Versuch Nummer 2, mein Kommentar wird nicht gepostet, vielleicht, weil ich „Erbrechen“ unsanft beschrieben habe?!🤣
    Ich finde das Thema Alkohol interessant, ich trinke selber sehr gerne mal Wein-allerdings habe auch ich mir in den letzten Jahren abgewöhnt, das zu tun, wenn ich Probleme oder Sorgen habe. Der Reiz ist groß. Man fühlt sich entkrampft, Alkohol ist einfach ein Nervengift. Am nächsten Tag allerdings ist von Klarheit dann nichts mehr zu sehen und ich fühle mich nur noch unausgeschlafen, unausgeglichen, angreifbar und weinerlich.
    Auch ich kenne es zur Genüge, dass ich angesprochen werde, wenn ich SOGAR DAS GLAS SEKT!!!!!ablehne, ein Sakrileg, denn ohne Sekt kann man gar nicht fröhlich sein und einen MIESEPETER braucht niemand auf Festen….ich wurde auch während zweier Schwangerschaften sehr, sehr oft darauf hingewiesen, dass ein Glas dem Baby nicht schadet-ob ich immer so streng und freudlos wäre?! Für mich kam es nie in Frage, ein anderes Wesen mit einem Gift zu befüllen und mir ist mittlerweile auch egal, wenn das jemand „krass unentspannt“ findet.
    Deine Beiträge: Wie immer so wertvoll und durchdacht-und super, dass du dein Leben ohne Alkohol lebst.
    Ich finde es übrigens auch sehr interessant, dass die meisten „Absturzgeschichten“ immer als lustig dargestellt werden, als wäre Filmrisse und peinliche Szenen erstrebenswert….

    • die Kommentare werden erst von mir genehmigt, du darfst kotzen blöde Kuh Schweineback und alles schreiben was du willst (solange ich es erlaube NYAHAHAHA).
      Hier nochmal danke für deine lieben Worte zu meinen Beiträgen.

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