Immer wieder Sonntags


Immer wieder Sonntags 255

|Gesehen| The Night Clerk*” (fand ich ganz gut), “Ma*” (war auch gut), “I see you*” (ebenfalls gut), “Abgerissen*” (ziemlich trashig) “Glutamat ist unbedenklich” sowie “Frag eine ADHS-lerin” (bringt aus meiner Sicht die Problematik nicht so gut auf den Punkt)
|Gehört| meine Playlists
|Getan| geregelt, gepackt, geschleppt, gekocht, geredet, geärgert, gewundert, gefreut
|Gefreut| über den Umzug meiner Oma und zu sehen, dass es ihr gut geht
|Gelesen| nichts
|Gekauft| eine Fenster-Hängematte* für Kimba, Bilderrahmen* & selbst gestaltete Katzenposter für das Zimmer meiner Oma, drei neue Schüsseln (eins*, zwei*, drei*), eine Schürze, Pfannenschutz, ein neues Sieb, einen neuen Schneebesen und ein paar andere Kleinigkeiten, die ich bei meinem Ikea Shopping-Termin gekauft habe
|Geschrieben| ein weiteres Lieblingsrezept 
|Geplant| Ergotherapie, Psychotherapie, ADHS-Gruppe, für meine Oma zum Einwohnermeldeamt, sowie ins Pflegeheim meiner Oma, um noch ein paar Dinge zu regeln

ADHS-Gruppe

Freitag hatte ich mein “erstes Mal” mit der ADHS-Gruppe. Ich hatte mich im Vorfeld gegen eine Gruppe ausgesprochen, dann aber im Gespräch mit der Ergotherapeutin entschieden, dem ganzen nochmal eine Chance zu geben.

Bisher war es in solchen Gruppen so, dass ich zwar anderen super helfen und sie inspirieren konnte (was ich durchaus mag), aber für mich kaum bis gar nichts mitnehmen konnte.

Es ist das ewige “Ihnen geht es zu gut”-Dilemma, das ich hier schon mal ansprach. So sehr meine Fähigkeit zur Selbstreflexion und zur Veränderung für mich auch positiv ist, so sehr steht sie mir im Weg, wenn es darum geht, Hilfe für meine individuellen Probleme zu bekommen bzw. im Austausch mit anderen Betroffenen für mich etwas mitzunehmen.

In solchen Gruppen fängt man, meiner Erfahrung nach, häufig bei Adam und Eva an. Einerseits verständlich, weil ja nun mal alle Menschen (zum Glück!) anders sind und nicht an derselben Stelle stehen. Gleichzeitig für mich aber auch problematisch.

Ich stehe nicht mehr an der Stelle, an der ich noch vor 10 Jahren stand, nicht mal an der von vor wenigen Monaten zum Zeitpunkt der Diagnosestellung. 

Ich informiere mich enorm viel selbst, reflektiere meine Gedanken, mein Verhalten, meine Gefühle und meine Umgebung, probiere aus, lege mir Strategien zurecht und passe ganz generell nicht in das typische ADHS-Klischee. Das ist großartig und gleichzeitig dennoch belastend. In der ADHS-Gruppe bin ich, zumindest jetzt erst mal was das Modul “Alltag & Ordnung” anbelangt, quasi eine Exotin.  

Wenn ich mir die Themen des Moduls ansehe, ist relativ klar, dass ich nicht viel für mich mitnehmen werde. Nächste Woche geht es beispielsweise darum, sich zu überlegen, welche Strategien man für sich für sinnvoll erachtet (in diesem Artikel nenne ich alle Strategien die im Gruppen-Handout vorgeschlagen werden :-) ) und welche man einführen möchte, um besser Ordnung zu schaffen. Am Ende des Moduls soll man dann nicht nur seine Wohnung, sondern auch sein Leben ausmisten und loslassen. Eine sehr gute Herangehensweise, die ich absolut nachvollziehen und empfehlen kann, die aber für mich nicht mehr hilfreich ist.

Der Rest der Gruppe scheint auf den ersten Blick noch nicht so weit. Das ist auch völlig okay und gleichzeitig fühle ich mich dennoch ein wenig zerrissen, weil ich mich gerade vor allem auf mich und meine Probleme fokussieren möchte, um noch weiter zu kommen. Ich stehe an einem anderen Punkt in meinem Leben. Ein Punkt, an dem ich nicht mehr oder weniger Probleme, sondern schlicht andere Probleme habe, als andere Betroffene.

Da ich aber zu den “Lieber alles mitnehmen, als was verpassen”-Menschen gehöre, werde ich die ADHS-Gruppe dennoch weiter besuchen, in der steten Hoffnung, doch was für mich mitnehmen zu können (und sei es nur die Tatsache, andere Betroffene kennenzulernen und neue Erfahrungen zu sammeln ) :-) Außerdem mag ich den Austausch mit Betroffenen und liebe es ja weiterhin, andere zu inspirieren. DAS wird in der Gruppe auf jeden Fall möglich sein und darauf freue ich mich.

Umzug meiner Oma

Die Situation in der Pflege-WG meiner Oma spitzte sich zuletzt immer mehr zu. Die Fahrlässigkeit des Personals in der Versorgung und dem Umgang mit meiner Oma waren für mich schon lange nicht mehr zu akzeptieren.  Auch wenn wir teilweise Angst davor hatten, ob ein solcher Umzug möglicherweise seelische Auswirkungen für meine Oma haben könnte, waren wir uns am Ende einig, dass ein Umzug, das geringere Übel darstellt und vor allem nur so eine langfristige, gute Versorgung meiner Oma gewährleistet werden kann.

Der Umzug ist nun weitestgehend geschafft. Dass es die richtige Entscheidung war, hat sich gleich am Tag des Umzugs gezeigt. Ganz besonders was den Umgang mit den Patienten anbelangt. Da wir das Heim schon viele Jahre (durch die Unterbringung meiner Schwiegermutter auf einer anderen Station) kennen, wussten wir das zwar schon, aber es war trotzdem nochmal eine Erleichterung.

Mir ist ein riesen Stein vom Herzen gefallen, meine Oma nun endlich in guten Händen und damit gut aufgehoben zu wissen. Schon alleine ein vergleichender Blick der Zimmer sagt alles. In ihrem alten WG-Zimmer konnte meine Oma mit ihrem Rollstuhl ausschließlich vorwärts rein und rückwärts wieder raus. Mehr war nicht möglich. Das Zimmer war dunkel (das Foto täuscht da leider etwas), lieblos, unangenehm. In der WG habe ich meine Oma nie gerne besucht und sie jedes Mal mit einem schlechten Gefühl wieder verlassen:

Ihr neues Zimmer ist, vor allem im direkten Vergleich, riesengroß. Endlich hat sie ein eigenes Badezimmer, genügend Platz um sich zu bewegen und sogar um Besuch zu empfangen.

Als sie da in ihrem neuen Zimmer saß, nach drei Butterbroten noch eine Milchsuppe aß (übrigens alles als stärkende Begrüßung nach einem anstrengenden Tag, ohne dass man das Personal darum bitten oder darauf hinweisen musste – ich LIEBE solche Aufmerksamkeiten) und mit einem “Oah, was ist DAS denn?” aufgeregt nach draußen schaute, hatte ich wirklich Pipi inne Augen, vor Erleichterung. Die nächsten Tage zeigte sich mehrfach, wie unfassbar richtig und wichtig dieser Umzug war.

Ich könnte einen Roman darüber verfassen, was in der alten Unterbringung schief lief. Am Ende würde es sich aber nur das wiederholen, was wir bereits mit meiner Schwiegermutter erlebten, bevor wir sie nach Wuppertal holten. Und wir würden weitere kostbare Zeit mit und für Arschlöcher verplempern, statt sie für uns und mit meiner Oma zu nutzen.

Insofern freue ich mich unwahrscheinlich, dass ich dieses Kapitel nächste Woche schließen kann und alles dafür getan habe, damit meine Oma ihren Lebensabend so “gut” verbringen kann, wie es hier in Deutschland innerhalb einer Pflegeeinrichtung im besten Fall eben möglich ist.

"Keine Sorge, ich bin geimpft!"

Eine “wunderschöne” Situation erlebte ich am Freitag bei Ikea. Für alle die mich persönlich kennen: Ja, keine Angst. Es geht mir gut. Ich hatte leider keine andere Wahl, als vor Ort in Wuppertal einzukaufen 😂

Zurück zum Thema: während ich an der Kasse stand, hörte ich den Mann hinter mir sagen “Könnten sie bitte auf den Abstand achten?”. Ich drehte mich um und sah hinter ihm bzw. korrekter noch DIREKT AN IHM eine Frau die sagte: “Ja, ich wollte nur eben schon mal die Sachen aufs Band legen, damit es hier mal voran geht. Das wird ja wohl noch erlaubt sein”, woraufhin er sagte: “Nein. Das ist mir egal. Halten Sie bitte den Abstand ein.” und sie: “Keine Sorge, ich bin geimpft!” 🙄🤦🏼‍♀️

Klar, Marianne. Du hast verstanden, wie der Hase läuft. Wer geimpft ist, ist 100% safe und kann auch auf gar keinen Fall mehr Viren auf andere übertragen. 😏 Mal ganz davon abgesehen, dass man zum jetzigen Zeitpunkt nicht mal weiß, ob die Impfungen als Schutz der Geimpften überhaupt ausreichend sind. 

Solche und andere “Argumentationen” höre ich häufiger. “Wir feiern am Wochenende eine Party.” Äh. Ok? … .. … “Ja aber nur mit ein paar Leuten und auf Abstand. Der hat immerhin Geburtstag!” 

Oder auch schön und zu Weihnachten zig mal gehört: “Ostern lasse ich mir nicht durch die Regierung vermiesen. Wir feiern mit der ganzen Familie. Das hat Tradition. Das ist einer der höchsten Feiertage.” Ja. Genau. Stimmt ja. Was für schöne christliche Traditionen mit dem Osterhasen. Was feiert man zu Ostern nochmal? Betretenes Schweigen.

Ich schrieb es schon auf Instagram: mich kotzt dieser Egoismus SO an. Solche Menschen belasten und gefährden ALLE anderen für ihr eigenes Wohl und beschweren sich nachher dann, dass es wieder einen Lockdown gibt oder wundern sich, weil die Zahlen steigen.

Heute hat meine Mutter Geburtstag und ich würde sie unwahrscheinlich gerne sehen, umarmen, mit ihr Geburtstagskuchen schnabulieren und feiern.
Es wäre sogar “erlaubt”, wenn Marius und ich zu ihr gehen würden, weil sich bis zu 5 Personen aus zwei Haushalten sehen dürfen.

Aber wir sehen uns trotzdem ‘nur’ online. Weil wir uns als gesamte Familie nicht treffen dürfen und weil wir kein unnötiges Risiko eingehen wollen. Weder für uns, noch für andere. Einige von uns arbeiten im Krankenhaus auf der Corona-Intensivstation oder haben auf anderem Wege potentiellen Kontakt zu Infizierten, andere gehören zur Risikogruppe und sind noch nicht geimpft. Wir würden uns gegenseitig unnötig gefährden.

Ich vermisse meine Familie aber wirklich sehr. Sie unbeschwert treffen und umarmen zu können. Mit ALLEN zusammen sein zu können. Ich habe seit März 2020 keinen unserer Geburtstage, kein Weihnachten, kein Ostern und auch sonst nix gemeinsam gefeiert, obwohl es WIRKLICH was zu feiern gegeben hätte. Auch wenn mir Spaziergänge und Spieleabende ohnehin viel mehr geben und bedeuten, vermisse ich es, die Geburtstagskinder an ihrem Geburtstag sehen und umarmen zu können.

In diesem Zusammenhang macht es mich noch wütender zu sehen, wie sorglos andere einfach weitermachen wie bisher. Ein “schönes” Beispiel war auch ein Telefonat mit der Arztpraxis, die die Bewohner in der Pflege-WG betreut. Es ging um einen Coronatest, den meine Oma brauchte um in das neue Heim umziehen zu dürfen und der maximal 48 Stunden alt sein durfte. 

Die Arzthelferin hielt sich nicht an die Absprachen und nahm Donnerstags eine Probe, deren Ergebnis mir in der Woche darauf Montags mitgeteilt wurde. Also deutlich über 48 Stunden. Ich wies sie daraufhin, dass der Test zu alt sei woraufhin sie entgegnete: “Meine Güte, die sollen sich mal nicht so anstellen in diesem Heim!”. 

Natürlich. Die vielen Toten in den Pflegeheimen. Alles Anstellerei, wo ist denn das Problem? Man kann ja wohl mal das Risiko eingehen, Corona ins Heim zu schleppen, wo die Hochrisikogruppe sich versammelt hat.

Ich verliere langsam die Geduld, das Verständnis und den Respekt für solche Menschen.

Und sonst so?

Diese Woche ging nahezu komplett für den Umzug meiner Oma drauf, so dass viel mehr nicht los war. Die Anspannung und den Stress spüre ich in solchen Phasen besonders in meinem Rücken, in Form von Verspannungen und Schmerzen. Abends habe ich deshalb beim Filme gucken versucht zusätzlich zur normalen Bewegung ein bisschen für Entspannung im Rücken zu sorgen (ShaktiMat* sei Dank klappt das auch ganz gut).

Gestern Abend hatte ich endlich mal Zeit, ein bisschen mit dem Ton zu experimentieren, den ich im November zum Geburtstag geschenkt bekam. Habe eine kleine Schale mit Farn-Abdruck und einen Räucherstäbchen-Halter gemacht. Die beiden müssen jetzt trocken und werden dann angemalt.

Ansonsten waren wir meist erst spät Zuhause, sind noch kurz ne Runde spazieren gewesen, haben gekocht und dann nen Film geschaut.

Für heute steht außerdem ein Online Escape Room mit meiner Familie auf dem Plan, darauf freue ich mich schon. 

Euch wünsche ich einen schönen Sonntag!

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2 Kommentare

  • Hey Sandra,
    was mir bzgl. der ADHS-Gruppe direkt eingefallen ist: gibt es eine “Vorgängergruppe” zu deiner? So wie du die kommenden Module beschreibst, verstehe ich es so, dass man sich im besten Fall ja weiter entwickelt und neue Strategien für sich mitnimmt. Du bist schon weiter als die aktuellen Teilnehmer und es ist nachvollziehbar, dass du zwar teilnimmst, aber eben keinen Wissenszuwachs hast. Wie geht es nach diesem Modul weiter? Sind das “Kurse”, die aufeinander aufbauen? Vielleicht kann dir die Kursleitung Kontakte zu Teilnehmern aus früheren Gruppen/parallelen gruppen (falls es die gibt) vermitteln? Oder wenn es quasi keine Gruppe für “Fortgeschrittene” gibt – vielleicht gibt es einzelne Teilnehmer, die mit der Leitung noch in Kontakt sind oder/und offen für weiteren Austausch?

    Liebe Grüße
    Simone

    • Hey Simone,

      die Gruppe gehört zur Ergotherapie und ist in vier voneinander unabhängige Module aufgeteilt, die nicht aufeinander aufbauen.
      Das was ich beschrieben habe ist ein Modul zum Thema “Alltagsorganisation”. Der Grund, weshalb ich mich letzten Endes dennoch für die Gruppe entschieden habe ist genau die Aussicht auf “im besten Fall neue Strategien”. Nach den Modulen ist bzgl. der Gruppe Ende. Es gibt da also keine weiteren Kurse o.ä. sondern nur die Einzeltherapiestunden und eine Prokrastinations-Sprechstunde.
      Ich bin ja auch in einer ADHS-Selbsthilfegruppe und in ein paar Facebook-Gruppen und es macht auf mich den Eindruck, als sei ich insgesamt irgendwie sehr “einzigartig” 🤣
      Das was ich in dem bisherigen Jahr an Input für mich mitgenommen habe war :”Ich bin nicht allein.” Das war für mich sehr wertvoll, aber darüber hinaus gab es bisher nicht so wirklich was.

      Spannenderweise habe ich auch das Therapiebuch, das für meine Psychotherapeutin von der ADHS-Klinik empfohlen wurde. Es beschreibt die komplette Therapie für ADHS-Patienten und es scheint so zu sein, dass das was ich bisher für mich entwickelt habe, in Bezug auf das was “gelehrt” wird, das Ende der Fahnenstange ist. Wodurch es zumindest weniger stark verwunderlich ist, dass alle auf einem sehr ähnlichen Stand sind (und viele dort auch bleiben).

      Ich habe große Hoffnung in die Einzeltermine bei der Ergotherapie, weil die Ergotherapeutin echt informiert und gut zu sein scheint. Bin mir sehr sicher, dass ich von ihr dann in Bezug auf meine individuelle Problematik doch auch hilfreiche Anstöße bekommen werde. Die Gruppe nehme ich für mich dann als “Input” noch so mit.

      Glaube das Hauptproblem ist, dass ADHS im Erwachsenenalter überhaupt erst seit rund 10 Jahren eine Rolle spielt und dadurch einfach noch nicht so richtig viel entwickelt wurde für Erwachsene, die ggf. auch nicht dem klassischen ADHSler entsprechen.

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