Immer wieder Sonntags


Immer wieder Sonntags 239

Hinweis
Dieser Artikel enthält mit einem * markierte Partnerlinks d.h. wenn ihr den Links folgt und Waren erwerbt, erhalte ich ggf. eine Provision. Mehr dazu findet Ihr in den Datenschutzrichtlinien und bei der Werbekennzeichnung.

|Gesehen| Den ersten Teil der großartigen Doku “Planet Erde II: Eine Erde – viele Welten*”, über Netflix “The Hater” und “Extraction”
|Gehört| meine Playlists, sowie den neuen Passenger Song “A Song For The Drunk And Broken Heartedund “Das Ende” von Alin Coen
|Getan| gearbeitet, gelesen, geschrieben, gesammelt, gelernt
|Gefreut| über einen schönen Sammel-Entdeckungs-Spaziergang und einen gefundenen Stein
|Gelesen| “Kognitive Verhaltenstherapie der ADHS im Erwachsenenalter*”, Als hätte der Himmel mich vergessen*” (wirklich “gut” im Sinne von: sehr berührend und erschütternd),
|Gekauft| Stifte zum Bemalen von Steinen*, sowie Bücher: “Plastikfrei leben für Dummies*”, Minimalismus leben für Dummies*”, “Rituale im Jahreskreis*” und “BLUE MIND: Wie Wasser uns glücklicher macht*”
|Geschrieben| mein Rezept für Vegane Eier Benedict Varianten, sowie darüber, wie sich meine Definition von Tierliebe über die Jahre weiterentwickelt hat
|Gestreamt| nope.
|Geplant| das Podcast-Interview wird nachgeholt


“Ihnen geht es zu gut!”

Ein Satz, der mich schon lange Zeit begleitet. Schon vor 10 Jahren, als meine generalisierte Angststörung und meine alltäglichen Probleme mich in meinem Leben immer wieder einschränkten, hörte ich ihn von einem Dutzend TherapeutInnen. Ich bekam damals keinen Therapieplatz, weil es mir “zu gut ging”. Erst als mein Vater starb und ich seinen Tod als “Opener” vorschob, wurde ich angenommen.

Auch während der Therapie höre ich immer wieder, dass meine Symptome kaum ausgeprägt sind und ich, im Vergleich zu anderen, sehr gut im Alltag zurecht komme. “Sie sind ja sogar selbstständig, das ist eine riesen Sache!”. Für mich ist das ein großes Problem, weil ich (bisher) im Alltag nur deshalb so gut zurecht kam, weil Marius nahezu alle relevanten Dinge für uns erledigt hat. Vom Haushalt über die Arbeit bis hin zu Papierkram, den ich für meine Familie erledige.

Wäre ich alleine, käme ich aktuell (noch) nicht zurecht. Würde vielleicht sogar in alte Messie-Muster verfallen. Ich habe das schon oft während der Therapie erwähnt, aber leider sind der Therapeutin ja auch die Hände gebunden. Ich würde z.B. total gerne eine ambulante Therapie bzw. ein ADHS Coaching in der Spezialklinik machen, um effektiver an meinen Problemen in Bezug auf die Alltagsbewältigung arbeiten zu können. Aber, oh Wunder: “Dafür geht es ihnen leider zu gut, dann zahlen die Krankenkassen nicht.”.

So sehr ich meine Fähigkeit zur ehrlichen (Selbst)Reflexion liebe, so sehr ist sie in diesem Punkt eine Hürde. Im Gegensatz zu anderen sehe und KENNE ich meine Probleme, kann sie sehr gut einordnen, weiß woher sie kommen, welche Vermeidungsstrategien ich anwende und habe auch eine Idee davon, was mir helfen kann.

Bei der Therapie ist es deshalb oft so, dass ich über etwas rede und meine Therapeutin auf Grund meiner Klarheit denkt, ich könne mein Problem sowieso selbst lösen. Aber genau DAS ist der springende Punkt. Die Lösung zu kennen, ist das eine. Sie dann aber auch umsetzen zu können, etwas völlig anderes.

Was mich daran am aller meisten stört ist, dass ich so viel Geld für die Krankenkasse zahle und dennoch nicht darauf zählen kann, dass die Sachen, die für mich wichtig sind, übernommen werden. Weil ich nicht krank genug bin. Ich muss also erst völlig am Arsch sein. DANN werden die Kosten übernommen. Wie sinnlos!

Es bleibt also nichts, als die Mittel zu nutzen, die man kostenlos nutzen “darf” (Ergotherapie, Medikamente, Verhaltenstherapie). Ich finde es durchaus etwas unbefriedigend 🙄


ADHS & Ich

In den letzten Wochen haben mich weiterhin zahlreiche Fragen rund um das Thema ADHS im Erwachsenenalter erreicht (hier und hier und hier habe ich ein wenig von meiner Geschichte erzählt). Vielen habe ich schon auf ihre Fragen geantwortet, wer es noch nicht mitbekommen hat: am ersten Freitag im November (6.11.) findet auf Twitch ein FreiTalk zum Thema ADHS im Erwachsenenalter statt. Dort werde ich alle Fragen beantworten, die bis dahin an mich heran getragen wurden, sowie alle weiteren Fragen, die ggf. im Livestream aufkommen.

Heute wollte ich euch hier ein kleines “Update” geben, wie es momentan läuft. Ich nehme aktuell weiterhin die geringste Dosis meines Medikamentes und mein Blutdruck pendelt sich wieder von “zu niedrig” in Richtung “normal” ein.

Im Alltag merke ich, dass mir vieles leichter von der Hand geht, ich mich um tausend Prozent besser konzentrieren kann und häufiger in der Lage bin, Strukturen zu erschaffen und einzuhalten, sowie meine alltäglichen Aufgaben abzuarbeiten.

Ich merke außerdem, dass ich über all die Jahre sehr viele Strategien entwickelt habe. Manche davon sind hilfreich, einige aber problematisch. Die problematischen (Vermeidungs)Strategien, und Denkmuster abzulegen, wird in Zukunft meine Hauptaufgabe und Herausforderung sein. Es ist unglaublich schwer, diese erlernten und für “normal” abgespeicherten Sachen hinter mir zu lassen.

Zur Therapievorbereitung für meine Therapeutin und mich hat der Chefarzt der Spezialklinik unter anderem das Buch Kognitive Verhaltenstherapie der ADHS im Erwachsenenalter* als Leitfaden empfohlen. Ich soll mir hier die Sachen raussuchen, mit denen ich große Probleme habe und bei denen ich Hilfe brauche.

Beim Lesen solcher Bücher werden mir viele der oben angesprochenen Muster (z.B. Konfabulieren, stark ausgeprägtes Dichotomes Denken, negativer Hyperfokus, divergentes denken, Affektlabilität o.ä.) bewusst und ich finde es spannend, da immer mehr einzutauchen und zu sehen, wie alles irgendwie zusammen hängt.

Ich begreife das dabei absolut nicht als ausschließlich negativ. Vieles ist im Gegenteil sogar ein Geschenk. Nichts destotrotz gibt es aber viele Probleme in meinem Alltag, die ich lösen möchte, aber (noch) nicht alleine lösen kann.

Ich bin gespannt, wie mir die Therapeutin da helfen kann. Tatsächlich habe ich ein besseres Gefühl bei der auf ADHS spezialisierten Ergotherapie. Da darf ich aber halt frühestens Anfang nächsten Jahres hin, wenn ich medikamentös eingestellt bin.

Was mir in Bezug auf das Thema noch wichtig ist

Einen wichtigen Hinweis möchte ich an dieser Stelle noch los werden. In den letzten Wochen kam es vermehrt vor, dass Menschen gesagt haben “Naja das habe ich auch…das ist ja auch normal.” oder “Oh Gott, das habe ich auch. Bin ich jetzt auch krank??”.

Es ist wichtig zu verinnerlichen, dass wir alle verschieden sind und das alle Krankheiten, Störungen, Charakterzüge, positive wie negative Angewohnheiten (…) ganz unterschiedliche Spektren haben.

Wir können depressiv verstimmt sein, haben deshalb aber nicht zwingend Depression. Wir können erschöpft sein, leiden deshalb aber nicht unbedingt unter einem BurnOut. Wir können einen Knubbel in der Brust haben, haben deshalb aber noch lange kein Brustkrebs. Wir können ein oder zwei oder vielleicht auch drei Symptome hin und wieder haben, sind deshalb aber kein ADHSler.

ADHS hat viele Gesichter und Ausprägungen. Manche Betroffene haben große Probleme bei der Alltagsbewältigung, andere kaum. Manche sind nach außen hyperaktiv, andere eher nach innen.

Es geht nicht darum zu sagen, dass ein winziger Teil dieser Facetten (wie das konfabulieren oder dichotomes denken) unfassbar krankhaft ist. Im Gegenteil hat vermutlich jeder Mensch schonmal konfabuliert oder alles schwarz-weiß gesehen.

Es geht um die Ausprägung und Anzahl dieser Facetten und aber vor allem um die dabei individuell empfundenen (seelischen) Belastungen im Alltag . ADHS ist nicht nur Hyperaktivität. Ganz im Gegenteil.

Hier in meinen Beiträgen geht es dabei immer um meine Geschichte. Um das, was mich persönlich beschäftigt und belastet. Wenn sich hier jemand wiederfindet und das Gefühl, hat ADHS zu haben, empfehle ich sich eingehender zu informieren (diese und diese Seite sind ein guter Anfang) und ggf. an professionelle ExpertInnen zu wenden.


Wir alle “brauchen” Influencer

Influencer-Bashing ist dank einiger A bis Z Promis gerade topaktuell. Wenn man das Wort “Influencer” hört, denkt man an die Perlen des Influencer-Marketings. Influencer sind prädestiniert, um sie öffentlich an den Pranger zu stellen. Keiner mag sie, die sollen bloß mal richtig arbeiten und erst recht will niemand was mit ihnen zu tun haben! Wo kämen wir denn da hin, wenn jemand beeinflussbar wäre!

Ja, stimmt. Wo kämen wir denn da hin? Deine Mudda ist Influencerin. Tatsächlich. Unsere Eltern und Großeltern sind Influencer. ALLE Menschen die uns, positiv wie negativ, beeinflussen, sind Influencer (vorausgesetzt man ignoriert das winzige, unbedeutende Detail in Bezug auf das Geld – was ich hier heute tue).

Mir ist diese Woche etwas klar geworden: Wir alle haben und brauchen unsere persönlichen “Influencer” (hier meine ich ab jetzt die Definition des Wortursprungs “to influence” = beeinflussen). Das war schon immer so. (Fun fact: Funde deuten darauf hin, dass bereits 4000 v. Chr. erste Werbebotschaften übermittelt wurden).

Mittlerweile ist dieses “Influencer-Ding” allumfassender. Wir leben in einer Zeit, in der viele nicht mehr in der Lage zu sein scheinen, ihre Fragen und Informationen selbst zu recherchieren (egal ob via Google oder mit entsprechender Literatur etc.).

Wir legen sogar großen Wert auf die Erfahrungswerte anderer. Wir lesen Rezensionen und Reviews oder schauen uns Postings und Videos in den sozialen Medien an, um uns Inspiration und/oder Gewissheit zu holen. Ich finde da ist auch gar nichts Verwerfliches dran. Solange wir uns dennoch unseres eigenen Verstandes bedienen und uns darüber im Klaren sind, dass all das subjektive Meinungen sind.

Ein schönes Beispiel für das, was ich meine: Mein Bruder erzählte mir, dass er und seine Frau gerade eine tolle Morgenroutine einer Influencerin entdeckt haben. Es ginge darum, morgens das Smartphone auszustellen und u.a. erst mit einer Dankbarkeitsroutine in den Tag zu starten (er hätte natürlich auch in meinem Artikel aus 2018 stöbern können, folgt mir aber nicht und liest auch nicht meine Blogs, weil er sich fremd schämt ;-) ). Für ihn und seine Frau waren diese Tipps jedenfalls der heilige Gral und sorgten dafür, dass sie ihren Morgen viel effektiver verbringen konnten und sich sogar noch besser fühlten.

So wie mein Bruder und seine Frau jemanden “brauchten”, der ihnen sagt: “Hey, es könnte klug sein, morgens mal ohne Smartphone in den Tag zu starten!”, so haben wir in anderen Bereichen irgendwoher Impulse, Ideen oder sogar Kaufempfehlungen erhalten, auf die wir von alleine (möglicherweise) nicht gekommen wären. Häufig sind es aber nicht die Berufs-Influencer, von denen wir z.B. unsere Kaufentscheidungen alleinig abhängig machen.

Der Einfluss speziell dieser Influencer ist aus meiner Sicht gar nicht kritischer zu betrachten, als der Einfluss anderer Werbekanäle (TV, Radio, Print) und diverser TV Produktionen. Werbung außerhalb der sozialen Medien ist zum einen anerkannter (weil vermeintlich “seriöser”), und zum anderen so omnipräsent und normal, dass wir sie nicht mehr aktiv wahrnehmen (auf Plakaten, im Supermarkt, im Kino, im Fernsehen, in Zeitungen, auf Kugelschreibern usw.) und deshalb lieber den neuartigen Influencern an den Kragen wollen.

Es ist letztlich egal, über welches Medium die Werbung verteilt wird, das Ziel ist dasselbe: es geht darum, Geld damit zu verdienen, indem man jemand anderem dabei hilft, die Sichtbarkeit für ein Produkt/eine Firma zu vergrößern. Das kann man natürlich verwerflich finden. Aber auch da geht es letzten Endes nicht tatsächlich darum, dass man persönlich ein Problem damit hat, wenn jemand seiner Arbeit nachgeht (indem er beispielsweise Werbung macht). Oder gab es schon mal einen ernsthaften Aufschrei, weil man im Fernsehen und in der Zeitung mit Werbung zugekleistert wird?

Das was weh tut und/oder wütend macht, ist viel tiefergreifender. Influencer haben ein Gesicht, sind nahbar. Es ist z.B. das Gefühl von fehlender Fairness/Neid oder gefühlt mangelnder Verhältnismäßigkeit in Bezug darauf, dass man selbst für die Summe, die ein einzelnes Social Media Posting einbringen kann, vielleicht gleich mehrere Monate arbeiten muss. Oder dass man selbst Jahre lang eine Ausbildung oder ein Studium absolviert hat, um einen einigermaßen “guten Job” zu bekommen, während InfluencerInnen im “schlimmsten Fall” ohne jeglichen Background, ihr eigenes Ding machen. Oder vielleicht geht es auch darum, dass eine Person des öffentlichen Lebens, die sich online präsentiert und Werbung macht, der ich sogar persönlich schreiben kann, viel nahbarer ist, als es die Werbemacher der restlichen Medienwelt in TV, Radio & Co. sind.


Und sonst so?

Wir waren im Wald auf “Entdeckungs-Sammel-Tour”. Ich wollte unbedingt noch Fliegenpilze und Zunderschwamm zum Räuchern sammeln. Mitgenommen habe ich dann auch noch Fichtenharz, Hagebutte und einen Birkenporling. Der Spaziergang war wie immer wunderherrlich. Freitag hatte es ja den ganzen Tag so doll geregnet und entsprechend leer war der Wald. Wir haben in drei Stunden zwei Personen getroffen. Wie ich das LIEBE!

Außerdem habe ich diese Woche “endlich” mal wieder Zeit zum “Dead by Daylight” spielen gefunden.

Bongo hat uns diese Woche, speziell aber heute, wieder starke Nerven gekostet. Habe für den Artikel heute fast vier Stunden gebraucht und bin froh, dass ich jetzt durch bin ;-)

Schönen Sonntag euch allen!

Anzeige

Über den Autor

Sandra Stüber

Ü30, seit 1998 Bloggerin, alberne Öko-Frohnatur und
naturverbundene Pflanzenfresserin. Versucht hier seit 2013 die Menschen zu inspirieren.

Schreibe einen Kommentar

Mit der Nutzung der Kommentarfunktion erklärst du dich mit der Verarbeitung deiner Daten gemäß der Datenschutzerklärung einverstanden.