Immer wieder Sonntags


Immer wieder Sonntags 276

|Gesehen| beide Tage des Nationalen Waldgipfels 2021, Tag 1 und Tag 2 (sollte meiner Meinung nach jede*r gesehen haben), die wunderherrlich bewegende und zum Nachdenken anregende Geschichte von Emily & Erik auf ihrem Weg zu einem selbstbestimmten Leben als Paar mit Down Syndrom, sowie “Ist es okay Haustiere zu halten?” (ebenfalls sehr empfehlenswert und sehr wahr!) und “Sprechen mit Toten: Jenseitskontakt zum toten Vater?” (um es mit einem Kommentar zu sagen: “„Dieser Mann ist nicht so alt gestorben, aber auch nicht so jung“. Das beschreibt ganz gut, was die Esoterik ausmacht. Menschenkenntnis und Raten.”)
|Gehört| Sam Tompkins mit “(w)hole“, Provinz mit “Tanz für mich” und meine Playlists
|Getan| nachgedacht, geordnet, Torvi operieren lassen, gekegelt, geredet, gelacht, getanzt, gelesen, gearbeitet, gelernt
|Gefreut| über Torvis gut verlaufene OP, eine Eichelhäher-Feder und gute Gespräche
|Gelesen|Federleicht – Die kreative Schreibwerkstatt*”
|Gekauft| die Bücher “Der lange Atem der Bäume*” von Peter Wohlleben und “Das Ende der Evolution*” von Matthias Glaubrecht
|Geschrieben| Nichts Veröffentlichtes
|Geplant| mit Kimba zur Tierärztin (zur Vorsorge ;-) ), die neuen Notfall-Ratten abholen, Ergotherapie und ggf. Schwimmen

Weltschmerz, Vogel-Strauß-Taktik und unterlassene Hilfeleistung

Irgendwie fühlt sich all das, was gerade um uns herum auf der Welt passiert, bedrohlich und seltsam zugleich an. Die Welt kämpft mit den Folgen, die wir Menschen im Laufe unserer Existenz verursacht haben. Die Medien sind voll mit Schreckensnachrichten. Einige schalten deshalb alles ab. Ich kann das nachvollziehen.

Ist wegzusehen nicht unterlassene Hilfeleistung?

Würde ich keine Nachrichten verfolgen, bekäme ich von den Geschehnissen nicht viel mit. Ich säße in meinen vier Wänden, würde regelmäßig spazieren und schwimmen gehen, mich über einen verregneten Sommer mit milden Temperaturen freuen und hätte das Hochwasser in Wuppertal nicht bemerkt. Meine “Bubble” wäre friedlich. Aber wäre das nicht unterlassene Hilfeleistung? 

So sehr ich den Wunsch nach Scheuklappen teile, nachvollziehen kann und absolut menschlich finde, so sehr kommt er mir egoistisch, ignorant, ja fast schon arrogant vor. Ich meine damit nicht, eine Pause machen, für sich sorgen, die eigenen Grenzen wahren und für sich einstehen. All das ist von unschätzbarem Wert. Ich meine unsere konsequente Ignoranz. Die Tatsache, dass wir komplett weiter machen wie bisher.

Ich würde in meiner privilegierten Bubble unbetroffen von allem schreien: “Nein! Ich will das alles nicht sehen. Das ist mir zu viel. Das tut mir weh. Das kann ich nicht aushalten.” Und würde weiter machen wie bisher. Während Menschen und Tiere um mich herum ums nackte Überleben kämpfen.

Ich weiß, dass ich die Welt nicht retten kann und dass es durch das ständige Hinsehen nicht besser wird. Das Wegsehen, das verharren in der eigenen Komfortzone und die damit verbundene Verdrängung führen allerdings dazu, dass wir weiter machen wie bisher. Das ist vielleicht menschlich und doch fahrlässig.

Was muss noch passieren?

Ich frage mich, was noch passieren muss, damit wir begreifen, dass wir etwas ändern müssen. Es gab in den letzten Jahren so viele Katastrophen (nicht bloß in Bezug auf die Umwelt!) und doch scheint die größte Sorge zu sein, wann man endlich wieder sorglos in den Urlaub (fliegen) kann, wann das neue iPhone raus kommt oder wo es das leckerste Fleisch zu kaufen gibt. Mir fehlen schlicht die Worte für so vieles, das auf dieser Welt passiert. 

Marius sagte vor ein paar Tagen, dass die meisten Menschen nichts aus Katastrophen lernen und solange in ihrer Komfortzone bleiben, wie es möglich ist. Ich wollte dem widersprechen.

Als er als Beispiel u.a. die Nuklearkatastrophe in Tschernobyl nannte, war ich mir mit meinem Widerspruch nicht mehr sicher. Denn bis heute (!) machen sich Menschen über diejenigen lustig, die gegen Atomkraft auf die Straßen gehen. Ich bin selbst mit dem Gedanken aufgewachsen, dass Menschen mit “Atomkraft? Nein Danke!”-Schildern Freaks sind und kämpfe auch heute, trotz aller Tatsachen die ich vor Augen habe, manchmal noch mit diesem Glaubenssatz. Angesichts solcher Tatsachen fühle ich mich hilflos gegenüber der Wahrheit von Marius These.

Weggucken und Totschweigen sind keine Option

Die Informationen und Gespräche des nationalen Waldgipfels 2021, sowie die Geschehnisse bei Olympia (siehe z.B. hier und hier) verstärkten meinen Weltschmerz und das Gefühl der Hilflosigkeit. Sie maximierten aber auch meine Überzeugung, dass weggucken und totschweigen für mich keine Option sind.

Gerade Letzteres habe ich in der Vergangenheit öfter getan als ich wollte, weil der Widerstand so wahnsinnig groß ist und ich die ewige Konfrontation und Diskussion leid war. Menschen, die auf Missstände hinweisen, werden als missionarisch, fanatisch, moralisch und/oder militant bezeichnet. Beispielsweise weil sie sich aktiv gegen die Misshandlung, Ausbeutung und Zerstörung von Tieren, Menschen und unserem Planeten aussprechen. Das ist paradox.

Wer sich angegriffen fühlt, dass ich Missstände anprangere und Lösungen aufzeige, tut dies nicht wegen mir oder als schlechter Mensch. Sondern (wie ich früher) aus dem Bedürfnis nach Sicherheit heraus. Das ist okay und verständlich.

Wir wollen dasselbe

Das was ich letzte Woche in Bezug auf Bedürfnisse und Entscheidungen schrieb, passt auch hier: kaum jemand würde sich aktiv dafür aussprechen, unsere Lebensgrundlage zu zerstören und Tiere oder Menschen zu quälen. Wir haben dasselbe Ziel. Eine Welt, in der wir alle sicher, friedlich und komfortabel leben können.

Wir haben aber nicht alle dieselbe Ausgangssituation. Nicht zuletzt deshalb sind unsere Auffassungen und Ideen davon, wie wir dieses Ziel erreichen können oder wollen, ganz unterschiedlich. Mein Weg kann und muss nicht der Weg anderer sein. Möglicherweise darf ich lernen, das noch mehr zu akzeptieren bzw. zu sehen. Und doch kann ich meinen Weg beleuchten und Menschen dazu inspirieren, ihn mitzugehen.

Torvi

Torvi hat ihre OP gut überstanden. Der Tumor wurde am Montag problemlos entfernt, Wir haben es, entgegen unserer Erwartungen, sogar geschafft, dass Wiesel & Torvi die Nähte einigermaßen drin lassen 😅 Damit sind wir mehr als zufrieden. In der kommenden Woche ziehen dann die Neuen Notfallratten ein. Vermutlich Richtung Donnerstag. 

Das wird spannend :-)

Und sonst so?

Wir sind ein paar mal richtig schön spazieren gewesen (samt gefundener blauer Eichelhäher – Feder 😍 Die letzte fand ich vor zwei Jahren), haben einige Male unser neues Brettspiel Cacao* gespielt, das ich Marius vorletzte Woche zum Geburtstag schenkte, waren mit Freunden kegeln und ich hab viel gelesen und mich rund um den Waldgipfel informiert.

Das war es ansonsten von meiner Woche. Ich wünsche euch einen schönen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Wir lesen uns nächsten Sonntag!

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