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Kolumne

Immer wieder Sonntags 275

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|Gesehen| Mutterkorn: Hexenwahn, Ergotismus und LSD – Standort, Inhaltsstoffe, Wirkung, Geschichte (ich finde die Videos von Buschfunkistan gro├čartig! So viel interessantes Wissen, das da vermittelt wird), „Wie ist das Zoophil zu sein?“ (schwer zu ertragen und anwidernd. Den Missbrauch von Tieren so darzustellen, als w├Ąre das eine einvernehmliche Sache und puh. Die Neigung ist das eine, sie auszuleben und als gut darzustellen etwas ganz anderes.), „Tiersch├╝tzer reagiert auf den PRIVAT ZOO von Prinz Marcus“ (ich zitiere den Kommentar von Chuck Norris unter dem Video: „So ein kaputter Mensch der Marcus. So reich und doch so arm.“), „Wie deine Stimmung beeinflusst wird – State-Dependent Memory“ (auch die Videos von Dami Charf finde ich immer wieder interessant und lehrreich) und „Lidls Veganes Kochstudio“ (unfassbarer Fremdsch├Ąm-Cringe-Modus in Bezug auf Ralf M├Âller, finde ihn ganz schlimm aufgesetzt, freue mich aber gleichzeitig ├╝ber das Format, das die breite Masse erreicht)
|Geh├Ârt| Antony & The Johnsons „Hope There’s Someone„, Madeleine Juno „Sommer, Sonne, Depression„, das Cover zu „Visions of Gideon“ von Malte Marten und Josephine Pia Wild, Brandi Carlile „Right on Time„, sowie meine Playlists
|Getan| gehofft, Abschied genommen, geweint, gegangen, gelesen, gearbeitet, geredet
|Gefreut| ├╝ber Geschenke f├╝r die Ratten & uns, Besuch von Marius Cousin und Zeit mit Bella
|Gelesen|Chaosqueen und Traumt├Ąnzer*“ – ein Ratgeber f├╝r Erwachsene mit ADHS (das Buch habe ich bisher gekonnt ignoriert, weil ich den Titel so f├╝rchterlich finde, bin vom Inhalt aber positiv ├╝berrascht)
|Gekauft| Glasbeh├Ąlter mit Deckel* (waren bzw. SIND im Angebot stark reduziert – echtes Schn├Ąppchen. Zum Vergleich: bei Lidl gab es gerade drei solcher Beh├Ąlter f├╝r 9,99ÔéČ. Hier sind es 10 f├╝r knapp 15ÔéČ), neue Ohrpolster* f├╝r meine Bose-Kopfh├Ârer, das neue Multin├Ąhrstoffpr├Ąparat „ProVeg Essentials„, das von Niko Rittenau konzipiert wurde und „Federleicht – Die kreative Schreibwerkstatt*“
|Geschrieben| Nix
|Geplant| morgen wird Torvi operiert, au├čerdem sind wir zum Kegeln verabredet und ich habe Ergotherapie 

Abschied von Bella

Bella ging es seit letztem Samstag nicht gut und ihre Atmung wurde immer schlechter. Nachdem wir Montag mit ihr bei unserer Tier├Ąrztin waren, hatten wir noch etwas Hoffnung, dass es ein schwerer Atemwegsinfekt oder etwas mit dem Herzen ist. Das w├Ąre beides etwas gewesen, das man m├Âglicherweise h├Ątte behandeln k├Ânnen.  Wir bekamen ein Antibiotikum, Schleiml├Âser, sowie ein Mittel zur St├Ąrkung der Atemwege mit. Au├čerdem bekam sie von uns Schmerzmittel. Montag und Dienstag verbrachten wir fast den gesamten Tag mit ihr. Sie schlief meist bei einem von uns im Arm, wurde viel gekuschelt und durfte bis sp├Ąt abends, sowie gleich nach dem Aufstehen mit ins Bett. Das hat sie sichtlich genossen und beruhigt. Die Medikamente verbesserten zwar Bellas Allgemeinzustand, hatten auf ihre Atmung allerdings keinen Effekt.

Selbst Torvi und Wiesel, die insgesamt eher etwas ruppiger und unbedarft im Umgang mit Bella waren, haben sich am letzten Tag zu ihr auf den Boden gelegt. Im kuscheligen H├Ąuschen bekam sie vermutlich zu wenig Luft, wenn Torvi und Wiesel um sie herum oder gar auf ihr lagen.

Mittwoch hatten wir f├╝r 09:00 Uhr einen weiteren Termin bei der Tier├Ąrztin. Wir hatten vereinbart, dass Bella. f├╝r ein R├Ântgenbild der Lunge. in Narkose gelegt wird. Nur so l├Ąsst sich abkl├Ąren, ob in der Lunge mehr los ist. 

Wir waren weiterhin einigerma├čen hoffnungsvoll, weil ein Lungentumor bei Wildratten verh├Ąltnism├Ą├čig selten ist und es  viele andere M├Âglichkeiten gibt. Leider war das Bild, das ich von Bella im Wartezimmer machte, das letzte Foto.

Das R├Ântgenbild war leider mehr als eindeutig. Bella hatte einen gro├čen Tumor in der Lunge. Ihre Lunge zeigte sich auf dem Bild auch nicht schwarz, sondern fast wei├č, es war also kaum noch ein Freiraum f├╝r Luft vorhanden. 

Mit diesem Wissen war unmissverst├Ąndlich klar, dass wir Bella nur helfen, indem wir sie von ihrem Leid erl├Âsen.

F├╝r Bella ­čÉÇ

„Wenn durch ein Wesen mehr Liebe und G├╝te, ein wenig mehr Licht und Wahrheit in der Welt war, hat das Leben einen Sinn gehabt.“

Alfred Delp

Ach Bella, was waren das wunderherrlich-wunderwertvolle 2 Jahre mit dir. Als du am 24.07.2019 als Mini-Baby bei uns einzogst, ahnten wir weder, dass du meine Liebe zu Ratten entfachen w├╝rdest (Marius musstest du gar nicht erst ├╝berzeugen), noch wie sehr du unser Leben bereichern w├╝rdest. Wir sind von da an unzertrennlich gewesen. Selbst zur Hausbesichtigung nach Bayern und zum Wandern nahmen wir dich mit ­čśů

Video von Bella als Welpe anzeigen

Ich habe so unendlich viel von dir gelernt. Welch wundertollen, intelligenten, liebevollen, sensiblen, witzigen & gro├čartigen Wesen ihr Ratten seid! Ich habe gelernt, was Speziesismus WIRKLICH bedeutet, wie wir Menschen uns ├╝ber euch Tiere stellen, euch als Ungeziefer, Sch├Ądlinge oder Plage klassifizieren. Dabei sind wir die gr├Â├čte Plage.“Die kriegst du nicht durch!“, „So ne Wildratte kriegst du nie zahm!“, „Man sollte der Natur besser ihren Lauf lassen!“ sagten die Leute. Uns w├Ąre vieles verwehrt geblieben ­čĺť

Hier geht es zum Video „Wie eine Wildratte mein Leben ver├Ąndert hat“

Dein grenzenloses Vertrauen in uns hat mir oft Tr├Ąnen in die Augen getrieben. Diese (nicht mal!) Handvoll Leben. Du hast dich so sicher gef├╝hlt, dass du mitten in der Wohnung unvermittelt einschlafen konntest. Selbst wenn die Katzen dich beobachteten. Oft schliefst du so tief, dass du nichts mehr um dich herum mitbekamst (z.B. als Tilly direkt neben dir eingeschl├Ąfert wurde und die Tier├Ąrztin sich fast mehr um dich und deine Regungslosigkeit sorgte ­čÖł). Unz├Ąhlige Male bist du im Schlaf aus dem H├Ąuschen oder der H├Ąngematte gepurzelt.

Selbst Kimba und Bongo lie├čen dich gew├Ąhren, so dass das Schlafen (unter Aufsicht) in ihrem Fell kein Problem war. Es gibt so viele lustige und sch├Âne Erinnerungen mit dir.

Die letzten Tage warst du fast rund um die Uhr bei uns. Etwas, dass dir fr├╝her auch gefallen h├Ątte. In unserer N├Ąhe und frei laufend in der Wohnung hast du dich besonders wohl gef├╝hlt. 

Dienstagabend, als wir gemeinsam auf der Couch sa├čen, wurde ich traurig. Nicht nur der Gedanke daran, dich m├Âglicherweise gehen zu lassen, trieb mir die Tr├Ąnen in die Augen. Zu sehen, wie wir Menschen euch Tieren euer Leid oft kaum ansehen k├Ânnen, hat mich zutiefst ber├╝hrt. Pl├Âtzlich rappeltest du dich auf und lecktest minutenlang meine Hand. Deine St├Ąrke und deine Liebe haben mir in diesem Moment fast das Herz zerrissen.

Video anzeigen

Dein Wesen bereichert unser Leben ├╝ber deinen Tod hinaus. F├╝r all diese Erfahrungen & Erinnerungen sind wir sehr dankbar. Dich gehen zu lassen ist grauenvoll und schmerzhaft. Danke, f├╝r zwei witzige, wuselige, spannende, kuschelige, lehrreiche, faszinierende, liebevolle Jahre. Danke, dass du bei uns warst. Wir lieben dich, du Verr├╝ckte!

Lustiges Video von Bella anzeigen

Loslassen

In den sozialen Medien schrieb ich vor ein paar Tagen einen Text zum Thema „Loslassen“, dessen Inhalt ich ein St├╝ck korrigieren m├Âchte.

Hier klicken um Text zu lesen
In den letzten Monaten mussten wir viele Liebgewonnene loslassen.
Mir ist dabei etwas aufgefallen, das mich besch├Ąftigt:
Als Bella vorgestern zur Tier├Ąrztin musste, hat Marius sich zuvor intensiv von Bella verabschiedet. Er knuddelte, streichelte und knutschte sie und sagte „Mach es gut M├Ąuselchen, ich liebe dich.“.
Ich blickte angestrengt aus dem Autofenster und z├Ąhlte B├Ąume.
Als Bella zum R├Ântgen abgeholt wurde, sagte ich nicht mal Tsch├╝ss. Ich war einerseits fest davon ├╝berzeugt, sie lebend wieder zu sehen. Andererseits hatte ich vor allem Angst davor, beim Abschied die Fassung zu verlieren. Das bereue ich. Denn Bella wurde nach der R├Ântgen-Vollnarkose nicht mehr zur├╝ck geholt und ich sah sie nicht mehr lebend.
Erlebnisse wie dieses verfolgen mich, weil ich immer denselben Fehler mache. Ich entscheide mich f├╝r Kontrolle und gegen das Loslassen.
Ich weine zwar oft ungewollt, wenn ich w├╝tend bin (der Zusammenhang in Bezug auf meine unterdr├╝ckten Gef├╝hle und der Wut ist mir dabei sehr bewusst ­čĺť). Aber nahezu nie, wenn ich abgrundtief-traurig bin. Zumindest oder besonders nicht in Gesellschaft.
Ich habe Angst davor, die Kontrolle zu verlieren. Vor lauter Trauer nicht mehr reden, handeln oder gar leben zu k├Ânnen. Mitleid zu erregen. Andere mit meiner Trauer traurig zu machen. Zur Last zu fallen.
Und am Ende eines jeden Abschieds sitze ich hier und bin gef├╝hlt trauriger als notwendig (auch der Zusammenhang dieser Wortwahl ist mir bewusst ­čÖł), weil ich den Prozess des Abschieds ab einem gewissen Punkt f├╝r mich cancle, um mich nicht zu verlieren. Und verliere dennoch diesen einen intimen, schmerzhaft-besonderen Moment des letzten „Lebewohls“.
Rational betrachtet bin ich absolut ├╝berzeugt davon, dass ich nur gewinnen kann, wenn ich meine Trauer GERADE in solchen Momenten zulasse und mein vermeintlich (?) sicheres Gew├Ąsser verlasse, in dem ich mich bewege, seit ich lerne, Abschied zu nehmen.
Ich w├╝nsche mir, irgendwann so pr├Ąsent Abschied nehmen zu k├Ânnen, wie Marius. Seine Art, in den Moment einzutauchen und darin aufzugehen, bewundere und sch├Ątze ich sehr ­čĺť
Lerne und ├╝be gerne irgendwann weiter, habe von Abschieden dennoch vorerst genug ­čśĆ

Ich schrieb davon, dass ich meine Entscheidung bereue und „immer denselben Fehler mache“. Das stimmt nicht. Es h├Ârt sich an, als w├╝rde ich meine Art zu trauern nicht gut hei├čen. Das ist nicht so. Es ging mir um etwas anderes. An diesem Abend konnte ich das nur offenbar nicht so richtig in Worte fassen. 

Meine Gedanken dazu nun noch mal etwas differenzierter:

Bei den Besuchen in der Tierarztpraxis darf nur eine Person das Tier ins Behandlungszimmer begleiten. Marius und ich f├╝hrten dazu h├Ąufiger Gespr├Ąche. Da ich, auch dank medizinischer Ausbildung, keine Ber├╝hrungs├Ąngste habe und dort ablaufende Prozesse gut verkrafte, schlug ich schon letztes Jahr vor, diesen Part zu ├╝bernehmen.

In der oben beschriebenen Situation sa├čen wir mit Bella im Auto vor der Praxis der Tier├Ąrztin. Mein Ziel war, in diesem Moment, Bella zu begleiten und dabei m├Âglichst „zurechnungsf├Ąhig“ zu bleiben, um rationale Entscheidungen treffen und wichtige Informationen verarbeiten zu k├Ânnen. F├╝r Marius war klar, dass er im Auto bleibt und Bella m├Âglicherweise zum letzten Mal lebend sieht. So entschied er sich, sich intensiv von ihr zu verabschieden. Ich hingegen wusste ja, dass ich Bella begleite.

Mich tiefer mit meinen Gef├╝hlen zu verbinden kam zu dieser Zeit nicht infrage f├╝r mich. Ich wollte meine F├Ąhigkeit, Informationen zu verarbeiten und rational zu entscheiden, aufrechterhalten. Entsprechend war die Entscheidung, die Kontrolle ├╝ber meine Gef├╝hle zu behalten, absolut bewusst gew├Ąhlt. Und auch die Situation als solche w├Ąhlte ich bewusst.

Mir ist es sogar lieber, solche Situationen alleine „durchzuziehen“, weil ich mit Marius an meiner Seite sofort in Kontakt mit meinen Gef├╝hlen komme und ich genau das dann ja vermeiden m├Âchte. Entsprechend bereue ich meine Entscheidung nicht und w├╝rde es jederzeit wieder tun.

Ich wollte mit meinen geteilten Gedanken nicht meine Trauer infrage stellen. Trauer hat unendlich viele Facetten und meine Art zu trauern ist f├╝r mich genau die Richtige. Der Moment, in dem ich Bella f├╝r die Narkose an die Tier├Ąrztin ├╝bergab, ohne sie nochmal abzuknutschen, war bewusst gew├Ąhlt. Ansonsten h├Ątte ich riskiert, den ├ťberblick ├╝ber die Situation zu verlieren. Das w├Ąre im schlimmsten Fall auf Kosten von Bella gegangen. 

Im vergleichenden R├╝ckblick sehe ich den intimen, intensiven und wundersch├Ânen Moment mit Marius und Bella. Ein Teil in mir w├╝nscht sich ebenfalls auf diese Art ein endg├╝ltig letztes Mal „Lebewohl“ gesagt zu haben. Das ist okay so. Der weitaus gr├Â├čere Teil in mir wollte die Sicherheit, dass Bella gut und richtig behandelt wird und keine falschen Entscheidungen getroffen werden. Ich sehe es entgegen meinen Aussagen in dem obigen Zitat nicht als Fehler an, mich f├╝r die Kontrolle entschieden zu haben.

Wir beide haben unsere Zeit mit Bella sehr intensiv genutzt, uns verabschiedet und unserer Trauer Raum gegeben. Selbst wenn nicht, h├Ątte es allerdings nichts zu bereuen gegeben. Darauf komme ich im n├Ąchsten Abschnitt nochmal zur├╝ck.

Warum es nicht fair ist, vergangene Entscheidungen zu bereuen

Dieser Kommentar unter einem Posting bei Instagram hat mich an ein Thema erinnert, zu dem ich schon oft meine Gedanken teilen wollte: Unsere Neigung, vergangene Entscheidungen zu bereuen und warum ich es uns gegen├╝ber unfair finde. Wie so oft m├Âchte ich meine eigene Geschichte nutzen, um zu verdeutlichen, was ich meine.

Als mein Opa 2013, nur wenige Wochen nach seinem 66. Geburtstag (an dem Einbrecher das Haus meiner Gro├čeltern verw├╝steten), an einem Gehirntumor erkrankte, waren wir alle schockiert. Besonders schwierig war die Situation f├╝r meine Oma.

Es fiel ihr schwer, meinen Opa im Krankenhaus oder Hospiz zu besuchen und ihm die Unterst├╝tzung zukommen zu lassen, die wir alle uns von ihr w├╝nschten. Auch den Wunsch, zu Hause zu sterben, konnte sie ihm nicht erf├╝llen. Sie war ├╝berfordert und voller ├ängste. 

Damals machte ich ihr Vorw├╝rfe, war entt├Ąuscht und sauer. Ihr Verhalten kam mir egoistisch vor. So, als w├╝rde sie den Mann ihres Lebens aus nichtigen Gr├╝nden im Stich lassen. Sie weinte fast ununterbrochen. Immer wieder dachte ich, dass sie sich nicht so anstellen soll. Uns ging es schlie├člich allen schlecht, aber Opa ja wohl am meisten! 

Erst mit meiner jetzigen Erfahrung, neuem Wissen und erweitertem Blickwinkel kann ich ihr Verhalten anders wahrnehmen und Mitgef├╝hl haben. Aus heutiger Sicht schmerzt mich mein Umgang mit ihr. Dass ich so sauer und entt├Ąuscht war und Abstand von ihr nahm.

In einer Zeit, in der meine Oma mindestens genauso viel Halt gebraucht h├Ątte wie mein Opa, war sie alleine mit ihren Gef├╝hlen. Ich k├Ânnte mir Vorw├╝rfe machen und mein Verhalten bereuen. Damit w├╝rde ich denselben Fehler begehen wie damals.

Mit meinen (gedanklichen) Vorw├╝rfen und Verurteilungen ihres Verhaltens erreichte ich nichts. Weder f├╝r meinen Opa, noch vor sie oder mich. Nun dasselbe mit mir zu tun, h├Ątte denselben Effekt. 

Ich konnte damals nicht sehen, warum oder vielmehr wozu meine Oma sich so verhielt. Ihre unb├Ąndigen ├ängste, ihre ├ťberforderung, ihre Depression und die beginnende Demenz nahm ich nicht wahr. Sie tat alles, wozu sie zu dieser Zeit in der Lage war. Davon bin ich fest ├╝berzeugt. Ihr wozu war schlie├člich nicht, meinem Opa oder mir zu schaden, sondern Sicherheit f├╝r sich zu schaffen.

F├╝r sie war die Lage meines Opas und die Gewissheit, hilflos dabei zusehen zu m├╝ssen, wie er stirbt, schlicht unertr├Ąglich. Im wahrsten Sinne des Wortes. Sie konnte das nicht tragen. Meine Oma hat f├╝r ihre Sandkastenliebe ├╝ber 50 Jahre das getan, was ihr m├Âglich war. Auch am Sterbebett hat sie damit nicht aufgeh├Ârt.

Ich war damals nicht in der Lage, meiner Oma Empathie entgegenzubringen. Ihre ausweglose Situation nachzuempfinden und ihr Verhalten anders zu deuten, war mir nicht m├Âglich.

Nat├╝rlich w├Ąren meine Oma und ich kognitiv / physisch in der Lage gewesen, anders zu handeln. Unsere Handlungen sind aber nicht das Ergebnis der F├Ąhigkeiten, die uns in der Theorie zur Verf├╝gung stehen. Sie entstehen in und aus dem Jetzt und dessen, was wir zu dieser Zeit wissen, denken, f├╝hlen, erleben.

Das ist der springende Punkt: meine damaligen Entscheidungen aus heutiger Sicht zu verurteilen und zu bereuen, ist nicht fair. Es ist nicht fair, weil ich in jeder Sekunde, die auf eine ausgef├╝hrte Handlung folgt, eine v├Âllig andere Realit├Ąt vorfinde. Wir vergessen / missachten bei der Bewertung im Nachhinein die individuellen Umst├Ąnde, Erfahrungen und M├Âglichkeiten.

Heute habe ich ein Bewusstsein und Verst├Ąndnis f├╝r menschliche Bed├╝rfnisse entwickelt. Habe gelernt, dass die meisten Menschen darauf verzichten w├╝rden, anderen Menschen zu schaden, wenn sie einen Weg kennen w├╝rden, ihr Bed├╝rfnis anders zu erf├╝llen. Ich wei├č, wie und warum man versucht, die eigene Komfortzone und Sicherheit aufrecht zu erhalten und wie schmerzhaft und be├Ąngstigend es sein kann, sie zu verlieren.

Auch mein Wissen ├╝ber den Gesundheitszustand meiner Oma oder dar├╝ber, wie Menschen trauern, stand mir damals nicht zur Verf├╝gung. Ich erkenne heute, dass wir getan haben, was in jeder dieser Sekunden in unserer Macht stand. 

Genauso ist es mit der Geschichte der Person im obigen Kommentar. Es gab in der damaligen Realit├Ąt plausible Gr├╝nde, so zu handeln. Sie hat sich so verhalten, wie es ihr den Umst├Ąnden entsprechend m├Âglich war. Alle Optionen, die sich m├Âglicherweise nach der Entscheidung zeigten, sind das Ergebnis einer anderen Realit├Ąt / anderer Begebenheiten. Damit sind sie f├╝r die M├Âglichkeiten im vergangenen Moment der Entscheidung unrealistisch.

F├╝r dieses und unendlich viele andere Lebensthemen lege ich euch noch mal die B├╝cher des verstorbenen Psychologen und Autors Marshall B. Rosenberg* ans Herz. Viele seiner B├╝cher k├Ânnt ihr auch kostenfrei ├╝ber Spotify h├Âren. Ich lerne durch seine B├╝cher, die ich regelm├Ą├čig wieder lese/h├Âre, unwahrscheinlich viel ├╝ber und f├╝r mich und das Leben.

Sorgenkind Torvi & Ratten-Rettung

Als wir, am Abend, nachdem Bella eingeschl├Ąfert wurde, Torvi und Wiesel bekuschelten, fiel uns bei Torvi ein „Knubbel“ am R├╝cken auf ­čśÉ Ich bekam gleich f├╝r Freitag fr├╝h einen Termin bei der Tier├Ąrztin. Wie schon vermutet, ist es leider kein Abszess sondern ein Tumor. Ich bringe Torvi morgen fr├╝h in die Praxis. Wiesel kommt als seelische Unterst├╝tzung mit. Dort wird der Tumor in einer kleinen OP entfernt. Wir hoffen, dass keine weiteren Probleme auf uns warten.

Gleichzeitig haben wir uns nach meinem Besuch in der Pflegestelle letzten Sonntag, dazu entschieden, vier Farbratten aus der Revier-Ratten-Rettung ein neues Zuhause zu geben. In den letzten vier Monaten seit Pipps Tod versuchen wir irgendwie vergeblich, ein best├Ąndiges Rudel aufzubauen. Uns ist wichtig, dass es den Ratten bei uns gut geht. Das tut es unserer ├ťberzeugung nach aber nur in einem gr├Â├čeren Rudel. 

Wiesel & Torvi abzugeben k├Ąme f├╝r uns nicht in Frage. Die beiden sind schon durch so viele H├Ąnde gegangen und sollen hier endlich ankommen d├╝rfen. Der Verantwortung, die die Aufnahme weiterer Ratten mit sich bringt, sind wir uns sehr bewusst. Es werden weitere schmerzhafte Abschiede auf uns warten, das ist absolut sicher. So oder so.

In Not geratenen Tieren f├╝r den Rest ihres Lebens (und sei es auch noch so kurz) ein sicheres, sch├Ânes Zuhause zu bieten, ist es wert. Insbesondere in Hinblick auf das ├╝berwiegende Gl├╝ck, das diese Tiere in unser Leben bringen.

Und sonst so?

Hier in Wuppertal sagt man „Et muss“. Es liegt eine intensive, traurige und gleichzeitig sch├Âne Woche hinter uns. Wir haben uns zum Gl├╝ck hin und wieder zum Spaziergang gezwungen. Am Dienstag fand ich dabei, auf einem Weg von knapp f├╝nf Kilometern, all diese unterschiedlichen Federn. Dar├╝ber habe ich mich sehr gefreut.

Gestern kam noch Marius Cousin spontan zu Besuch, dar├╝ber haben wir uns sehr gefreut. Wir sehen uns insgesamt alle sehr selten.

Gefreut habe ich mich au├čerdem z.B. ├╝ber einen Probemonat der Vegan Masterclass. Ich wollte sie schon lange buchen, war mir aber letzten Endes doch zu unsicher. Auch wenn ich noch nicht in alle Kurse reingeschnuppert habe, finde ich sie bisher ├Ąu├čerst bereichernd.

Mein Gehirn ist jetzt leer geschrieben, obwohl in der Tiefe noch irgendeine Idee klingelt. Es ist aber ja auch genug zum Lesen.

Habt einen sch├Ânen Sonntag!

Eine Antwort auf ÔÇ×Immer wieder Sonntags 275ÔÇť

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