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Meine Internetgeschichte

Steffen Peschel, seines Zeichens Kulturmanager, hat auf seinem gleichnamigen Blog „für Kultur im Social Web“ zu einer Blogparade zum Thema Internetgeschichte aufgerufen, an der ich gerne teilnehme.
In seinem Artikel, zu seiner ganz persönlichen „Internetgeschichte“, bemerkt er ziemlich treffend, dass wir alle das Internet sind und ausmachen.

„Denn das Internet ist ein öffentlicher Ort, ähnlich einer Stadt, in der ich lebe und in der ich ebenso ein Teil von ihr bin, mit allen Rechten und Pflichten. Halte ich Bäume in der Stadt für eine wichtige Grundlage für Lebensqualität, kann ich mir diese auch nicht einfach bei Amazon bestellen und bei Nichtgefallen wieder zurück senden. Es bedarf Engagement, Organisation, die Lust daran etwas zu lernen und zu unternehmen, Ausdauer, Kompromissbereitschaft kann auch nicht schaden und eine große Portion Neugier ist immer eine gute Basis!“ [Steffenpeschel.de in: Blogparade: Internetgeschichte, das bin auch ich]

Wir alle sind ein Teil dieser Geschichte und deshalb find ich es unsagbar spannend zu lesen, wie andere „hier rein gekommen sind“ und hab ebenso großen Spaß daran, Euch an meiner persönlichen Geschichte teilhaben zu lassen.

Rückblick, irgendwann um 1998

Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, an dem meine Eltern und ich, mit dem furchtbar tutendem Modem, das erste Mal das Internet entdeckten. Wir surften damals natürlich, wie soll es auch anders sein, im AOL Chat. Das war unfassbar aufregend. Ein verrücktes Gefühl, mit einer völlig fremden Person irgendwo in Deutschland über einen Bildschirm kommunizieren zu können. Gleichzeitig war es schwierig, all die aufkommenden Eindrücke aufzunehmen und zu verarbeiten. Unsere Lieblingsseite war der Chat von Radio Bremen (zu der Zeit einer der größten Chats). Dort quatschten wir mit allen möglichen Menschen. Einfach so. Über das Leben. Über irgendwelche Albernheiten. Manchmal haben wir auch Idioten verarscht, die es tatsächlich schon damals gab.
Die ersten Unterhaltungen liefen immer nach dem selben Schema ab:
Hallo! m oder w? Wie alt? Woher?
Grandioser shit! Alles war so aufregend neu.

1999 – 2010, Himbärin,MSN Spaces und WordPress

Auch wenn ich anfänglich die meiste Zeit nur unter Aufsicht ins Internet durfte, hatte ich bereits einen eigenen Nickname. Bis zu meinem finalen Namen, unter dem ich später dann auch meinen ersten Blog eröffnete, waren auch kleine Ausrutscher wie „SexyHexe1985“ (den Namen musste ich aber recht zügig auf Befehl meiner Eltern aufgeben :-D). Dann kam der Tag, an dem ich einen Werbespot von Labello sah: Himbärig gut! Das fand ich so grandios, dass ich mich fortan „Himbärin“ schimpfte.

Ich setzte mich immer mehr mit den Möglichkeiten, die man durch einen Computer und das Internet erhielt, auseinander. Erstellte Comics für meine Familie und meine Freunde, sang auf dem PC Lieder und speicherte sie einzeln auf Disketten ab und ich beschäftigte mich immer mehr mit dem Erstellen von Homepages. Anfänglich hatte ich nur ein eigenes Gästebuch , in dem ich mit Freunden und der Familie rumflachste und meine Gedanken und Erlebnisse aufschrieb. Außerdem nutzte ich kleine „Tagebücher“, die direkt in den Chatprofilen (z.B. bei Lycos oder Spinchat) erstellt werden konnten. Anfang 2000 erblickte dann mein erster Blogger.com Blog das Licht der Welt . Die Plattform war damals in Deutschland noch relativ unbekannt, weshalb man kaum deutsche Blogs fand. Außerdem hat zu dieser Zeit auch niemand (außer meiner Mum und Freunde) meinen Blog gelesen. Blogger fand ich ziemlich schnell ziemlich scheiße aber es gab keine gute Alternative. So blieb ich erst Mal dort und machte mein Ding bis 2003.

Dort wurde dann endlich der Vorgänger von WordPress auf den Markt geschmissen. Damals MSN Spaces, später MSN Live Spaces. Eine Plattform, mit deren Hilfe man in wenigen Schritten eine eigene Homepage/einen eigenen Blog erstellen konnte und das eben viel freier und cooler, als bei Blogger. So zog ich mit meinem gesamten Blogger Blog also zu MSN Spaces.

Learning by doing war 2004 noch total angesagt und so übte, lernte und probierte ich so lange, bis ich die Sache mit dem „bösen HTML“ verstand und mein Blog so aussah, wie ich ihn mir wünschte. Tatsächlich war ich damals über mehrere Jahre in der Top 10 der MSN Spaces, teilweise sogar auf Platz 1. Zu dieser Zeit war das aber nicht sonderlich schwer weil MSN Spaces ein Dienst war, der kaum genutzt wurde und dann auch das Zeitliche segnen musste.

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Nachdem die MSN Live Spaces dann (gefühlt) von heute auf morgen aus dem Netz genommen wurden, zog ich mit der Himbärin zu WordPress und schrieb dort, später mit eigener Domain, weiter und weiter und weiter und weiter.
Ich war schon immer total mitteilungsbedrüftig, neugierig und bescheuert. Mit meinen völlig beknackten Fotos eroberte ich zu dieser Zeit die Herzen im Sturm. Weil es sonst kaum jemanden gab, der sich mit so großer Leidenschaft so sehr zum Idioten machte. Denn das was ich schrieb, war für 99% der User wirklich absolut uninteressant, auch wenn es oft trotzdem gelesen wurde. Die bescheuerten Fotos waren das Hauptding.
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Mein Blog war immer ein rein privater Blog, auf dem ich mein Herz ausschütte, manchmal etwas philosophierte, sogar eigene Gedichte veröffentlichte und später auch die Macht der Videos nutzte.
Dank WordPress, einigen HTML Kenntnissen und dem Launch von Youtube in 2005, war es mir irgendwann möglich, Videos hochzuladen und online zu stellen. Und natürlich musste ich auch dieses Mittel nutzen 😉 Da ich 2003 bereits 18 war, hatten meine Eltern irgendwann natürlich keine Macht mehr über das, was ich so im Internet tat. Zu meiner Verteidigung muss ich aber sagen, dass ich eigentlich immer relativ bedacht vorgegangen bin. Auch meine Videos waren vor allem albern und zu keiner Zeit in irgendeiner Art und Weise „anzüglich“ oder ähnliches. Eigentlich haben die Leute immer nur gesagt: AAALTER, du hast so dermaßen einen an der Klatsche! Das hat mir immer sehr imponiert. Ehrlich. Ich finds gut, einen an der Klatsche zu haben. Mein erstes Youtube-Video ging am 25.09.2006, in grottenschlechter Qualität und gewohnter „Himbi-Manier“ online. Ich möchte es Euch nicht vorenthalten:

Ich hab mich in all den Jahren niemals ernst genommen und immer einfach das gemacht, worauf ich Bock hatte. Dabei war es mir völlig egal, wenn andere meine Art des Humors nicht verstanden haben. Wie Ihr seht, hat sich bis heute, außer dem Namen, nichts verändert.
Die Domain Himbärin.de habe ich Mitte 2010 eingestampft. Danach bloggte ich noch eine Zeit über Blogger.com, aber irgendwie gefiel mir das alles nicht so richtig und verlief sich im Sand, bis 2013 dann DieCheckerin erwachte. Kurzfristig war zusätzlich auch die Samtpfotenbox ein Teil der Internetgeschichte.

Ohne das Internet geht es bei mir einfach nicht. Ich bin damit „aufgewachsen“ und kann mich hier voll ausleben. Für mich ist das alles kein Hobby, sondern eine echte Leidenschaft. Wie sonst könnte ich es sonst auch „ertragen“, das Ganze als Beruf auszuüben. Einige wissen mittlerweile ja, dass ich neben der Checkerin nun auch als Onlineredakteurin arbeite und dort genauso viel schreibe und surfe, wie für DieCheckerin. Das Internet bietet, neben all der Gefahren die täglich lauern, eben auch unglaublich große Möglichkeiten und das alles ist genau mein Ding. Ich möchte das nicht mehr missen.

In all den Jahren hab ich unwahrscheinlich viel gelernt, viel Neues entdeckt und viele nette Menschen kennen gelernt, mit denen ich teilweise auch heute noch zu tun habe (an dieser Stelle Grüße an Christina, die hier über Ihr Leben ohne Kosmetik berichtet). Die Menschen, die Erfahrungen und all das drumherum machen meine „Internetgeschichte“ aus. Und ein Mensch, den ich 2006 kennengelernt habe …

Verliebt über das Internet

Tatsächlich habe ich über das Internet auch meine erste und einzige große Liebe kennen gelernt. Von 2004 bis 2009 chatten der Checker und ich nahezu täglich, teilweise bis früh in den Morgen. Wir verstanden uns unwahrscheinlich gut. Ein Treffen stand immer mal im Raum aber ich hab dann letzten Endes stetig den Schwanz eingezogen. Danach kam eine große Funkstille, bis er mich am 29.07.2010 auf meinem Blog Himbärin.de anschrieb mit den Worten: „Himbi, bist du das??? Meld Dich mal!“. Es folgten erneut Tage, in denen wir bis morgens wach blieben und telefonierten. Ich war so euphorisiert, dass ich, trotz durchzechter Nacht, topfit auf der Arbeit war. Am 04.08. sagte er dann am Telefon: „Sandra, entweder wir treffen uns am Freitag, dem 13. oder wir werden uns niemals sehen. Die Entscheidung liegt bei Dir.“. So taff ich auch immer wirke, bei der Liebe hört es bei mir auf. Ich bin einer der schüchternsten Menschen dieser Welt in diesem Bereich.
Aber ich hab trotzdem „Ja“ gesagt, wie Ihr Euch sicherlich bereits gedacht habt 😉

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Über den Autor

Die Checkerin

Frohnatur! – Freak! – Philosophin!
Kommt selten schnell auf den Punkt, trifft aber irgendwann trotzdem den Nagel auf den Kopf.

12 Kommentare

  • Hahahahahaha beschte 😀 Dieses Video 😀 Zuckersüss 🙂
    Ich lese so deinen Bericht und dann zack ist er zu ende 🙁 gerade da wo es spannend wird . Gerne häätte ich weiter gelesen wie die schüchterne Checkerin ihren Checkerin getroffen hat 😀
    Natürlich verstehe ich aber auch das das sehr privat ist und uns nix angeht 🙂
    Aber daumen hoch für das Video <3 🙂

  • Mannooooooooo

    Genau so ging es mir eben auch! Ich hab sogar wie blöd gesucht, ob es ne zweite Seite gibt.

    Schreib weiter…..!!!! Das hat sich alles so toll gelesen. … wie ein kleines Buch. Deine Internet Biografie ♡

    in meinem Kopf habe ich alles ganz genau sehen können. …richtig tolles Kopfkino! Und dabei die ganze Zeit die Melodie aus „die Ode an den Frühling“ im Kopf!

  • ach wie goldig…die kleine Checkerin, die an zu vielen Frühlingsblümchen geschnüffelt hat…einfach nur bezaubernd 🙂 Im Ernst: Deine Stimme ist früher viel höher gewesen als heute…dadurch klingst Du verdammt jung (nun ja warst Du ja genau genommen auch). Die Fotos sind echt klasse…aber sind sie ja heute auch noch. An Deinem Humor scheint sich nix geändert zu haben.

      • Doch es ist meine Stimme, allerdings war sie da schon genauso wie heute. Ich hab sie nur verstellt. War ja da „immerhin“ schon 21 Jahre alt. Also nix mit süß oder Stimmbruch oder so 😉

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