Mach Dich nackig! –
Wie viel Privates verträgt ein Blog?

Anfang Dezember rief Maria auf Unruhewerk.de zur Blogparade auf. Sie fragt sich, wie viel Privates ein Blog eigentlich verträgt. Wie viel Privates ein Blog überhaupt braucht, um zu funktionieren und natürlich auch, wie andere Blogger das so sehen. Gibt es überhaupt einen Richtwert dafür? Eine genaue Definition? Einen Leitfaden? Und kann man diese Frage überhaupt klar beantworten? Ich sage: Nein! 🙂

Auf all diese Fragen gibt es meiner Ansicht nach keine allgemeingültige Antwort. Weil wir Menschen, ebenso wie unsere Blogs, absolut verschieden sind. Wichtig ist vor allem, womit man selbst sich gut fühlt.

Ist Privat gleich unseriös?
Oft wird gesagt, dass zu viel Privates automatisch unseriös wirkt. Ich sehe das anders. Gerade durch die Persönlichkeit wird Texten, meiner Meinung nach, erst echtes Leben eingehaucht. Egal ob es dabei um gesellschaftskritische Artikel, leckere Rezepte, ReisenProduktvorstellungen oder aktuelle Geschehnisse geht. Gerade der Mensch, seine Geschichte und seine Ansichten machen ein Thema für mich erst greifbar und interessant. Dabei ist es gar nicht zwingend notwendig, dass man sich komplett nackig macht. Zwischen den Zeilen oder in Fotos findet sich genauso viel „Mensch“. Auch Geschichten oder die reinen Texte können etwas über den Menschen dahinter aussagen, ohne das explizit etwas Persönliches „verraten“ wird.

Persönliches muss sein
Ich brauch ihn aber, den Menschen hinter den Texten. Schnödes runter rasseln, zeigen oder erzählen, so ganz ohne Persönlichkeit, die packen mich einfach nicht. Blogs, in denen ich rein gar nichts von dem Mensch und seinen Ansichten erfahre, die lese ich einfach nicht. Weil sie mir nichts geben. Ich finde, dass gerade im Internet der Ausdruck der Persönlichkeit und des Privaten unwahrscheinlich wichtig ist. Hier fehlen Mimik und Gestik. Auf unsere Sinne können wir uns nur wenig beziehen und deshalb braucht es etwas Greifbares. Und greifbar wird es für mich eben erst, wenn es tiefer geht.

Definition nicht möglich
Wie viel „privat“ nun gut und wie viel schlecht ist, lässt sich da pauschal nicht sagen. So manches Mal ist es sicher eine Gratwanderung, oft sitze ich selbst hier, schüttel mich und schreie laut „too much information!“. Aber per Definition zu sagen: „Dieses ist zu viel und jenes zu wenig“ – das funktioniert nicht! Weil es eben nicht nur darauf ankommt, was man selbst preisgeben will, sondern auch auf die Menschen, die all das lesen oder lesen wollen. Wenn ich auf einem Blog lese, dann muss ich damit rechnen, Dinge zu erfahren, die ich vielleicht gar nicht erfahren wollte. Ganz einfache Kiste 😉

Maria hat zusätzlich ein paar Fragen gestellt, von denen ich einige beantworten möchte.

Wie haltet ihr es mit der persönlichen Offenheit in eurem Blog?
Wer hier häufig mit liest, der weiß, dass es in nahezu jedem Artikel etwas von mir zu entdecken gibt. Gerade Artikel mit Tiefgang und Persönlichkeit bereiten mir die größte Freude und kommen auch bei meinen Lesern am besten an. Ich liebe es, etwas von mir preiszugeben, andere teilhaben zu lassen und scheue Offenheit nicht. Aber es gibt natürlich Grenzen für mich, auf die ich gleich nochmal zu sprechen komme.

Lasst ihr euch von Emotionen leiten? Oder müsst ihr gar nicht mehr drüber nachdenken, habt schon ein so gutes Gefühl dafür, was geht, was ihr wollt, womit ihr euch (noch) wohlfühlt?
Sowohl als auch! Ich bin ein sehr emotionsgetriebener Mensch und gerade deshalb, habe ich ein gutes Gefühl dafür, was geht und was ich will, womit ich mich wohlfühle. Die Dinge, die aus reiner Emotion heraus entstehen, egal ob es dabei um Positives oder Negatives geht, sind die ehrlichsten von allen. Wenn ich mir in einer emotionalen Situation Luft verschaffe, dann bin ich ich. Werde greifbar und ungeschönt. Artikel, die darüber hinaus entstehen, sind deutlich durchdachter, gesetzter. Deshalb versuche ich auch immer all das, was mich beschäftigt, sofort los zu werden – eben weil ich die Authentizität so wichtig finde.

Habt ihr eure Sichtbarkeits-Strategien jemals bewusst geändert, von „Da halt ich mich mal lieber bedeckt“ zu „mehr Offenheit“ – oder umgekehrt? Oder haltet ihr solche Strategien ganz grundsätzlich für völligen Blödsinn? Wenn ja: warum?
Ich halte solche Strategien für völligen Blödsinn. Das gesamte Leben funktioniert nicht nach Plan. Wir Menschen tun es ebenso wenig. So vieles ist unvorhersehbar. Eine Strategie würde mich zu sehr einschränken. Ich bin keine Planerin, keine Strategin. Alles geschieht aus dem Bauch und der Situation heraus. Wenn ich Lust haben offen zu sein, dann bin ich es und umgekehrt. Wer sich einzig und allein einer Strategie wegen für oder gegen etwas entscheidet, ist mir irgendwie suspekt.

Wie viel Sichtbarkeit im Netz verträgt das berufliche, private und persönliche Selbst-Bild? Wie wägt ihr ab? Was zeigt ihr, wie viel von euch? Und was – warum? – nicht?
Für mich gibt es zwei ganz klare Grenzen:
1. mein Freund
Er ist das totale Gegenteil von mir. Kein Internetmensch. Keiner, der gerne etwas von sich preisgibt. Persönliche Dinge, die ihn direkt betreffen, etwas all zu Privates von ihm preisgeben, sind für mich tabu. Weil er es nicht will und ich das respektiere und verstehe.
2. wirklich private Dinge
Es gibt für mich Sachen, die ich, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, niemals thematisieren würde. Ich bin keiner dieser Menschen, der sehr private Momente mit anderen teilen würde. So was wie ein Heiratsantrag, eine Hochzeit, eine Schwangerschaft, ein schöner Abend mit der Familie/Freunden/meinem Partner, ein Streit oder mein Sexleben. All das sind Dinge, die ich nur für mich haben möchte. An denen niemand Fremdes teilhaben soll. Auch Fotos meiner Freunde oder meiner Familie sind, sofern wir das nicht vorher abgesprochen haben, tabu. Der Großteil meiner Freunde und meiner Familie ist nämlich, genau wie mein Freund, absolut nicht so internetaffin wie ich 😀

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Über den Autor

Die Checkerin

Frohnatur! - Freak! - Philosophin!
Kommt selten schnell auf den Punkt, trifft aber irgendwann trotzdem den Nagel auf den Kopf.

9 Kommentare

  • Ach Sanny, ich seh das ähnlich wie Du: ein Blog benötigt ein wenig persönliche Informationen, um Leser zu interessieren und zu binden. Es gibt aber auch Grenzen wie Du bereits schriebst. Kleines Beispiel: in einem Blogbeitrag über Softtampons glaub ich, stand drin, dass diese nicht beim Sex gestört haben….öhm, für mich eindeutig „to much information“.
    Ewiges Rumgejammere, wie schlecht es doch einem geht und man sich ständig als „Opfer“ der Gesellschaft sieht, nervt und langweilt mich auch an manchen Blogs, so dass ich diese nicht mehr lese.
    Die Mischung macht es aus, was mir bei Dir sehr gut gefällt: das Leben meint es nicht nur schlecht oder nur gut mit einem und das kann und darf man auch ausdrücken in seinen Beiträgen.
    Ich freue mich jedenfalls, in 2016 weiter bei Dir lesen zu dürfen!

    Liebe Grüße

    • Hey Hasi 😉
      Genau so was meine ich! Das ist mir auch zu viel, es sei denn ich bin auf einem Blog, bei dem es eben hauptsächlich um so was geht. Da wüsste ich dann, was mich erwartet. Aber so zwischen „Babybrei und Creme“ (da kommen solche Themen ja wirklich besonders vor 😀 ), sind mir Sex-Geschichten mit Tampons definitiv too much.
      Und genauso sehe ich es auch, mit dem Rumgejammere (auch auf FB Seiten sehr beliebt, moaah!) und das andere Extrem: Alles is supi dupi rosarot das ganze Jahr über und ich kann mir so viel leisten und hach was geht es mir gut!
      Beide Seiten sehr anstrengend und eben auch wenig glaubwürdig. Damit dann auch uninteressant.

      Danke für dein Kompliment <3

  • Schöne Weihnachten gehabt zu haben erst einmal. Der Bericht ist sehr schön geschrieben und Du hast „den Nagel auf den Kopf getroffen“. Gerade Gestern hab ich mich mal „nackig“ gemacht und die Resonanz ist erstaunlich. Ich denke ein Blog wird erst ein Blog wenn mein Leser weiß, wer ich eigentlich bin. Ich wünsche Dir einen guten Rutsch und ein erfolgreiches 2016
    Lieben Gruß Perdita

    • Huhuuu Perdita! Danke gleichfalls 🙂
      Und danke auch für dein Kompliment! Ich düse mal zu Dir rüber, damit ich weiß wovon du redest 🙂

  • Hallo, das ist fein! Ein so differenzierter Beitrag zu meiner Blogparade – ganz herzlichen Dank dafür! Interessant finde ich, dass du erwähnst, wie unterschiedlich der Blick einer (natürlich!) netzaffinen Blogbetreiberin und ihrem kaum bis gar nicht netzaffinenen Freundes- und Famillienkreis sein kann… Das ist ein Thema, das bislang weitgehend unbeachtet ist… Könnten wir nächstes Jahr noch mal drauf zurück kommen, finde ich…. Aber erst mal: Lass es gut starten, das neue Jahr! Herzlichen Gruß
    Maria

    • Liebe Maria,
      danke für deinen Kommentar!
      Das Thema mit dem total „anderen Umfeld“ bzgl. Freundes- und Familienkreis finde ich übrigens auch wahnsinnig spannend. Daraus ergeben sich so manches Mal ja sicher auch Probleme und Missverständnisse. Ist wahrscheinlich fast eine eigene Parade wert 🙂

      Lass es Dir gut gehen und komm ebenfalls gut ins neue Jahr!

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