Aus dem Leben

Immer wieder Sonntags 118

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Im heutigen „Immer wieder Sonntags“ gibt es endlich mal wieder ein bisschen Gedankengrütze. Zum Thema „BHs“ und „Social Media“ :-D Von vorne:

Montag habe ich den ganzen Tag darüber nachgedacht, was für ein bescheuertes Verhältnis ich zu Brüsten ohne BHs habe. Auslöser waren meine eigenen Gedanken, die mich überrollten, nach dem ich diesen Beitrag von Kim genauer betrachtete.

Ich hatte schon zum letzten Foto weiter gescrollt, als ich las „Hab mich selten auf einer Festivität so wohl gefühlt! Vielleicht auch, weil ich keinen BH trug.“. Das aller Erste, das ich tat: wieder zurück scrollen und gucken, wie ihre Brüste ohne BH aussehen. Währenddessen schoss mir durch den Kopf: „Geht das überhaupt? Ohne BH? Auf ner Hochzeit? Die hat doch ne ähnliche Figur wie ich? Auch so große Brüste?? Und dann ohne BH???“ irgendwie so. Im nächsten Moment fiel mir auf, wie bescheuert das alles ist. Deshalb kommentierte ich:

„Ey, wie viele haben, wie ich, wieder zurück gescrollt, um zu gucken wie es ohne BH aussah? Wie dämlich das ist. Ich bin für „ohne BH“ und trotzdem voller Vorurteile in meinem Gehirn. Immer. Orrr! Morgen geh ich ohne BH raus, damit das ein Ende hat. Amen „

Mein Montag startete also BH-los und ich machte Fotos mit und ohne BH. Die eigentliche Intention war, zu zeigen, warum ich so auf keinen Fall raus kann. Mir fiel dabei ein, dass ich erst Samstag noch die Tür nicht öffnen wollte, als der Postbote klingelte, mit der Begründung „Das kann ich nicht machen, ich hab keinen BH an.“. Absolut bescheuert, ehrlich.

Der Unterschied zwischen BH tragen und BH auslassen ist so verschwindend gering gewesen, dass ich selbst schockiert war und mich fragte, wie ich mir 12 Jahre einreden konnte, dass meine Brüste hängen, viel zu groß und hässlich sind. Als Jugendliche habe ich meine Brüste geliebt. Das war mit einer der Körperteile den ich am meisten an mir mochte und plötzlich fand ich die „Dinger ekelhaft“. Ich hatte völlig den Bezug dazu verloren.

Aber es liegt auch noch an einer anderen Sache: unser gesellschaftliches Bild von „schönen Brüsten“ sieht im Normalfall vor, dass Brüste wie eine 1 stehen. Uns wurde gesagt, dass BHs tragen normal ist und dazu gehört, nicht zuletzt, um den Busen zu stärken (völliger Nonsens). Uns wurde eingetrichtert, das Brüste die hängen, ebenso wie „zu kleine“ oder „zu große“ Brüste nicht schön sind. Dafür gibt es BHs, die kleine Brüste größer, große Brüste kleiner und hängende Brüste stehend machen. Meine Freundinnen haben einstimmig beschlossen: „Ehrlich, dass deine Brüste so gut stehen, hätte ich nicht gedacht.“. Weil es in unseren Köpfen so verankert ist. Ich habe es ja selbst nicht mal geglaubt.

Mittwoch hat es dann aber „Klick“ gemacht, wie genau könnt Ihr in den Videos sehen:

Wie schade es ist, dass ich mich von meinen eigenen Gedanken und Erwartungen so habe limitieren lassen. Es ist erstaunlich (aber gut zu erkennen!), wie viel man sich mit den eigenen Gedanken „versauen“ kann. Für mich eines der besten Beispiele dafür, was passieren kann und möglich ist, sobald man den Blickwinkel und die Gedanken verändert. Plötzlich bin ich stolz darauf, dass meine Brüste, obwohl sie „so groß“ sind, noch so toll stehen. Dass sie fest sind und dass ich sie auch ohne BH schön finde.

Wer bestimmt, was schön und was nicht schön ist? Wer bestimmt, was normal ist und was nicht? Letzten Endes nur die Werbeindustrie und eigentlich sind wir alle uns einig: das, was in der Werbung zu sehen ist, ist nicht real und nicht erstrebenswert. Mit der Erkenntnis  haben wir alle wunderschöne Brüste. Große kleine, runde, ovale, flache oder pralle, stehende oder hängende Brüste. DAS ist, was normal ist. Es ist völlig normal, dass Brüste unterschiedlich aussehen, verschiedene Formen, Größen, Farben und Brustwarzen haben.

Mir tut es in der Seele weh zu lesen, was viele von Euch über ihre Brüste denken und auch, wie ihr darüber redet. „Meine Nippel schielen, so kann ich nicht raus.“ „Bei mir kommen erst mal fünf Meter Nippel“ (…). Worte wie Okolüten, Milchtüten, (Hänge)Titten, Mäusefäustchen, Brett mit Warzen, Glocken, Möpse, Hupen, Melonen (…). Wir fordern Respekt und sprechen selbst völlig abwertend über unsere eigenen und andere Brüste. Gerade Begriffe wie „Mäusefäustchen“ find ich besonders fürchterlich. Mich hat’s richtig schockiert.

Für viele ein großes Thema, sogar deutlich größer, als ich selbst gedacht hätte. Mir hat es definitiv geholfen, mich damit auseinander zu setzen und den Mut zu haben, wenn mir danach ist, draußen auch mal keinen BH zu tragen. Ab sofort entscheide ICH, wann ich einen BH schön finde und tragen mag und wann eben nicht. Ein riesiger Schritt in Richtung Selbstliebe, Selbstakzeptanz und „Scheiß endlich darauf, was Andere denken könnten. Ist schließlich DEIN Leben.“ Isso :-)


Ab heute steht dann mal wieder eine Digital Detox Zeit bzw. vor allem Social Media Detox an. Dieses Mal gleich zwei Wochen. In den letzten Monaten habe ich ja einiges geändert, was meinen Umgang mit den sozialen Medien/dem Internet anbelangt. Ich kommentiere auf keinen Blogs mehr, ich folge niemandem mehr, habe Facebook auf ein Minimum herunter geschraubt, bis auf Instagram keine Social Media Apps mehr auf dem Smartphone, WhatsApp gibt es nicht mehr für geschäftlichen Kram oder flüchtige Bekanntschaften. Für Fotos z.B. für die Social Media Kanäle wird nichts mehr extra aufgenommen. Vieles habe ich auf ein Minimum runter geschraubt und doch den absoluten Mittelweg noch nicht gefunden.

Weil ich mich immer noch viel zu oft mit dem Handy beschäftige, rumfummel, rumscrolle, rumsitze – ohne Sinn, Verstand oder Ziel. Eigentlich müsste ich es so machen, wie die „ganz Großen“: nur noch Business-Fake-Fotos, keine Kommentare mehr unter den eigenen Bildern (oder nur in Form von Smileys), nur noch Bots liken und kommentieren lassen und fertig.

Ich bring das aber nicht fertig. Weil „DieCheckerin“ eben auch ein Stück „ICH“ ist. Ein riesiges Stück. Und weil ich den Austausch sehr schätze und es mir auch Spaß macht. Aber es belastet eben auch. Immer noch. Weil ich nicht in der Lage bin zu regulieren. Schon mehr als noch vor zwei Jahren, aber immer noch viel zu wenig.

Was aber witzig ist: ganz viele fühlen sich von meiner „Entwicklung“ die ich teile, genervt oder gar angegriffen. Ich erinnere mich an mein letztes, richtiges Posting zu diesem Thema, wo die Leute mit „Langsam nervt’s“ „Dramaqueen“ „Mein Gott, ist doch mal gut.“ „Geh doch einfach.“ oder „Lösch die App einfach.“ kommentierten. Ganz viele verstehen gar nicht, was ich damit bezwecke.

Ich teile meine Entwicklungsprozesse in so vielen Bereichen, um andere zum Nachdenken anzuregen und auch um zu zeigen, dass man nicht alleine ist und/oder dass manches leichter oder eben auch schwerer ist, als man glaubt.

Nicht um Aufmerksamkeit zu erhaschen, nicht um zum Bleiben überredet zu werden. Ich mach Pausen für MICH. Und ich kündige sie für Euch an, weil sonst wieder meine Familie und meine Freunde belagert werden, was mit mir los ist, ob ich noch lebe (weil man ja immer als Erstes seinen Account löscht, wenn man stirbt, wie ihr wisst …) und wann ich wieder komme. Nicht mehr und nicht weniger. Manchmal haben Andere nämlich ein noch größeres Problem damit, dass ich offline bin, als ich selbst :-D Lustiger weise fällt es mir nicht mal schwer so lange offline zu sein, sogar ganz im Gegenteil. Schwer ist es nur, wenn ich online bin, dort nicht zu versacken.

Ich freue mich auf jeden Fall wieder auf die Auszeit und darauf, mal 14 Tage nur mit unserem Leben beschäftigt zu sein.


Viel mehr gab es in dieser Woche nicht. Ich hab einige Termine absagen müssen, weil ich einerseits höllische Schmerzen wegen der Abszesse hatte und andererseits Termine deutlich mehr Zeit in Anspruch genommen haben, als ich anfänglich dachte. Wir haben noch meiner Oma in der Wohnung geholfen, in der Wohnung bei uns wieder einiges rum geräumt, da bald nicht nur mehrere große Lieferungen ankommen, sondern auch unsere neuen Schreibtische. Und joa.

Wie schon erwähnt, bin ich die nächsten zwei Wochen mehr offline als online und das auch am PC. Vor allem in der kommenden Woche wird es hier deshalb ruhig werden. Da Marius Urlaub hat und wir ein bisschen spontaner sind, was unsere Essensplan Gestaltung angeht, fällt „Was essen wir heute“ für die kommende Woche auch aus. Man möge es mir verzeihen :-)

Aphorismus der Woche:

Leben – es gibt nichts Selteneres auf der Welt. Die meisten Menschen existieren, weiter nichts.
Oscar Wilde

|Gesehen| wie schön meine Brüste ohne BH sind ;-)
|Gelesen|  „Endlich Abschalten“
|Gehört| Deva Premal and Miten: Calma e Tranquilidade – immer immer immer noch :-)
|Getan| gearbeitet, gelacht, geschont, gedacht
|Gegessen| siehe „Was essen wir heute
|Gedacht| YES YES YES YEEEES! 
|Gefreut| über so wichtige und schöne Erkenntnisse
|Geärgert| über die Ärztin, die mir Jahrelang erzählte „Ja, das hat man manchmal, wenn man gern Süßes ist“ und dann immer dumm kicherte
|Gewünscht| dass wir schneller ernten können, was wir sähen :-)
|Gekauft|Etiketten*
|Geliebt|die vielen Regenbogen in der Wohnung, die die Kristall-Sonnenfänger überall hin zaubern. Am liebsten hätte ich die ganzen Fenster voll damit :-)
|Geschrieben| etwas mehr zu den Hintergründen meines Buchs 100 Tage Selbstfindung
|Geplant| Auszeit

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Über den Autor

Die Checkerin

Frohnatur! - Freak! - Philosophin!
Kommt selten schnell auf den Punkt, trifft aber irgendwann trotzdem den Nagel auf den Kopf.

2 Kommentare

  • Ach liebe Sandra, ich kann Dir immer nur wieder danken! Manchmal hab ich das Gefühl du bringst für mich auf den Punkt, was ich nicht schaffe zu formulieren… Ich bewundere deinen Mut, dich und deine Umwelt auch immer wieder mit Dingen zu konfrontieren.
    Ich bin erstmal einen ganzen Tag ohne Bh rumgelaufen und habe mich direkt mit meinem Freund in die Haare bekommen :-D Ich kann mich zwar ganz gut davon abgrenzen, aber als er meinte: doch ich finde deine Brüste schön, aber mit Bh sieht es halt irgendwie besser aus… wäre ich am liebsten ausgezogen…

    Ich habe letztens sogar meiner Mutter von dir erzählt, da ich momentan auch an einem inneren Scheideweg bin was meine berufliche Zukunft angeht (auch medizinischer Bereich)
    Ich habe ihr von deinen Lebensweg erzählt und dass du mir persönlich den Mut gibst, mir viiiel mehr zuzutrauen und mich einfach auf eine Stelle zu bewerben die mich mega interessiert! Eigentlich habe ich nicht die Qualifizierung dafür, aber ich bin überzeugt, dass ich trotzdem eine wirklich gute Wahl wäre, weil ich mir gerade nichts anderes vorstellen könnte, als diese Stelle.
    Um irgendwie auf den Punkt zu kommen: Danke, dass du deine Veränderungen mit uns teilst und obwohl ich es irgendwie gruselig finde, weil es ja „nur“ online ist: damit veränderst du auch was in mir ♥️

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