Immer wieder Sonntags


Immer wieder Sonntags 177

|Aphorismus der Woche|

Als ich Kind war sagten sie mir

Als ich Kind war, sagten sie mir,
daß ich meinen Nächsten lieben und ehren soll
… und hörte sie lästern über die Nachbarn;
daß ich Tiere nicht töten soll
… und sah, wie sie die Ratte erschlugen;
daß ich nicht weinen soll
… und hörte sie schluchzen in der Nacht
hinter verschlossener Tür;
daß ich Stolz haben soll
… und sah, wie sie Speichel leckten;
daß ich nicht lügen soll
… und hörte sie jede Minute prahlen;
daß ich gut sein soll zu den anderen und hilfreich
… und sah, wie sie den hungrigen Bettler davonjagten;
daß ich zu Gott beten und glauben soll
… und hörte, wie sie dem Teufel ihre Seele verschacherten;
daß ich den Dieb verachten soll
… und sah, wie sie mit zitternden Händen teilten;
daß sie mir den rechten Weg weisen wollten
… und sah nicht die Irrlichter im Moor.
Als ich Kind war, sagten sie mir,
daß ich meinen Nächsten lieben soll!

Gedicht eines Strafgefangenen

|Gesehen| das Sommerhaus der Stars (jawoll!)
|Gehört| nochmal ganz oft den großartigen Song Mirror“ von Ider, nachdem ich ihn in meiner Tanzplayliste wieder fand
|Getan| gearbeitet, gefüttert, geschlafen, gelesen, gemalt, gekocht, gegangen, gelacht, gewesen, getanzt
|Gegessen| siehe Was essen wir heute?
|Gefreut| über meine neuen Barfußschuhe und die erste bio-vegan sirplus Retterbox*
|Gelesen|Das Buch deines Lebens*“
|Geärgert| Nich so ;-)
|Gekauft| neues Nieren Tonicum* für Bongo
|Geliebt| die Zeit und die Erkenntnisse mit der kleinen Ratte, Fortschritte
|Geträumt| heute Morgen hab ich geträumt, dass ich irgendwie mit dem Schlitten ins Dorf fahren musste, um was zu holen. Der Berg war aber so steil, dass ich nicht bremsen konnte und auf der anderen Seite wieder hochgefahren bin. Es war eine stundenlange Fahrt, ich hatte kein Handy und hatte Schiss, dass sich mein Vater und Marius zu große Sorgen machen, weil sie mich nicht erreichen können.
|Geklickt| Häuser über Häuser :-) 
|Geschrieben|  Was essen wir heute


Beginnen möchte ich mit dem Part, der zeitlich ebenso wie gedanklich den meisten Teil eingenommen hat: Bella (die mittlerweile schon um einiges gewachsen ist).

Ich habe vor unserem Findelkind nie viel mit Ratten am Hut gehabt. Ich fand sie nicht eklig, wir hatten aber auch keine Berührungspunkte. Insgesamt hab ich mir einfach keine großen Gedanken um diese Tiere gemacht. Bella hat das insofern geändert, als dass mich einige Reaktionen auf sie zum Nachdenken brachten. Dazu gehörten die Folgenden:

„Wie macht ihr das wegen der Krankheiten? Ist sie in Quarantäne? Desinfiziert ihr alles?“
„Wir haben hier letzte Woche noch Rattengift gestreut. Klein sind sie ja ganz niedlich, aber groß eine echte Plage.“
„Die sind so dreckig und ekelhaft!“
Aber auch:
„Wenn ich eure kleine Ratte so sehe, dann tun mir die Ratten, die wir im Laufe der Jahre getötet haben, echt leid :-(“
„Ich find es so erstaunlich, wie sehr sie kuschelt und eure Nähe sucht. Das hätte ich Ratten niemals zugetraut!“

Ich hab auf Facebook / Instagram schon viel dazu geschrieben und teile es hier nochmal für diejenigen, die weder das eine, noch das andere haben:

 

 

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Dieses kleine Wildratten-Mini-Wesen, hat mein Herz SO weit geöffnet! Ich habe ohnehin eine tiefe Verbindung zu Tieren, aber das mit „Bella“ toppt alles, was ich je gefühlt habe. 24/7 liegt der Fokus auf ihr. Auf ihren Knopfaugen, den Öhrchen die aufgeregt wackeln, wenn wir ihren Namen rufe, die Art wie sie sich an uns schmiegt, wenn sie müde ist. ♥️ Wenn ich dann daran denke, was #Ratten für gewöhnlich im Alltag erleben müssen. Dass sie so verteufelt, absolut verkannt und viel zu oft grausam vergiftet werden. Dass sie als „Schädlinge“ gelten, die bekämpft werden müssen (ich find die Wortwahl in dem Zusammenhang bescheuert, weil die #Natur weder „Schädlinge“ noch „Unkraut“ hervorgebracht hat und die Definition von „Kampf“ auch völlig an dem vorbei geht, was real ist, aber das ist ein ganz anderes Thema). Jedenfalls wird ein wehrloses Tier für etwas verantwortlich gemacht, das der Mensch, durch mangelnde Hygiene, verursacht. Damit scheint der erbärmliche und qualvolle Tod aber legitim zu sein. Das spezielle Gift lässt die #Tiere ganz langsam innerlich verbluten. Wenn ich dann Bella in meiner Hand sehe und an ihre Artgenossen denke, könnt ich heulen. Ich hab das Gefühl, in diesem kleinen #Herz zu sitzen und ALLES mitfühlen zu können. Wie unglaublich es ist, dass wir, einzig und allein weil „das schon immer so war“, Tiere in „Schädlinge“ „Nutztiere“ und „Haustiere“ kategorisieren. Wir grenzen uns mit abstrakten Worten emotional ab und haben über all die Jahre sogar verdrängt, dass diese #Lebewesen alle Gefühle haben. Genauso wie die Hunde & Katzen, die abends mit uns auf der Couch/im Bett liegen. Es gibt zu viele von uns, die Tiere (fernab typischer #Haustiere) als wertlos ansehen. Die einen werden (zumeist) grausam geschlachtet, um im Anschluss verzehrt zu werden und die anderen, wie Mäuse, Waschbären, Ratten, Tauben (…) sind eklige Schädlinge, die man möglichst schnell beseitigt. Ich krieg das nicht zusammen. Je mehr ich mich damit beschäftige, desto schwerer kann ich das ertragen. Erst recht, wenn ich so wehrlose Pupsis in meiner Hand halte, wie Bella. Wir #Menschen sind unreflektierte, starre #Monster. Eine andere Schlussfolgerung fällt mir nicht ein.

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Über das, was ich im Text geschrieben habe, hinaus gibt es einfach so viele Vorurteile gegenüber Ratten, die mir gar nicht klar waren. Alleine der Begriff „Ratte“ ist im deutschen Sprachgebrauch ja eher negativ behaftet, gilt oft als Schimpfwort. Ratten gelten als besondere Krankheitsüberträger (was totaler Quatsch ist, weil sie nicht mehr oder weniger Krankheiten übertragen als andere Wildtiere oder Haustiere), als dreckig (dabei sind sie mit die reinlichsten Tiere überhaupt) und als Ungeziefer/Schädlinge, die man töten muss.

Es gab einige Nachrichten und Kommentare, die darauf eingegangen sind, wie krass sich Ratten vermehren und dass sie dadurch wirklich zu einem Problem werden – und ja, klar! Das ist ganz sicherlich so und manchmal muss man da wohl auch was tun. Das ist aber gar nicht das, worum es mir im Kern geht. Mir geht es darum, dass das Problem im Ursprung der Mensch ist. Wir Menschen sind dafür verantwortlich, dass sich Tiere wie Ratten oder Tauben, aber auch Waschbären in den Städten tummeln und dort so viel Nahrung finden. Sie sind nicht als Schädlinge auf die Welt gekommen, sondern dazu gemacht worden.

Zumeist machen wir Tiere zu Schädlingen, wenn sie unser Leben, in welcher Form auch immer, behindern. So erging es auch dem „Falklandfuchs“ und dem „Beutelwolf„, die den Landwirten als Fleischfresser eine zu große Konkurrenz waren und so systematisch ausgerottet wurden. Natürlich sind z.B. Ratten und Tauben mittlerweile teilweise zu einem Problem geworden. Aber es sind eben nicht die Tiere selbst, die die Schuld daran tragen. Und nur weil etwas ein Problem darstellt, muss man es nicht wie Dreck behandeln. Letzeres widerfährt u.a. Tauben und Ratten jeden Tag.

Sie werden teilweise auf’s Übelste misshandelt (da sind Beobachtungen von Tauben die in der Stadt ständig gejagt und/oder weggescheucht werden noch das Harmloseste) und oft getötet. Mich macht es wütend, weil der Mensch die Ursache ist. Dreckige Innenstädte, nicht weggeschlossene Mülltonnen oder Futtermitteln, mangelhafte Hygiene – all das zieht die Tiere in Scharen zu uns Menschen und wir wundern uns (nicht zuletzt wohl auch über ihre Ausdauer und hohe Intelligenz) und wissen uns am Ende nicht anders zu helfen, als sie zu vergiften (weil insbesondere Ratten ja für nahezu alle Lebendfallen mittlerweile zu intelligent sind und sogar Resistenzen gegen einige Rattengifte entwickelt haben).

In den meisten Köpfen sind insbesondere Ratten und Tauben einfach nur ekelhaft, lästige Tiere, die kaum eine Daseinsberechtigung haben. Wir nehmen dieses herrschende Bild auf und lassen es zu unserer Wahrheit werden. So ging es mir selbst z.B. mit Tauben, die ich früher ekelhaft fand, bis mir ein Licht aufging. DAS ist es, was ich furchtbar finde und was mir, mit dieser kleinen Babyratte in meiner Hand, noch mehr auffällt und gegen den Strich geht.

Wir halten uns für überlegen. Dass Tiere keine vollwertigen Lebewesen sind, sieht man ja schon daran, wie täglich in der Lebensmittelindustrie mit ihnen legal verfahren werden darf. Je mehr ich über all solche Zusammenhänge nachdenke und mich informiere, desto klarer wird mir, dass wir (zumindest in dieser Hinsicht) ungebildet, ignorant und herzlos sind. Denn sobald es um unser eigenes Wohl geht, um unsere Überzeugungen und das, was wir für real halten, ist der Rest egal. Wir würden nie einen Hund oder eine Katze so quälen, aber Ratten, Tauben, Kühe, Schweine usw. – das ist ok. Sind nur Nutztiere oder Schädlinge.

Bella jedenfalls wächst und gedeiht. Die Frage danach, ob sie bei uns bleiben darf, wird ganz oft gestellt. Grundsätzlich darf sie das, allerdings sind Ratten halt Rudeltiere und brauchen Artgenossen. Eine Einzelhaltung ist keine gute Option. Deshalb versuchen wir, so schwer uns das auch fällt, vorrangig einen Platz in einem Wild- & Farbrattenmix Rudel zu finden. Es geht ja schließlich nicht darum, was WIR gut finden, sondern um das Wohl des Tieres. Auch in diesem Fall.

Da Bella mich so sehr berührt und ich das Gefühl habe, eine besondere Bindung zu haben, hab ich mich auch über die Symbolik hinter Ratten informiert. Im Grunde blieb mir bei diesem Text nichts anderes übrig als zu nicken und zu staunen. Es gibt keine Zufälle im Leben.


Das zweite Thema, das mich in dieser Woche besonders beschäftigt hat, kam gestern auf, nachdem ich auf Instagram die sirplus Retterbox* (unbeauftragte Werbung) gezeigt habe und über Lebensmittelverschwendung sprach. Zum Verständnis: sirplus ist ein Unternehmen, dass sich gegen Lebensmittelverschwendung einsetzt. In Berlin gibt es vier Supermärkte, zudem betreiben sie einen Onlineshop und verkaufen sogenannte „Retterboxen“ mit Produkten aus Überschüssen von Großkonzernen/Produzenten, die normalerweise vernichtet worden wären. Die Produkte haben ein abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum oder sind aus anderen Gründen aus dem Sortiment geflogen.

Ich bekam auf meine Story viele Nachrichten, dass abgelaufene Produkte zu verkaufen Abzocke und sowieso illegal sei. Verbraucherverarsche hier, Täuschung da. BlaBla. Mich hat das soooo enttäuscht und entsetzt. Die Leute lassen sich den ganzen Tag das Geld aus den Taschen ziehen. Sie schließen sinnlose Versicherungen ab, kaufen angeblich „grüne Kosmetik“, tragen billige Klamotten für deren Herstellung Menschen in anderen Ländern massiv leiden müssen. Und ein Unternehmen, bei dem der soziale Aspekt sogar noch vor dem Profit steht, wird aus reiner Unwissenheit als Abzockverein betitelt.

Es sind vor allem die Unwissenheit und das Desinteresse, die mich so sauer machen. Weil ich von mir selbst weiß, wie gut es tut, den eigenen Horizont mal zu durchbrechen, Vorurteile abzubauen und sich selbst zu informieren, statt ständig alles nur so zusehen, wie man es gelernt hat. Weil ich weiß, dass man nicht unwissend bleiben muss und sich verändern kann. Ich kann immer weniger damit umgehen, dass Menschen sich zu etwas äußern, über dass sie sich nicht selbst informiert haben bzw. vor allem: über dass sie sich nicht selbst informieren WOLLEN.

Als ich dann in der Story erklärt habe, für was sich sirplus alles sozial engagiert – dass Tafeln, Foodsharing und andere Organisationen immer Vorrang haben, sie 20% der geretteten Lebensmittel an Bedürftige oder entsprechende Organisationen spenden, 25 Cent je 10€ an die Welthungerhilfe, dass sie kostenfreie Lehrmaterialien für Schulen zur Verfügung stellen, Flüchtlinge ausbilden, sich für die Abschaffung oder Veränderung des MHD und gegen generelle Lebensmittelverschwendung einsetzen, dass viele von ihnen ehrenamtlich arbeiten und so weiter und so fort – hat sich natürlich niemand mehr zu Wort gemeldet.

Ich find diese Mentalität, erst mal alles schlecht zu reden, fürchterlich.


Ansonsten war diese Woche vor allem eine kreative Woche. Ich habe über Instagram und Facebook meine Göttinnen und die Keramikherzen angeboten (es gibt von allem noch ein wenig, wer mag kann sie gern unter Angabe seiner Adresse + Farbe des Bandes / Farbe des Halsreifs über info@lorenz-creative.de bestellen) und Seelenwort Aquarelle (Eigenwerbung) gemalt. Das war alles sehr erfüllend und irgendwie erdend.


Außerdem hab ich ein langes Telefonat mit Jennifer Witte geführt, bei der ich am Montag ein Coaching inkl. Meditation zum Thema „Wut“ haben werde. Wir überlegen, ob sie mich eine Zeit unterstützend begleiten soll. Im letzten Jahr habe ich ja an Jennifers „Nourish Mind & Body“ Programm teilgenommen und mittlerweile hat sich ihr Angebot verändert und erweitert. Ich schätze ihre Arbeit sehr und bin gespannt, ob wir nochmal was zusammen machen oder nicht. Ich hab ihr nämlich geschrieben, dass es gerade entweder GAR NICHT passt oder GENAU RICHTIG ist und ich das gerne heraus finden möchte :-).

Beschäftigt habe ich mich diese Woche zudem mit meinen neuen Schuhen. Ich hatte ja schon vor über zwei Monaten Barfuß-Ballerinas (ursprünglich in marineblau, letzten Endes dann in schwarz bekommen) von Ahinsa (unbeauftragte Werbung) bestellt, die aber einfach Ewigkeiten für die Produktion gebraucht haben. Währenddessen habe ich die neuen Barfußschuhe von „Groundies“ entdeckt und auch dort Ballerinas und normale Sneaker bestellt. Die kamen nun alle gleichzeitig in dieser Woche an. Ich find sie alle gleichermaßen MEGA. Insbesondere die Ballerinas von Groundies (unbeauftragte Werbung) sind allerdings die bequemsten Ballerinas, die ich jemals getragen habe.

Groundies „Tokio“ (125€) und „Mandalay“ (105€)

Ahinsa „Ananda“ (132€)

Ich hab echt Ewigkeiten nach schönen, veganen Barfuß-Ballerinas gesucht, die mir gefallen und bin jetzt gleich zweimal fündig geworden. Das freut mich total. Auch die Sneaker find ich richtig toll, weil sie endlich „normal“ aussehen. So langsam steht einem Leben, ausschließlich mit Barfußschuhen also nichts mehr im Weg. Mir fehlen nur noch die Winterschuhe, Jipppiiieee!

Das war es dann auch von meiner Woche! Habt einen schönen Sonntag <3

 

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Über den Autor

Die Checkerin

[Sinnn­flu­en­cerin]
Person, die [in sozialen Netzwerken] Menschen mit großer Vorliebe zum Nachdenken anregt und mit unterschiedlichen Themen inspiriert

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