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Kolumne

Immer wieder Sonntags 261

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|Gesehen|CharitĂ© Intensiv: Station 43„, „Wie steht’s um die Meinungsfreiheit in Deutschland?„, „Tabuthema Gewalt gegen MĂ€nner„, „Die Wahrheit ĂŒber Annalena Baerbock“ und „Hartz IV: Wer profitiert wirklich davon?
|Gehört| meine Playlists
|Getan| gewerkelt, geweint, gefreut, gegangen
|Gefreut| ĂŒber zwei Überraschungs-Care-Pakete von Freunden, Zeit mit Bongo, Wildblumen-GrĂŒĂŸe an meiner Windschutzscheibe von Mama
|Gelesen| nichts
|Gekauft| endlich zwei Siebdruckplatten* fĂŒr den neuen RattenkĂ€figausbau
|Geschrieben| nichts
|Geplant| Abschied nehmen


Abschied von Bongo

Die meisten von euch haben es sicherlich schon mitbekommen: Sonntag Abend mussten wir Abschied von Bongo nehmen. Deshalb habe ich „Immer wieder Sonntags“ dann auch nicht veröffentlicht, obwohl eigentlich alles soweit „fertig“ war.

Bongo ging es die letzten Monate ja, durch verschiedene chronische Erkrankungen, immer mal wieder etwas schlechter, so dass wir schon lange wussten, dass unsere gemeinsame Zeit „bedroht“ wird und begrenzt ist. Sein Zustand hat sich in der letzten Woche dann aber recht plötzlich massiv verschlechtert. Er hatte nochmal deutlich (500 g) an Gewicht verloren, wurde immer wackeliger auf den Beinen und hatte zudem Probleme beim Essen (mit den ZĂ€hnen). 

Freitag bin ich dann nochmal mit ihm zum Tierarzt, weil wir vermuteten, dass ein Zahn abgebrochen und lose ist. Der Verdacht bestĂ€tigte sich nicht. DafĂŒr gab es die zusĂ€tzliche Diagnose „FORL“ und gleichzeitig auch die Klarheit, dass Bongo nicht mehr operiert werden kann. Bongos Zustand war zu diesem Zeitpunkt, durch den Gewichtsverlust und diverse geriatrische Probleme, bereits kritisch. Die TierĂ€rztin gab mir Schmerzmittel mit und sagte, dass seine Nieren das vermutlich nicht mitmachen und ich sie nach dem Wochenende anrufen sollte, sofern sich was verschlechtert. 

Die letzten Monate, aber ganz besonders das letzte Wochenende mit Bongo waren sehr Kuschel-intensiv. Wir haben die Zeit so gut wie möglich genutzt und Bongo war, wenn er nicht gerade in der KĂŒche auf der SpĂŒle lag, beinah 24/7 bei uns

Die letzten zwei Wochen war dieser Ort in der KĂŒche einer seiner LieblingsplĂ€tze. Es gab regelmĂ€ĂŸig Leber-/Teewurst, sowie sein Lieblings-Fast-Food. Das verschlang er leidenschaftlich. Das Bild zeigt allerdings leider deutlich, wie dĂŒnn er Samstag war.

Als wir Sonntag aufwachten konnte Bongo nicht mehr aufstehen und sich auch nicht mehr alleine aufrecht halten. Essen und Trinken wollte er ebenfalls nicht mehr. Zu diesem Zeitpunkt war er allerdings noch ganz ruhig, augenscheinlich ohne Schmerzen. Er lag den Tag ĂŒber neben uns auf einer großen Decke auf dem Tisch und wurde bekuschelt.

Zum Nachmittag hin verschlechterte sich sein Zustand weiter. Es kamen augenscheinliche NierenkrĂ€mpfe hinzu, die zwar nur wenige Sekunden andauerten, aber Bongo mit hoher Wahrscheinlichkeit Schmerzen bereiteten, die wir nicht lindern konnten. Am schlimmsten waren fĂŒr mich seine klĂ€glichen Versuche zu miauen und gleichzeitig sein stetiger Wille, uns nah zu sein.

Wenn Marius den Raum verließ, wurde Bongo sofort nervös, versuchte aufzustehen und nach ihm zu sehen. Bei seinen Versuchen zu stehen, schob er uns immer seinen Kopf entgegen, um zu kuscheln und sein typisches „Hey, alles gut“ da zu lassen 😱

FĂŒr uns war klar, sobald wir sehen, dass Bongo leidet, möchten wir sein Leid möglichst lindern oder beenden. Da das Lindern mit dem niedrig dosierten Schmerzmittel keine Option war, blieb uns letzten Endes nur die TierĂ€rztin. Da, wie nahezu jedes Wochenende, nur ein fĂŒrchterlicher Nottierarzt in Wuppertal Dienst hatte und unsere HaustierĂ€rztin am Wochenende nicht erreichbar war, kam uns die „mobile“ Tierarztpraxis in den Sinn, die ich letztes Jahr bereits raus gesucht und fĂŒr solche FĂ€lle abgespeichert hatte.

40 Minuten spĂ€ter kam die TierĂ€rztin aus Leverkusen zu uns nach Hause, um Bongo einzuschlĂ€fern. Unsere Sorge, dass Bongo zu dolle Angst oder Schmerzen haben konnte, bestĂ€tigte sich zum GlĂŒck nicht. So konnte er, umkuschelt von Marius und mir, einigermaßen friedlich auf unserer Couch entschlafen.

Den gesamten Abend ĂŒber haben wir noch, gemeinsam mit Kimba, neben ihm gesessen. Am nĂ€chsten Tag haben wir noch PfotenabdrĂŒcke fĂŒr ein Bild und einen meiner Herzsteine genommen und ihn im Anschluss zu einem Tierbestatter gebracht, um ihn einĂ€schern zu lassen. 

Beim Bestatter wurde er nochmal fĂŒr uns aufgebahrt. Das wĂ€re zwar nicht nötig gewesen und wir hatten auch keine wirkliche Chance uns dagegen zu entscheiden, aber letzten Endes war es dennoch schön, sich auf diesem Weg nochmal von ihm verabschieden zu können.

FĂŒr Bongo 🌈

Ach, Bongoleinchen, du kleiner Stoffel. Dich gehen lassen zu mĂŒssen, hat uns das Herz gebrochen.😔 Wie soll das Aufstehen noch Spaß machen, wenn du morgens nicht mehr auf uns rum trampelst oder liegst? Wir vermissen dich unendlich.

Dein planloses umher streifen und rum tippeln und miauen, wenn du Hunger hattest oder deinen Durst U-N-B-E-D-I-N-G-T und A-U-S-S-C-H-L-I-E-ß-L-I-C-H mit köstlichstem Klowasser oder fließendem Wasser aus der Badewanne stillen wolltest, dein verrĂŒcktes durch die Wohnung rennen, wenn du dringend kacken musstest, dein Gemaue wenn du Aufmerksamkeit wolltest oder dir was nicht passte, deine Krallen und Schnurrhaare, die uns besonders hĂ€ufig mitten in der Nacht irgendwo in den Körper pieksten, dass du dich wĂ€hrend wir arbeiten, auf die Tastatur setzt, weil du JETZT kuscheln willst, dass du mit deinen Pfoten das gesamte Wasser aus den Schalen wurschtelst und die Wohnung unter Wasser setzt, die Haufen und Pipi-Lachen die du feinsĂ€uberlich in der Wohnung drapierst, als Protest dafĂŒr, dass die Ratten zu viel Aufmerksamkeit bekommen, dein an den Kopf stoßen, dein Schnurren, deinen kuscheligen Bauch, deine weichen Öhrchen, deine wunderschönen Augen, dein MĂ€ulchen zu kraulen und so, so viel mehr.

Du warst und bist und bleibst der weltbeste und wunderschönste Kater.

Zum Thema Trauer & Tod

Auf mein letztes „Immer wieder Sonntags“ gab es sehr viele Reaktionen von euch. DarĂŒber habe ich mich sehr gefreut. Denn auch wenn solche Texte vorwiegend fĂŒr mich als eine Strategie zur Verarbeitung dienen, so freue ich mich auch darĂŒber, etwas in euch bewegen zu können.

Zwei Dinge möchte ich hier noch ansprechen:

1. Trauer ist individuell oder „die deutsche Abschiedskultur & Ich“

In meinem Text von letzter Woche konnte fĂ€lschlicherweise der Eindruck entstehen, dass ich das Pflegepersonal bzgl. des Abschiedrituals kritisieren wollen wĂŒrde. Das war absolut nicht mein Ansinnen. Das durchgefĂŒhrte Ritual war vorwiegend fĂŒr das Pflegepersonal gedacht und an die (zumeist auch gesellschaftlich geprĂ€gten) AnsprĂŒche eines evangelischen (also vorwiegend christlich geprĂ€gten) Pflegeheims angepasst.

Ich hatte meine GefĂŒhle und Gedanken dazu nicht erwĂ€hnt, um das Pflegepersonal zu kritisieren oder ihre Art des Trauerns zu hinterfragen, sondern um meine GefĂŒhle und Gedanken, zu diesem gesellschaftlich/christlich geprĂ€gten „Vorgang“, zum Ausdruck zu bringen 🙂

Ich wage zu behaupten, dass jeder Mensch anders trauert und Abschied nimmt. Das Pflegepersonal hat Marius Mutter ĂŒber neun Jahre 24/7 erlebt und damit zumindest mehr Zeit mit ihr verbracht, als ich. Viele der Pfleger*innen waren traurig und betroffen, weshalb ich es wichtig finde, dass jeder Mensch so Abschied nehmen darf, wie es sich fĂŒr ihn gut anfĂŒhlt.

FĂŒr mich persönlich ist die gesamte „deutsche“ (westliche?) Abschieds-/Sterbe-/Trauerkultur nicht passend, weshalb ich bisher bei jedem Todesfall (egal ob Mensch oder Tier) in Ă€hnliche Situationen kam, wie am Tag des Abschiedsrituals. In solchen Situationen bin ich zwischen Anstand, Respekt und meinem „AmĂŒsement“ hin und her gerissen, weil ich auf der einen Seite die Art des Trauerns und Abschiednehmens anderer respektieren möchte, mich selbst aber ein StĂŒck weit „amĂŒsiert“ fĂŒhle darĂŒber, z.B. umgeben von betenden, gerĂŒhrten Menschen zu sein, fĂŒr die dieser Moment eine enorme Bedeutung zu haben scheint, wĂ€hrend sie fĂŒr mich völlig gezwungen und bedeutungslos ist.

Offensichtlich ticke ich so dermaßen anders, als der Großteil der Menschheit, so dass ich regelmĂ€ĂŸig, auch außerhalb dieser Thematik, in (fĂŒr mich) seltsame Situationen gerate, die fĂŒr andere völlig normal und teilweise wunderschön/bedeutungsvoll (…) sind. 

Nur weil es fĂŒr mich nicht passt und ich meine GefĂŒhle dazu Ă€ußere, spreche ich anderen ihre GefĂŒhle deshalb aber nicht ab. Ich finde es wichtig, ganz besonders beim Thema Trauer, die IndividualitĂ€t jedes Menschen zu respektieren. In meinem Video „Wie man zu trauern hat“ bin ich im letzten Jahr darauf eingegangen, was ich zum Thema „Trauer“ denke und erlebt habe. 

Was den Umgang mit dieser gesamten Thematik anbelangt, habe ich fĂŒr mich andere Vorstellungen, BedĂŒrfnisse und AnsprĂŒche an den Abschied von einem Menschen oder einem Tier. Ich kann fĂŒr mich persönlich mit den klassischen Sachen (z.B. eben Gebete, Kondolenzen, klassische Beerdigungen etc) nichts anfangen. Sie bringen und bedeuten mir nichts. Auch das „gebuddelte Loch“ auf dem Friedhof hat fĂŒr mich keine Bedeutung, weil Mensch & Tier nicht dort sind, sondern bei mir (in Form meiner Erinnerungen). 

Da in Deutschland gewisse Dinge aber nun mal so ablaufen, wie sie ablaufen und ich manche Entscheidungen zudem nicht in meinem Sinne treffe bzw. es manchmal eben nicht darum geht, was ICH will, bin ich Teil dieser Kultur und das ist fĂŒr den Moment dann auch ok, aber halt dennoch (fĂŒr mich) weird. Das ist alles 😅

2. Tod ist individuell

Ein weiterer Punkt der mir wichtig ist, ist nochmal darauf hinzuweisen, dass jedes Lebewesen seinen individuellen Tod stirbt. Viele schrieben in ihren Kommentaren und/oder Nachrichten, dass ich ihnen die Angst vor dem Tod genommen habe. Einerseits habe ich mich gefreut, gleichzeitig habe ich mich damit aber auch unwohl gefĂŒhlt. 

Der Gedanke daran, dass möglicherweise jemand von euch mit meiner Sterbebegleitungs-Erfahrung in eine solche Situation geht und erwartet, dass dasselbe erlebt wird, macht mich „nervös“. Kein Mensch stirbt wie der andere. Es gibt schöne Tode, qualvolle Tode, dramatische Tode, kĂ€mpferische Tode und viele mehr.

Dass jemand so friedlich entschlĂ€ft, ist sehr selten und mir ist es wichtig, das nochmal zu betonen, ohne euch damit Angst machen zu wollen. Ich glaube, dass wir alle gut beraten sind, uns mit dem Tod intensiver zu beschĂ€ftigen. 

Hier* habe ich vor einigen Jahren angefangen BĂŒcher zum Thema Tod, Trauer & Abschied zu sammeln, die ich zu einem Großteil (von den „AusfĂŒllbĂŒchern“ und zwei oder drei thematisch spezielleren BĂŒchern abgesehen) gelesen habe und die fĂŒr mich, auf unterschiedliche Art und Weise, hilfreich und/oder informativ waren.

Facebook Kettenbrief

Auf Facebook macht seit Anfang 2020 immer mal wieder ein Kettenbrief die Runde. Gerade gab es wieder einen Schwall an Menschen aus meiner „Boomer Freundesliste“, der diesen wahnsinnig tiefsinnigen Text geteilt hat.

[… hier fĂŒgen die Teiler jeweils ihr Geburtsdatum und ihren Geburtsort ein] Das Leben war damals magisch, wir lebten in Leichtsinn. Wir hatten ein schönes Leben! Mit all meinen Freunden und Freundinnen und jeder wurde wie ein Teil der Familie behandelt. Wir gingen raus, um zu spielen, wir waren immer glĂŒcklich 😀 und haben ALLES gegessen, was unsere Mutter vorbereitet hat. Aus Respekt. Und weil keiner auch nur irgendeine dieser neumodischen Allergien oder UnvertrĂ€glichkeiten hatte. Das lag wohl auch mitunter daran, dass wir den Sand aus dem Sandkasten gegessen haben, Äpfel und Kirschen von den BĂ€umen, OHNE unser HĂ€nde 30x zu desinfizieren.
Wir haben unsere Kuchen und SĂŒĂŸigkeiten miteinander geteilt, es hat uns 50 Pfennig gekostet. So wie der Tages-Eintritt ins Freibad. Oder ein Eis. Nach der Schule haben wir unsere Hausaufgaben gemacht und dann so schnell wie möglich mit dem Spielen begonnen.
Man konnte einen ganzen Tag auf dem Spielplatz bleiben mit1 Mark đŸ€‘ und mal weniger, wenn jemand nichts hatte. Es wurde alles brĂŒderlich geteilt.
Wir spielten die ganze Zeit Fußball oder fuhren die Tour de France durch den Ort ⚜, Autos 🚘, spielten mit Murmeln, Gummitwist, Rollschuhe, HĂŒpfen, Verstecken spielen, wir sind auf die BĂ€ume geklettert 🌳, haben BaumhĂ€user gebaut, ohne dass jemand die Behörden rief und uns wegen SachbeschĂ€digung belangt hat. und schwammen in Baggerlöchern, im Kanal.
Wir haben einen Berg mit den HerbstblĂ€ttern gemacht 🍂 zum reinspringen ohne an die Mikroben zu denken. Wir konnten unbesorgt durch die Nachbarschaft laufen. Auch spĂ€t Abends im Dunkeln. Wir mussten nicht mit Smartwatch oder Smartphone ĂŒberprĂŒft und be-helicoptert werden. Wir konnten die Uhr lesen. Sowohl digital, als auch analog. Wenn es hieß, sei um 7 zu Hause, waren wir das, mit einem Puffer von wenigen Minuten. Wir aßen FrĂŒchte von den BĂ€umen und den StrĂ€uchern in den Gartenanlagen, ohne sie zu waschen, radeln auf dem Gehweg ohne Helm oder Knieschoner, aber mit einem StĂŒck Karton, das im Rad steckt, um MotorradgerĂ€usche zu machen 😆.
Wir bauten uns Sprungschanzen aus Erde und Brettern, fielen hin, standen auf, fuhren weiter. Kein Pflaster oder Desinfektionsmittel musste auf die aufgeschĂŒrften Knie oder Ellenbogen. Um uns mit unseren Freunden zum Spielen zu treffen, gingen wir vor ihr Haus und riefen lautstark ihre Vornamen oder klingelten an der TĂŒr.
Abends nach unserem Bad 🛀 haben wir unseren Schlafanzug und unsere Hausschuhe angezogen und spätestens 20.00 Uhr waren wir im Bett 😮 ohne zu reden. Ohne Handy. Ohne Fernseher. Wir haben uns gefreut, wenn die Wettervorhersage schönes Wetter für den Tag danach vorhersagte đŸŒ€ïž denn das war alles, was uns wichtig war, wissend, dass wir morgen draußen spielen konnten. Keine sozialen Medien, keine đŸ“± und wir wussten nicht, was wir hĂ€tten damit anfangen sollen, weil wir Freunde, Freundinnen und einen 🏐 hatten.
Wir hatten vor nichts Angst und unsere Ă€lteren Menschen mussten uns keine Sorgen machen. Jeder kannte die Kinder des anderen und konnte sagen: â€Čâ€Č Warte, bis ich deine Eltern sehe, wenn du nicht lieb bist!“, Niemand war böse, weil wir uns aufeinander verlassen konnten đŸ€.
Uns wurde dieser Respekt gegenĂŒber anderen beigebracht. Als Kind musste man einen sprechenden Erwachsenen nicht unterbrechen! Bei Sonnenuntergang wussten wir, dass es Zeit ist, nach Hause zu gehen 🏡.

Wir gingen gerne zur Schule đŸ’Œ, weil uns beigebracht wurde, die Lehrer zu respektieren 🎓 und es war eine Freude, unsere Klassenkameraden und Freunde jeden Tag zu sehen 🧒👧.
Wir haben unseren Mund fĂŒr unsere Eltern geschlossen, weil wir wussten, dass wir Stubenarrest bekommen, wenn wir dagegen sprechen, und es war so: â€Čâ€ČDu darfst morgen nicht draußen spielen gehen, sondern bleibst zu Hause’â€Č đŸŒ€.
Wir sollten öfter ĂŒber all diese glĂŒcklichen Momente nachdenken 💭, denn wir sind verloren in einer Gesellschaft, in der es keinen Respekt, AutoritĂ€t, MitgefĂŒhl oder Wohlwollen fĂŒr andere gibt 😔. Der gesunde Menschenverstand verliert auch, genau wie das VerstĂ€ndnis von Gut oder Böse. Der gesunde Menschenverstand verliert haushoch, genau wie das Verständnis von Gut oder Böse, von richtig oder falsch. Wir vegetieren in einer Gesellschaft, in der jeder nur noch an sich denkt. An andere denken, geht nur noch mit Groll. Oder mit Anwalt.

gez. „Boomer“

„Das Leben war damals magisch, wir lebten in Leichtsinn (…), wir waren immer glĂŒcklich…niemand war böse, weil wir uns aufeinander verlassen konnten“. Mensch ja, was war z.B. die Sache mit dem Mauerbau damals magisch schön und wie glĂŒcklich waren die Menschen immer alle 😏 Und wie glĂŒcklich waren all die Kinder, die körperlich und seelisch, von „Erwachsenen“ missbraucht wurden, weil „eine harte Hand“ normal war. #soblessed đŸ™đŸŒ

„Wir haben unseren Mund fĂŒr unsere Eltern geschlossen.“
„Als Kind musste man einen sprechenden Erwachsenen nicht unterbrechen.“
„Wir gingen gerne zur Schule, weil uns beigebracht wurde, die Lehrer zu respektieren.“ Stimmt. UnterdrĂŒckung und das Kleinhalten von Kindern sind wunderschön. Bitte alle gehorchen und bloß nicht den Mund aufmachen, wenn was nicht passt! đŸ€ą

„Kein Pflaster oder Desinfektionsmittel musste auf die aufgeschĂŒrften Knie oder Ellenbogen“ Ja, mensch! Was sind die Kinder von heute doch fĂŒr Weicheier. Und wie fĂŒrchterlich sind bitte diese fĂŒrsorglichen Eltern? Ist ja zum kotzen. FrĂŒher war wirklich alles besser! Fehlt nur noch, dass das herrschende Frauenbild von damals gefeiert wird. Das war doch fast genauso schön 💜

„Und weil keiner auch nur irgendeine dieser neumodischen Allergien oder UnvertrĂ€glichkeiten hatte. Das lag wohl auch mitunter daran, dass wir den Sand aus dem Sandkasten gegessen haben, Äpfel und Kirschen von den BĂ€umen, OHNE unser HĂ€nde 30x zu desinfizieren.“ JEDES KIND mit Allergien und Intoleranzen weiß, dass das natĂŒrlich (11elf!!) alles nur daher kommt, weil die Mama immer so oft die kleinen HĂ€ndchen desinfiziert hat. Und die Preissteigerungen haben natĂŒrlich auch auf gar keinen Fall was mit der Inflation zu tun oder so. Bullshit!

Mich machen solche idealisierten Erinnerungstexte sprachlos und wĂŒtend zugleich. Irgendein „Boomer“ schreibt von seinem digitalen EndgerĂ€t aus via Facebook (#neuland #digitalisierung2021), wie wunderwunderschön es frĂŒher doch war und wie fĂŒrchterlich die heutige Gesellschaft und Zeit ist. Derselbe Mensch, der damals wie heute mitentscheidet/n kann und mitentschieden hat, wie es lĂ€uft. 

Wie heuchlerisch, ignorant und verhöhnend. 

Verhöhnung Part II

Ähnlich ignorant und verhöhnend empfinde ich die leider ziemlich undurchdachte #allesdichtmachen Aktion einiger Schauspieler*innen, sowie die ewige Aufforderung, „endlich die Wahrheit“ zu sehen.

SelbstverstĂ€ndlich ist nicht jede Kritik an der aktuellen Situation und den Maßnahmen zu negieren oder in die Querdenkerszene/rechte Ecke zu drĂ€ngen. SelbstverstĂ€ndlich geht es nicht darum, alles schweigend hinzunehmen und zu feiern, welche Maßnahmen gerade umgesetzt werden oder wie das Ganze realisiert wird. Das was, insbesondere seitens der Politik, kommuniziert (oder eben nicht) und umgesetzt (oder eben nicht) wird, ist in vielen Teilen absoluter Murks, der kritisiert werden darf und muss.

Bei all der Kritik sollte aber nicht die andere Seite vergessen werden. Wer fordert, sich lieber auf das Gute und die Gesunden zu konzentrieren, um endlich wieder frei mit den Lieblingsmenschen im CafĂ© sitzen und klönen zu können, der verhöhnt nicht nur die Hinterbliebenen der (bisher) ĂŒber 82.000 Toten alleine in Deutschland, sondern auch all die Menschen, die gerade um das Leben anderer Menschen bangen und/oder kĂ€mpfen.

Die wenigstens von uns haben irgendein wissenschaftliches, virologisches oder medizinisches Fachwissen, dass uns dazu befĂ€higen wĂŒrde, eingehendere EinschĂ€tzungen vorzunehmen. Das gilt fĂŒr mich natĂŒrlich genauso, wie fĂŒr alle anderen. Und genau deshalb sollte man sich, meiner Meinung nach, möglichst an den Fakten orientieren, statt an EmotionalitĂ€ten.

Fakten in Form von GesprĂ€chen und Informationen mit und von den Menschen, die tĂ€glich aktiv mit dem Virus und seinen Folgen zu tun haben. Medizinisches Fachpersonal in Form von Ärzt*innen, Pfleger*innen, Helfer*innen & Co. die auf ĂŒberlasteten Intensivstationen an ihre Grenzen kommen und hĂ€ufig vergeblich um das Leben Erkrankter kĂ€mpfen.

Der dreiteilige Bericht „CharitĂ© intensiv“ bietet vielleicht einen Anfang.

Am schlimmsten finde ich allerdings die teils sĂŒffisanten Hinweise darauf, dass nur ein kleiner, quasi „erleuchteter“ Teil der Bevölkerung die Wahrheit / Wirklichkeit / das Offensichtliche sieht, wĂ€hrend alle anderen („Schafe“) leider zu dumm und Obrigkeiten-hörig sind, um zu erkennen, was doch so offensichtlich ist. 😏 Manchmal noch gefolgt von einem „Ihr werdet schon sehen.“ oder „Wartet mal ab.“.

Ich weiß woher das kommt und dass es den Menschen hilft, sich als eine Art „erlesenen Kreis“ anzusehen, der nur laut genug sein und hart genug kĂ€mpfen muss (quasi wie damals, als es so wunderschön war… … … 😏), damit alle anderen endlich Erwachen und eine neue Welt entstehen kann đŸ™đŸŒâœšđŸŒŸđŸ’«

Der Wunsch ist toll und ich wĂŒrde mir genauso ein „Erwachen der Menschheit“ wĂŒnschen, wenn auch in anderen Bereichen. Allerdings weiß ich, dass dieser Wunsch eine Utopie ist. Weil jeder Mensch eine andere Wirklichkeit, andere Werte, Normen und Vorstellungen hat. Meine Wirklichkeit ist nicht die der anderen.

Ich kann mir wĂŒnschen, dass andere etwas genauso sehen wie ich, ich kann mein UnverstĂ€ndnis und meinen Unmut gegenĂŒber anderen Ansichten / Lebensweisen Ă€ußern, aber ich kann sie nicht als dumme Schafe (oder Covidioten) darstellen oder sogar aktiv so bezeichnen, nur weil sie MEINE Ansichten nicht teilen und ich der Meinung bin, dass nur ich den Überblick und die Erleuchtung habe. Gerade wenn ich das von mir behaupte, habe ich es mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit eben GENAU NICHT 😅

Vanilla & Sky

Freitag sollten eigentlich die zwei Flauschis von den Notfallratten Rhein Ruhr zu uns kommen. Momentan sind sie in einer Pflegestelle in Bochum. Der Termin wurde Freitag dann auf Sonntag verschoben, musste dann aber erneut abgesagt werden.

Wann die beiden jetzt letzten Endes genau zu uns ziehen, weiß ich noch nicht. In der kommenden Woche ist es mit der Beerdigung von Marius Mama, Abschied nehmen von Bongo & Co. etwas unpassend, gleichzeitig ist hier aber auch alles vorbereitet und sowohl fĂŒr die beiden, als auch fĂŒr Bella & Tilly wird es Zeit, wieder in einem richtigen Rudel leben zu können. 💜

(Nachtrag 28.04.2021: ich hole die beiden heute Abend ab)

Insofern freuen wir uns, wenn sie endlich bei uns einziehen. Habe immerhin auch die Pipisteine neu bemalt, dein spĂ€teren „GemeinschaftskĂ€fig“ ausgebaut UND von Hand zwei schiefe HĂ€ngematten aus nem alten Punktekleid von mir genĂ€ht (obwohl ich das „eigentlich ĂŒberhaupt nicht kann“ ;-) ).

Und sonst so?

Bleibt das GefĂŒhl von „2021 kann weg“. Gleichzeitig haben wir uns diese Woche sehr ĂŒber liebe Hilfs-Angebote, offene Ohren, gute GesprĂ€che, zwei Care-Pakete mit ganz viel Schoki und Keksen, wunderschöne Briefe/Karten und einen „BlĂŒmchengruß“ nach unserem Spaziergang auf der Windschutzscheibe gefreut 💜

Außerdem war ich mit meiner Mama spazieren, mit Marius zusammen im „Zauberwald“ und ich habe ein paar WildkrĂ€uter gesammelt. 

Mit der naiven Hoffnung, dass 2021 ab jetzt vielleicht doch irgendwie besser oder zumindest ok wird, verabschiede ich mich von euch und wĂŒnsche euch eine schöne Woche.

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