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Kolumne

Immer wieder Sonntags 262

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|Gesehen| sehr empfehlenswert: Meeresbiologe Robert Marc Lehmann ├╝ber Zoos 
|Geh├Ârt| meine Playlists
|Getan| gegangen, gekocht, gefreut, geredet, geguckt, gewundert, gebildet, gespielt, gesammelt, gerettet (zwei Notfallratten, siehe unten)
|Gefreut| ├╝ber zwei Fasan Federn (siehe weiter unten), gute Gespr├Ąche, sch├Âne Spazierg├Ąnge, eine Woche ohne Horrornachrichten
|Gelesen| nichts
|Gekauft| Kokosmilch*, Ras el Hanout*, Sumach*, sowie Leckereien im Caf├ę Medusa
|Geschrieben| nichts
|Geplant| gleich noch ne Runde mit meiner Mama durch den Wald, in der kommenden Woche dann Ergotherapie, ein Telefonat mit meinem behandelnden „ADHS-Arzt“, ein Hautscreening und hoffentlich endlich mal wieder Zeit & Mu├če, richtig zu arbeiten

Beerdigung

Normalerweise wache ich am Tag der Beerdigung mit einem unguten Gef├╝hl auf. Nicht wegen des anstehenden, endg├╝ltigen Abschieds, sondern wegen des Drucks, der f├╝r mich gew├Âhnlich mit der klassischen Trauerkultur verbunden ist. Es gibt eine ganz klaren Ablauf – Knigge-Tipps f├╝r Beerdigungen – an die sich eigentlich immer alle halten. Wie was abl├Ąuft, wer was macht und sagt, wo wann und wie (lange) getrauert werden (darf), das steht alles fest und man sollte nicht davon abweichen. Ich finde das f├╝r mich ganz f├╝rchterlich.

Normalerweise geht bei einem solchen „Event“ als Angeh├Ârige bei mir ungef├Ąhr das im Kopf ab: Was ziehe ich an? Habe ich ├╝berhaupt etwas Schwarzes im Kleiderschrank? Ist es okay, wenn meine Jacke nicht schwarz ist? Kann ich etwas Gemustertes anziehen, das nicht nur schwarz ist? Was denken die Leute, wenn ich nicht weine? Wenn ich bunt gekleidet bin? Mit wie vielen Fremden werde ich diesen intimen Moment teilen m├╝ssen? Wie lange wird der kirchliche Kram in Anspruch nehmen und wie unpers├Ânlich wird es wohl werden? Wie viele Beileidsbekundungen werde ich freundlich dankend entgegen nehmen, bevor ich endlich f├╝r mich alleine sein darf? Kann ich das ertragen? Kann ich dem irgendwie entgehen?

An diesem Donnerstag blieb der Druck v├Âllig aus. Ich bin mit einem guten Gef├╝hl der Vorfreude auf diesen Abschied wach geworden. Denn ich wusste: es sind nur wir drei dabei. Ohne Pastor*In, ohne Gebete & Gesang, ohne weitere Familienangeh├Ârige, Bekannte oder Sensationsgeile, ohne Trauerkleidung, Trauerkr├Ąnze, Beileidsbekundungen und Leichenschmaus.

Ich hatte die absolute Gewissheit bei diesem Abschied genauso sein zu d├╝rfen, wie ich bin und ohne in etwas gezw├Ąngt zu werden, das mir nicht entspricht. Niemand w├╝rde mich schief angucken, wenn ich das anhabe, was ich anziehen m├Âchte oder am Grab lache, weil ich nicht nur traurig bin. 

Marius und ich waren ein paar Tage vor der Beerdigung im Wald, um Bl├╝ten und Bl├Ątter zu sammeln. Au├čerdem habe ich ein paar der Steine, die Marius Mutter vermutlich mal im Urlaub gesammelt und in ihrem Regal aufbewahrt hatte, angemalt und ebenfalls f├╝r das Grab genutzt.

Auf unserem Sammel-Wald-Spaziergang fanden wir nur eine kleine, flauschige Feder (siehe Bild oben). Ich sagte zu Marius: „Wir finden 100% noch eine richtig coole Feder. Die kommt dann mit ins Grab!“ und sp├Ąter „Oh man, ich hoffe, wir finden noch eine!“. An diesem Tag fanden wir keine mehr, nur drei Baumperlen. Ich ├╝berlegte kurz, ob ich eine meiner gesammelten Federn nutzen m├Âchte, aber das f├╝hlte sich „nicht zugeh├Ârig“ an. Dann sollte es offenbar keine Feder werden ­čĄĚ­čĆ╝ÔÇŹÔÖÇ´ŞĆ

Im Friedwald war es, wie immer, wundersch├Ân. Ich liebe diesen Wald. Als wir ankamen, stand bereits die Urne bereit. Marius nahm sie entgegen und wir gingen mit einer Mitarbeiterin durch den Wald in Richtung unseres Familienbaums. Als wir in den 2-3 Meter langen „Weg“ zum Baum einbogen, stolperte ich quasi ├╝ber zwei gro├če Federn. Federn, die ich keinem Vogel zuordnen konnte und die ich so noch nie gesehen hatte.

Wie unfassbar ist das bitte? Ich habe mich unwahrscheinlich dar├╝ber gefreut. Nicht nur, weil es so besondere Federn sind und ich so tats├Ąchlich eine Feder f├╝r das Grab hatte, sondern auch weil es gleich ZWEI Federn sind. Eine f├╝r sie, eine f├╝r uns. Es sind ├╝brigens Fasan-Federn. In M├╝nster und Umgebung leben die Fasane wild und laufen durch die W├Ąlder.

Einen ├Ąhnlichen „Zufall“ gab es auch bei unserer Freundin, die mit auf der Beerdigung war. Ihr Hibiskus bl├╝ht 1 x im Jahr und die Bl├╝te h├Ąlt nur einen einzigen Tag. Die Bl├╝te ist genau passend zur Beerdigung aufgegangen, so dass sie mit ins Grab konnte ­čĺť

Wir haben noch eine ganze Weile am Grab gestanden, uns unterhalten, sinniert, gelacht und geschwiegen. Danach sind wir durch den Friedwald gegangen, und haben uns sp├Ąter noch eine Weile zum Reden auf eine Bank gegen├╝ber unseres Baums gesetzt. Das war wundersch├Ân. V├Âllig frei von jeglichen Zw├Ąngen. Das habe ich wirklich sehr genossen. Es war ein w├╝rdevoller Abschied, genau so, wie er Marius Mutter gefallen h├Ątte ­čĺť

Torvi & „Ich habe noch keinen neuen Namen“

Mittwochabend sind, wie letzte Woche angek├╝ndigt, die zwei Flauschkugeln aus einer Pflegestelle der Notfallratten Rhein-Ruhr bei uns eingezogen. „Vanilla“ und „Sky“ hei├čen sie urspr├╝nglich. Da sie auf ihre Namen bisher gar nicht reagieren, haben wir uns entschieden sie mit Namen auszustatten, zu denen wir eher ein Gef├╝hl haben ­čśů

So hei├čt „Vanilla“ k├╝nftig „Torvi“, w├Ąhrend wir f├╝r „Sky“ noch auf der Suche nach einem passenden Namen sind. Allerdings nicht im Sinne von „Uns fallen keine Namen ein“, sondern im Sinne von „Mal schauen, welcher Name letzten Endes am besten zu ihr passt“. 

Die beiden sind, gerade im Vergleich zu den Anf├Ąngen von und mit Tilly und Pipp, recht entspannt („Sky“ a.k.a. „Noch habe ich keinen neuen Namen“ ist w├Ąhrend der Autofahrt sogar gechillt eingepennt), sehr neugierig und lassen sich mittlerweile durchaus auch anfassen. Hochnehmen finden sie hingegen noch viel zu aufregend.

Leider scheinen die beiden Ektoparasiten mitgebracht zu haben und Torvi hat au├čerdem Schnupfen, weshalb wir Montag erst mal einen Termin bei der Tier├Ąrztin haben. Bevor die beiden Bekanntschaft mit Bella und Tilly machen, wird also noch etwas Zeit vergehen. Bella und Tilly sind allerdings schon total aufgeregt, weil sie bemerkt haben, dass was ganz anders ist als sonst. 

Ich bin sehr gespannt, wie die beiden sich hier einleben. Sie sind auf jeden Fall ober-zuckers├╝├č ­čĺť

Ach, Omili ­čĺť

Seit meine Oma aus der beschi… ├Ąh bescheidenen Pflege-WG ins Heim umgezogen ist, freue ich mich mehrmals pro Woche dar├╝ber, wie gut sie aufgehoben ist. Marius und ich haben ja ├╝ber neun Jahre positive Erfahrung mit diesem Pflegeheim und ich wusste, dass es meiner Oma dort gut gehen w├╝rde. Dass sie aber nochmal in den Genuss kommen w├╝rde, Dinge zu erleben und so gef├Ârdert zu werden, damit habe ich nicht gerechnet. 

Das Pflegeheim arbeitet u.a. mit dem digitalen Aktivit├Ątstisch „De BeleefTV“ und der „Myo Pflege App“. ├ťber die Myo App, die ├Ąhnlich funktioniert wie z.B. Facebook oder Instagram, teilt das Pflegepersonal mit den Angeh├Ârigen regelm├Ą├čige Berichte inkl. Fotos, was gerade so mit meiner Oma (und anderen Bewohner*innen) unternommen wird und im Heim los ist.┬á

Wir Angeh├Ârigen k├Ânnen so nat├╝rlich auch an Omas Alltag teilnehmen. Ganz davon abgesehen merkt man aber auch total, wie es Oma besser geht. Sie sieht nicht nur gepflegter aus, sondern ist viel entspannter und macht riesige Fortschritte in Bezug auf ihre L├Ąhmungen und Sprachschwierigkeiten durch den Schlaganfall. 

Das macht mich richtig gl├╝cklich.

Und sonst so?

Es gab in dieser Woche keine Horrornachrichten. YAY! Stattdessen haben wir die Woche zur Regeneration genutzt. Ich glaube, das ist uns beiden ganz ok gelungen. Die letzten Wochen stecken uns zwar weiterhin „in den Knochen“, aber es wird besser.

Wir haben viel Zeit mit Kimba (die gerade sehr viel Liebe und Aufmerksamkeit braucht) und den Ratten verbracht. Gestern war ich au├čerdem mit einer Freundin im Wald und im H├╝hnerstall.

Heute Mittag haben wir im Caf├ę Medusa Erdbeerkuchen & Bubble Tea abgeholt, gleich gehe ich dann noch eine Runde mit meiner Mama in den Wald und heute Abend spielen Marius und ich ne Runde Carcassonne*.

Das reicht f├╝r diese Woche.

Ich hoffe, dass ich in der kommenden Woche Mu├če & Zeit finde, um an meinen Projekten weiterarbeiten zu k├Ânnen. Die sind in den letzten Wochen n├Ąmlich viel zu kurz gekommen.

Ich w├╝nsche euch einen sch├Ânen Sonntag!

2 Antworten auf ÔÇ×Immer wieder Sonntags 262ÔÇť

Ich habe letzte Woche auch den schweren Weg gehen m├╝ssen um meine Mamutsch zu beerdigen.Ich kann deine Gedanken dazu voll nach empfinden.Zum Gl├╝ck auch nur im engsten Familien und Freundeskreis ohne diese typischen Beerdigungszeremonien.Das ich alles selbst organisiert&geplant habe war f├╝r mich nochmal ganz wichtig und auch das niemand in schwarz gekleidet kommt war ein ganz wichtiger Punkt.W├╝nsche euch weiterhin gaanz viel Kraft ihr hattet es auch nicht gerade einfach die letzte Zeit f├╝hl dich umarmt

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