Immer wieder Sonntags


Immer wieder Sonntags 268

|Gesehen| Brauchen wir ein bedingungsloses Grundeinkommen?
|Gehört| meine Playlists
|Getan| gearbeitet, gegangen, gegrillt, gegessen, genossen
|Gefreut| über ein wohlwollenes Interview, ein paar schöne Spaziergänge u.a. mit meiner Mama und einen Abend mit meinem Bruder & seiner Frau 
|Gelesen|Unter freiem Himmel: Eine Anleitung für ein Leben in der Natur“*
|Gekauft| Inhalationsgerät* für die Rattis, sowie Kamillenblüten* und Salbeiblätter*, ebenfalls für die Rattis
|Geschrieben| Nichts
|Geplant| Arbeiten, Ergotherapie

Shop-Update

Die letzten zwei Wochen habe ich von morgens bis abends damit verbracht, unseren Etsy-Shop* neu zu gestalten, über 100 Produkte zu fotografieren und Produktbeschreibungen auf Deutsch und Englisch zu verfassen.

Zur Vorgeschichte der Keramiken

Seit ich das letzte Mal über die Geschichte hinter den handgemachten Keramiken in unserem Shop sprach, sind drei Jahre vergangen. Ich habe seit dem nie wieder aktiv Werbung für die Produkte gemacht. Sicherlich sind die ein oder anderen Menschen hier, die noch gar nichts dazu wissen. Deshalb zur Aufklärung und auch, weil ich die Geschichte wirklich liebe:

Meine Schwiegereltern waren waschechte Kunsthandwerker, die Schmuck, Vasen, Öllampen, Schalen und andere Kunstwerke aus Keramik und Porzellan mit verschiedenen Techniken (wie z.B. Raku) herstellten. Jedes ihrer Kunstwerke ist ein Unikat, das es nur ein einziges Mal auf dieser Welt gibt. 

Mein Schwiegervater Milan Bernd Stüber arbeitete, bis zu seinem plötzlichen Tod 2008, als selbstständiger Designer & Keramiker. Meine Schwieger-mutter, die dieses Jahr im April leider ebenfalls verstarb, und ein Team aus weiteren kunsthandwerklich Begabten, unterstützten ihn bei seiner Arbeit.

In seinem 1986 in Münster eröffneten Atelier “MILAN Ceramic Art” fertigte er in liebevoller Handarbeit kunstvolle Keramik- und Porzellan-Unikate. Zahlreiche seiner Werke wurden auf ausgewählten Keramikmärkten verkauft, sowie auf Ausstellungen in Europa, Asien, Amerika und Ozeanien ausgestellt.

Neben seinem Atelier in Münster betrieb er weitere Filialen mit unterschiedlichen Projekten in München („MILAN Ceramic Art“), Connecticut („Ceramic Art Manufactur“, USA), Maharashtra (Ceramic Studio, OSHO School of Creative Arts Satyam Foundation, Indien) und Lanzarote („Milan Estudio de Ceramica“, Spanien).
Bis heute ist er für sein einzigartiges Keramik-Kunsthandwerk bekannt und seine handgefertigten Keramiken sind sehr beliebt.

Das wunderbare Videoporträt zeigt meinen Schwiegervater, seine Werkstatt und Arbeit kurze Zeit vor seinem Tod:

Nach Milans Tod wurden viele der Produkte von uns eingelagert. Wir waren uns lange Zeit nicht sicher, ob und wenn ja wo/wie wir die Kunstwerke der beiden veräußern. 2018 haben wir uns dazu entschieden, dass die Keramiken zu schade sind, um in einem Lager zu verstauben und entschieden uns, sie nach und nach der Öffentlichkeit zum Verkauf anzubieten.

Gestern Abend ist nun der erste Schwall an neuen Produkten in den Shop eingezogen. Nachdem wir bisher ausschließlich unseren Keramik Schmuck und die Keramik Öllampen im Shop hatten, sind nun auch die ersten Tassen, Schalen und Teller aus Keramik in den Shop aufgenommen worden. 

Je nach dem wie gut ich voran komme, folgen in den nächsten Wochen und Monaten weitere Schalen, Vasen, Blumenampeln, Tassen, Kannen & vieles mehr.

Jedes der Produkte ist nur ein einziges Mal erhältlich. Sprich: was weg ist, ist weg. Oder “Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.” oder “Wer nicht kommt zur rechten Zeit, der muss sehen was übrig bleibt”. Weitere Sprüche fallen mir nicht ein, ich vermute aber es ist klar geworden, was ich meine 🤣

Wofür eigentlich ne Diagnose?

Ich werde häufiger mal gefragt, warum es mir eigentlich sooo wichtig war, in Bezug auf ADHS eine Diagnose zu bekommen und ob ich einen solchen Stempel wirklich brauche/möchte.

Gerade in letzter Zeit begegnen mir häufiger Menschen, die mir erzählen, dass sie vermutlich auch ADHS haben, aber keine Diagnose brauchen. Das kann natürlich sein. Es gibt da ja ganz individuelle Ausprägungen und Ansätze.

Für mich ist die Diagnose die einzige Möglichkeit gewesen, adäquate Hilfe für meine Probleme zu bekommen. Erst die Diagnose ermöglicht mir den Zugang zu speziellen Therapien (wie die Ergotherapie samt Neurofeedback) und Medikamenten. 

Letzteres hat mir in den letzten 10 Monaten quasi “Superkräfte” verliehen. Fähigkeiten, die für andere Menschen nicht nur alltäglich, sondern auch selbstverständlich sind. Es geht bei ADHS nicht darum, ein bisschen chaotisch und hier und da mal schlecht drauf oder unruhig zu sein. Die Probleme und daraus resultierenden Nachteile gehen für die meisten Betroffenen deutlich darüber hinaus.

Mein Gehirn ist, durch das Ungleichgewicht von bestimmten Botenstoffen wie Dopamin und Noradrenalin, nur eingeschränkt fähig, Aufmerksamkeit zu bündeln und sich und seine Handlungen zu regulieren. Das führt bei mir zu zahlreichen Problemen.

Ohne das Medikament konnte ich mich beispielsweise gar nicht konzentrieren. 100 Produkte zu fotografieren, in zwei Sprachen zu beschreiben usw. wäre für mich vor einem Jahr nicht möglich gewesen. Schon gar nicht in dieser Zeitspanne. 

Ich konnte mich maximal 10 Minuten voll konzentrieren, vergaß alles, das mich nicht völlig begeisterte und war zudem unfähig, Aufgaben regelmäßig zu erledigen, die zwar dazu gehören, mir aber keine direkte Belohnung für mein Gehirn geben (z.B. sowas wie Putzen). Flüchtigkeitsfehler waren an der Tagesordnung. Wir sprechen hier von Fehlern wie 1 + 1 = 4, die ich gleich morgens nach dem Aufstehen machte.

Im Zusammenhang mit den vergangenen, intensiven Arbeitswochen ist mir nochmal aufgefallen, welche unfassbaren Skills ich dank der ADHS-Medikation habe. Als Marius und ich die Texte für Etsy durchgingen, rechneten wir glaube ich beide damit, dass “wie gewohnt” alles voller Fehler sein würde. Das war es dieses Mal aber nicht.

Ich brauchte die Diagnose nicht, um mich irgendwo zugehörig zu fühlen oder mich besonders “divers” zu fühlen, sondern um endlich die Probleme angehen und verstehen zu können, die mich mein Leben lang begleiten und für alle unerklärbar schienen. Insbesondere die Therapeutinnen, bei denen ich war, suchten in meiner Vergangenheit das RIESEN DING, das alles erklärt. Ne miese Kindheit, schlimme Eltern oder irgendein krasses Trauma. Da war aber eben nix, weshalb ich nie wirklich gute Hilfe bekam. JETZT kann ich mir selbst helfen 🌈

WDR zu Gast

Dienstag war ich von viertel nach zehn bis halb vier mit zwei Menschen vom WDR beschäftigt, die mich für den Podcast “Besser so – Leben nach der Entscheidung” interviewt und gefilmt haben. Das Interview selbst fand mit Leon Windscheid statt. Einige kennen ihn möglicherweise als einen der “Wer wird Millionär”-Gewinner, haben eins seiner Bücher* gelesen oder kennen ihn durch den Podcast “Betreutes Fühlen” mit Atze Schröder.

In der geplanten Podcast-Folge erzähle ich über meine “Messie-Vergangenheit” und die (für mich neuen und gleichzeitig wegweisenden) Zusammenhänge in Bezug auf meine ADHS-Diagnose

Interviews für Podcasts (z.B. hier zum Thema Alkohol oder hier zum Thema Authentizität im Internet), das Radio oder Zeitungen (wie zuletzt für die Happy Way) habe ich schon oft gegeben, neu war in diesem Fall allerdings der zeitliche Umfang. Der WDR geht da doch nochmal etwas professioneller vor 😄

Dadurch, dass unsere Wohnung insgesamt sehr minimalistisch ist, war das Wohnzimmer für das Interview zu hellhörig / schallintensiv. Nachdem wir die Ratten bereits ins Büro verfrachtet hatten, bauten wir um meinen Sitzplatz auf der Couch herum Wäscheständer auf und legten Decken darauf (zum Glück haben wir zwei Wäscheständer und ein paar Decken, so ziemlich das Einzige, bei dem wir nicht minimalisiert haben 🤣), um den Schall zu dämmen. 

Ich habe mich ein bisschen wie früher in meiner Kindheit gefühlt, als ich Höhlen, auf ziemlich ähnliche Art und Weise, in meinem Kinderzimmer baute ;-) Letzten Endes halfen die Decken und der Ton war super. 

Nach dem Interview traf ich mich dann mit einer weiteren Mitarbeiterin im Wald, um noch ein paar Instagram Stories aufzunehmen. 

Ich war recht kritisch in Bezug auf das Interview, weil ich in der Vergangenheit mit Interviewanfragen zu meiner Messie-Geschichte bisher keine guten Erfahrungen gemacht hatte. RTL / II, Sat 1 und andere “Klassiker” hatten schon einige Male angefragt, auch “ob ich nicht noch ein paar Messies kennen würde”. Das habe ich alles abgelehnt. 

Ich habe kein Interesse daran, für eine “Skandal-Story” herzuhalten, bin nicht an “Berühmtheit” interessiert und möchte auch nicht in irgendeiner Art und Weise als jemand dargestellt werden, der ich nicht bin. Die Anfrage des “besser so” Teams war die erste seriöse Anfrage in diesem thematischen Zusammenhang. 

Auch meine kritischen Fragen und Bedenken wurden ernst genommen, so dass ich mit gutem Gewissen zusagen konnte und im Interview absolut nicht enttäuscht wurde. Im Gegenteil war das Interview super wohlwollend und tatsächlich auf das fokussiert, was mir wichtig ist: Vorurteile abbauen und eine Inspiration sein.

Ich freue mich, wenn die Folge live geht und gebe euch dann natürlich noch Bescheid.

Wald-Liebe

Auch in dieser Woche sind Marius und ich abends nach Feierabend häufiger in den “Zauberwald” gefahren, weil wir dort besonders gut abschalten können. Der Wald ist jedes Mal unfassbar leer, gerade im Vergleich zum Park hier bei uns vor der Tür. Und überhaupt gibt es jedes Mal viel mehr zu entdecken. Heute Abend waren wir beispielsweise dort und vor uns stand ein Reh. Im Video sieht es soooo weit weg aus, aber es stand nur wenige Meter vor uns. 💜

Auf einer Foto-Tour mit meiner Mama entdeckten wir neben einigen Rehen auch ein paar Wildhasen, ein Specht-Nest, einige Schmetterlinge, wunderschöne Fingerhüte, frische Brennnesselblüten und einen schönen Wald-Sonnenuntergang :-) 

Könnte den lieben langen Tag im Wald verbringen. Mit einem Klick könnt ihr die Bilder vergrößern.

Sieben Jahre

Morgen jährt sich der Tod meines Papas zum siebten Mal. Ich finde diese Zeitspanne völlig unglaublich. Wenn ich an ihn denke, ist er mir noch so vertraut. Unser letztes gemeinsames Foto kommt mir vor, als wäre es vor wenigen Wochen entstanden.

Und klar, obwohl er und die Tatsache, dass er eben nicht mehr hier ist, immer präsent sind: rund um solche Tage wird es manchmal noch mal “realer” oder “bewusster”. Ein endgültiger Verlust hört niemals auf, weh zu tun. Zumindest nicht, wenn man ihn nicht selbst gewählt hat 💜 

Und sonst so?

Feierabend. Diese Woche war ansonsten nix weiter los. Mir reicht es für heute auch. Ich danke euch fürs Lesen und wünsche euch neben einem schönen Rest-Sonntag einen guten Start in die neue Woche.

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