Coffee Break & Stories

Immer wieder Sonntags (67)

Ich bin voll im Alltag angekommen. Vielen Dank der Nachfrage, TschĂŒss 😀 Ne ehrlich. Meine Entspannung ist auf der Arbeit im Grunde nach einer Stunde bereits verflogen gewesen. Es warteten genervte Kunden und unbeantwortete Mails auf mich. Momente, in denen ich meine Kollegin schmerzlich vermisse, weils mit ihr einfach besser und kollegialer lief. Aber muss man durch.

Ich war diese Woche in jedem Fall wieder sehr beschĂ€ftigt mit mir selbst. Bei der Therapie ist mir bewusst geworden, dass es jetzt wirklich reicht und es gut ist, dass nur noch zwei Stunden auf mich warten. „Die Unsicherheit ist das Ziel.“ ging mir am Ende der vorvorletzten Therapiestunde durch den Kopf. Nach Papas Tod vor 3 Jahren hatte ich das GefĂŒhl, nein sogar das dringende BedĂŒrfnis, alles Ă€ndern zu mĂŒssen. Mein Leben, mein Umfeld, meine Beziehung, aber vor allem mich.

Mit der Therapie wollte ich mich etwas „erden“ und selbst finden. Nur das. Ich wollte nicht gleich ALLES in Frage stellen (mĂŒssen). So stand ich nĂ€mlich plötzlich hier, umringt von noch mehr Unsicherheit. Wo gehöre ich hin? Wo will ich hin? Was will ich? Wer bin​ ich? Ist das alles richtig? Auf der Suche nach mir selbst, hab ich mich manchmal beinah verloren. Es war gut so, vielleicht auch nötig, aber es reicht jetzt auch.

Auf die Frage, warum ich eine Therapie mache, hab ich letztes Jahr geantwortet, dass jeder eine gebrauchen kann. Das nehme ich heute zurĂŒck. Ich glaube das nicht mehr. Wirklich nicht. Ich konnte mich extrem weiter entwickeln und mir hat die Therapie geholfen, aber es gibt viele Menschen, die brauchen keine Therapie. Ich hĂ€tte theoretisch auch keine gebraucht.

Weil ich ohne all dieses wöchentliche Hinterfragen von Dingen und Problemen, die gar keine Probleme waren oder sind, und auch ohne das ewige Nachdenken, mehr Leichtigkeit hatte. Es ist total okay, Dinge einfach mal zu nehmen wie sie sind und noch viel wichtiger: zu sein wer man ist. Ohne zu versuchen sich, das Leben und alles andere tot zu optimieren. Was noch nicht okay ist, kann okay werden. Muss aber gar nicht. Da besteht kein Zwang. Aus irgendeinem Grund ist mir das klar geworden, als ich alleine stocksteif „tanzend“ in diesem leeren Raum stand und locker sein sollte und auch glaubte es zu wollen. Ich find tanzen aber doof. Punkt.

Unsicher sein ist ok. Nicht perfekt sein ist ok. Alles ist ok, wenn ichs ok sein lasse. Die Unsicherheit ist das Ziel. Sie umarmen und sagen:
„Du alte, dumme Kuh 😍 Du nervst mich aber du bist auch ganz schön sĂŒĂŸ und mir ans Herz gewachsen. Ich nehm dich an die lange Leine und wir lassen uns beide so sein wie wir sind.“ Amen. 😏

Außerdem habe ich mich, nicht zuletzt dank eines GesprĂ€chs mit Gustav, auch nochmal damit auseinander gesetzt, warum zur Hölle ich eigentlich bei Instagram bin. Denn gerade Instagram raubt viel Zeit und ist in vielerlei Hinsicht total unsinnig und stumpf. Was zur Hölle gibt es mir also, irgendwas wildfremden Menschen zu prĂ€sentieren? Und die Antwort lautet: es ist so viel und doch so wenig.

Einerseits ein Ventil, um manchmal aus der Welt zu fliehen, um sich (anders) auszuleben, um Tiefsinn zu teilen, um Menschen zu unterhalten oder auch aufzuklĂ€ren. Dort gibt es genĂŒgend Abstand zu dem, was im wahren Leben passiert. Es gibt andere Sichtweisen, VerstĂ€ndnis und es gibt BestĂ€tigung. NatĂŒrlich bekomme ich in meinem Leben BestĂ€tigung, aber es ist eben real anders als virtuell. Im Alltag geht BestĂ€tigung oft verloren, im Netz bekommt man sie oft in geballter Form, das bauchpinselt und tut manchmal eben gut. Auch darum geht es also immer ein StĂŒck weit. Wer etwas anderes behauptet, der ist nicht ehrlich zu sich selbst. Behaupte ich zumindest. Denn wenn es darum nicht ginge, könnte ich den Kram ja auch einfach in mein privates Tagebuch pinnen.

Wir alle, die wir uns oder etwas von uns dort prĂ€sentieren, sind auch auf der Suche nach BestĂ€tigung/Aufmerksamkeit. FĂŒr irgendwas. FĂŒr unser Aussehen, unsere Talente, unseren Charakter, fĂŒr unsere Ansichten, unsere QualitĂ€ten als Mutter/Vater, fĂŒr unser tolles Leben, unseren Humor. Wir wollen unser Liebesleben, Familienleben, Singleleben prĂ€sentieren, wollen zeigen, dass wir stark sind oder lustig oder tiefsinnig oder besonders talentiert oder reflektiert oder sexy oder weiß der Geier was.

Das ist okay und gehört irgendwie zu unserer Zeit dazu. Aber es ist auch gut, das immer mal wieder zu hinterfragen und sich kritisch mit seinem eigenen Verhalten auseinander zu setzen, um ein Bewusstsein dafĂŒr zu schaffen. Mir kommt dieses Bewusstsein nĂ€mlich alle paar Monate abhanden und dann sitze ich wieder stundenlang vor diesem verfluchten Scheiß Smartphone und warte darauf, das was passiert.

Aber gerade fĂŒr die Menschen, die man dort kennen lernen kann, lohnt es sich. Und fĂŒr den Austausch, der mit Gleichgesinnten statt findet. Denn auch das ist möglich. Wenn ich z.B. an die FreiTalks in den „Live Stories“ bei Instagram denke, in denen ich gemeinsam mit völlig fremden Menschen geweint, gelacht, philosophiert und diskutiert habe, dann war das ganz schön wertvoll. Im „Real Life“ kommt man selten in eine Situation, in der man sich mit so vielen unterschiedlichen Menschen so ungezwungen ehrlich und tiefsinnig austauschen kann. Neben all dem plumpen „Penis-Scheiß“ (hallo, Mamamulle) ist das verdammt wertvoll. Und die Menschen die man kennen lernt sind es auch. Zumindest ein paar.

Genug tiefsinniger Kram, kommen wir zu den wichtigen Dingen des Lebens: Marius und ich haben geheiratet. Zu herrlich! Im Urlaub standen wir plötzlich vor einem Standesamt und Marius wollte, dass ich uns da mal einchecke, damit wir schauen können, was passiert. Die Leute, die uns wirklich kennen wussten: „NEVER! EVER! WĂŒrden die beiden das tun.“ aber es gab auch etliche, die uns fĂŒr voll genommen haben und durch das reine einchecken und ein „Wir feiern diesen besonderen Tag“ glaubten, wir hĂ€tten heimlich in Schieder-Schwalenberg abends um 18:30 Uhr geheiratet.

Und dann kam der Tag, an dem ich unseren Beziehungsstatus bei Facebook auf „Es ist kompliziert“ gesetzt habe. Nur um eine gesellschaftliche Kackstudie durchzufĂŒhren. In Kombination mit der Hauptstadtlehrer-Liebes-Show auf Instagram (sorry, wer nicht da ist, der checkts leider jetzt nicht) habe ich viele Privatnachrichten erhalten.“Ist alles ok bei Euch?“ „Habt Ihr Euch getrennt?“ „Was ist los?“ „War das mit dem Hauptstadtlehrer doch ernst?“ „Ist Marius eifersĂŒchtig“ oder einfach nur einer dieser dummen Smileys mit offenem, erschrockenen Mund. Wegen einem verfluchten Status auf Facebook. Als ob ich sowas jemals auf diese Art und Weise öffentlich machen wĂŒrde. Als ob ich ĂŒberhaupt Probleme mit Marius öffentlich machen wĂŒrde, wenn wir welche hĂ€tten. Das ist auf soooo vielen Ebenen so bescheuert, dass ich dem eigentlich einen ganzen Artikel widmen könnte. Hab ich aber keinen Bock drauf 😀

So. Dann. Was gabs noch? Am Freitag waren Freunde hier und wir haben Sangria und Kolokithokeftedes (Zucchini-Puffer 😀 ) selbst gemacht. Samstag waren wir dann drĂŒben bei unseren Lieblingsfreunden zum fröhlichen Plaudern. Das war mal wieder toll. Manchmal vergisst man, was fĂŒr tolle Menschen gleich nebenan wohnen bzw. vor allem, wie gut es tut sie regelmĂ€ĂŸiger zu sehen.

Ich war noch beim Sport, wir waren Einkaufen und den Rest der Zeit hab ich extrem viel fĂŒr den Blog recherchiert und geschrieben. Momentan stehen noch fĂŒnf Artikel in der Pipeline und das macht mich immer etwas nervös, weil ich eigentlich gern alles SOFORT erledige.

FĂŒr heute ist nicht mehr viel geplant. Wir dĂŒsen gleich ins Heim zu Marius Mama und treffen uns da mit einer Freundin, danach wollen wir ein Eis essen und mĂŒssen uns noch um ein paar geschĂ€ftliche Sachen kĂŒmmern uuuuund Spargel kochen. Reicht fĂŒr nen Sonntag dann auch.

|Gesehen| Get out (Naaja, der Trailer war fast das tollste am Film, hatte mehr erwartet) und die letzte Folge der 3. Staffel von Bosch*
|Gehört|das „This is Acting*“ Album von Sia rauf und runter, war mir irgendwie nach
|Getan| geÀrgert, im Alltag angekommen, Freunde getroffen, Sangria selber gemacht, gekocht, gelacht, geweint, gesonnt
|Gegessen| Zucchini Puffer, lecker Spargel, Tomate-Mozarella, Salat, GemĂŒsepfanne
|Gedacht| siehe oben 🙂
|Gefreut|Â ĂŒber Freunde-Zeit, nachtrĂ€gliche Geburtstagsgeschenke, tolle GesprĂ€che und VerstĂ€ndnis
|Gelesen|nichts
|GeÀrgert|unkollegiales Verhalten 
|Gekauft| neues T-Shirt aber sonst nix
|Geliebt| gute GesprÀche, selbstgemachten Sangria, ein GlÀschen Wein auf zwei auf drei
|GetrĂ€umt|wieder nur verrĂŒckte Scheiße. Unter anderem, dass hier vor der TĂŒr ein fetter Unfall war und wir stunden ĂŒberlegt haben, ob wir den Krankenwagen jetzt rufen sollen.
|Geklickt|nur das ultra leckere Rezept
|Geschrieben| da kam diese Woche was zusammen! Es gab den #mindfulmonday mit Augen- und Ohren Yoga, den #herzerfrischer KW18, viele neue Rezepte zum Kosmetik selber machen mit Mineralerde uuund Ausflugstipps fĂŒr Bad Driburg
|Geplant| Morgen verflucht nochmal endlich laufen, Dienstag und Donnerstag zum Sport, den Artikel fĂŒr die „Happy Animals“ von Clarissa fertig bekommen, am Wochenende endlich mal wieder zu Carina (AnnaLyse) fahren, Urlaub fĂŒr Juni in Berlin planen und mir aufschreiben, welche Termine ich habe. Werde nĂ€mlich alt und vergesse immer mehr …

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Über den Autor

Die Checkerin

Frohnatur! – Freak! – Philosophin!
Kommt selten schnell auf den Punkt, trifft aber irgendwann trotzdem den Nagel auf den Kopf.

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