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Aus dem Leben Gedanken

Meine erste Woche mit ADHS-Medikament

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Freitag, den 11. September 2020 bin ich nicht nur fünf Jahre rauchfrei gewesen. Ich habe an diesem Tag zum ersten Mal mein ADHS-Medikament genommen. Einige von euch und meiner „Lieblingsmenschen“, haben bemerkt, wie wichtig das für mich ist, waren ein bisschen mit aufgeregt und wollten en Detail informiert werden, wie mein erster Tag mit dem Medikament war. Bei meinen engsten Vertrauten habe ich die Infos sofort raus gehauen, alle anderen Interessierten mussten bis heute warten :-)

Tatsächlich war und ist es für mich eine große Sache, ein solches Medikament zu nehmen. Das „krasseste“ was ich bisher genommen habe, war ein Antibiotikum und das auch nur, wenn echt gar nichts mehr ging.

Medikamente bekämpfen für gewöhnlich vor allem die Symptome einer Krankheit. Das ist hilfreich, aber ich bin insgesamt eher Fan davon, die Ursachen zu sehen und anzugehen. Im Fall meiner ADHS sind die Symptome für meinen Alltag allerdings so problematisch, dass ich erstmalig das Gefühl hatte, Medikamente können mir WIRKLICH einen Vorteil verschaffen.

Nachdem nun alle Blutwerte, das EKG und andere Test positiv ausgefallen sind (YAY!), konnte ich letzte Woche Freitag loslegen.

Ich war echt tierisch aufgeregt und hab durchaus auch Angst gehabt. Immerhin fallen die, im (verschreibungspflichtigen) Medikament, enthaltenen Inhaltsstoffe unter das Betäubungsmittelgesetz und werden teilweise als Drogen missbraucht. Das erzeugt bei mir, als jemand der mit derlei Substanzen noch nie im Leben Kontakt hatte, gehörigen Respekt.

Nachdem ich die Pille, die auch noch „lustig pink“ ist (was ich total unpassend finde), runtergeschluckt habe, war mir wirklich erst mal sehr komisch. Ich wusste überhaupt nicht, was ich zu erwarten habe. Das Medikament ist erst seit Anfang 2019 zugelassen und insgesamt sind die Erfahrungen damit völlig unterschiedlich.

Ich habe morgens versucht mich abzulenken, damit ich nicht zu sehr auf etwas warte oder Schiss habe – das hat immerhin mittelgut funktioniert. Nach rund 30 Minuten spürte ich, dass sich in meinem Körper was tut.

Es fühlte sich anfänglich ein bisschen so an, als hätte ich nen Schluck zu viel Sekt getrunken, aber auf diese lustig-kribbelige Art und Weise. Im Verlauf des Tages, insbesondere im Rückblick, war die Wirkung des Medikamentes relativ sanft, aber doch spürbar und authentisch zu mir passend.

Das war nämlich eine meiner größten Ängste, dass die Wirkung nicht zu mir passt, irgendwie fremd oder aufgesetzt wirkt und etwas in mir erzeugt, das mir nicht entspricht. In den letzten drei Tagen war das aber nicht so. Ich bin die Alte, nur mit „optimierten Skills“ :-)

Auffällig ist, dass ich insgesamt konzentrierter, fokussierter und präsenter reden, denken und handeln kann. Mein Kopf fühlt sich viel geordneter, weicher an und ich kann klarer Gedanken fassen. Das zeigt sich auch darin, dass sich meine Stirn nicht mehr ständig kräuselt, weil ich mich im Normalfall auf alles sehr konzentrieren muss.

Marius kann mehr als zwei Sätze mit mir reden, ohne dass es mir zu viel wird und ich kann länger als fünf Minuten konzentriert an einer Sache arbeiten, ohne dass ich sofort „durch“ bin. Nach einem anstrengenden Tag bin ich immer noch klar im Kopf, nicht so müde oder kaputt und ich kann mich sogar noch auf Komplizierteres konzentrieren. Normalerweise ist es so, dass ich, wenn ich z.B. morgens viel komplizierte Kopfarbeit mache, danach nicht mehr „zu gebrauchen“ bin.

Außerdem fühle ich die alte „Frohnatur“-Sandra wieder aufkeimen. Gerade die letzten Monate war ich insgesamt oft deprimiert und depressiv verstimmt. Ich habe viel geweint, gegrübelt und mich schlecht gefühlt. Die letzten Tage war da eine sanfte Euphorie, mit der ich mich wieder mehr wie ich gefühlt habe.

Und zu guter Letzt war ich die letzten Tage deutlich motivierter und dadurch auch aktiver. Letzteres ist ja, neben der Konzentrationsproblematik, mit das Wichtigste. Bisher ist das Meiste positiv für mich. Allerdings nehme ich das Medikament ja auch erst seit fast einer Woche :-)

Bisherige Nebenwirkungen: Lediglich das leicht wackelige Gefühl im Körper und ein manchmal erhöhter Puls, empfinde ich als etwas unangenehm. Gerade die ersten sechs Stunden des Tages fühlt es sich an, als hätte ich permanent Kreislaufprobleme. Das soll sich aber noch ausschleichen und ist für mich zudem aushaltbar, weil die positiven Sachen überwiegen.


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