Immer wieder Sonntags


Immer wieder Sonntags 144

Danke für Euer Feedback zu „Immer wieder Sonntags“ letzte Woche. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass Euch das emotional so mitnimmt und sich so viele darin wieder finden. Umso schöner war es, zu sehen, dass ich mit diesen Gefühlen nicht alleine bin. Ich hab mich über jede Nachricht und jeden Kommentar sehr gefreut.

Ich spürte in dieser Woche vor allem Klarheit und die absolute Gewissheit, auf dem richtigen Weg zu sein. Das tat gut.


Diese Woche gibt es ansonsten gar nicht soooo viel zu berichten wie sonst. Ich hab das Logo vom Blog neu designed und angepasst. Und entgegen meiner Aussagen von letzter Woche, kaum freie Zeit gehabt. Einerseits sind noch kurzfristig Aufträge dazu gekommen, andererseits sind bei der Bearbeitung meiner Dokumente (mal wieder, aber es sind wirklich alles nur Einzelfälle …) so unendlich krasse Fehler gemacht worden, dass das existenzbedrohend war und mir unnötig Zeit geraubt hat. Mir wurde ein wichtiges Datum falsch genannt. Das Datum ist ungefähr so wichtig, wie der Termin zur Abi-Klausur. Geht man nicht hin, isses vorbei.

Von dem Fehler erfuhr ich Mittwoch, als wir in Werne waren und keine Möglichkeit zur Reaktion hatten. „Oh, Frau Lorenz. Das Datum ist falsch. Ich hab jetzt (nach vier Wochen und kurz vor dem Stichtag) nochmal nachgeschaut.“ – „Aber ich hatte Sie extra gebeten das nochmal genau zu überprüfen?!“ „…“. Das erfährt man also gegen 14:00 Uhr, wenn in Wuppertal alle städtischen Institutionen schon Feierabend haben :-) Oh, ich hatte SO gute Laune. Gott sei Dank gibt es auch noch Menschen, die was von ihrem Job verstehen, so dass ich den Fehler einer anderen Person Donnerstag ausbügeln konnte. Obwohl bei der Stadt alle Termine bis Mitte Januar vergeben sind. Ich hätte die Frau am liebsten geknutscht vor lauter Dankbarkeit.


Dienstag gab es den Selbstliebe-Impulsworkshop bei Magdalena. Den hab ich mittlerweile fünf oder sechs mal gemacht, aber ich nehme immer noch an jedem Abend unwahrscheinlich viel für mich mit. Dieses Mal die Erkenntnis, dass meine Angst vor dem Loslassen (wobei mir gerade „vor mir/meiner Selbst“ in den Sinn kam) auch mit sehr viel Scham behaftet ist. Mit der Angst davor, so zu sein, wie man ist. Mit der (oft unbegründeten und irrationalen) Angst, abgelehnt oder ausgelacht zu werden. In  vielen Bereichen meines Lebens, insbesondere wenn es um Zwischenmenschliches geht, nehme ich mich zurück.

Das Tanzen ist da das simpelste Beispiel. Ich hatte Euch ja schon oft davon erzählt, dass ich früher maximal mit 3 Promille getanzt habe. Meine Scham war so groß, dass ich auf gar keinen Fall über meinen Schatten springen konnte. Ich war nicht in der Lage und schämte mich sogar fremd, wenn andere z.B. in der Disco tanzten. Mich im Takt zur Musik zu bewegen war undenkbar. Jetzt bei den Workshops klappt es einigermaßen und ich verspüre insgesamt immer mehr Sehnsucht danach zu tanzen, aber das Gefühl, innerlich einzufrieren, wenn ich tanzen soll, ist immer noch da. Weil ich Angst habe, (nochmal) ausgelacht zu werden. Das nochmal jemand sagt „Mein Gott, Sandra. Was bist Du ungelenk.“ oder „Du bewegst dich wie ein Mann.“

Und so ist es in vielen anderen Bereichen auch. Alles, bei dem ich Angst vor Ablehnung habe, habe ich eingestellt. Es ist mir „lieber“ darauf zu verzichten, als mir die eventuellen Blöße der Ablehnung zu geben. Das Tanzen ist da noch das trivialste, auf das ich verzichte. Ein Thema, dessen Angang und Auflösung für mich definitiv ansteht, um frei zu sein und frei zu leben. Um der Mensch zu sein, der ich bin.


In der Insta-Story hatte ich kurz davon erzählt, dass Marius und ich dieses Jahr unverhofft Heiligabend ganz alleine verbringen werden. Die Resonanz darauf hat mich irgendwie schockiert. Ich hatte Nachrichten im dreistelligen Bereich im Postfach. „Oh, wie ich Euch beneide.“ „Ach wie toll, ich wünschte, wir könnten das auch“ „Ich hasse Weihnachten und hab echt null Bock. Wäre auch gern alleine“ und dann die andere Seite „Ich wäre froh, wenn ich mit meiner Familie feiern könnte.“ „Ich bin Weihnachten, wie jedes Jahr, ganz alleine und ich hasse es.“ usw.

Insgesamt ist mir dabei nochmal aufgefallen, wie irrsinnig das alles ist. Weihnachten ist, genauso wie der Valentinstag, Ostern & Silvester („Aber es ist doch Silvester!“ mein Artikel zum Thema), sowie die damit verbunden Bräuche eine Erfindung der Menschheit. Irgendjemand hat sich irgendwann mal ausgedacht, dass wir zu Weihnachten nicht bloß an die Geburt Christi erinnern, sondern uns, wie die heiligen drei Könige, mit Kostbarkeiten beschenken. Irgendjemand hat sich den Weihnachtsmann ausgedacht, das Christkind, den geschmückten Tannenbaum usw.

Dabei ist es jeweils nur einer von 365 Tagen im Jahr. Ein ganz normaler Tag. Man MUSS gar nichts. Schon gar nicht, zu einem bestimmten Tag glücklich sein oder das machen, was alle anderen tun oder für richtig halten. Man muss sich auch nicht traurig fühlen. Das passiert in unserem Kopf und wird durch die gesellschaftlichen Bahnen vorgegeben. Aber wir müssen uns nicht gesellschaftlich formen lassen. Und genauso wenig müssen wir an Weihnachten traurig sein oder uns quälen.

Ich gebe mich diesem „Gruppenzwang“ natürlich genauso hin. Ich hänge auch an einigen Brauchtümern und Traditionen, glaube dass etwas so sein muss, weil es immer so war. Aber je mehr ich mich damit auseinandersetze und je mehr ich mich aus diesen gesellschaftlichen Zwängen befreie, desto mehr kann ich aufatmen.

Meine „Silvester-Befreiung“ (oben verlinkt) ist das beste Beispiel. Mit Marius Silvester zu zweit locker angehen zu lassen und nicht ständig das Gefühl zu haben, dass was mega geiles passieren muss, war so heilsam. Ich habe seit dem maximal vor Freude zu Silvester geweint.

Und so ähnlich ist es wahrscheinlich auch mit Weihnachten (oder z.B. meinem Geburtstag). Wenn man sich einfach von den Erwartungen und dem „Muss“ befreit, wird es besser. Genau deshalb freue ich mich auch so sehr auf die neue Art von Weihnachten, die ich dieses Jahr erleben darf. Darauf, mit Marius wandern zu gehen, lecker zu essen und eine schöne Zeit zu haben. Ohne Geschenke, ohne Stress, ohne Muss. Es ist auch das erste Jahr überhaupt, in dem wir zu Weihnachten nicht für jemand anderen arbeiten müssen. Die letzten Jahren haben wir den ganzen Dezember über gearbeitet und bis 17:00 Uhr im Büro gehangen. In einem Betrieb, bei dem ab Dezember das Telefon vielleicht 5 x geklingelt hat und ansonsten nichts los war. Wie ich dieses Zeit absitzen gehasst habe. Aber auch das ist ja vorbei :-)

Natürlich vermisse ich das Weihnachten aus meiner Kindheit (auch wie Weihnachten sich verändert hat hab ich ja ausgiebig besprochen) an manchen Tagen. Natürlich vermisse ich manchmal die Tradition, mit meiner Familie am 2. oder 3. Advent gemeinsam einen Tannenbaum zu schlagen. Natürlich wünsche ich mir manchmal, dass wir einfach alle zusammen irgendwo in einer einsamen Hütte in den Alpen hängen und besinnlich-schön-muckelig zusammen sind. Aber das ist eben vorbei. Das Leben verändert sich und Veränderung ist eigentlich immer gut, weil es weiter geht.


Ein Highlight war diese Woche der lang ersehnte „Monkey Monday“ bei Bunte Burger*. Der letzte Monkey Monday war im Februar (HIER hab ich was dazu geschrieben) und wir haben echt sehnlichst auf ein neues Datum gewartet. Wenn wir mal essen gehen, dann mögen wir es gern etwas ausgefallener und schicker. Unseren Ansprüchen gerecht zu werden war als „Fleischfresser“ oft schon schwierig (da fanden wir hier in der Umgebung z.B. das Scarpati in Wuppertal am besten). Aber jetzt als Veganer findet man wirklich gar nichts in der Nähe, wo man einfach mal so hinfahren kann, um einen schönen Abend zu verbringen.

Hier in Wuppertal gibt es ohnehin nur einen rein veganen Anbieter, der macht aber a) um 16:00 Uhr zu und geht b) eher so in Richtung „bei Mama mit alle Mann inne Küche sitzen“. Ist auch mal ganz nett, aber halt leider nicht für nen schickeren Restaurantbesuch geeignet.

Der Monkey Monday hält aber genau das bereit, was wir gesucht haben und uns generell von einem solchen Abend wünschen: Vegane haute cuisine, leckeren (natürlich veganen ;) ) Wein, eine wirklich herzliche und sympathische Atmosphäre, ein freundliches und flinkes Team, angenehme musikalische Untermalung und eine saubere Umgebung. Ich wage zu behaupten, dass man hier in NRW nirgendwo sonst so gehobene, pflanzliche Küche aufgetischt bekommt. Ich hab es jedenfalls bisher nicht erlebt oder gesehen.

Für die 5-Gänge zahlt man 55€ pro Person zzgl. Getränke. Meist landen wir bei um die 130€ für einen Abend (am Freitag z.B. inkl. einer Flasche Wein, zwei Cola, einem Kännchen Tee und einem Espresso). Sowas gönnen wir uns ab und zu ganz gerne und ich find die Preise, für das was man geboten bekommt, mehr als human.


Ansonsten gab es diese Woche nichts weiter, das hier her gehören würde. Es schneit heute und deshalb werden Marius und ich nach dem Frühstück unseren ersten Schneespazierganz dieser Saison machen. Und heute Abend steht dann der Tanzworkshop* bei Jessika an. Sie hat angekündigt: „Ich führe Dich zu Deinem ganz individuellen Tanz und zur Entdeckung Deiner Einzigartigkeit. Du wirst Deine ungeliebten und versteckten Seiten wohlwollend beleben und befreien.“ und ich bin ein bisschen aufgeregt. Erzähle Euch dann natürlich nächsten Sonntag wie es war :-)

Aphorismus der Woche:

Wo der Wein eingeht, geht die Scham aus.

|Gesehen| Schneeeee!
|Gelesen| EchtzeiT – Leid kennt keinen Sonntag*
|Gehört| Amazon Music* Weihnachts Playlist
|Getan| gearbeitet, gekocht, geredet, gegessen, genossen, gelacht, gedacht, gefreut
|Gegessen| siehe oben und Was essen wir heute
|Gefreut| über so leckeres Essen, über Schnee und über Menschen, die geholfen haben
|Geärgert| über diesen Hick Hack
|Gewünscht| dass EIN EINZIGES MAL jemand keinen Fehler bei der Bearbeitung irgendwelcher Sachen macht. 
|Gekauft| Medikamente* für Bongo, den einzigen und besten Dokumentenscanner dieser Art (mein Büro wird nämlich Papierfrei und Ordnerfrei, YEAH!), einen Mini-Raclette-Grill* und ganz viel Raclette-Käse bei Vegusto*
|Geliebt| Erkenntnisse! Schnee! Immer mehr Freiheit!
|Geschrieben| über Vanillekipferl und Laktoseintoleranz und Was essen wir heute
|Geplant|Weihnachtsessen-Alternative überlegen (ich wollte eigentlich nicht selber kochen aber alles, was das ermöglichen würde und einigermaßen gut ist, ist ausverkauft), Projekte weiter bearbeiten, mein erster Königinnen-Workshop und Räuchern bei Lexa

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Über den Autor

Die Checkerin

[Sinnn­flu­en­cerin]
Person, die [in sozialen Netzwerken] Menschen mit großer Vorliebe zum Nachdenken anregt und mit unterschiedlichen Themen inspiriert

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