Immer wieder Sonntags


Immer wieder Sonntags 170

|Aphorismus der Woche|

Auch die inneren Werte des Menschen sind Ansichtssache.
© Erhard Horst Bellermann

|Gesehen| Murder Mystery“ (leider zu 0% mein Geschmack & Humor)
|Gehört| Königin & Samurai
|Getan| gearbeitet, geredet, gelesen, gelernt, genascht, geärgert
|Gegessen| es gab Beyond Meat Sausages, Nudelsalat, Erdbeer Rucola Salat, CousCous mit Minze und Datteln
|Gefreut| über einen „bookcrossing“ Fund und viel leckere Schokolade und zwei neue Kleider (geschenkt!) :-)
|Gelesen| weiterhin „Ich bin viele*“ (WIRKLICH sooo großartig! Nochmal: wenn ihr es gebraucht irgendwo findet, kauft es Euch)
|Geärgert| über Menschen
|Gekauft| das Hörbuch zu „Königin und Samurai*“, das Hörbuch zu „Gespräche mit Gott*“ (nachdem viele von Euch mir das Buch seit Jahren empfehlen, gebe ich ihm endlich eine Chance ;-) ), Rhododendron Cp. Salbe*, Hekla lava e lava C 6 *, eine Bandage* für meinen Fuß und in der Metro die Beyond Meat Sausages
|Geliebt| Gespräche und Zeit mit Marius
|Geträumt| erinnere mich dieses Mal nicht
|Geklickt| dieses berührende Tanzvideo, die vielen Artikel und Reaktion zur „Hunde-Grill Aktion“ von Peta und diesen guten Kommentar dazu
|Geschrieben| über drei Monate ohne Smartphone Stress


Beginnen möchte ich diese Woche mit dem, was mich (gedanklich) am meisten beschäftigt hat. Zumindest von den Sachen, die ich bereit bin hier zu teilen :-) Es war der folgende Kommentar, auf meinen Beitrag zum Todestag meines Vaters und die damit verbundene Thematik:

Auf Instagram habe ich dazu schon ein längeres Video gedreht, ich möchte aber auch hier nochmal was zu der grundlegenden Thematik sagen: ich finde es regelrecht zum Kotzen, dass Menschen dazu neigen, ständig alles gegeneinander aufzuwiegen. Das eine für besser, wichtiger, richtiger, nachhaltiger, … zu halten, als das andere.
Erst vor ein paar Tagen sprach ich noch mit Marius darüber, wie oft mir gesagt wurde, dass meine Oma verständlicher Weise viel mehr unter dem Tod meines Vaters leidet, weil er ja ihr Sohn ist und dass ich das aber nicht verstehen kann, weil ich keine Kinder habe (hatten wir das Kinder-Thema nicht erst letzte Woche hier ?). Oder wie häufig ich höre, dass behauptet wird, wahre Liebe würde man erst verstehen, wenn man Kinder hat. Das bedeutet im Umkehrschluss ja, dass jemand, der keine Kinder bekommen kann oder keine Kinder haben möchte, nicht so trauern kann/ nicht so lieben kann, wie Eltern.

Da wird also einer großen Gruppe von Menschen einfach ihre Trauer und ihre Liebe abgesprochen, weil vielleicht die Bindung zu Kindern eine andere ist, als zu dem Partner. Aber was ist eigentlich umgekehrt? Haben nur Eltern eine andere Bindung zu ihren Kindern (und dürfen deshalb um sie trauern), aber Kinder dürfen nicht um ihre Eltern trauern weil „das ist ja der Lauf des Lebens“ und außerdem muss man sowieso erst mal abwarten, bis man Kinder hat? Und ist der Tod meines Opas mit 66 weniger schlimm oder weniger wert, als der Tod eines Kindes, weil er sein Leben schon gelebt hat und das Kind seines noch vor sich hatte?

Bei meinem Opa bin ich ganz oft gefragt worden „Wie alt war er denn?“ und wann immer ich „66“ gesagt habe, hörte man ein „Oh, ja, hm, da hatte er ja noch ein bisschen.“. Als wäre es besser gewesen für mich oder ihn, wenn er 20 Jahre älter gewesen wäre. Nach der selben „Logik“ wäre also der Tod meines Vaters noch schlimmer gewesen, als der Tod meines Opas, weil mein Vater ja immerhin 20 Jahre jünger war. Alles größter Bullshit. Ich finde dieses gegeneinander aufwiegen, abschwächen, vergleichen, absprechen usw. einfach völlig daneben. Egal um was es geht.


Dem Ganzen schließt sich dann noch an, dass man es niemals allen Recht machen kann. Selbst wenn man glaubt, zumindest bei diesem einen Thema würde niemand auf die Idee kommen, seinen geistigen Dünnschiss breit zu treten: es gibt diese eine Person eben doch. Jedes Mal. An manchen Tagen macht mich das wirklich wütend. Gerade wenn man dann noch irgendwo liest, dass man sich all das doch ausgesucht hat, weil man „in der Öffentlichkeit steht“ und es sich deshalb auch gefallen lassen muss / damit klar kommen muss.

Wenn man diese Logik umdreht würde es ja bedeuten, dass ich jeden Menschen, den ich draußen auf der Straße treffe, beleidigen, belehren oder das Verhalten/Aussehen kommentieren darf. Macht nur eben auf der Straße kein Schwein. Und warum? Weil sich die meisten Leute sogar zu schade sind, um sich gegenseitig zu grüßen, wenn sie sich draußen begegnen. Auf der Straße bekommt niemand den Mund auf.

Die Anonymität im Internet lädt dazu ein, Grenzen zu überschreiten und fröhlich einfach überall alles los zu lassen, das man los lassen möchte. Weil man alleine vor dem PC/Smartphone sitzt und sich sicher fühlt. Es kommt einem bedeutungslos vor. Ich klatsch hier und da meine Meinung hin, dafür sind Nachrichten und Kommentare schließlich da. Wer online was schreibt, der muss auch damit rechnen, das jemand antwortet. Man kann ja nicht nur Follower haben, die einem nach dem Mund plappern. Aha! Es herrscht eine gewisse Überheblichkeit, die mir an manchen Tagen wirklich gehörig auf den Sack geht.

Man kann, darf und soll ja unterschiedlicher Meinung sein, aber gibt es im Internet für alle einen anonymen Freifahrtschein, weil es Menschen gibt, die ein Stück weit freiwillig in der Öffentlichkeit stehen? Natürlich nicht. Man muss nicht alles schlucken und gut finden, nur weil man online greifbar ist. 


Fernab dieser „Aufreger“, gab es diese Woche noch ein paar weitere. Nicht von jedem Aufreger kann/will ich hier berichten, aber zumindest von meinen Erfahrungen in Bezug auf die (mal wieder) grenzenlose Freundlichkeit der Rezeptionistinnen bei Orthopäden. Ich habe diese Woche höllische Schmerzen an meinem gebrochenen Fuß gehabt und etwas Schiss, dass es vielleicht Probleme mit dem Sprunggelenk sind. Deshalb versuchte ich als Schmerzpatientin einen Termin zu bekommen. Nach sechs Telefonaten, bei denen ich überall völlig frech abgelehnt wurde, gab ich dann auf.

Die Unzufriedenheit der Mitarbeiterinnen sprang eine förmlich durch das Telefon an. Ich finde das soooo schade. Wenn jemand weiß, wie es ist, einen Job zu machen, den man hasst, dann definitiv ich. Ich wollte NIE Zahnarzthelferin werden, war völlig unglücklich in diesem Job und dennoch habe ich drei Jahre Ausbildung durchgezogen und sogar noch ein weiteres Jahr dort gearbeitet. NIEMALS habe ich meine Unzufriedenheit oder meine Launen an einem Patienten ausgelassen. Dafür kann ich beide meiner Hände ins Feuer legen. Wahrscheinlich ist mein Unverständnis und Mitgefühl dahingehend auch deshalb so gering. Wir haben in Deutschland (meist) das Glück, eine Wahl zu haben. Wir müssen nicht in unserem Job versauern, können was anderes suchen oder nochmal ganz neu anfangen. Niemand wird gezwungen, einen Job zu machen, den er hasst. Es gibt fast immer eine verdammte Wahl. Ich finde es verantwortungslos, sich Menschen gegenüber so zu verhalten. Ganz besonders, wenn man jemanden vor sich hat, der einem selbst freundlich gegenüber tritt.

Ich hab mich am Telefon sogar dafür entschuldigt, dass ein Termin im September für mich nicht passt (DAS ist typisch ich :-D ) und ich mich dann lieber an jemand anderen wende. Und trotzdem gab es nur unfreundlichen Blödsinn zu hören. Das find ich sooo ermüdend und schlimm. Man fühlt sich als Patient schlecht, weil man anruft und fragt, ob man mit Schmerzen morgens vorbei kommen kann. Als wäre es die frecheste Frage der Welt. Ich war abends völlig gefrustet und hab mich erst nicht mal getraut, am nächsten Tag einfach zu irgendeinem Orthopäden zu gehen und mein Glück so zu versuchen.

Die Praxis, die ich mir dann aussuchte, ist bei Google mit 2,4 Sternen bewertet. Überall steht, sie würden Schmerzpatienten nach Hause schicken. Als ich Freitag an der Rezeption stand, hatte ich vor Schiss wirklich fast Tränen in den Augen. Ich hätte vermutlich vor lauter Stress angefangen zu weinen, wenn sie mich abgelehnt hätten. ABER! Das haben sie nicht. Entgegen all meiner schlimmsten Befürchtungen und der Erfahrungen am Vortag waren sie super freundlich. Ich musste zwar drei Stunden warten, aber darauf war ich, mit einem guten Buch, viel Trinken und einem kleinen Frühstück, eingestellt :-)

Meine Befürchtungen in Bezug auf meinen Fuß haben sich zum Glück nicht bestätigt. Statt dessen meine selbst schon gemachte Diagnose: oberer Fersensporn und Entzündung der Achillessehne. Die akute Entzündung ist wahrscheinlich eine Folge meiner angepassten „Morgenroutine“ von letzter Woche, deren Fokus u.a. auf den Beinen lag und bei der die Umstellung, gerade nach den fast drei Wochen Zwangspause wegen meiner Erkältung, zu schnell erfolgte. Nach zwei Tagen Ruhe hat sich mein Fuß aber zum Glück wieder ganz gut erholt.

Leider bedeuteten die zwei Tage Ruhe auch, dass ich meine gesamten Termine fürs Wochenende absagen musste. Freitag war ich eigentlich mit meiner Mama zum „Wandern“ verabredet, Samstag stand das Fotoshooting mit dem Rising Women Tribe an und heute wollte ich eigentlich auch unterwegs sein. Da die letzten Tage aber wegen anderer Probleme auch viele wichtige Sachen liegen geblieben sind, war es letzten Endes trotzdem gut, weil wir so das Wochenende zum Abarbeiten nutzen konnten bzw. können.

Das ist auch das, was für heute noch übrig bleibt. Buchhaltung, Aufträge abarbeiten, Papierkram erledigen aber es wird heute Abend auf jeden Fall auch noch ne kleine Waldrunde geben. Es gab diese Woche übrigens auch ein paar positive Seiten zu entdecken ;-) Donnerstag war ich bei Das Bernsteinzimmer und hab vegane Schokolade für das Herzfeuer FrauenSommerFestival Sinnesritual besorgt. Solvejg (der die Manufaktur gehört) hat mir noch zwei ihrer Kleider geschenkt, darüber hab ich mich sehr, sehr gefreut. Außerdem hab ich mich gefreut, dass meine Oma sich so gefreut hat. Sie hatte Donnerstag Geburtstag und Marius und ich haben ihr als kleine Überraschung Blumen nach Hause geschickt.

Achja, Freitag haben Marius und ich die Beyond Meat Würstchen ausprobiert und waren hellauf begeistert. Das Fleisch-Patty kannte man ja schon und war entsprechend nicht sehr überrascht, die Würstchen allerdings haben uns richtig vom Hocker gehauen, weil sie SO unfassbar krass echt schmecken. Es ist einem fast schon „zu echt“ und so langsam verstehe ich, was manche damit meinen, wenn sie genau das über veganes Essen sagen :-)

Und das war es dann eigentlich auch an teilbaren Gedanken zu meiner Woche! Ich wünsche Euch einen wunderschönen Rest-Sonntag!

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Über den Autor

Die Checkerin

[Sinnn­flu­en­cerin]
Person, die [in sozialen Netzwerken] Menschen mit großer Vorliebe zum Nachdenken anregt und mit unterschiedlichen Themen inspiriert

2 Kommentare

  • Liebe Sandra,

    ich kann deine Verärgerung über den Kommentar, dass es der Lauf des Lebens ist, dass Eltern vor ihren Kindern sterben und es erst dann schlimm wird, wenn es umgekehrt passiert., verstehen. Liebe und auch Trauer lassen sich nicht messen und nicht vergleichen. Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“, kein „zu lang“ oder „zu kurz“ und man kann kinderlosen Menschen keine Gefühle absprechen, nur weil sie keine Kinder haben. Völliger Bullshit.

    Dennoch bin ich der Meinung, dass der Tod eines (Groß-)Elternteils anders verarbeitet werden kann wie der des eigenen Kindes. Nicht der größeren Liebe wegen, sondern weil die Mehrzahl der Menschen die Erfahrung machen müssen, die Eltern zu verlieren – im Vergleich zu denen, die den Tod des eigenen Kindes betrauern. Menschen, die ihre Eltern verlieren, haben eine viel größere Chance auf andere Menschen zu treffen, die diese Erfahrung auch schon machen mussten. Sie können sich austauschen, werden besser verstanden in ihren Gefühlen, bekommen vielleicht Hilfsangebote oder Ablenkung von jenen, die aus eigener Erfahrung um das Gefühl in der Situation wissen. Ich denke, dies schmälert nicht die Trauer, aber es kann eine kleine Hilfe sein, dass man sich zumindest nicht komplett alleine fühlt.

    Der Tod an sich ist in unserer Gesellschaft schon ein Tabu-Thema, weil kaum thematisiert – und insbesondere dann, wenn Kinder sterben, verstummen die meisten Menschen. Nicht, weil sie kaltherzig wären, sondern aus Hilflosigkeit. Weil die wenigsten wissen, WAS sie sagen oder fragen sollen. Weil sie keine eigenen Erfahrungen haben und vermutlich auch in ihrem sozialen Umfeld niemanden kennen, der solch eine Situation durchleben musste. Ich glaube, das ist es, was zusätzlich schmerzt. Zu der Trauer kommt auch noch die Tatsache, dass der Austausch dieser Trauernden sehr eingeschränkt ist und dass eine unglaubliches Gefühl Einsamkeit noch dazu kommt.

    Sei ganz lieb gegrüßt,
    Sabine

    • Liebe Sabine,

      danke für deinen Kommentar!
      Ich weiß wie du es/was du meinst, allerdings sehe ich es dennoch nicht so. Zum einen, weil die Fakten dagegen sprechen (jedes Jahr weltweit alleine 2,6 Millionen Totgeburten, da sind Kinder die später sterben noch gar nicht mit eingerechnet, stehen weltweit 1,6 Millionen Toten gegenüber), zum anderen aber auch, weil meine Erfahrungen zeigen: Es ist nicht der Tod eines Kindes, mit dem die Mehrzahl der Menschen nicht umgehen kann, es ist der Tod.

      Es gab nach dem Tod meines Vaters niemanden, der sich wirklich mal „gekümmert“ hätte. Hier sind keine Freundinnen aufgetaucht (es waren Fremde aus dem Internet, die sich mit Briefen und Care-Paketen bei mir meldeten) und meine Oma ist in ihrem Haus völlig vereinsamt. Weil niemand wusste, wie man damit umgeht. Niemand wusste, was er tun oder sagen soll. Deshalb sind alle auf Abstand gegangen und haben geschwiegen. Aus purer Hilflosigkeit.

      Spätestens nach der Beerdigung ist das Thema für alle anderen gegessen. Zum Todestag gibt es hier und da nochmal ein schuldiges „Ich denke heute ganz besonders an dich“, nachdem man selbst vielleicht irgendwie, irgendwo etwas dazu geschrieben oder gesagt hat. Das lief bei jeder Art von Tod und bei jedem Todesalter gleich ab, die ich bzw. die wir erlebt haben (und darunter waren leider Menschen in allen Altersklassen).

      Die Hinterbliebenen fühlen sich alle gleichermaßen hilflos und allein gelassen und die Verarbeitung fällt ähnlich schwer, so jedenfalls meine Erfahrungen. Natürlich gibt es Tode, die man insgesamt anders verarbeitet, aber da liegt es meiner Meinung nach eher daran, wie der Tod eintrat, wie man selbst sich im Anschluss damit auseinandersetzt und natürlich auch, welche Bindung man zu der verstorbenen Person hatte – klaro :-)

      Viele Beziehungen und Familien sind sehr Problem belastet. In vielen Familien sind die Kinder das Einzige, das echten Bestand und Wert hat. DAS macht natürlich einen Unterschied in der Bindung und damit dann auch in der Art der Trauer und des Schmerzes.

      Viele Grüße und einen guten Start in den Montag für dich!

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