Aus dem Leben Gaumenfreuden

Was wächst da eigentlich am Wegesrand? – Kräuterwanderung in Köln

Mein Weg bis zur Kräuterwanderung in Köln könnte „seltsamer“ eigentlich kaum sein. Kräuter, Salate und überhaupt alles was grün ist, war mir bis vor wenigen Jahren suspekt. Zumindest wenn es ums Essen ging. Alles was aus der Erde wuchs faszinierte mich, essen wollte ich es aber nur, wenn es aus dem Supermarkt kam. Wenn überhaupt. Seltsame Ansichten, die man mir kaum zutraut, wenn man mich heute als „Veganerin“ kennt.

Je älter ich wurde, desto mehr habe ich mich mit dem Thema auseinander gesetzt und umso größer wurde mein Bewusstsein und mein Interesse. Gerade die vielen Pestizid-Funde im Gemüse und die Berichterstattungen rund um diese Thematik, schreckten mich ab und sorgten dafür, dass ich meine Einstellung zum Thema änderte.

Aber das eigene Ernten aus der (wilden) Natur war immer noch mit einem „IH, da könnt ja was dran sein“ behaftet. Wie bescheuert! Wo ich doch genau weiß, dass sämtliche Supermarkt Lebensmittel voller Pestizide und Darmbakterien sind, währen die Produkte aus der „freien Natur“ meist ohne auskommen. Es ist irre, wie viel Arbeit es Bedarf, solche Strukturen im Kopf aufzubrechen.

Wenn ich ein Schlüsselerlebnis fest machen müsste, etwas, das mich dazu bewegt hat, mich mit wildwachsenden Kräutern noch mehr auseinander zu setzen, dann war es ein Kurs bei Lexa auf dem Begegnungshof. Wir waren draußen im Wald unterwegs und Lexa pflückte im Vorbeigehen junge Fichtentriebe, die sie sich in den Mund steckte. Ich hätte meinen Gesichtsausdruck zu der Zeit gern gesehen. Ich war überrascht, fast etwas erschreckt/entsetzt, dass man Fichtennadeln essen kann. Noch überraschter war ich allerdings, als ich es dann selbst ausprobierte und die Dinger ernsthaft lecker fand 😀

Seit dem wuchs mein Interesse an wild wachsenden Stadt- und Waldkräutern. Ich schaute etliche YouTube Videos, las Bücher zum Thema und meldete mich letzten Endes zu einer Kräuterwanderung in Köln bei Wilder Wegesrand an. Die Kräuterwanderung wollte ich eigentlich schon im letzten Jahr mitmachen, da passte es aber zeitlich nicht für mich. Dafür dann aber vor wenigen Wochen, so dass meine Mutter und ich uns gemeinsam anmeldeten.

Mit Jeannette von Wilder Wegesrand und einigen weiteren Teilnehmerinnen ging es in Köln am Rhein entlang. Mama und ich waren leider zu spät (irgendwie haben wir uns verzettelt) und natürlich hatte ich auch mein festes Schuhwerk im Auto gelassen (das vorher mehrfach empfohlen wurde…) , das hat letzten Endes aber beides nichts ausgemacht. Im Bärlauch-Wald war ich dann sogar Sanny-like barfuß unterwegs 🙂

Kräuterwanderung in Köln

Die Führung hat mir unwahrscheinlich gut gefallen. Jeannette hat eine ganz unaufdringliche, informative Art, die wichtigsten Informationen zu teilen. Besonders gefallen hat mir, dass sie wirklich für jeden Informationen parat hatte (für Fleischesser & Veganer z.B. gleichermaßen, ohne eine der „Gruppierungen“ zu verurteilen). Insgesamt hatte man das Gefühl mit einer guten Freundin unterwegs zu sein, was ich bei solchen Führungen/Wanderungen sehr angenehm finde.

Mich hat absolut beeindruckt, wie unglaublich vielfältig das Angebot an wilden Kräutern alleine auf diesem kleinen Stück war. Giersch, Bärlauch, Knoblauchsrauke, Taubnesseln, Brennesseln, Holunder, Gundermann, Hirtentäschel, Beinwell, japanischer Staudenknötterich (Ruhr-Rhabarber), Weißdorn, Vogelmiere, Waldlabkraut und so einiges, das ich mittlerweile schon wieder vergessen habe. Ich hab die ganze Zeit gedacht: für Rohveganer muss das doch das Paradies auf Erden sein.

Zu Hause angekommen, bin ich am nächsten Tag direkt mit meinem Freund bei uns vor der Tür in den Wald gegangen. Wie blind man zuvor war, ist erschreckend! Hier konnte ich beinah alle dieser Wildkräuter auch finden. Und dazu noch Unmengen von Frauenmantel, Wiesenschaumkraut und anderen Wildkräutern DIREKT vor meiner Haustüre im Beet. Ich wohne hier seit sechs Jahren und habe das noch nie wahr genommen.

Mein Drang danach, mal ne rohvegane Woche einzulegen, ist jetzt noch größer als vorher. Gerade im Sommer bietet sich das richtig gut an und ich hoffe, dass ich die Ressourcen hier wirklich mal nutze und nicht nur davon träume es zu tun 😉

Die Kräuterwanderung in Köln mit Jeannette kann ich in jedem Fall von Herzen empfehlen. Für uns hat sich die Fahrt nach Köln sehr gelohnt, ich hab unsagbar viel gelernt und ein paar schöne Stunden dort verbracht. Zum Abschied gab es von Jeannette noch Giersch-Samen (und den Hinweis, den nur alleine in einem Topf zu sähen weil er sich so sehr ausbreitet) und ein paar tolle Rezepte, die man mit den gesammelten Kräutern umsetzen konnte. Auf Jeannettes Blog findet Ihr viele weitere Rezepte mit Wildkräutern. Nach der Wanderung sind Mama und ich noch ein wenig am Rhein entlang spaziert und haben den Tag ausklingen lassen.

Buchempfehlung:

Als besonders hilfreich, wenn man draußen alleine unterwegs ist, empfinde ich das Buch „Welche essbare Wildpflanze ist das*“ aus dem Kosmos Verlag. Hiermit lassen sich über 300 essbare Wildpflanzen bestimmen und selbstverständlich gibt es auch eine Übersicht über giftige Pflanzen. Einzig und allein mit diesem Buch würde ich grundsätzlich nicht los ziehen, aber als Ergänzung nach einer Kräuterwanderung unter Anleitung, um sich nochmal zu vergewissern, finde ich das Buch wirklich toll.

Die Abbildungen sind sehr genau, teilweise werden Fotos und Zeichnungen miteinander kombiniert, es gibt Angaben darüber, was die Pflanze ausmacht, wo man sie überwiegend findet, wann man sie am besten Sammeln kann und auch, welche giftigen Doppelgänger sie ggf. hat.

Quelle: KOSMOS Verlag

Wie sieht es mit Euch aus? Habt Ihr ein bisschen Ahnung davon, welche Kräuter direkt in der Natur wachsen? Versucht Ihr die Kräuter zu nutzen? Wart Ihr schon mal auf einer Kräuterwanderung? Wenn Ihr die Kräuterwanderung von Jeannette besucht, lasst es mich auf jeden Fall wissen!

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Über den Autor

Die Checkerin

Frohnatur! - Freak! - Philosophin!
Kommt selten schnell auf den Punkt, trifft aber irgendwann trotzdem den Nagel auf den Kopf.

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