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Meine größten Fehler bei der Umstellung auf eine vegane Ernährung

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Dieser Artikel gehört zur Artikel-Reihe „Wie Ernährung auf vegan umstellen? Meine Tipps für Anfänger und Neugierige!„. Hier verwendete Links sind meist sogenannte Affiliate-Links, mit deren Nutzung du mich unterstützen kannst. Mehr dazu erfährst Du hier.
Dieser Artikel ist (wie alle Inhalte auf dieser Plattform) aus meiner persönlichen Sicht geschrieben und basiert auf meinem aktuellen Erfahrungsschatz und Wissensstand. Ich kann und will nicht für die Allgemeinheit sprechen.
Gesellschaftlich auferlegte, gezwungene oder fanatische Werte, Normen und Dogmen waren noch nie mein Ding. Ich lebe MEIN Leben und gebe jeden Tag das Beste von dem, was mir möglich ist. Ohne dabei perfekt zu sein oder sein zu wollen.
Was ich hier anbiete, ist eine von Millionen Perspektiven – eben meine ganz persönliche. Ich biete sie Euch an, in der Hoffnung, jemanden da draußen inspirieren und zum nachdenken anregen zu können. Ich möchte niemanden bekehren, niemanden verurteilen und erwarte umgekehrt dasselbe von Euch.

Unsere Umstellung kam damals sehr plötzlich, vom „Allesfresser“ zum „Pflanzenfresser“ beinahe über Nacht. Wir haben, im Rahmen von „Was essen wir heute„, eine vegane Woche gemacht und sind einfach dabei geblieben. Ohne das weiter zu hinterfragen, uns groß zu informieren oder uns tiefergehende Gedankenzu machen.

Mit der Zeit sind wir in diese Ernährungsform hinein gewachsen. Für uns hat dieser Weg super funktioniert. Nicht zuletzt, weil wir durch all unsere Fehler viel dazu gelernt haben.


Veganismus ist eine langfristige Veränderung

Entgegen der weitläufigen Meinung ist die Umstellung auf eine vegane Ernährung (für uns) kein Trendthema und für mich im speziellen auch keine Diät, sondern eine langfristige Veränderung fest verankerter Glaubensmuster, Gedankenstrukturen und Essgewohnheiten.

Je nachdem wie Ihr an das Thema ran geht oder ran gehen wollt, ist eine solche Umstellung Zeit-intensiver und schwerer, oder eben nicht :-) Es ist ein Prozess, der seine Zeit und Eure persönliche Strategie benötigt und manchen vielleicht insgesamt schwerer fällt, als anderen.

Mitgefühl mit sich selbst zu haben, kleine Fehler zu verzeihen und nicht gleich 100% perfekt sein zu wollen können dabei helfen, langsam dahin zu kommen, wohin man kommen will.

Wie auch immer es bei jedem Einzelnen aussieht : in diesem Artikel teile ich mit euch meine „größten Fehler“ bei der Umstellung auf eine vegane Ernährung. In der Hoffnung euch genau diese Fehler ersparen zu können und es Euch etwas leichter zu machen.


Fehler 1: Ersatzprodukte en masse

Gerade zu Beginn habe ich versucht all das, was ich zuvor als Mischköstlerin lecker fand, durch entsprechende Produkte 1:1 zu ersetzen. Hier habe ich gleich zwei Fehler gemacht:

  1. anzunehmen, dass Ersatzprodukte genau so schmecken müssen, wie das tierische Produkt. Letzten Endes will ich das alte Essen nicht nachahmen, sondern etwas ganz Neues kreieren. Das schmeckt manchmal wie gewohnt, aber sicher nicht immer.
  2. Anfänglich habe ich sehr viele Ersatzprodukte gekauft, die zwar nicht mit Antibiotika resistenten Keimen belastet, aber dennoch nicht zwingend nahrhaft waren. In Kombination mit der Menge an Ersatzprodukten hat eine solche Ernährungsweise wenig Ausgewogenes und auf lange Sicht besteht, wie bei allen einseitigen Ernährungsweisen, entsprechend die Gefahr, mit der ausreichenden Versorgung an Vitaminen/Mineralstoffen usw. Probleme zu bekommen.

Wir haben für uns mittlerweile eine gute Balance gefunden, bei der es ab und zu Ersatzprodukte gibt, wir aber insgesamt auf eine vollwertige und nährstoffreiche Ernährung setzen.

meine liebsten veganen Ersatzprodukte für tierische Produkte wie Fleisch Käse Joghurt
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Fehler 2: „Was soll ich außer Salat noch essen?!“

Dieser Gedanke hat mich anfangs (sogar noch vor unserer ersten veganen Woche) total blockiert. Für mich war klar: Sobald tierische Produkte weg fallen, gibt es einfach nichts geiles mehr zu essen. Das ist natürlich absoluter Quatsch.

Tatsächlich habe ich mich noch nie so abwechslungsreich, lecker und ausgewogen ernährt wie als Veganerin. Wir sind viel experimentierfreudiger geworden, setzen uns deutlich mehr mit unserem Essen auseinander und Salat gibt es gaaanz selten :-)

Dadurch, dass wir uns jetzt viel mehr mit unserem Essen auseinander setzen, ist uns erst richtig bewusst geworden, was für eine Scheiße in all den Produkten enthalten ist, die man gedankenlos konsumiert hat. Und das wiederum hat eine Kettenreaktion ausgelöst. Wir nutzen z.B. weniger Zucker, trinken keinen Alkohol mehr, haben bemerkt dass Milch und Eier nur billigste Füllstoffe sind und gar nichts über die Qualität des Produktes aussagen.


Fehler 3: Nicht richtig informieren

Einer der (aus meiner Sicht) größten Fehler, in zweierlei Hinsicht: Sich nicht über die Nährstoffe und tierischen Inhaltsstoffe informieren. Bei einer veganen Ernährung muss man sich ein Stück weit mit dem, was man so isst, auseinandersetzen.

Zum einen, um einen groben Überblick über die zugeführten Nährstoffe zu bekommen und so eine ausgewogene Ernährung gewährleisten zu können. Zum anderen auch, um Produkte bzw. Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs erkennen zu können.

Zu Beginn sind wir davon ausgegangen, dass tierische Zutaten/Inhaltsstoffe klar erkennbar sind. Entsprechend oft habe ich „Vegan“ Schilder auf eigentlich doch so offensichtlich veganen Produkten belächelt. „Bananen? Pommes? Brötchen? Walnüsse? Das ist doch immer vegan, was soll das Siegel? So ein scheiß Marketing-Blödsinn!“

Die Erkenntnis, dass genau das Gegenteil der Fall ist, war für mich schockierend. Dass es viele Inhaltsstoffe gibt, die zwar als Hilfsstoff bei der Verarbeitung verwendet werden, letzten Endes aber gar nicht auf der Zutatenliste stehen müssen (nicht deklarierungspflichtige Inhaltsstoffe), ist nicht nur für jemanden, der sich vegan ernähren möchte nicht gut, sondern für alle.

Außerdem sind Inhaltsstoffe wie beispielsweise E120 (echtes Karmin = Farbstoff, der aus trächtigen weiblichen Schildläusen gewonnen wird), E542 (Knochenphosphat = gemahlene Tierknochen) oder E441 (Gelatine = wird aus tierischen Schlachtabfällen gewonnen, indem Häute, Knochen und Bindegewebe wie Sehnen, Knorpeln und Bändern in Wasser ausgekocht werden.) nicht auf Anhieb als tierische Inhaltsstoffe zu erkennen.

Man erfährt oft nur, ob ein Produkt WIRKLICH vegan ist, wenn man direkt beim Hersteller nachfragt. Meine generelle Empfehlung ist zum Einkaufen zusätzlich die App „Keiner Fliege“ zu nutzen. Dort findet Ihr alle Inhaltsstoffe und könnt nachlesen, ob sie vegan sind oder (potentiell) nicht.


Fehler 4: Irrglaube: Veganismus wird akzeptiert, wenn ich es nicht groß thematisiere

Auch das war, aus meiner Sicht, ein großer Fehler. Denn er hat bei mir für viel Frustration gesorgt. Ich bin sehr naiv an die Sache ran gegangen und war fest davon überzeugt, dass es alle gut finden oder zumindest akzeptieren, solange ich keine „militante Veganerin“ bin. Leider sieht die Realität anders aus. Auch heute ist meine Ernährungsweise wirklich noch überall ein beliebter Anstoß, für Kommentare, Witze, Diskussionen, Vorurteile und Vorwürfe.

Davor kann man sich kaum schützen. Der Illusion, man würde als Veganer*in keinerlei Gegenwind bekommen, wenn man nichts sagt, muss man sich nicht hingeben. Ich versuche jegliche Diskussionen und Kommentare zu übergehen und im Keim zu ersticken. Man diskutiert ja bei konventionellem Essen auch nicht darüber, warum man Tiere isst und ob das Antibiotikum und die Darmbakterien schmecken. Finde sowas völlig sinnlos.

Durch die Konfrontation mit der Intoleranz und dem Unverständnis vieler Menschen, fällt es mir selbst mittlerweile leichter, andere Menschen nicht mehr ständig zu be- und verurteilen für etwas, das ich nicht verstehe oder nicht so sehe. Mir ist dadurch nochmal klar geworden, dass ich, wann immer ich über etwas gelacht oder abfällig gesprochen habe, einfach nicht darüber informiert war und daran auch kein Interesse hatte.

Gleichzeitig fällt es mir durch diese Erkenntnis aber auch schwer, verständnisvoll mit den Menschen zu sein, die sich abfällig äußern oder mich belächeln. Weil ich eben weiß, dass es eigentlich nur auf Desinteresse und Bildungslücken beruht. Hier komm ich tatsächlich schnell an meine Grenzen.


Fehler 5: Das Umfeld

Kein Fehler, aber dennoch problematisch bis hinderlich ist das Umfeld. Unseres bestand zu Beginn (also 2017) zu 100% aus Mischköstler*innen. Wir hatten nicht mal Vegetarier in unserem Umfeld. Das ist durchaus ein Problem, weil man sich mit niemandem richtig ehrlich und gut austauschen kann. Gerade wenn man noch am Anfang steht, hat man einige Fragen, ist auf der Suche nach „Insider-Tipps“ und Menschen, die einen verstehen und ernst nehmen.

Klar stehen einem in Zeiten des Internets Türen und Tore offen, aber es ist doch anders, sich persönlich auszutauschen. Man fühlt sich als Veganer*in in einer „Fleisch fressenden-Welt“ sonst oft so, als wäre man zu extrem, nicht normal und überhaupt seltsam.

Sich mit Menschen zu umgeben die ähnlich ticken hilft enorm. Weil sie sich nicht lustig machen, nicht sinnlos kritisch hinterfragen oder mit unnötigen / uninformierten Sprüchen runterziehen.

Ihr seid definitiv nicht allein, keine Freaks und nicht radikal, weil ihr Euch tierleidfrei ernähren wollt. Es Bedarf keinerlei Rechtfertigungen.

Mein Tipp deshalb: Sucht Euch Gleichgesinnte. Über das Internet oder durch entsprechende Veranstaltungen (wie Messen, Potlucks, vegane Streetfood Märkte oder speziell vegane Veranstaltungen) auf denen man sich austauschen kann.


Fehler gehören grundsätzlich dazu. Bei der Umstellung auf eine vegane Ernährung lässt sich viel falsch machen. Nehmt solche Fehler zum Anlass, es besser zu machen und lasst Euch nicht entmutigen. Es geht nicht darum, 100% perfekt zu sein und sofort alles richtig zu machen, sondern darum, dass IHR Euch wohl fühlt und langsam in diese Ernährungsform rein wachst (sofern ihr das wollt).


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