Coffee Break & Stories

Immer wieder Sonntags (77)

Marius hat sich zu seinem Geburtstag gewĂŒnscht, dass ich „Immer wieder Sonntags“ trotzdem schreibe. OOORRR, na gut, ey! 🙂

Bedanken möchte ich mich zuerst bei Euch fĂŒr Euer MitgefĂŒhl, Eure eigenen Gedanken & Storys zu meinem letzten Immer wieder Sonntags (76). Auch wenn ich es fast schon wieder unangenehm fand, dass es nun viel mehr um mich ging, als um den Verlust von Maggy. Ich finds toll, dass es so viele gibt, die verstehen wie es in einem aussieht und die auch verstehen können, weshalb mich (und auch meine Ma) Maggys Schicksal so sehr selbst berĂŒhrt hat. Die Parallelen zu Papas Geschichte sind einfach wirklich krass. Das war schlichtweg etwas zu parallel 🙂

Diese Woche war fĂŒr mich in jedem Fall wieder besser. Auf der Arbeit ist es, dank der neuen Kollegin, deutlich ruhiger fĂŒr mich. Das fĂŒhrt natĂŒrlich auch dazu, dass ich im Allgemeinen entspannter bin.

Nachdem ich mir ĂŒber das Wochenende dann ne „Instagram-Auszeit“ gegönnt habe, konnte ich an den darauffolgenden Tagen sehen, wie bescheuert die Leute teilweise sind. Zum einen was meinen „Weggang“ anbelangte: klar, es ist toll, wenn sich fremde Menschen um mich sorgen, das schmeichelt mir. Aber sind wir mal ehrlich: wenn mir was passiert wĂ€re, wenn ich plötzlich gestorben wĂ€re, ausgeraubt, verschollen, was-auch-immer! Meine Familie oder ich wĂŒrden einen Teufel tun und in einer solchen Situation als erstes an Instagram denken „OMG. Sandra ist verschollen. Lieber erst mal das Instagramprofil löschen.“ „OMG. Ich habe ne schwere Krankheit, mir geht es mies. Lieber erst mal das Instagramprofil löschen.“  „OMG! Sandra ist gestorben. Lieber erst mal das Instagramprofil löschen.“ Niemals. Aber selbst WENN macht es natĂŒrlich wenig Sinn, einem gelöschten Profil zig Nachrichten mit „Ist alles ok? Ist Dir was passiert? Was ist los bei Dir?“ zu schicken 😀

Das Zweite ist wirklich noch viel bescheuerter, und sehr komplex, ich hole „etwas“ aus: fĂŒr mich und mein „Checkerin-Profil“ ist Instagram eine Erweiterung des persönlichen Bereichs. Nirgendwo bin ich mehr „Ich“ als dort. Nirgendwo habt Ihr die Möglichkeit, noch mehr hinter die Kulissen zu gucken. Ich mach das ganze Internetding, weils mir Spaß macht, weil ich gern was teile, weil ich gern inspiriere, Mut mache und Wissen weitergebe aber eben auch ein StĂŒck weit, weils zum „Business“ gehört und meinen Lebensunterhalt sichert. Schließlich lebe ich zu 50% von den Einnahmen des Blogs und die wider rum sind nur „safe“, wenn die Reichweite stimmt und die Leute interessiert sind an mir und meinem Blog.

GrundsĂ€tzlich gilt fĂŒr mich: Keep your circle small aber im Internet finde ich das nochmal besonders wichtig. Man wird tĂ€glich Reiz ĂŒberflutet. Ich sehe nicht nur, was in der Welt geschieht, sehe Leichen, schwere UnfĂ€lle, Kriege und Krankheiten, sondern auch den ersten Haufen vom Kind im Klo, die ersten Schritte, das erste „Mama“ und „Papa“ und „Aa“, der erste Zoobesuch, ich sehe lachende Gesichter, gestellte Fotos, White Living und mitten drin Spendenaufrufe, Gewinnspiele, BabybĂ€uche, Hochzeitskleider und Wetter-Updates. Je mehr Menschen ich folge, desto wuseliger wird es. Desto weniger bekomme ich automatisch von dem mit, was mich wirklich interessiert.

Deshalb ist es bei mir schon immer so gewesen, dass ich nur den Leuten folge, die mich interessieren. Auch auf Facebook bin ich nur mit wenigen Menschen verknĂŒpft, habe wenige Seiten mit „GefĂ€llt mir“ markiert, um nicht völlig von (oft unwichtigen) Informationen ĂŒberflutet zu werden. Mich interessiert der Großteil schlichtweg nicht, weil es mich nicht betrifft und mich langweilt. Und doch hĂ€ufen sich mit der Zeit ein paar Profile/Seiten an, die ich mit der Zeit aussortiere.

Weil ich weiß, dass die MĂ€dels & Jungs auf Instagram dazu neigen rumzuheulen, hab ich das Ganze irgendwann in nem Posting angekĂŒndigt. Eher aus Spaß und um mich vor einem „Warum hast Du das getan?“ zu schĂŒtzen. Aber was dann geschah ist WIRKLICH mal unglaublich und kein Clickbait 😀 . Ich bin insgesamt rund 50 Profilen entfolgt. Binnen weniger Sekunden waren in meinem Postfach schon 3 Nachrichten. Es folgten insgesamt 18, die direkt bei mir eingingen plus drei andere Nachrichten, die an jemand anderen gingen.

Und alle so: „WARUM?“ oder „KRASS! Das hĂ€tt ich nicht gedacht.“ oder „Mich hat der und der angeschrieben, voll traurig. Was ist da passiert? Was hast du denn gemacht??“und „Ja ich mochte dich auch noch nie!“ Die Leute sind beleidigt, gekrĂ€nkt, schockiert, weil ich Ihnen nicht mehr folge. Einige fangen an meiner Mama auch zu entfolgen weil die ja meine Mutter ist und ich böse. Andere erzĂ€hlen den Profilen, denen ich entfolgt bin, dass ich ĂŒber sie lĂ€ster. Und ich sitze hier und warte darauf, dass irgendwie son Vogel aus „Verstehen Sie Spaß?!“ um die Ecke kommt und mir sagt, dass ich gerade verarscht werde.

Was bitte ist los mit den Menschen ey. Dass man nicht mal jemandem virtuell „entfolgen“ oder „entfreunden“ kann (den man im Übrigen nicht mal persönlich kennt), ohne das ein Aufschrei durch die virtuelle Welt geht. Selbst wenn ich bei Facebook Leute aus meiner Liste werfe kommt spĂ€ter ein „Oh schade“. Ehrlich. Ich find das so unsagbar dĂ€mlich und unglaublich und witzig. Als wĂŒrde ein reines entfolgen zwingend etwas darĂŒber aussagen, wie ich den Menschen hinter dem Profil finde. Es ist doch nur der Content ey. Und auf Facebook ist es oft auch meine PrivatsphĂ€re. Ich will nicht, dass Hinz und Kunz was von mir mitbekommt. Vor allem aber interessiert mich der Content eben oft nicht (mehr).

Ich bin besonders vielen Mama-/Papa Accounts entfolgt, weil das nochmal ein spezielles Thema war. Ich mag nicht sehen, wie Kinder jeden Tag ins rechte Licht gerĂŒckt werden. Wie ihre Eltern sich non stop damit zu beschĂ€ftigen scheinen, Profit aus der Sache zu schlagen und die sĂŒĂŸen Nachkommen möglichst Instatauglich und „Happy-Family“ mĂ€ĂŸig zu „drapieren“. Ich kann einfach NICHTS schönes mehr daran finden, den ganzen Tag lang mit gestellten Happy-Kinderfotos zugeballert zu werden. Weil ich sehe, wie glĂŒckliche Momente durch das Smartphone verloren gehen und mich das traurig macht. Man hat schon immer fotografiert. Aber man ist doch nicht 24/7 mit der Kamera hinter den Kindern her gerannt, um das eine perfekte Foto fĂŒr „das Internet“ zu schießen. Wieso muss man seine Kinder ungefragt aber vor allem jeden Tag mindestens 1 x in jeder verflucht denkbaren Situation zur Schau stellen? Ich find das erschreckend, traurig und absolut unter keinen UmstĂ€nden unterstĂŒtzenswert. Da ich viele „normale Eltern“ kenne, die auch auf Instagram sind und ihre Kinder nicht jedes Mal fröhlich posierend zur Schau stellen, weiß ich, dass ich mit einer Meinung da wohl nicht ganz so alleine da stehe.

ZurĂŒck zum Thema: es gab also eine Welle des Aufschreis. OH MEIN GOTT, DieCheckerin ist mir entfolgt. Als wĂ€re dieses eine Profil der Nabel der Welt. Als wĂ€re ich der Nabel der Welt. Bist Du nicht. Bin ich nicht. Ich möchte nur einfach das sehen, was MIR wichtig ist. Was mir etwas bedeutet, mir was zurĂŒck geben kann. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich habe durch das Internet sehr viele tolle Menschen kennen gelernt (darunter ja auch den Mann meines Lebens und tolle Freunde!), mich weiter entwickelt, einen Job gefunden und so weiter und so fort. Definitiv ist das Internet im Allgemeinen ein großer Bestandteil meines Lebens. Aber es ist nicht mein Leben. Vermutlich ist das der Punkt, in dem ich mich von den „OMG du bist mir entfolgt“ Leuten unterscheidet. War jedenfalls ne Erfahrung wert, der Kram. Ende ! 😀

Ansonsten waren wir diese Woche Mama beim GesprĂ€ch mit der doofen Vermieterin unterstĂŒtzen, mit der Familie ein bisschen zusammen sitzen und nen Weinchen trinken, Sport machen und das Übliche Gedöns.

|Gesehen|ne lustige Kettenreaktion!
|Gehört| Nix
|Getan| gearbeitet (aber nicht so viel 😀 ), gelacht, getrunken, gefeiert, gelaufen, gekocht
|Gegessen| siehe Was essen wir heute
|Gedacht| das Internet ist wirklich eine einzige, riesige Irrenanstalt!
|Gefreut|Â ĂŒber einen wunderschönen Abend bei Mama und einen wunderschönen Sonntag mit Marius
|Gelesen|Hochsensibel – Was tun? wobei ich das Hörbuch habe, aber egal 😀
|GeĂ€rgert|Â ĂŒber mein eigenes Verhaltenn
|Gekauft| den Zhiyun Smooth Q Gimbal* hab die DJI Osmo bei Marius Cousin gesehen und mich sofort verschossen. Zhiyun ist gĂŒnstiger und hat ne deutlich lĂ€ngere Akkulaufzeit (wichtig fĂŒr meine ewig langen Instastorys), deshalb hab ichs mir gegönnt. Bin schon ganz aufgeregt *_* Außerdem hab ich mir auf Empfehlung das Buch „Hochsensibel – Was tun?“ gekauft und bin schockiert, wie ich mich beinah in jedem einzelnen Satz wiederfinde und wie klar plötzlich viele Dinge sind.
|Geliebt| meine Familie
|Geklickt|Nichts
|Geschrieben| darĂŒber wie wichtig gute Outdoorschuhe sind, was die Induktionskochplatte VariCook XL kann (und was nicht) und Was wir heute essen (und morgen und ĂŒbermorgen und ĂŒberĂŒbermorgen und…)
|Geplant| Sport, Einkaufen, mit Marius Laufen, mit ner Bekannten zur Kemnade, Zahnarzttermin, Freunde treffen und son Kram 🙂

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Über den Autor

Die Checkerin

Frohnatur! - Freak! - Philosophin!
Kommt selten schnell auf den Punkt, trifft aber irgendwann trotzdem den Nagel auf den Kopf.

13 Kommentare

  • Oh Gott, bei dem Teil ĂŒber die kinderfotos hatte ich das BedĂŒrfnis dich zu knutschen!!! Da hast du so dermaßen den Nagel auf den Kopf getroffen!
    Im ĂŒbrigen, mir folgst du nicht ( glaube ich) und ich mag dich und deine Mama trotzdem.ich hab auch zur Zeit echt nichts lohnenswertes zu Posten, deshalb sei dir verziehen 😜 manche Menschen nehmen insta,Facebook etc viel zu ernst 😐 es soll Spaß machen.

    • Ja so sehe ich das auch. Zumal ja ein nicht folgen nicht heißt, dass man denjenigen nicht mag oder grundsĂ€tzlich alle Inhalte doof findet. Hach! Herrlich einfach

  • Ich musste ĂŒber den „Entfolgen-Gate“ auch herzlich lachen.
    Ich folge worauf ich Bock habe. Folgt mir jemand, schau ich das Profil an und entweder abonniere ich – oder lasse es sein. Gefallen mir Bilder und Texte? Ja – super. Nein? Tschö.
    Ich habe mal eine ganze Zeit lang viele Fitnessaccounts zur Motivation in meiner Liste gehabt. Haben mich aber nicht motiviert sondern unter Druck gesetzt und unglĂŒcklich gemacht.
    Ich war das Wochenede wieder aufm Festival und keinen Empfang und ich muss sagen: Das tut immer mal wieder gut. Aber ganz ohne will ich auch nicht mĂŒssen. Ich mag den Austausch, Anregungen von Profilen wo auch mal mehr hintersteckt, die anders sind.
    Es soll ja alles Spaß sein. Und kein Zwang. Den hat man doch genug im Alltag

    • Nein ganz ohne mag ich auch nicht. Ich liebe auch den Austausch und eben auch, wie jetzt im Fall von mamamulle, den Zusammenhalt. Dass Fremde fĂŒr sie da sind und so. Das gibt’s „auf der Straße“ ja eher nicht. Es gibt sehr viele tolle Möglichkeiten und genau das mag ich. Entfolgen-Gate gefĂ€llt mir ĂŒbrigens sooo gut! Glaub da mach ich nen Slogan draus „Bekannt durch den Entfolgen-Gate“ oder so 😀

  • Das Thema „Hochsensibel“ ist hier auch grad sehr aktuell. Hat mit deinem Post direkt jetzt nichts so zu tun. Aber bei „gelesen“ ist es mir gerade ins Auge gestochen. Mein Patenkind (9) ist hochsensibel, wie ich, meine Cousine (ihre Mutter) und deren Vater. Ihre zwillingsschwester hingegen nicht. Ist sehr schwierig fĂŒr sie im Moment grad.

    • Ich hab mich damit vorher nie beschĂ€ftigt und finds deshalb jetzt echt umso krasser, dass das scheinbar so dermaßen auf mich zutrifft wie schon lange nix mehr :-O

      • Ich finde es erklĂ€rt so vieles wenn man sich damit mal beschĂ€ftigt und wenn man weiß dass man hochsensibel ist, lebt es sich auch echt entspannter, man fĂŒhlt sich nicht mehr so „verkehrt“

  • Ich hab weniger Lesezeit gebraucht 😉aber ich lese allgemein so schnell wie ich manches Mal auch spreche 😂.Ich fand das was nach dem Entfalten kam auch zum KopfschĂŒtteln und Augen aufreißen…Das mit den ewigen Geposte,der insgesamt fast gleich aussehenden „heile Welt mit Kindern“ Bildern oder den Storys wo teilweise echt der ganze Tag ĂŒber das Handy in der Hand aufs Kind gehalten wird,finde ich auch bedenklich.Die Kleinen erleben ihre Eltern teilweise eh schon laufend mit dem Handy in der Hand, warum muss man sie dann noch andauernd mit aufnehmen?!Warum es auch noch aller Welt,all den,fĂŒr die Kinder ja „fremden Leutz“ zeigen?!Warum mĂŒssen sie schon fĂŒr Klamotten,Spielzeug,Möbelwerbung etc. benutzt werden?!
    Versteh ich auch alles nicht…Handy weglegen und sich wirklich mit ihnen beschĂ€ftigen und sich auf sie konzentrieren dabei,nur sie und sich wahrnehmen macht einen doch viel mehr zu tollen Eltern, als es allen Fremden da draußen zu zeigen….
    Ich mag deine offene Sicht auf das Alles…und schau auch gern beim Kochen zu.Grrrrrrr auch leider muss ich zu oft danach was kochen weil ich Hunger hab 😂

  • Folgen ist das eine, noch schlimmer finde ich, das Leute erwarten man mĂŒsste jedes Bild liken, weil man befreundet oder gar verwandt Ist? Äh ne – ich like eben nur, wenn mir Bild oder Text gefallen. Im besten Fall beides. Aber nicht nur weil man sich kennt oder gern hat. Als ob die alle kein Leben haben…

  • Hallo 🙂

    So wirklich kann ich aber auch nicht verstehen warum Du und viele andere es so sehr verwundert, dass es Leute persönlich trifft, wenn ihr Content als uninteressant bezeichnet wird. Diese Empfindung ist doch völlig nachvollziehbar. Komisch peinliche Reaktionen darauf natĂŒrlich nicht, aber vielleicht hat dass auch die Entfolger-AnkĂŒndigung ein wenig provoziert.

    Liebe GrĂŒĂŸe

    • Ich seh das anders. Es kann mich gar nicht persönlich treffen, wenn jemand meinen Content nicht interessant findet, weil es mich persönlich nicht betrifft. Es sagt nur aus, dass das was ich poste, die Leute nicht interessiert. Ich kenne niemanden der Leute, denen ich entfolgt bin, persönlich und kann sie aus meiner Sicht damit nicht kennen und nicht persönlich angreifen, weil es nur um dieses eine Ding auf Instagram geht. Mich interessieren die meisten Profile, auf denen es hauptsĂ€chlich ums Mama/Papa sein oder die Katze geht einfach auf lange Sicht nicht. Das ist per se nichts persönliches und kann aus meiner Sicht deshalb auch nicht persönlich treffen. So sehen das vermutlich sehr viele Menschen. Wen es persönlich trifft, der hat aus meiner Sicht eine falsche Beziehung zum Internet/der Bedeutung vom Folgen/Instagram.

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