Immer wieder Sonntags (79)

Dieses Mal weiß ich gar nicht wo ich anfangen soll, mit quatschen. Montag wäre wahrscheinlich gut. Es wird ein langer, persönlicher Artikel heute, glaube ich. Holt Euch schnell nen Tee oder Kaffee 😀 Montag waren Marius und ich aufm Laufplatz laufen. Das Ganze endete, auf Grund vieler Missverständnisse, in einem Desaster. Marius dachte nämlich, dass ich schon voll die krasse Läuferin bin und easypeasy 5 Kilometer am Stück laufen kann oder so. Seine spontan gezeigte „Entrüstung“ hat mich verletzt und an früher erinnert.

Man muss dazu wissen, dass ich ca. 1999 mit dem Sport aufgehört habe, weil sich immer alle über mich lustig gemacht haben. Ich hab mich so geschämt Sport zu machen, dass ich sämtliche Übungen und Spiele verkackt habe. Ich war die, die beim Sport immer zuletzt gewählt wurde. Ich war gertenschlank, hab mich aber unendlich dick gefühlt. Die daraus resultierende Unsicherheit war im Grunde das gefundene Fressen für meine jüngeren Mitschüler (ich bin ja gleich 2 x sitzen geblieben 😀 ).

Sport war für mich der Horror. Selbst mit meinen Eltern Badminton zu spielen war mir peinlich. Ich hab mir damals geschworen, dass ich NIE WIEDER Sport mache. Schon gar nicht, wenn jemand dabei zusiehst. Bis letztes Jahr habe ich das auch durchgezogen. Alles, was mit Sport zu tun hatte, habe ich gemieden. Selbst Bowling und Kegeln ist mir auch heute noch total unangenehm. Ich denke einfach die ganze Zeit darüber nach, was die anderen wohl denken. Ob sie finden, dass ich das total falsch mache. Dick aussehe. Mich dumm anstelle. Letzteres mache ich wirklich oft. Aus Scham stelle ich mich so blöd an, dass gar nix geht. Und dann sag ich einfach „Kann ich nicht.“ und lass es bleiben.

Aber ich hab es im letzten Jahr immerhin geschafft, mich bei Mrs. Sporty anzumelden und auch halbwegs regelmäßig hinzugehen. Für den Einstieg war eine solche „Frauengruppe“ mit vielen, vor allem älteren Frauen für mich perfekt. Jetzt, wo sich meine Einstellung langsam verändert und ich mehr erreichen will, kommt mir das Konzept allerdings recht ineffektiv oder zumindest für meine Ziele nicht richtig vor. Diese Erkenntnis hat eben dazu geführt, dass ich gerne mit Marius noch zusätzlich was machen wollte, womit wir wieder beim Montag wären.

Nach dem Erlebnis am Montag war ich wieder in einem dieser „Ich mach NIE WIEDER Sport“ Löcher. Weil mir diese eine Runde auf dem Sportplatz so lächerlich vorkam. Weil ich mich so schlecht und dämlich fühlte. Weil ich so wütend auf mich selbst war und mir ständig selbst im Weg stehe. Gott sei Dank hat Marius schnell begriffen was schief gelaufen ist und mich entsprechend aufgebaut. Wir haben lange über meine Ängste geredet und darüber, wie unglaublich schwer es für mich ist, mich zum Sport zu überwinden, aber vor allem „draußen“ mit anderen Sport zu treiben.

Hier in Wuppertal gibt es jedenfalls einen Trimm-Dich-Pfad, bei dem wir nun mehrmals waren. Erst nur, um mal vorsichtig abzuchecken (ehrlich gesagt hab ich mich am ersten Tag einfach in Grund und Boden geschämt und konnte mich nicht überwinden, an die Geräte zu gehen), an anderen Tagen haben wir dann begonnen, die Geräte auszuprobieren und später zwischen den Stationen zu joggen. Freitag nach der Arbeit waren wir auch dort. Am dritten Gerät passierte das, wovor ich die aller meiste Angst hatte.

Gleich drei Jungs kamen und warteten darauf, dass wir fertig wurden, während Marius am Gerät seine Übung machte. Ich war danach dran. Das bedeutete in der logischen Konsequenz, dass ich mich nun entscheiden musste. Sport machen, vor den Typen oder den Schwanz einziehen. Man kann diese irrationalen Gedanken sicher nicht nachvollziehen, wenn man nicht selbst davon betroffen ist, aber mir ging wirklich alles Mögliche durch den Kopf. Schmerzen vortäuschen, Marius sagen, dass wir weiter gehen. Die Typen vor lassen, einfach wortlos stehen bleiben und nix machen. Ich war hin und her gerissen, so nervös, dass ich Herzrasen und Kreislaufprobleme bekam.

Und dann passierte das, mit dem ich am wenigsten gerechnet habe. Ohne nachzudenken, bin ich einfach wie „in Trance“ auf dieses verkackte Gerät und habe meine Liegestütze gemacht. In meiner hautengen Sporthose, beobachtet von gleich vier Typen, wobei einer von denen vor Stolz beinah geplatzt wäre. Nach den ersten drei Liegestützen wich meine  Unsicherheit einem unglaublichen Adrenalinschub. Ich fühlte mich 100 Kilo leichter, 50 Meter größer und so stark wie niemals zuvor.

Als ich fertig war und Marius mich total stolz in den Arm nahm, hätte ich echt beinah los geheult. Vor Stolz, aber vor allem auch vor Erleichterung. Dass ich wirklich mal über meinen Schatten gesprungen bin, dass ich gemerkt habe, dass niemand mehr einfach so über mich lacht, weil es eben auch gar keinen Grund gibt. Und auch, dass es die anderen Leute gar nicht interessiert, was ich gerade mache. Diese Erkenntnis war so wichtig. Bevor ich dieses „Kindheitstrauma“ endgültig überwunden habe, braucht es sicher noch einige Erfolgserlebnisse, aber das am Freitag war sicher eines der wegweisendsten und wichtigstens auf meinem zukünftigen Weg.

Ähnlich wegweisend war meine Erkenntnis am Mittwoch. Letzten Endes hat diese Erkenntnis vielleicht sogar den Weg für Freitag geebnet. Ich hatte mich vor Ewigkeiten bei nem Radiosender beworben, damit die zu uns ins Büro kommen und uns Brötchen vorbeibringen. Mittwoch war es dann so weit. Unser Foto wurde auch auf der Facebookseite gepostet und ich selbst hab unser eigenes Foto in meinem Profil geteilt. Nun passierten zwei Dinge: zum einen ging ein kleiner „Idioten-Shitstorm“ auf der FB-Seite des Radiosenders los, weil zwei oder drei Schlaumeier meinten, wir hätten Logos geklaut und sie müssten ihren geistigen Dünnschiss nun nicht nur auf der Facebookseite, sondern auch dem vermeintlich beklauten Weltkonzern kundtun. Zum anderen meinte ein anderer schreiben zu müssen, dass manche besser keine Brötchen mehr essen sollten (bezogen auf meine Figur).

Beinah wäre ich daraufhin in eines dieser „Du bist fett und hässlich. Aber vor allem fett“ Löcher gefallen, in die man manchmal einfach so rein fällt, wenn z.B. Halbstarke sich abfällig über die Figur oder das Gewicht äußern. Es hat mich (wie immer!) getroffen. Zu behaupten, es wäre nicht so, wäre gelogen. Aber gleichzeitig ist mir an dem Abend zuvor ein Licht aufgegangen, das den gesamten Schmerz überstrahlte.


Ich bin anders Freier. Lockerer. Lustiger. Empathischer. Tiefsinniger. Als viele, viele andere auf dieser Welt. Und zum ersten Mal habe ich das genossen, mich gefreut anders zu sein.
Mich haben beim betrachten des Bildes oben viele als „mutig“ bezeichnet, weil ich „obwohl“ das Radio da war, barfuß geblieben bin. Erst hab ich mich aufgeregt, dass unsere Gesellschaft das mutig findet, weil wirklich NICHTS dazu gehört, barfuß zu sein. Aber dann hab ich das Foto angeguckt und gesehen wie ich strahle. Nicht wegen den verfluchten Mettbrötchen, sondern weil ich ich bin. Weil ich in mir ruhe und mich mit meinen Ecken und Kanten, mit Haut und Haar liebe. Nicht immer aber eben immer öfter. Vielleicht ist das sogar mutig.

Mir ist klar geworden, dass „an sich selbst arbeiten“ nicht im Trend ist und viele lieber an andere arbeiten und sie kritisieren, dass ich aber in der Lage bin, mich kritisch zu hinterfragen und an mir zu arbeiten und mich gleichzeitig (die meiste Zeit) zu lieben. Das ist ein verfluchter Diamant, an dem ich, zugegebenermaßen, viel gearbeitet und geschliffen habe. Mich da barfuß inmitten von Menschen zu sehen, wie ich einfach so da stehe, als wäre es das Normalste dieser Welt, das macht mich unendlich stolz. Und daran kann kein Affenarsch dieser Welt etwas ändern. Manchmal muss ich mir das nur genauer vor Augen halten.

Das waren die zwei tollen Sachen, die es in dieser Woche für mich zu entdecken gab. Und genau deshalb bin ich unenendlich über mich hinaus gewachsen. Eine Woche voller Stolz und wieder voll wichtiger Erkenntnisse. Ansonsten ist nichts weiter passiert. Wir waren diese Woche 3 x laufen/uns trimmen, ich war Dienstag bei Mrs. Sporty, wir haben unsere Spülmaschine repariert und endlich nach Monaten mal wieder die Wohnung sauber gemacht. Hier sah es aus wie aufm Schlachtfeld.

Heute geht’s nochn bisschen raus, danach muss ich noch für nächste Woche nen Artikel fertig schreiben und das wars eigentlich auch.

|Gesehen|dass es möglich ist, über den eigenen Schatten zu springen
|Gehört| dieses Yellow Cover
|Getan| gearbeitet, gelaufen, geschrieben, gemalt, gelesen, gewundert, gesprungen
|Gegessen| siehe Was essen wir heute KW 31 mit Rezepten , war gut 🙂
|Gedacht| vielleicht ist der Knoten jetzt geplatzt
|Gefreut| über den neuen Curver Pop Art Mülleimer* und Ruhe im Büro, dank des Gehörschutzes. Das war ehrlich ne Offenbarung für mich! Ich trag die Dinger fast jeden Tag und ununterbrochen weil die Welt so so so so so viel erträglicher dadurch für mich geworden ist. Man hört alles, aber besonders laute, schrille, dumpfe Töne werden abgeschwächt. So habe ich nicht mehr ständig das Gefühl, dass mir alles zu viel wird. So toll und ne MEGA gute Entdeckung von mir gewesen, auf die ich allerdings nicht gekommen wäre, wenn Du lieber Jan, mich nicht nochmal auf das Thema HSP gestoßen hättest. Danke! 
|Gelesen|weiter Hochsensibel – Was tun? 
|Geärgert| nur über diese Trottel von Menschen im Internet, von denen es einfach viel zu viele gibt. Und obwohl es im Vergleich dennoch nur ganz Wenige sind, regt man sich über sie auf.
|Gekauft| einen Kaffee-Vollautomaten von Phillips* (war im Angebot und wir wollten so gern mal einen haben), einen neuen Wischbezug* für meinen pinken Leifheit Wischerund eine dämliche Hüfttasche fürs Laufen*, weil ich ohne Trinken einfach nicht klar komme und keine andere annehmbare Lösung für mein Problem finden konnte.
|Geliebt| Marius, weil er mich trägt und aufbaut und liebt  und versteht und da ist und unterstützt
|Geklickt|vergessen aufzuschreiben
|Geschrieben| dieses Mal kam glaub ich jeden Tag ein Artikel. Das gab’s das letzte Mal vor drei Jahren oder so. Aber ich sag ja: Sommerloch gibbet dieses Jahr nicht 😀 Ich plane gerade schon die Weihnachtszeit. UAH! Also, es gab: BestFewo Sommerurlaub , ein bisschen Casino-Liebe, Infos dazu, wie es mir jetzt Nach dem Pille absetzen geht, wie Ihr mit ein paar kleinen Tipps & etwas Übung Entschleunigung im Alltag bekommt und natürlich Was essen wir heute für KW 32 dieses Mal komplett vegetarisch
|Geplant| alles wie immer, am Wochenende sind wir bei Freunden aber sonst nix Besonderes geplant.

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Über den Autor

Die Checkerin

Frohnatur! - Freak! - Philosophin!
Kommt selten schnell auf den Punkt, trifft aber irgendwann trotzdem den Nagel auf den Kopf.

1 Kommentar

  • Der Artikel hätte auch prima auf deinen anderen Blog gepasst. Toll, dass Du so positive Erfahrungen hattest. Mehr davon 😉

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag

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