Aus dem Leben Gaumenfreuden

Vom Fleischfresser zum Pflanzenfresser – Eure Fragen an mich!

Geschrieben von Sandra Stüber

Seit Ihr wisst, dass ich mich vegan ernähre, kommen immer mal wieder Fragen auf. Dass “ausgerechnet ich”, als eine der ehemals krassesten Fleischesser, die ich selbst kenne, “plötzlich” vegan esse, beeindruckt und überrascht Euch noch mehr, als mich selbst :-) Euer Interesse an dem Thema ist riesig und das freut mich.

Genau deshalb gibt es hier Antworten auf die Fragen, die mir am häufigsten gestellt werden. Es ist aber natürlich erlaubt und erwünscht, in den Kommentaren weitere Fragen zu stellen.

Eine Sache ist mir vorweg noch wichtig: Das hier ist MEIN Weg. Was Ihr macht, bleibt Eure Entscheidung. Mir ist nur wichtig, dass sich jeder selbst informiert und offen ist, ohne zu verurteilen.

Wieso bist Du so “plötzlich” vegan geworden?

Für viele kam dieser Umschwung plötzlich, tatsächlich aber war das ein langer Prozess. Angefangen hat alles irgendwann 2013, als wir uns, wegen der massiven Unverträglichkeit meines Mannes gegenüber tierischen Fetten, dazu entschieden haben, keine Milch mehr zu kaufen und weniger Fleisch zu essen. Zu dieser Zeit habe ich weiterhin Milch im Kaffee getrunken, ansonsten gab es bei uns nur noch Hafermilch. Der Fleischkonsum wurde in den letzten Jahren drastisch reduziert. Wir sind auf “Veggie-Wurst” umgestiegen, Fleisch gab es nur noch. 2 x pro Monat. Nur an unserem Käse- und Eierkonsum haben wir zu dieser Zeit nichts geändert.

Wir beschäftigten uns im Laufe der Zeit unbewusst viel mit unserer Ernährung, mit der Fleischindustrie, der Milchindustrie, Unverträglichkeiten und unserer Gesundheit. Auf Youtube haben wir oft Dokumentationen geschaut, die unsere Ablehnung gegenüber dem gesamten Lobbyismus, der Tierquälerei und den gesundheitlichen Folgen immer bewusster und größer gemacht haben.

Veganer bewunderte ich und wünschte mir insgeheim sogar, auch “so sein zu können”, glaubte aber nie daran, dass das für mich möglich ist. Ich schloss sogar gänzlich aus, jemals langfristig vegan zu essen.

Aus einer Laune heraus haben wir dann, im Rahmen eines “Was essen wir heute” Essensplans, eine Woche veganes Mittagessen ausprobiert. Das hat uns beiden gut geschmeckt und ist uns so erstaunlich leicht gefallen, dass wir dabei geblieben sind und noch in derselben Woche unsere gesamten nicht veganen Vorräte aufgebraucht oder verschenkt haben. Seit dem gab es keinen Anlass dazu, diese Entscheidung rückgängig zu machen. Im Gegenteil festigt sich unsere Entscheidung von Jahr zu Jahr mehr.

Welche Beweggründe gab es für Dich?

Anfänglich waren meine Beweggründe gesundheitlicher Natur. Ein hoher Fleischkonsum bzw. Konsum tierischer Produkte im Allgemeinen ist ungesund. Es gibt etliche Studien, die das belegen (ich empfehle dazu die Seite nutritionfacts.org sowie das Buch “How not to die*”). Ich hatte massive Probleme mit Schuppenflechte auf dem Kopf. Die letzte Lösung und damit der Strohhalm, an den ich mich zuletzt klammerte, war eine vegane Ernährung. Meine Gesundheit zu verbessern stand im Vordergrund für mich und die ersten Monate haben gezeigt, dass Wunder möglich sind.

Mittlerweile noch wichtiger ist aber die Tatsache, dass ich diese gesamte Maschinerie nicht unterstützen möchte. Ich möchte nicht, dass ich, mit jedem Stück Fleisch, ungewollt Antibiotika oder wahlweise mehr oder weniger gefährliche Keine zu mir nehme, dass Tiere wegen meinem Konsum so massenhaft und widerlich leiden müssen, dass meine Ernährung die Umwelt schädigt und auch nicht, dass Menschen ausgebeutet werden.

Mir ist die “tierische Lebensmittelindustrie” regelrecht zuwider.

Nimmst Du Vitamine zu Dir?

Die Frage wird mir besonders oft gestellt. Ich supplementiere B12, weil man B12 nicht in ausreichender Menge über eine rein pflanzliche Ernährung aufnehmen kann (könnte man übrigens auch als Mischköstler nicht, würde den Tieren nicht regelmäßig B12 supplementiert, wodurch der Mensch es aufnehmen kann). Dass man als Veganer viele oder alle Vitamine und Mineralien supplementieren muss ist ein Irrglaube. Meine Lieblings-Youtuber zum Thema “Vegan ist ungesund” haben es in ihren Videos grandios witzig und gut erklärt. Wer sich dafür interessiert:

Ist veganes Essen nicht viel teurer?

Es kommt total darauf an, was man kauft. Wer nur Ersatzprodukte und Fertigkram kauft, der zahlt locker doppelt so viel. Wer aber Obst, Gemüse & z.B. Hülsenfrüchte verarbeitet, der wird teilweise sogar weniger zahlen. Unsere Einkäufe lagen preislich bisher auf jeden Fall im ähnlichen Rahmen wie vorher bzw. waren eben teurer, wenn wir viel Schrott gekauft haben und günstiger, wenn es viele frische Produkte und Selbstgemachtes gab.

Was isst Du jetzt so? Zum Beispiel zum Frühstück oder für den süßen Hunger?

Was genau wir essen, könnt Ihr jede Woche aufs Neue bei “Was essen wir heute” (runter scrollen) nachlesen. Dort gibt es wöchentlich einen neuen Essensplan. Unter “Gaumenfreuden” findet ihr auch einige Rezepte. Zum Frühstück esse ich das, was es früher auch gab. Mal Müsli mit Hafermilch, mal Obst, die meiste Zeit aber (selbstgebackenes) Brot mit Aufschnitt oder Aufstrich. Es gibt tollste Schokolade (Milch wird oft nur als billiger Inhaltsstoff verwendet), leckere Chips, Fake Nuss-Nougat-Cremes und hach. Was das angeht, muss man wirklich gaaar nicht lang nachdenken, aber sich ein wenig informieren und vielleicht bei einigen Produkten auch durchtesten.

Fehlt Dir was?

Mittlerweile nicht mehr. Es gibt für alles, was ich vermisst habe, mittlerweile absolut gute vegane Versionen (hier zeige ich meine liebsten Produkte).

Ist vegan essen nicht total kompliziert?

Das habe ich auch immer gedacht. Fakt ist aber, dass ich mittlerweile meist deutlich weniger lange in der Küche brauche als sonst und es ja letzten Endes so einfach war, dass wir uns dazu entschieden haben, dabei zu bleiben.

Anfänglich muss man sich natürlich informieren, durchprobieren und bereit sein, seinen Horizont zu erweitern, damit man Produkte ausprobiert, die gut schmecken und die man z.B. gerne auf dem Brot essen möchte oder zum Naschen haben will. Wenn man diesen Prozess aber durch hat, ist es nicht komplizierter als Fleischgerichte auszusuchen und zu zu bereiten.

Was Kosmetik anbelangt achte ich schon länger darauf, dass es möglichst vegan ist und auch da ist es absolut nicht kompliziert. Viele Hersteller haben den Markt erkannt und kennzeichnen ihre Produkte entsprechend und/oder stellen ihr Sortiment um, das macht es einem umso leichter.

Was machst du, wenn du unterwegs bist?

Stört es Dich wenn andere Fleisch essen

Jain. Ich kann den Konsum insbesondere von Fleisch mittlerweile nicht mehr gut heißen, aber ich quatsch da niemandem aktiv rein. Wenn jemand mir gegenüber seinen Fleischkonsum allerdings schön reden möchte, sage ich hin und wieder schon meine persönliche Meinung dazu.

Warum Ersatzprodukte – Fehlt Dir also doch was?

Fleisch in Wurst- / Kugel- / Chicken Mc Nugget Form fällt nicht direkt vom Schwein/Huhn/Kalb/welchem Tier auch immer ab. Runde Wurst, stiefelförmige Nuggets, kleine Bällchen als Frikadellen o.ä. sind nicht die natürliche Form, sondern eine praktische Erfindung der Industrie. Es sind meist mundgerechte Häppchen oder z.B. runde Scheiben, die toll aufs Brot oder Brötchen passen. Das ist einer der Gründe, weshalb sich die Industrie, auch für die veganen Versionen, entsprechend an diesen Formen orientiert. Die Form und das Aussehen haben also rein gar nichts mit den Inhaltsstoffen zu tun.

Auch bei veganem Essen isst das Augen mit. Würde ich umgekehrt Fleisch pürieren oder Fleisch am Stiel anbieten, würden es viele nicht essen wollen, obwohl es noch dasselbe ist.

Uns prägen im Grunde schon von Geburt an gewisse Normen, eben auch in Bezug auf unsere Nahrungsmittel, gegen die wir uns nicht wehren können. Dazu gehört z.B. auch, dass wir Europäer es verabscheuen, Hunde oder Insekten zu essen, während dies in anderen Kulturen völlig normal ist.

Hast du schon abgenommen?

Diese Frage ist auf so vielen Ebenen fragwürdig! Bisher habe ich sie immer ignoriert, aber hier gebe ich ihr gerne eine Plattform. Nein, ich habe nicht abgenommen. Das ist aber auch nicht meine Intention. Das vegane Pendant zu Pizza, Pommes oder Burgern kann genauso gesund oder ungesund sein, wie das vermeintliche “Original”. Veganer ernähren sich nicht ausschließlich von Möhrchen und Salat, meine Essenspläne zeigen Euch das ziemlich gut :-).

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Über den Autor

Sandra Stüber

Ü30, seit 1998 Bloggerin, alberne Öko-Frohnatur und
naturverbundene Pflanzenfresserin. Versucht hier seit 2013 die Menschen zu inspirieren.

2 Kommentare

  • Ein Geheimtipp … bei Kaufland gibts für ganz schmales Geld vegane Teewurst. Die hat mir witzigerweise auch wahnsinnig gefehlt.

    Ich mag dich und deinen Mut du selbst zu sein. Danke für die Inspiration.

  • Ich lebe zwar “nur” vegetarisch aber ich esse auch oft vegan. :) Ich habe früher auch jeden Tag Fleisch gegessen. Ich hab das auch schon von anderen Vegetariern/Veganern gehört, du bist also keine Ausnahme. ^^

    Ich esse auch ganz gern Fleischersatzprodukte – so lange sie nicht zu künstlich sind. Mein persönlicher Tipp: Soja Gehacktes. Damit kann man super vegane Spaghetti Bolognese machen. :)

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