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Kolumne

Monatsrückblick 01/22 oder „2022 hat Immer wieder Sonntags geklaut“

Im Monatsrückblick lasse ich den vergangenen Monat Revue passieren und teile meine Gedanken & Erlebnisse.

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Nach bald zwei Monaten Pause bin ich wieder da. Ich habe meine Auszeit ganz gut nutzen können und erzähle euch heute von den letzten Wochen und meinen Erkenntnissen. Auf geht’s!


|Gesehen| Staffel 9 und 10 von „The Walking Dead*“, Staffel 6 von Vikings*, Staffel 8 von Homeland*
|Gehört|The Way of Integrity*“
|Getan| gelesen, getanzt, geguckt, ausgemistet, reflektiert, losgelassen, gemalt, gesungen, gebastelt, nachgedacht, organisiert, weitergebildet
|Gefreut| über eine wertvolle Auszeit, neue Erkenntnisse, den Erfolg von „Mein Rauhnächte Journal*“
|Gelesen|The Desire Map Experience*“ (finde ich sehr inspirierend), Atomic Habits* (ebenfalls sehr inspirierend), Think Content* und Tell me!*
|Gekauft| um eigenes Biofeedback und Neurofeedback Zuhause üben zu können das Muse 2 Stirnband*, Think Content*, Tell me!*, zwei Workshops, eine Bodum French Press* und weil mein Büro-Smartphone nicht mehr richtig funktioniert das realme 8*


Tschüss, „Immer wieder Sonntags“

Am 13.12.2015 ging der erste „Immer wieder Sonntags„-Wochenrückblick online. Und um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Am 05.12.2021 ging „Immer wieder Sonntags“ zum letzten Mal in seiner bisherigen Form online.

292 von 316 Sonntagen habe ich in den letzten sechs Jahren vor dem PC verbracht, um meine Woche und meine Gedanken öffentlich zu reflektieren. Dass ich sechs Jahre dran geblieben bin ist erstaunlich. Denn ich bin kein Mensch für diese Form der Kontinuität. Es gab dafür allerdings gute Gründe:

„Immer wieder Sonntags“ ist für mich eine Form der Selbsttherapie. Zu allen großen Ereignissen meiner letzten sechs Jahre habe ich meine Gedanken und Gefühle niedergeschrieben und damit vieles für mich geordnet und verarbeitet.

Gleichzeitig ist „Immer wieder Sonntags“ für viele von euch eine Hilfe. Ein „Du bist nicht allein.“. Ein Blick über den Tellerrand. Das Gefühl verstanden zu werden. Trostspender. Richtungsweiser. Mutmacher. Inspiration. Und das mag ich!

Dennoch schwang mit all der Liebe, gerade in letzter Zeit, auch immer mehr Druck mit. Das Gefühl „abliefern zu müssen“, weil da jeden Sonntag Menschen auf meine Gedanken warten, hat mich gestresst. Es gab viele Sonntage, an denen ich nichts von meiner Woche zu erzählen hatte oder lieber etwas anderes getan hätte, als vor dem PC zu sitzen und zu schreiben.

Irgendwann wurde „Immer wieder Sonntags“ für mich zur Pflicht. Ein wöchentlicher Termin, den ich (wenn auch nur gefühlt) abzuliefern hatte. Und weil sich das nicht gut für mich anfühlt, habe ich mich entschieden es zu ändern. Während ihr das hier lest, seid ihr schon mitten in der Veränderung, denn:

„Immer wieder Sonntags“ wird in Zukunft durch einen „Monatsrückblick“ ersetzt, der im Laufe der letzten Woche eines Monats veröffentlicht wird💜

Erlebnisse zwischen den Jahren

Mein ursprünglicher Plan war, den gesamten Dezember zum runterkommen zu nutzen. Ich wollte eine Social-Media-freie Zeit verbringen. Dann konnte ich allerdings nicht abschalten. Wohl auch, weil mein Buch „Mein Rauhnächte Journal*“ (erfreulicherweise) für so viel Interesse sorgte, dass zahlreiche Nachrichten eintrudelten.

Erst nachdem das letzte Exemplar, das ich ursprünglich selbst nutzen wollte, am 27.12. bei der Kundin eintrudelte, war mein Gehirn in der Lage zur Ruhe zu kommen.

Dafür war die Zeit ab da erholsam. Marius und ich haben viel Zeit damit verbracht, Istanbul*, Carcassonne* und Cacao* zu spielen. Wir waren spazieren, zum Spieleabend bei Freunden, ich habe viel gelesen, gelernt und gemalt.

Weihnachten

Heiligabend waren wir mit meiner Familie zum Wandern verabredet. Die geplanten 12 Kilometer endeten nach knapp 4 Kilometern mit der Suche nach „Kalle“, dem Hund meines Bruders und seiner Frau. Kalle war einem Reh hinterher gelaufen und hatte daraufhin offensichtlich die Orientierung verloren.

Nachdem wir über eine Stunde das Waldgebiet absuchten, fand mein Bruder ihn zum Glück. Abgesehen von einigen Kratzern und der generellen Aufregung war Kalle wohlauf. Wir waren traurig über die „verpasste Wanderzeit“ und gleichzeitig froh, dass unser Rudel wieder vollständig war.

Durchgefroren aber erleichtert ging es zurück zum Parkplatz, wo wir noch gemeinsam unser Proviant verköstigten und danach getrennt nach Hause fuhren.

Zuhause angekommen gab es für Marius und mich Jackfruit Gulasch mit Rotkohl und einem misslungenen Klöße-Experiment (Notiz für mich: Halte dich lieber an deine eigenen Rezepte, Sandra!) – geschmeckt hat es dennoch. Im Anschluss spielten wir Spiele und tranken unseren Lieblingskakao von elimba*.

Physical Distance

Mir fehlt das sorglose Zusammensitzen. Auch in diesem Jahr verzichteten wir komplett darauf, uns gemeinsam in geschlossenen Räumen zu treffen. Nicht zuletzt, weil meine Schwägerin auf der Intensivstation täglich mit Coronapatient*innen arbeitet und wir Menschen mit erhöhtem Risiko in der Familie haben, die wir schützen wollen.

Mir fällt das zunehmend schwerer, weil ich mich frage was mehr wiegt: Gemeinsame Zeit, die nie wieder zurück kommt oder ein potentielles Risiko zu mindern, dem die betroffenen Personen in anderen Bereichen (beim Arzt, im Krankenhaus, beim Einkaufen, bei der Arbeit usw.) viel stärker ausgesetzt sind? Die nicht gelebte gemeinsame Zeit würde ich am Ende vermutlich mehr bedauern.

Silvester & Neujahr

Silvester verbrachten wir, wie auch die Tage zuvor, damit, das zu machen, wonach uns gerade ist. Wir spielten oben genannte Spiele, ich malte, Marius las ein Buch. Am Abend widmeten wir uns dann unserem Neujahrsritual.

Zu Mitternacht waren wir ziemlich schockiert über die Masse an Böllerei. Es war zumindest gefühlt noch lauter, als die Jahre vor Corona. Vor allem wurde bis in die frühen Morgenstunden geböllert.

Mich hat das Geböller dieses Mal echt wütend gemacht. Ich habe wenig Hoffnung, dass man diese Menschen jemals erreichen und zum Umdenken anregen kann.

Visionboard & Reflexion

Ein weiteres Neujahrsritual ist für mich das Erstellen eines Vision Boards. Ich mag es, mich nach der Jahresreflexion insgesamt neu auszurichten. Mit der klassischen Form der Vision Boards als Collage (mit Ausschnitten aus Zeitungen & Co.) kann ich persönlich jedoch nichts anfangen. Ich versuche jedes Jahr eine neue Form für mich zu finden. Hier habe ich meine Version für 2019 gezeigt, hier könnt ihr die Version für 2020 sehen und hier die für 2021. In diesem Jahr sieht mein Ergebnis so aus:


Erkenntnisse zwischen den Jahren

Normalerweise schreibe ich jedes Jahr einen Entzückblick mit der Intention, mich auf die positiven Dinge des Jahres zu fokussieren. Im Dezember 2021 fiel mir nicht viel Entzückendes ein, so dass ich darauf verzichtete.

In einer der Rauhnächte überlegten Marius und ich, was in 2021 Schönes passiert ist und wofür wir dankbar sind. Dabei kamen uns vorwiegend negative Erlebnisse in den Sinn.

Wo ist die Optimistin?

Eigentlich bin ich die grenzenlose Optimistin, die selbst in der absoluten Dunkelheit irgendwo einen Funken Licht findet. Das fiel mir im vergangenen Jahr zunehmend schwer und hat mich irgendwie auch besorgt. So sehr ich mich auch anstrengte, das Leben war plötzlich nicht mehr so leicht.

2021 war geprägt von schweren Abschieden. Zuerst nahmen wir im April Abschied von Pipp, dann von Marius Mama und Bongo. Im Juni folgte Tilly, im August Bella, Torvi und Libby starben im Oktober. Und auch wenn Sunny nicht gestorben ist, so war der Abschied von ihm für uns eine ebenso große seelische Belastung. Gefühlt gab es zu wenig Raum zum Durchatmen und Genießen.

Eigentlich ist es aber eher so, dass ich mir diesen Raum nicht genommen habe. Durch den Versuch, unangenehme Gefühle nicht zu fühlen entstand irgendwann ein lethargisches Loch, in das wir beide reinkullerten und dabei zeitweise nicht nur den blauen Himmel, sondern auch all die Lichter am Horizont aus den Augen verloren.

Danke, Reflexion

Genau deshalb liebe ich Reflexion (insbesondere gemeinsam mit Marius zum Jahresende): Im gemeinsamen Austausch und Rückblick können wir solche Löcher klar sehen, uns gegenseitig wachrütteln und Pläne zur Veränderung schmieden.

Mit klarem Blick sehe ich einiges, für das es sich lohnt, dankbar zu sein. Fernab der alltäglichen Selbstverständlichkeiten (ein sicheres Zuhause, Essen & Trinken, eine liebende Familie, Freunde, Freiheit …) gab es in 2021 drei große Gründe dankbar zu sein:

  1. Der Umzug meiner Oma
    Anfang 2021 konnte ich endlich den Umzug meiner Oma aus einer gruseligen Pflege-WG in ein gutes Pflegeheim realisieren. Eine unendliche Erleichterung für mich. Zuvor wurde sie unzureichend versorgt und gepflegt und hat nun endlich einen Ort, an dem es ihr den Umständen entsprechend gut geht. Dass man ihr das nicht nur ansehen sondern auch anmerken kann, macht mich glücklich.
  2. Ein sanfter Abschied
    Ich hätte niemals für möglich gehalten, das zu sagen und doch ist es so: Den Tod meiner Schwiegermutter mitbegleitet haben zu dürfen ist ein besonderes Geschenk. In „Wie es war, als du gingst“ habe ich das festgehalten. Eine der wahrscheinlich wichtigsten und wertvollsten Erfahrungen meines Lebens, die auch meine Ängste rund um den Tod positiv verändert hat.
  3. Zeit
    2021 hat uns Zeit geschenkt. Zeit mit meiner Familie, von der wir in 2020 oft glaubten, sie nicht mehr zu haben. Zeit mit Freunden. Zeit mit unseren Tieren. Zeit mit uns.

Marius und ich haben mit den Erkenntnissen im Gepäck sofort angefangen, zu versuchen uns mehr auf das Schöne zu fokussieren. Wir reden möglichst täglich darüber, was gut lief und wie es uns ergangen ist, halten Glücksmomente schriftlich fest und versuchen uns mehr an das zu halten, was schon da ist, statt auf das zu blicken, was uns noch fehlt. Das ist nicht immer leicht, aber wir üben fleißig.

Erfolge feiern

Aktuell mache ich einen Mindset-Workshop von Carina Herrmann (um180Grad). An Tag eins ging es u.a. um das Thema Erfolge.

Meine Antwort und Gedanken auf die Frage „Wann hat es sich für dich schon mal falsch oder schlecht angefühlt, Erfolge zu teilen? Wann hast du sie deshalb nicht mit anderen geteilt?“ haben mich nachhaltig beschäftigt.

Erfolge zu teilen fühlt sich für mich beinah grundsätzlich seltsam an. Ich habe meist das Gefühl, dass es albern und unangebracht ist. Gedanken wie: „Kann doch jede*r.“, „Interessiert sowieso niemanden“, „Glaubt eh niemand“, „Andere haben das viel besser gemacht.“, „Hätte ich ohne Hilfe eh nicht geschafft.“, oder „War nur Glück.“ sind in Bezug auf meine Erfolge an der Tagesordnung.

Während ich weiter darüber nachdachte, fielen mir zwei Situationen ein, in denen andere Menschen ihre Erfolge kürzlich geteilt haben und wie ich mich dabei fühlte:

  1. Situation: Sandra Dusza (Kunstküche Krefeld) hat eine Release Party für ihr erstes Kochbuch gegeben. Ich fand es unangenehm und überzogen. Marius Reaktion: „Naja, die steht halt voll und ganz hinter ihren Produkten.“ machte mich wütend 😬. Im Rückblick ist mir klar: Ich wäre 2018 auch gerne so stolz auf die Veröffentlichung meines ersten Buchs „100 Tage Selbstfindung“ gewesen. Weitere Gedanken folgen unten.
  2. Situation: Mein kleiner Bruder schickte kürzlich ein Foto seines Motorrads, das in einer großen Motorrad-Zeitung veröffentlicht wurde und war ganz stolz darauf. Alle haben sich mit ihm gefreut. Ich war aber auch traurig, weil ich dachte „Mit mir freut sich niemand mit.“.

Der Punkt ist: Wie sollen sich Menschen mit mir freuen, wenn ich meine Erfolge nicht teile ODER sie in etwa so vorstelle: „Habe übrigens ein Buch veröffentlicht. Also kein richtiges Buch. Nichts Besonderes. Sind nur ein paar Fragen drin.“. Das lädt mein Gegenüber wohl eher nicht zu Freudetänzen ein 😅

Einige Tage nachdem ich mir Gedanken zu dieser Thematik machte, schickte mein Bruder mir jedenfalls erneut ein Foto. Dieses Mal von einem Zeitungsartikel, in dem er zitiert wurde.

Er freute sich sichtlich. Statt mich schlecht zu fühlen, erzählte ich ziemlich genau das, was ich hier gerade geschrieben habe und dass er eine Inspiration für mich ist.

Seine Antwort darauf hat mich gleichermaßen überrascht (weil ich den Glaubenssatz habe, nicht genug zu sein) und berührt:

Ich fände es total schön, wenn du das auch mehr machen würdest. Finde so bekommt man viel mehr ein Gefühl dafür, was den anderen gerade beschäftigt, wo er Energie reinsteckt, wo er Erfolge oder auch vielleicht Misserfolge hat. Würde mich auf jeden Fall freuen wenn du da mehr mit mir teilst.
Grundsätzlich sind deine Themen für mich genauso irrelevant wie für dich meine Themen, aber dadurch dass du der Inhalt bist, ist es für mich dann natürlich relevant.

Die Auseinandersetzung mit der Thematik im Gesamten und insbesondere das Gespräch war enorm wichtig für mich, um einige meiner Glaubenssätze aufzudecken/schrumpfen zu lassen und erneut zu erkennen, wie wertvoll es ist, sich mitzuteilen.

Macht der Glaubenssätze

Mir ist später aufgefallen, dass es Erfolge gibt, auf die ich stolz bin und über die ich sehr gerne rede. Dass ich aufgehört habe Alkohol zu trinken, Zigaretten zu rauchen und tierische Produkte zu essen gehört beispielsweise dazu. Hier habe ich keine Angst vor Ablehnung, obwohl Themen wie der Veganismus oder der Alkoholverzicht gesellschaftlich sehr kontrovers sind. Warum ist das so?

Aus meiner Sicht hängt es vor allem mit bestimmten Glaubenssätzen und Gewohnheiten zusammen. Im beruflichen Kontext habe ich mich mit der Thematik bisher kaum auseinander gesetzt. Zahlreiche mir gut bekannte Glaubenssätze beeinflussen meine Handlungen in diesem Bereich noch (!) zu einem Großteil negativ.

Mich im Rahmen des Workshops damit zu beschäftigen mag ich sehr und ich merke, dass es mir gut tut.


Abschied von Alva 🐭

Als ich den Monatsbeitrag schrieb und über die Verluste nachdachte, huschte mir ein sarkastisches „Ach, sind schon drei Monate rum, da wird es doch mal wieder Zeit für einen Abschied“ durch den Kopf. Und ja, quasi „auf den letzten Drücker“, einen Tag bevor der Artikel online gehen soll, ist Alva verstorben.

Alva war seit ihrem Einzug im August 2021 ein Sorgenkind. Sie war taub, mindestens sehbehindert, hatte eine Gebärmutterentzündung und seit einer schweren Erkältung (bei der wir oft glaubten, sie würde es nicht schaffen) einen Schiefkopf.

Unsere Tierärztin wollte sie bereits zweimal aufgeben. Alva und wir wollten das nicht und so durfte sie insgesamt etwas über fünf Monate mit uns das Leben genießen.

Dank ihres chronischen Schnupfens (meiner Meinung nach ziemlich sicher Mykoplasmose) bekam Alva regelmäßig Medikamente und musste an besonders schwierigen Tagen inhalieren. Das klappte super und es ging ihr danach immer besser.

In den letzten Tagen verschlechterte sich ihr Zustand allerdings zusehends und uns war relativ schnell klar, dass es dieses Mal nicht mehr gut werden wird. Marius und ich entschieden uns dieses Mal gegen das Einschläfern. Vielleicht nehme ich mir im nächsten Monatsrückblick die Zeit euch unsere Beweggründe zu nennen.

Unsere Entscheidung war schwer, am Ende sind wir jedoch froh uns so entschieden zu haben. Denn Alva ist die ganze Zeit in ihrer „Safe-Zone“ bei ihren Freundinnen gewesen und dort letzten Endes auch in ihrer Lieblings-Hängematte verstorben.

Bereits als wir morgens um vier vom Spieleabend mit Freunden nach Hause kamen war klar, dass es mit Alva zu Ende geht (sie atmete schwer und konnte sich kaum noch bewegen). Wir leisteten ihr noch eine Stunde Gesellschaft, gaben ihr nochmal Schmerzmittel, streichelten sie und verabschiedeten uns. Als wir vier Stunden später aufwachten, war ihre Atmung sehr flach, sie wirkte jedoch unruhig. Vermutlich wollte sie den Platz wechseln, ihr fehlte aber die Kraft.

Wir entschieden uns sie zu den anderen in die Hängematte zu setzen. Die Mädels kuschelten sich daraufhin ganz zart an Alva, die das sichtlich genoss. Marius und ich legten uns nochmal für eine Stunde ins Bett und als wir wieder nach Alva sahen, war sie tot. Wiesel und Malie lagen immer noch eng an sie gekuschelt bei ihr 💜

Tschüss, Alva 🌈

Testament einer Ratte

Ich fühle mich schwach, sehr schwach – zu schwach, um selbst meine Augen noch offen zu halten. Aber ich versuche es. Denn was passiert mit mir, wenn ich sie für immer schließe? Wohin gehe ich dann, bin ich allein?

Ich glaube, es gibt einen Platz, am anderen Ende des Regenbogens – dort ist es warm und friedlich, die Sonne scheint und es gibt keinen Schmerz. Ich werde alle wieder treffen, die vor mir gegangen sind und es werden alle kommen, die nach mir gehen werden. Dort gibt es keine Angst. Niemand kann uns mehr Leid zufügen und außer uns selbst müssen wir auch niemandem mehr genügen.

Wenn ich die Augen schließe, kann ich das Licht sehen – die Brücke leuchtet in allen Farben des Regenbogens!
Doch was ist mit dem Hier und Jetzt? Wenn die Menschen gehen, hinterlassen sie ihre Ideen und alles, was sie besitzen denen, die sie lieben.

In dieser Welt, wo Schmerz, Leid und Angst das Leben vieler meiner Familienmitglieder bestimmen. Wo sie keine Geborgenheit und keinen Frieden kennenlernen dürfen und ihnen ihr Platz im Leben verwehrt wird – würde ich ihnen gern den meinen geben, wenn ich jetzt gehe.

Es gibt viele, die – wie ich damals, bevor ich hierher kam – in Not sind – ihnen vermache ich mein glückliches Zuhause. Sie sanft streichelnde Hand, den Platz, den ich in meines Menschen Herzen hatte und die Liebe, die ihnen zu guter Letzt zu einem friedlichen und schmerzfreien Ende helfen wird, gehalten im liebenden Arm.

Wenn ich jetzt sterbe, dann sag bitte nicht: „Nie wieder möchte ich eine Ratte haben, der Verlust und der Schmerz sind zu groß, wenn sie so schnell wieder gehen!“ Du hat doch eine Chance auf ein gutes, lebenswertes und liebevolles Leben zu geben – begrabe sie nicht wie meinen toten Körper unter einem kalten Stein, sondern vergib sie mit deinem wärmenden Herzen!

Suche eine einsame, ungeliebte Ratte und gib ihr meinen Platz! Das ist mein Erbe. Denn die Liebe, die ich zurück lasse, ist alles, was ich geben kann.

Alva, du kleiner Schiefkopf mit den pinken Augen 💜 Du bist nach Bella und Libby die Ratte, die sich hier am schnellsten eingelebt hat und die wenigsten Berührungsängste mit uns hatte. Außerdem bist du die einzige Ratte, die gerne gekuschelt und Küsschen verteilt hat. Wann immer ich einen Kussmund in deine Richtung machte, kamst du an und hast mich abgeschlabbert.

Trotz deines Schiefkopfs bist du erstaunlich gut geklettert. Nicht nur durch den Käfig, sondern ganz besonders in der Wohnung. Wäscheständer, Schränke und die Couch wurden, nach ausgiebigem Pendeln mit dem Kopf problemlos von dir erklommen.

Dein Pendeln habe ich geliebt. Du hast uns oft schon „ausgependelt“, bevor wir überhaupt wussten, dass wir zu dir wollten 😅

Wenn du nicht gerade mit schlafen beschäftigt warst, dann hast du gegessen. Mit großer Vorliebe Kimbas Nassfutter, das wir regelmäßig vor dir in Sicherheit bringen mussten. Denn ihr Nassfutter war deine absolute Leidenschaft und du hättest die 150 g sicher problemlos aufgegessen, wenn wir es zugelassen hätten.

Wir vermissen dich unwahrscheinlich. Dein „Stinke-Ohr“, deinen Schiefkopf, deine leuchtenden Augen, dein hin und her pendeln, deinen unbändigen Hunger, deine Küsse, mit dir zu kuscheln, deine Liebe zum „einfach-mitten-in-der-Wohnung-auf-dem-Boden-einschlafen“, deine süßen Kontaktaufnahmen mit Kimba, dein wildes umher Schnappen sobald du aus dem Tiefschlaf aufgewacht bist, deine rasende Schnelligkeit sobald du Kimbas Nassfutter entdeckt hast, die Ruhe und den Frieden, den du ausgestrahlt hast.

Und dennoch sind wir froh, dass du jetzt deinen Frieden gefunden hast 💜


Und sonst so?

In den nächsten Wochen wird es hier und auch auf Frau-Achtsamkeit.de noch ruhiger zugehen. Im Hintergrund überarbeite ich die Blogs gerade komplett. Es wird für beide Seiten ein komplett neues Design geben, das auf mobile Endgeräte ausgerichtet ist. Dieser Schritt ist schon lange überfällig. Denn 80% der Besuche auf meinen Seiten erfolgen über das Smartphone und dafür sind meine Seiten schlicht zu klobig und langsam.

Der Umbau kostet mich zwar einiges an Nerven, allerdings wird es sich am Ende ganz sicher für alle Seiten lohnen.

Fernab dessen war es das von meiner Seite. Den nächsten Monatsrückblick gibt es für euch Ende Februar. Habt bis dahin eine schöne Zeit!

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