Aus dem Leben

Entzückblick 2019

Geschrieben von Sandra Stüber

Rückblicke haben immer etwas Wehmütiges. Viel zu oft konzentrieren wir uns nur auf das, was wirklich scheiße war. Denn gerade diese Momente bleiben uns im Kopf. Ich fand die typisch-wehmütigen Rückblicke schon immer doof. Überhaupt finde ich es seltsam, dass jedes Jahr so getan wird, als würde man mit dem Jahreswechsel in eine neue Welt rutschen. Als könne man genau dann die Weltherrschaft an sich reißen.

Statt mit Kloß im Hals auf all das Furchtbare zurück zu blicken, sollten wir uns Zeit nehmen, für die schönen Erlebnisse. Für all das, was uns in diesem Jahr entzückt hat. Sich das Positive noch einmal vor Augen zu führen kann nie verkehrt sein. Im Gegenteil. Es ist sogar wunderschön, voller Entzückung Revue passieren zu lassen.

Entzückblicke der letzten Jahre findet ihr hier


Auch zum (nahenden) Ende diesen Jahres möchte ich einen Entzückblick wagen. Ich liebe es sehr, auf diese Art und Weise auf das Jahr zurück zu blicken.

2019 war ein Jahr, dass mich noch mehr zu mir gebracht hat. Ich war rigoros ehrlich zu mir und in den meisten Fällen auch zu anderen, habe mich an mancher Stelle geöffnet und an anderen Stellen zurückgezogen. Ich bin in vielen Dingen weicher und verletzlicher, in anderen Bereichen aber auch härter und emotionsloser geworden. Ich bin oft an meine “inneren Grenzen” gestoßen und so manches Mal über mich hinaus gewachsen.

Vieles von dem, was früher zu mir gehört hat, habe ich hinter mir gelassen. Anderes, das mir zuvor unmöglich und unpassend erschien, ist zu meiner neuen Wahrheit geworden. Ich habe meine Wahrheit immer mehr gelebt, versucht mir treu zu werden und zu bleiben. Ich habe oft mit mir gekämpft, aber nie etwas dabei verloren, sondern nur dazu gewonnen.


Tschüss, Alkohol!

Vom Alkohol getrennt habe ich mich schon Ende 2017, aber in diesem Jahr habe ich diese Trennung sehr bewusst erlebt und darüber geschrieben, warum ich aufgehört habe, Alkohol zu trinken. Für mich zählt dieser Schritt zu einem der befreiendsten, mutigsten und ehrlichsten Schritte, die ich in den letzten Jahren getan habe. Ich glaubte immer, dass Alkohol mir sehr viel zu geben hat, musste aber erkennen, dass er mir sehr viel genommen hat.

Zwar konnte ich meine Unsicherheit und mein Unwohlsein in vielen Situationen “weg saufen”, letzten Endes habe ich mich aber mit jedem Schluck selbst verleugnet. Meine Entscheidung hat für viel Erstaunen und Unverständnis gesorgt, aber für mich war es DER Befreiungsschlag überhaupt, in Bezug darauf zu mir zu stehen und ich zu sein. So konnte ich 2019 zum ersten Mal seit meiner frühen Jugend nüchtern und losgelöst tanzen. Ein wahnsinniges Gefühl, man sieht meinem Gesicht an, wie mich dieser Moment glücklich gemacht hat.


Tschüss, Smartphone!

Im April 2019 trennte ich mich von 238 Smartphone Kontakten, von WhatsApp und meinem privaten Smartphone (hier zum nachlesen). Bis heute hat nur eine handvoll meiner engsten Vertrauten meine Kontaktdaten. Social Media Apps bzw. das Internet allgemein lässt sich nur Zuhause im W-Lan nutzen. Der ständige Blick auf das Smartphone ist damit passé. Ein weiterer Befreiungsschlag, der mir und meinem Leben Freiraum und Kreativität zurückgegeben hat.


Hallo Babys!

Am 15.04.2019 zog die Wildmaus “Mathilda” bei uns ein (HIER KLICK! zum nachlesen) und wurde von Hand groß gezogen, um knapp zwei Monate später, am 01. Juni 2019, wieder ausgewildert zu werden.

Ein riesiges Abenteuer, das mich auch in Sachen Tierliebe nochmal verändert hat.

Am 24.07.2019 zog dann plötzlich die nur 9 Tage alte Wildratte “Bella” bei uns ein. Auch sie zogen wir von Hand groß .

Relativ schnell war klar: Wildratten können und dürfen nicht einfach so ausgewildert werden. Sie brauchen Wildrudel-Anschluss. Den fanden wir aber leider nicht. Nach langer Überlegung, entschlossen wir uns dazu, Bella ein Zuhause zu geben und ein eigenes Rudel zu gründen. Und so zogen am 28.08. die Farbratten “Tilly” und “Pipp” bei uns ein.

Bella hat meine Sicht auf Ratten revolutioniert. Vorher war mein Verhältnis zu Ratten recht neutral. Heute sehe ich in diesen Tieren, ebenso wie in Tauben, absolut verkannte Lebewesen, die völlig achtlos aber legal getötet und gequält werden. Wie Bella meine Sicht der Dinge verändert hat, habe ich hier geschrieben.

Hallo Seelenworte!

Ein für mich riesiger Schritt in Sachen Authentizität sind meine “Seelenworte” gewesen. Potentiell ein Produkt, über das man sich abwertend äußert ala “Die hat sie doch nicht mehr alle. Über ein Seelenwort meditieren…so ein Blödsinn!”. Und doch habe ich mich getraut, diese Idee, die schon länger in mir arbeitete, öffentlich zu machen.

Im Verlauf der Zeit hat sich gezeigt, dass es genau richtig war. So viele Seelenworte hängen bei Kunden Zuhause und regen zum nachdenken an, harmonisieren, stoßen an. Eine Firma hat sogar Seelenworte als Weihnachtsgeschenk für die Mitarbeiter gekauft.

Für mich waren die Seelenworte einer der “Beweise” dafür, dass ich all das, was ich liebe, auch in die Welt tragen sollte. Ganz ohne Angst davor, was irgendwer dazu sagen könnte.


Hallo Selbstständigkeit!

Seit Anfang des Jahres bin ich offiziell Vollzeit selbstständig. Geplant war dieser Schritt schon lange, eigentlich wollte ich mir damit aber noch etwas Zeit lassen und die Sicherheit des Angestelltenverhältnisses nutzen. Letzten Endes gab es dann aber 2018 den Schubser in diese Richtung und ich hab die Gelegenheit beim Schopfe gepackt. Ein Schritt, den ich nicht bereut habe.

Im Gegenteil merke ich, dass ich mich erst jetzt richtig entfalten kann, wo ich das lebe, was mich ausmacht. Ich bin mein Beruf. Ich kreiere mir den Job, von dem ich keine oder kaum Auszeiten brauche und biete das an, was ich am besten kann und das mir wirklich Spaß macht. Für mich ist das die absolute Erfüllung.

Was noch so los war

Frauen Workshops

Ich habe in verschiedenen Workshops für Frauen wahnsinnig viel gelernt und bin über mich hinaus gewachsen. Ich habe getanzt, gelacht, geweint, gefühlt, gelernt, Hüllen fallen gelassen und einmal mehr gesehen, wie gut mir der Austausch und das Arbeiten mit den Frauen tut. Außerdem habe ich selbst Workshops für Frauen gegeben und konnte mich dahingehend weiter entwickeln.


Meine Oma

In Bezug auf das Verhältnis mit meiner Oma habe ich viel gelernt und konnte mehr Frieden in unsere Beziehung pflanzen. Ich habe erkannt, dass meine Oma, wenn ich all das was ich über sie erzählt bekommen habe fallen lasse, mir gegenüber immer eine gute Oma, mit menschlichen Ecken & Kanten war und ist. Sie hat, wie wir alle, Fehler gemacht. Ihr Verhalten mir gegenüber kann ich immer besser nachvollziehen und es hilft mir enorm, mich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen und mich in sie hinein zu versetzen.


Unsere Hochzeit

Auch wenn unsere Hochzeit insgesamt vor allem für mich eine Herausforderung in Bezug auf die unterschiedlichen Erwartungshaltungen unserer Familien & Freunde war, so sind wir uns treu geblieben. Im Nachgang gab es viele Missverständnisse, aber auch die konnten aufgeklärt werden. Hier und hier habe ich ein bisschen dazu geschrieben.


Ein Jahr des Wachstums & der Authentizität

Für mich war 2019 vor allem ein Jahr des Wachstums und der Authentizität in Bezug auf meine eigene Wahrheit. Ich habe gelernt (und lerne weiterhin!) zu mir und meinen Entscheidungen zu stehen und mir treu zu bleiben. Die Angst davor, dadurch Menschen zu verlieren, die mir wichtig sind, ist kleiner geworden. Aber es hat sich auch ganz deutlich gezeigt, dass diese Angst nicht unbegründet ist. So wurde mir aber nochmal klar, dass es nicht darum geht, andere zufrieden zu stellen, sondern mir selbst treu zu bleiben und nicht aus falscher Loyalität an etwas festzuhalten, aus dem ich heraus gewachsen bin.

Ich habe noch nie so sehr meinen Weg verfolgt und meine Wahrheit gelebt wie in diesem Jahr. An der ein oder anderen Stelle hat das dazu geführt, dass ich das erste Mal in meinem Leben als egoistisch bezeichnet wurde. Für mich als jemand, der immer alles nur für andere getan hat und ständig Angst davor hatte, etwas falsch zu tun, tatsächlich ein Kompliment.

Gerade auch weil das, was als egoistisch bezeichnet wurde, für mich absolut keinen negativen Beigeschmack hat. Das Wort kam insbesondere dann ins Spiel, als ich klar machte, dass nur ich über meine Zeit und darüber, wie / mit wem ich diese Zeit verbringen möchte, bestimme. Für mich hat das nichts mit Egoismus, sondern mit Selbstfürsorge zu tun. Warum sollte ich meine Zeit ungewollt mit etwas verbringen, das mir nicht gut tut oder für das ich mich verstellen oder gar verraten müsste?


Ich bin in vielen Bereichen über mich hinaus gewachsen, habe mich weiter entwickelt, viel gelernt und werde sicherer damit, zu sein, wer ich nun mal bin. Mit all den Konsequenzen die das, insbesondere für mein “altes Leben”, mit sich bringt.

Ich freue mich auf 2020. Ein neues Jahrzehnt bricht an. Mit neuen Themen, neuen Herausforderungen, neuen Wege, neuen Menschen, neuen Lehren, neuen Erfahrungen, neuen Gefühlen und neuer Freiheit. Vor ein paar Jahren habe ich gesagt: “2020 ziehen wir nach Bayern, das ist unser Ziel.” Ich bin gespannt, ob das Leben diesem Ziel schon jetzt zustimmen möchte.

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Über den Autor

Sandra Stüber

[Sinnn­flu­en­cerin]
Person, die [in sozialen Netzwerken] Menschen mit großer Vorliebe zum Nachdenken anregt und mit unterschiedlichen Themen inspiriert

2 Kommentare

  • Liebe Sandra, ich danke dir für ein tolles Jahr voller Inspiration und vielen aha Momenten. Ich wünsche dir und deiner Familie ein schönes Weihnachtsfest und das 2020 noch schöner wird. Liebe Grüße Catharina

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